Aufbruch in die Freiheit

Zeiten der Reife

Die Zeit der Jugendweihen steht an. Seit nunmehr über 170 Jahren wird das Pendant zur kirchlichen Konfirmation hierzulande gefeiert und läutet den Übergang vom Kindesalter zum Erwachsenwerden ein. Vergangenes Wochenende war es so weit, mein Versprechen musste eingelöst werden. Mir wurde die Ehre zuteil, der Auserwählte zu sein, eben jenes Ereignis fotografisch festzuhalten.

Zoé ist die Stieftochter meines loyalen Kumpanen Bert, mit dem ich schon seit fast zwei Jahren das Volleyballfeld teile. Er vertraut mir – und genau deshalb lag mir auch etwas daran, das Ganze ordentlich umzusetzen. Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass das Ergebnis seinem Anspruch gerecht wird.

Der Morgen beginnt

Ich stand gut gelaunt auf. Kein Kampf mit dem Wecker, kein langsames Hochfahren – eher direkt wach. So eine Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung, weil man weiß: Heute kommt es drauf an.

Gegen neun Uhr sollte ich bei ihm sein. Also nochmal alles gecheckt – Kameras, Akkus, Gimbal. Nichts ist nerviger, als vor Ort festzustellen, dass irgendwas fehlt oder nicht funktioniert. Danach ging’s los.

Eintreffen

Die Sonne war schon früh am Start und machte klar: Das hier wird ein guter Tag.
Schließlich erreichte ich mein Ziel pünktlich und wurde herzlich von seiner gesamten Familie empfangen. Seine bessere Hälfte Lisa, seine kleine Tochter Leni und schließlich die Hauptattraktion Zoé, die heute ihren großen Tag hat. Ach so, es gab da noch „Keks“, dies war ihr kleinster Mitbewohner: ein Hund. Ein Tier regt automatisch immer an, die Kamera zu zücken, weswegen dieser natürlich auch relativ häufig den Platz auf meiner SD-Karte verbrauchte.

Zoé & Keks

Ich war noch nie in Berts Wohnung, geschweige denn sein Anwesen, welches er sich gerade aufbaut und auf dem später auch die Feier samt aller Familienmitglieder stattfinden sollte. Er führte mich herum. Ausreichend, aber ich konnte nachvollziehen, dass es für vier Personen plus einem Hund vielleicht dann doch etwas zu klein ist und er sich ein neues Zuhause aufbauen möchte. Das Herzstück war sein Arbeitszimmer. Als ich eintrat, überkam mich sofort ein Gefühl der Ferne, als wäre ich in einer Art irischem Pub gelandet. Herrlich nordisches Grün, was mich sofort an die unendlichen Weiten der Highlands erinnerte. Doch damit nicht genug, denn eine Wand war übersät mit „O´Donnell“ Spirituosen, die ganz offensichtlich Berts Leidenschaft sind und sich hervorragend in das Zimmer einfügen.

Die Zeit verging. Ich machte hier und da Momentaufnahmen von allen Beteiligten. Ich dachte mir, irgendwas wird schon dabei sein, was ich am Ende verwerten kann. Gegen elf Uhr ging es dann zum Bäcker gegenüber. Ziemlich praktisch muss ich sagen. Zeit, die überdimensionale Torte und den Kuchen abzuholen, den es nach der großen Feier am Nachmittag zu vertilgen gilt. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mitzugehen um den einen oder anderen Augenblick festzuhalten.

Auf zur Jugendweihe

Dann ging es los. Die Familie eingesackt, fuhren wir ins örtliche Stadthaus um uns der offiziellen Jugendweihe zu widmen. Dort trafen nach und nach die ersten Verwandten ein. Kurze Begrüßung, ein bisschen Orientierung – dann habe ich die Gruppe erstmal in den Park geschickt.

Licht passte, Umgebung passte. Also Fotos. Ja, auch die gestellten. Nicht mein Lieblingsding, aber gehört dazu.

Zoé und ihr leiblicher Vater

Die Zeit verging. Dann ging es weiter. Wir liefen zum Stadthaus. Doch dann wurde mir ein nicht ganz unwichtiges Detail übermittelt: Es durften keine Aufnahmen von Externen gemacht werden. Keine Handyaufnahmen, keine Fotografen, gar nichts. Ehm..ja, also wurde offensichtlich nur ein leibeigener Fotograf in den heiligen Hallen geduldet, der seine unbekannte Ausbeute Wochen später höchst bietend verkaufen darf. Klasse Erfolgsrezept! Okay. Warten wollte ich hier nicht, also einigten wir uns, dass ich nach Hause fahre und auf einen Anruf warte, bis es weiter geht.

Zwischenstopp

Als ich zu Hause ankam, sah ich das Positive darin: Ich konnte mich an die bereits geschossenen Bilder machen und somit Zeit sparen. Also ran an den Rechner, die ersten hundert Bilder auf den Desktop gezogen und ausgewertet, wie viel Prozent brauchbares Material vorhanden war. Außerdem konnte ich somit meine SD-Karte wieder entschlacken. Hat auch was Gutes: Karte wieder frei, Kopf wieder klar, zweiter Teil kann kommen.

Auf zur Abendsession

Gegen zwei kam der Anruf. Ich kann zum Grundstück kommen. Also wieder alles gepackt und los. Von Weitem war schon der Rundbogen samt hunderter Ballons zu sehen, naja vielleicht etwas übertrieben, aber es war nicht zu übersehen.

Ich war das erste Mal dort. Großes Gelände, noch nicht fertig, aber man sieht sofort, was daraus werden soll. Das Zelt war fertig aufgebaut, die ersten Gäste waren schon da. Und dann ging’s los: immer mehr Leute, Kinder, Hunde, Gespräche aus allen Richtungen. Dieses typische Durcheinander, das sich irgendwann von selbst sortiert.

Ich habe währenddessen wieder angefangen zu fotografieren und das ein oder andere Video gemacht. Viele der Gruppen, die ich dort aufgenommen habe, werden so wahrscheinlich nicht so schnell wieder zusammenkommen.

Gruppenbilder im Garten
Gedanken zwischendurch

Zwischen den Bildern hatte ich immer wieder dieselben Gedanken. Wenn man sich die Kinder anschaut – diese Offenheit, diese Unbeschwertheit – dann fragt man sich schon, was da eigentlich auf sie zukommt. Die Welt wirkt im Moment nicht unbedingt stabil. Eher im Gegenteil. Und genau da wachsen sie hinein. Ich habe Zoé in ihr Buch geschrieben, dass sie kritisch bleiben soll. Nicht alles schlucken. Selbst denken. Mehr kann man eigentlich kaum mitgeben.

Und dann ist da Bert. Kein Mann großer Inszenierungen, aber einer, der da ist. Seit über zehn Jahren begleitet er Zoé. Er hat in seinem Status ein paar Erinnerungen festgehalten – Erinnerungen an früher, an kleine Momente, an Entwicklungen. Dinge wie ihre ersten Schwimmversuche, das Fahrradfahren oder ihre Einschulung. Gerade an so einem Tag wird einem ganz offensichtlich bewusst, wie viel Zeit eigentlich schon vergangen ist.
Und während Zoé heute einen Schritt weitergeht, wird gleichzeitig klar, dass genau diese Zeit nicht wiederkommen wird.

Ausklang

Der Abend lief einfach weiter. Es wurde gegessen, getrunken, erzählt, ich habe viele Gruppenbilder gemacht und zwischendurch immer wieder einzelne Momente festgehalten. Irgendwann habe ich die Kamera zur Seite gelegt und mich um die Musik gekümmert, bin ins Gespräch gekommen und war einfach Teil des Ganzen.

Nach und nach gingen die Leute. Erst die einen, dann die nächsten, bis es immer ruhiger wurde. Am Ende standen wir noch am Feuer und ließen den Abend ausklingen.

Ich war der Letzte, der ging. Wir haben uns verabschiedet und Bert und seine Familie haben sich bedankt.

Zoé, geh deinen Weg und denke selbst. Hinterfrag Dinge, triff deine eigenen Entscheidungen und mach dein Ding.

Und damit endet dieser Tag, der für dich mehr war als nur eine Feier – sondern der Anfang von etwas Neuem: Dein Aufbruch in die Freiheit.

2 thoughts on “Aufbruch in die Freiheit

  1. Hallo lieber Ulli,
    schön, wieder etwas von Dir zu lesen und besonders zu sehen. Zoe kann sich glücklich schätzen,. Solche schönen, einmaligen Eindrücke hätte ich auch gern gehabt. Deine Bilder zaubern mir immer ein Lächeln ins Gesicht und auch ein Staunen für den richtigen Moment. Gerne mehr! LG Petra

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