Sterbehilfe

Zwischen Leben und selbstbestimmtem Tod

Es gibt Tage, die sich unwirklich anfühlen. Tage, die man wahrscheinlich nie wieder vergisst. Dieser Samstag war so ein Tag. Ich begleitete meinen Vater ins Erzgebirge, wo mein Opa freiwillig aus dem Leben gehen wollte – begleitet von einem Arzt, vollkommen legal und aus eigener Entscheidung heraus.

Was ich dort erlebt habe, war schockierend, surreal, traurig, aber gleichzeitig auch friedlich und nachvollziehbar. Dieser Artikel soll weder provozieren noch überzeugen. Er soll einfach zeigen, wie so etwas tatsächlich abläuft und was es mit den Menschen macht, die dabei sind.

Ein weiterer Abschied

Es ist Mai. Der vorletzte Tag des Monats. Samstag. Ein einzigartiger Tag stand dem kleinen Rest meiner Familie bevor. An diesem Tag würde der Vater meines Vaters freiwillig einschlafen.

Schon einmal ereilte einen Teil meiner Familie dieses selbst gewählte Schicksal: meine Mutter im vergangenen Jahr. Es war ihr ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass ich vorher nichts davon erfahre. Nach langem Ringen gewährte mein Vater ihr schweren Herzens den Wunsch, die Bühne des Lebens freiwillig zu verlassen. Die Schmerzen waren unerträglich geworden, Hilfe unmöglich. Erst im Nachhinein erfuhr ich davon. Es war das erste Mal, dass mich etwas wirklich komplett aus der Bahn geworfen hat. Und trotzdem verstand ich es. Vor allem konnte ich es nachvollziehen.

Nun war ein Jahr vergangen und auch mein Opa wollte nicht mehr. Anders als meine Mutter hatte er ein hohes Alter erreicht. 89 Jahre verweilte er nun auf dieser Erde und spürte, dass seine Zeit einfach gekommen war. Chronische Schmerzen, schwindendes Augenlicht, regelmäßige Stürze und das Gefühl, anderen nur noch zur Last zu fallen, hatten ihn zu dieser Entscheidung bewogen.

Kurz nach dem Tod meiner Mutter nahm er Kontakt zu jenem Arzt auf, der sie damals begleitet hatte. Er wollte wissen, wie so etwas abläuft. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Ob das überhaupt erlaubt ist. Fragen, die sich vermutlich jeder stellt, der sich das erste Mal mit diesem sensiblen Thema beschäftigt.

Dabei wird in Deutschland kaum offen darüber gesprochen. Das Urteil aus Karlsruhe aus dem Jahr 2020 schuf dafür eine neue rechtliche Grundlage, doch vielen Menschen ist das bis heute kaum bekannt. Selbst Pflegeheime, Polizei oder Bestattungsunternehmen reagieren oft überrascht.

Der Gang nach Canossa

Nun war es also soweit. Erst wollte ich gar nicht mitfahren. Einen Toten hatte ich zuvor nur im Fernsehen gesehen und außerdem hatte mir das Ganze rund um meine Mutter eigentlich schon gereicht. Doch kurz vorher überlegte ich es mir anders. Ich wollte meinen Vater damit nicht alleine lassen. Vielleicht, dachte ich, hilft es mir auch selbst dabei, das alles besser zu verstehen.

Neun Uhr sollte Dr. Burkard kommen, um meinem Opa die gewünschte Hilfe zu leisten. Mein Opa Rolf lebte zu diesem Zeitpunkt seit zwei Jahren in einem Pflegeheim in Aue – dort, wo laut Franz Beckenbauer das schönste Fußballstadion Deutschlands stehen soll. Heimat meines Vaters. Ein wunderschöner Landstrich mit freundlichen Menschen und einem ganz eigenen Dialekt, der oft belächelt wird.

Um sechs Uhr morgens holte mich mein Vater in Wittenberg ab. Zwei bis drei Stunden Fahrt lagen vor uns. Er sagte, er sei froh, das nicht alleine durchstehen zu müssen. Ich wusste selbst noch gar nicht, was mich erwarten würde.

Es war ein wunderschöner Tag. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Die Straßen waren nahezu leer und wir kamen viel schneller voran als gedacht. Natürlich waren wir viel zu früh dran. Also beschlossen wir, vorher noch nach Bad Schlema zu fahren – dorthin, wo seit vergangenem Jahr die Mutter meines Vaters begraben liegt.

Der Friedhof dort ist wirklich wunderschön. Liebevoll bepflanzt, gepflegt und umgeben von einer besonderen Architektur. Ein stiller Ort mit erstaunlich friedlicher Atmosphäre.

Irgendwann wurde es Zeit weiterzufahren..

Ankunft im Pflegeheim

Gegen halb neun erreichten wir das Pflegeheim. Die Sonne schien bereits warm auf den Innenhof. Einige Bewohner saßen draußen, rauchten oder genossen einfach die frische Morgenluft. Manche unterhielten sich, andere blickten einfach still vor sich hin.

Mein Vater lief zielstrebig zum Fahrstuhl. Ich hinterher. Erst als sich die Türen schlossen, merkte man, wie angespannt er eigentlich war. Die ganze Fahrt über hatte er versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Doch jetzt wurde es plötzlich still zwischen uns. Es wirkte tatsächlich wie sein persönlicher Gang nach Canossa.

Dritte Etage. Die Fahrstuhltüren öffneten sich langsam. Im Vorbeigehen grüßten wir freundlich das Pflegepersonal. Aus der Küche roch es nach Kaffee. Einige Bewohner saßen dort bereits zusammen und frühstückten. Ganz hinten am Ende des Flures lag das Zimmer meines Opas. Mein Vater klopfte kurz und ging hinein. Mein Opa saß im Sessel. Als er meinen Vater sah, freute er sich sofort. Doch als er bemerkte, dass ich ebenfalls mitgekommen war, wurde seine Freude noch größer.

„Na du bist ja auch da!“ Er wirkte richtig glücklich. Mein Vater setzte sich aufs Bett, ich mich auf einen Stuhl daneben. Das Zimmer war klein, aber gemütlich eingerichtet. Alles wirkte ordentlich und sauber. An den Wänden hingen Bilder aus besseren Zeiten: Familienfotos, Aufnahmen meiner Eltern, seine verstorbene Frau, seine Freundin Bärbel. Zunächst wurde noch gescherzt. Für einen kurzen Moment fühlte sich alles fast wie ein normaler Besuch an. Doch irgendwann wurde das Gespräch ernster. Mein Vater fragte ihn noch einmal, ob er sich wirklich sicher sei. „Ja“, sagte er ruhig. „Ich bin durch. Es reicht.“

Danach sprach er viel über die Welt, über Nachrichten, über Kriege und gesellschaftliche Entwicklungen. Aber vor allem sagte er immer wieder, dass er froh sei, seine Zeit erlebt zu haben und uns nicht beneide. Früher habe man vielleicht weniger gehabt, aber vieles sei einfacher und unbeschwerter gewesen.

Das Aufeinandertreffen

Kurz nach neun klopfte es erneut. Dr. Burkard und seine Assistentin Frau Müller betraten den Raum. Die Begrüßung wirkte herzlich und vertraut. Schließlich war er es auch gewesen, der meine Mutter damals begleitet hatte. Zum ersten Mal lernte ich die beiden persönlich kennen. Freundlich, offen und erstaunlich ruhig. Man merkte sofort, dass Dr. Burkard genau wusste, was er tat. Keine Hektik. Keine Unsicherheit. Eher die Ausstrahlung eines Menschen, der diese Situationen schon oft erlebt hatte. Mein Opa lächelte, als er ihn sah. Fast erleichtert.

Während Frau Müller die Unterlagen vorbereitete, ging Dr. Burkard ins Bad, um die Infusion herzurichten. Alles wirkte routiniert und gleichzeitig erstaunlich ruhig. Es handelte sich um ein überdosiertes Narkosemittel, das zu einem friedlichen Einschlafen führen sollte.

Der letzte Akt

Als alles vorbereitet war, setzte sich der Arzt neben meinen Opa. Wir verabschiedeten uns. Ich drückte ihn noch einmal. „Bleibt stark. Alles Gute für euch“, sagte er. Er trank noch einen Schluck Wasser und aß ein Stück Schokolade. Ein Moment, der mir im Kopf bleiben wird, weil er gleichzeitig so alltäglich und so endgültig wirkte.

Danach legte Dr. Burkard die Kanüle an. Zunächst wurde Kochsalzlösung verabreicht, um sicherzugehen, dass die Infusion richtig lag. „Da wache ich morgen nicht mehr auf, hoffe ich?“, fragte mein Opa mit einem kleinen Lächeln. „Nein, keine Sorge“, antwortete der Arzt ruhig.

Noch einmal fragte er ihn, ob er sich wirklich sicher sei. Er hätte jederzeit Nein sagen können. Doch mein Opa blieb bei seiner Entscheidung. Dann bekam er die Infusion in die Hand. Er musste den Vorgang selbst auslösen – bei vollem Bewusstsein und aus freiem Willen. Der Arzt hob die Infusion leicht an. Das Mittel begann langsam zu laufen. „Sie schlafen gleich ein“, sagte er leise. „Gute Reise“, ergänzte Frau Müller.

Wenige Augenblicke später schlief mein Opa ein. Eben hatten wir noch miteinander gesprochen und plötzlich war einfach Ruhe. Kurz darauf hörte sein Herz auf zu schlagen.

„Jetzt ist er erlöst“, sagte Dr. Burkard.

Was ich empfand

Es war surreal. Noch wenige Minuten zuvor hatten wir geredet und gelacht. Nun lag er regungslos vor uns. Und trotzdem war ich erstaunlich gefasst. Vielleicht auch deshalb, weil ich spürte, wie überzeugt er selbst von seiner Entscheidung gewesen war. Er wollte nicht mehr leiden. Nicht abhängig werden. Nicht nur noch existieren. Vor allem wirkte alles friedlich. Kein Kampf. Keine Panik. Keine Qualen. Jeder hatte Zeit, sich zu verabschieden. Dinge zu regeln. Noch einmal miteinander zu reden. Und vor allem wirkte der Mensch, der ging, vollkommen ruhig.

Danach

Anschließend informierte Dr. Burkard die Kriminalpolizei. Der Beamte am Telefon kannte solche Fälle offenbar bereits und kündigte an, einen Kollegen vorbeizuschicken.

Frau Müller und ich gingen derweil etwas spazieren – gemeinsam mit ihren beiden Rauhaardackeln, die sie auf solchen Fahrten immer begleiten und währenddessen im Auto gewartet hatten. Wir unterhielten uns über ihre Heimat, ihre Tochter und darüber, wie sie überhaupt zu diesem Thema gekommen war. Ihr eigener Vater sei unter großen Qualen gestorben. Das habe ihre Sicht auf das Thema Sterbehilfe grundlegend verändert. Sie erzählte mir auch, dass viele Menschen an solchen Tagen regelrecht aufblühen. Manche ziehen ihre beste Kleidung an, andere veranstalten kleine Abschiedsfeiern oder verabschieden sich gemeinsam mit ihren Partnern.

Doch es gebe auch Fälle, in denen Menschen ihre Entscheidung kurzfristig zurückziehen oder Angehörige plötzlich Einspruch erheben. In solchen Situationen werde der Vorgang sofort abgebrochen. Später fragte ich Dr. Burkard, ob er keine Angst vor rechtlichen Konsequenzen habe. „Nein“, sagte er ruhig. „Es ist absolut legal. Aber viele Einrichtungen wollen mit dem Thema nichts zu tun haben.“

Polizei, Bestatter und letzter Abschied

Wenig später traf die Kriminalpolizei ein. Ein junger, sehr freundlicher Beamter nahm die Unterlagen entgegen und dokumentierte den Fall. Auch das Pflegepersonal wirkte überrascht. Besonders einer jungen Pflegerin merkte man an, wie nah ihr die Situation ging. Für viele dort war das offenbar Neuland.

Etwa eine Stunde später erschien schließlich das ortsansässige Bestattungsunternehmen Mühlig. Nachdem mein Opa vorbereitet worden war, durften wir noch einmal hinein. Sie hatten ihn wirklich würdevoll hergerichtet. Frische Kleidung, gefaltete Hände, Blumen zwischen den Fingern. Dann verabschiedeten wir uns ein letztes Mal. Der Sarg wurde geschlossen.

Heimreise und letzte Gedanken

Gegen Mittag war alles vorbei. Wir verabschiedeten uns von der Pflegeleitung, dem äußerst einfühlsamen Bestattungsunternehmen sowie dem Polizisten und fuhren wieder Richtung Heimat. Ein wirklich ereignisreicher Tag, der einiges hinterlässt. Mein Vater bedankte sich noch einmal bei mir, dass ich mitgekommen war. Ich hätte das Ganze etwas aufgelockert, sagte er, was gut gewesen sei.

Unterwegs gingen wir noch etwas essen. Biergarten. Schnitzel. Zwei Staropramen.

Wir stießen an. „Vielleicht schaut er uns schon zu“, sagte mein Vater leise. „Auf dein Wohl, Vater.“

Heute ist der Tag danach und die Zeilen fließen nur so aus mir heraus. Vielleicht auch, weil mir dieses Thema inzwischen wirklich wichtig geworden ist.

Ich weiß, dass viele Menschen damit Probleme haben werden. Andere werden es vielleicht nachvollziehen können. Doch unabhängig davon finde ich, dass in Deutschland viel offener darüber gesprochen werden sollte.

Dieser Artikel soll vor allem zeigen, wie so ein Tag tatsächlich aussehen kann. Ohne große Dramatisierung. Ohne politische Agenda. Einfach als persönliche Erfahrung.

Und vielleicht ist er auch ein kleines Denkmal für meine Familie.

Gern hätte ich schon damals über meine Mutter geschrieben. Doch erstens traf mich das damals viel zu sehr und zweitens war ich selbst nicht dabei. Ich konnte mir nur schemenhaft vorstellen, wie alles abgelaufen sein musste.

Deshalb möchte ich wenigstens noch ein paar Bilder meiner Mutter in diesem Zusammenhang verlinken, um ihr damit wenigstens ein kleines Stück gerecht zu werden. Es handelt sich um einen Artikel, den ich 2020 zum Hochzeitstag meiner Eltern veröffentlicht habe – aus einer Zeit, in der es ihr noch etwas besser ging, bevor ihre Krankheit immer schlimmer wurde:

>>Link

Meine Mutter und mein Opa in unbeschwerten Zeiten

Wer mehr Informationen über Dr. Burkard, den Ablauf oder rechtliche Fragen erhalten möchte, dem empfehle ich die Website des Doktors:

https://freitodbegleiter.info

Gute Reise, Opa!

Aufbruch in die Freiheit

Zeiten der Reife

Die Zeit der Jugendweihen steht an. Seit nunmehr über 170 Jahren wird das Pendant zur kirchlichen Konfirmation hierzulande gefeiert und läutet den Übergang vom Kindesalter zum Erwachsenwerden ein. Vergangenes Wochenende war es so weit, mein Versprechen musste eingelöst werden. Mir wurde die Ehre zuteil, der Auserwählte zu sein, eben jenes Ereignis fotografisch festzuhalten.

Zoé ist die Stieftochter meines loyalen Kumpanen Bert, mit dem ich schon seit fast zwei Jahren das Volleyballfeld teile. Er vertraut mir – und genau deshalb lag mir auch etwas daran, das Ganze ordentlich umzusetzen. Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass das Ergebnis seinem Anspruch gerecht wird.

Der Morgen beginnt

Ich stand gut gelaunt auf. Kein Kampf mit dem Wecker, kein langsames Hochfahren – eher direkt wach. So eine Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung, weil man weiß: Heute kommt es drauf an.

Gegen neun Uhr sollte ich bei ihm sein. Also nochmal alles gecheckt – Kameras, Akkus, Gimbal. Nichts ist nerviger, als vor Ort festzustellen, dass irgendwas fehlt oder nicht funktioniert. Danach ging’s los.

Eintreffen

Die Sonne war schon früh am Start und machte klar: Das hier wird ein guter Tag.
Schließlich erreichte ich mein Ziel pünktlich und wurde herzlich von seiner gesamten Familie empfangen. Seine bessere Hälfte Lisa, seine kleine Tochter Leni und schließlich die Hauptattraktion Zoé, die heute ihren großen Tag hat. Ach so, es gab da noch „Keks“, dies war ihr kleinster Mitbewohner: ein Hund. Ein Tier regt automatisch immer an, die Kamera zu zücken, weswegen dieser natürlich auch relativ häufig den Platz auf meiner SD-Karte verbrauchte.

Zoé & Keks

Ich war noch nie in Berts Wohnung, geschweige denn sein Anwesen, welches er sich gerade aufbaut und auf dem später auch die Feier samt aller Familienmitglieder stattfinden sollte. Er führte mich herum. Ausreichend, aber ich konnte nachvollziehen, dass es für vier Personen plus einem Hund vielleicht dann doch etwas zu klein ist und er sich ein neues Zuhause aufbauen möchte. Das Herzstück war sein Arbeitszimmer. Als ich eintrat, überkam mich sofort ein Gefühl der Ferne, als wäre ich in einer Art irischem Pub gelandet. Herrlich nordisches Grün, was mich sofort an die unendlichen Weiten der Highlands erinnerte. Doch damit nicht genug, denn eine Wand war übersät mit „O´Donnell“ Spirituosen, die ganz offensichtlich Berts Leidenschaft sind und sich hervorragend in das Zimmer einfügen.

Die Zeit verging. Ich machte hier und da Momentaufnahmen von allen Beteiligten. Ich dachte mir, irgendwas wird schon dabei sein, was ich am Ende verwerten kann. Gegen elf Uhr ging es dann zum Bäcker gegenüber. Ziemlich praktisch muss ich sagen. Zeit, die überdimensionale Torte und den Kuchen abzuholen, den es nach der großen Feier am Nachmittag zu vertilgen gilt. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mitzugehen um den einen oder anderen Augenblick festzuhalten.

Auf zur Jugendweihe

Dann ging es los. Die Familie eingesackt, fuhren wir ins örtliche Stadthaus um uns der offiziellen Jugendweihe zu widmen. Dort trafen nach und nach die ersten Verwandten ein. Kurze Begrüßung, ein bisschen Orientierung – dann habe ich die Gruppe erstmal in den Park geschickt.

Licht passte, Umgebung passte. Also Fotos. Ja, auch die gestellten. Nicht mein Lieblingsding, aber gehört dazu.

Zoé und ihr leiblicher Vater

Die Zeit verging. Dann ging es weiter. Wir liefen zum Stadthaus. Doch dann wurde mir ein nicht ganz unwichtiges Detail übermittelt: Es durften keine Aufnahmen von Externen gemacht werden. Keine Handyaufnahmen, keine Fotografen, gar nichts. Ehm..ja, also wurde offensichtlich nur ein leibeigener Fotograf in den heiligen Hallen geduldet, der seine unbekannte Ausbeute Wochen später höchst bietend verkaufen darf. Klasse Erfolgsrezept! Okay. Warten wollte ich hier nicht, also einigten wir uns, dass ich nach Hause fahre und auf einen Anruf warte, bis es weiter geht.

Zwischenstopp

Als ich zu Hause ankam, sah ich das Positive darin: Ich konnte mich an die bereits geschossenen Bilder machen und somit Zeit sparen. Also ran an den Rechner, die ersten hundert Bilder auf den Desktop gezogen und ausgewertet, wie viel Prozent brauchbares Material vorhanden war. Außerdem konnte ich somit meine SD-Karte wieder entschlacken. Hat auch was Gutes: Karte wieder frei, Kopf wieder klar, zweiter Teil kann kommen.

Auf zur Abendsession

Gegen zwei kam der Anruf. Ich kann zum Grundstück kommen. Also wieder alles gepackt und los. Von Weitem war schon der Rundbogen samt hunderter Ballons zu sehen, naja vielleicht etwas übertrieben, aber es war nicht zu übersehen.

Ich war das erste Mal dort. Großes Gelände, noch nicht fertig, aber man sieht sofort, was daraus werden soll. Das Zelt war fertig aufgebaut, die ersten Gäste waren schon da. Und dann ging’s los: immer mehr Leute, Kinder, Hunde, Gespräche aus allen Richtungen. Dieses typische Durcheinander, das sich irgendwann von selbst sortiert.

Ich habe währenddessen wieder angefangen zu fotografieren und das ein oder andere Video gemacht. Viele der Gruppen, die ich dort aufgenommen habe, werden so wahrscheinlich nicht so schnell wieder zusammenkommen.

Gruppenbilder im Garten
Gedanken zwischendurch

Zwischen den Bildern hatte ich immer wieder dieselben Gedanken. Wenn man sich die Kinder anschaut – diese Offenheit, diese Unbeschwertheit – dann fragt man sich schon, was da eigentlich auf sie zukommt. Die Welt wirkt im Moment nicht unbedingt stabil. Eher im Gegenteil. Und genau da wachsen sie hinein. Ich habe Zoé in ihr Buch geschrieben, dass sie kritisch bleiben soll. Nicht alles schlucken. Selbst denken. Mehr kann man eigentlich kaum mitgeben.

Und dann ist da Bert. Kein Mann großer Inszenierungen, aber einer, der da ist. Seit über zehn Jahren begleitet er Zoé. Er hat in seinem Status ein paar Erinnerungen festgehalten – Erinnerungen an früher, an kleine Momente, an Entwicklungen. Dinge wie ihre ersten Schwimmversuche, das Fahrradfahren oder ihre Einschulung. Gerade an so einem Tag wird einem ganz offensichtlich bewusst, wie viel Zeit eigentlich schon vergangen ist.
Und während Zoé heute einen Schritt weitergeht, wird gleichzeitig klar, dass genau diese Zeit nicht wiederkommen wird.

Ausklang

Der Abend lief einfach weiter. Es wurde gegessen, getrunken, erzählt, ich habe viele Gruppenbilder gemacht und zwischendurch immer wieder einzelne Momente festgehalten. Irgendwann habe ich die Kamera zur Seite gelegt und mich um die Musik gekümmert, bin ins Gespräch gekommen und war einfach Teil des Ganzen.

Nach und nach gingen die Leute. Erst die einen, dann die nächsten, bis es immer ruhiger wurde. Am Ende standen wir noch am Feuer und ließen den Abend ausklingen.

Ich war der Letzte, der ging. Wir haben uns verabschiedet und Bert und seine Familie haben sich bedankt.

Zoé, geh deinen Weg und denke selbst. Hinterfrag Dinge, triff deine eigenen Entscheidungen und mach dein Ding.

Und damit endet dieser Tag, der für dich mehr war als nur eine Feier – sondern der Anfang von etwas Neuem: Dein Aufbruch in die Freiheit.

Liebe ist ein Fundament

Ein Tag, der zeigt, dass es nicht um den Anfang geht, sondern darum, gemeinsam weiterzugehen.

Ein ganz besonderer Gründonnerstag

Es ist Ostern. Die Sonne scheint endlich ausgiebig. Der perfekte Tag, um zu heiraten. Susi und Andy sind Freunde von Freunden, die ich zur Trauung festhalten sollte. Man hat mich gefragt und ich habe spontan zugesagt. Also Kameras eingepackt und gewartet auf Carsten, meinen Volleyballkumpanen, der mich samt des Bräutigams abholte.

Wir begrüßten uns und ich fragte, warum es unbedingt dieses Datum sein soll. Die Antwort war einfach und gleichzeitig besonders: Beide haben am Gründonnerstag Geburtstag. Damit war klar – genau dieser Tag musste es sein. In Wittenberg gab es keinen freien Termin mehr. Also fuhren wie ins etwa zwanzig Kilometer entfernte Bad Schmiedeberg.

Früh um zehn ging es los. Eine Stunde blieb noch bis zur Trauung. Andy war aufgeregt, das hat man gemerkt. Aber da war auch viel Vorfreude. Nach vierzehn Jahren Beziehung, mit allem was dazugehört, jetzt diesen Schritt zu gehen – das ist kein kleiner Moment. Für Susi war das lange kein Thema. Heiraten musste für sie nicht sein. Erst ein familiärer Schicksalsschlag Anfang des Jahres hat etwas verändert. Plötzlich wird einem bewusst, wie schnell sich alles drehen kann. Wie schnell Dinge vorbei sein können. Also warum dann nicht den Schritt einfach wagen? Man lebt nur einmal.

Ankunft im Rathaus

Wir fuhren im Konvoi. Die Braut und der Anhang samt Freunden waren in den anderen Autos, die Carsten hinterherfuhren.

In Bad Schmiedeberg angekommen, begrüßten wir uns erst einmal, bevor wir direkt ins Rathaus gingen. Gerade noch pünktlich eingetroffen, wurden wir freundlich von der Standesbeamtin empfangen. Sie erklärte den Ablauf und ließ mir die Zeit, mich umzusehen. Wo kann ich stehen, ohne zu stören? Wo fällt das Licht gut? Welche Perspektiven funktionieren? Man schaut sich das an, ohne groß aufzufallen – einfach, um bereit zu sein, wenn es losgeht.

Der Trauungsraum im Standesamt
Wenn der Moment beginnt

Dann war es soweit. Die Türen öffneten sich und das Brautpaar betrat den Raum. Vor ihnen die Standesbeamtin, dahinter Familie und Freunde. Gespräche verstummten, alle richteten den Blick nach vorne. Man hat sofort gemerkt: Jetzt geht es los.

Susi und Andy nahmen vorne Platz, die Trauzeugen neben ihnen. Vierzehn Jahre stehen da auf einmal im Raum. Dinge, die man nicht sieht, aber spürt.

Die Standesbeamtin begann zu sprechen. Ruhig, ohne Hektik, vom Kennenlernen, vom gemeinsamen Weg und von den Jahren, die hinter ihnen liegen. Keine Standardrede, sondern etwas, das zu ihnen passt. Sie sprach davon, dass Liebe nicht nur aus den leichten Momenten besteht, sondern davon, dass man sich immer wieder neu füreinander entscheidet – und dass genau darin ihre Stärke liegt.

Zwischendurch zitierte sie Dichter aus vergangenen Zeiten. Worte, die man vielleicht schon einmal gehört hat, die aber in diesem Moment Gewicht bekommen haben. Ich bewegte mich währenddessen durch den Raum, suchte Blickwinkel und versuchte unauffällig zu bleiben, bis der Boden unter mir anfing zu knarzen. Ein kurzer Hinweis – also setzte ich mich und wartete.

Der Augenblick, der alles trägt

Dann kam der Moment. Alle standen auf, die Ringe wurden gereicht – und genau da setzte das Lieblingslied von Susi ein: Liebe ist ein Fundament. Das hat gesessen und hat mich inspiriert, diesen Artikel danach zu benennen. Schon Wahnsinn, welche Qualität die Künstliche Intelligenz mittlerweile erschaffen kann.

Der Kuss folgte kurz darauf und man hat gemerkt, wie sich die Stimmung im Raum verändert. Die Musik, der Moment, die Menschen – alles kam zusammen. Hier und da Tränen, keine großen Gesten, sondern ehrliche Reaktionen.

Danach wurde unterschrieben. Susi und Andy, die Trauzeugen und auch Lina. Ein kleiner Moment, der viel sagt, weil sie nicht einfach dabei ist, sondern dazugehört.

Anschließend wurde sich umarmt, gratuliert und miteinander gesprochen. Die Spannung fiel ab, alles wurde lockerer. Schließlich war die Zeremonie vorbei und wir verabschiedeten uns alle von der freundlichen Standesbeamtin.

Lina unterschreibt die Unterlagen
Ein Ort zum Loslassen

Vor dem Rathaus blieb die Gruppe noch eine Weile zusammen stehen. Keiner hatte es eilig zu gehen, die Sonne stand gut und die Stimmung war gelöst. Man merkte, dass alle diesen Moment noch ein wenig genießen wollten.

Eigentlich sollte ich nur die Trauung festhalten, aber ich schlug trotzdem vor, noch zum Schloss Reinharz zu fahren, um den Tag nicht direkt enden zu lassen. Die Idee wurde angenommen.

Im Park von Schloss Reinharz wurde alles noch einmal anders. Die Anspannung war weg, man konnte spüren, wie alle einmal durchatmen konnten. Die Gespräche wurden freier, das Lachen entspannter, die Umgebung tat ihr Übriges. Wir machten Gruppenfotos, Bilder von der Familie und von Susi und Andy – und immer wieder Lina mittendrin. Fast nichts wirkte gestellt, eher wie ein gemeinsames Bewegen durch den Park, bei dem sich die Momente von selbst ergeben.

Alles was bleibt

Irgendwann war auch dieser Teil vorbei. Ich verabschiedete mich von allen und wurde von Carsten wieder nach Hause gefahren. Die Feier ging im engsten Kreis weiter.

Zuhause angekommen, setzte ich mich direkt an die Bilder, sichtete die ersten Aufnahmen, machte mir Notizen und schrieb hier und da schon ein paar Sätze auf.

Dabei merkte ich, dass ich etwas Besonderes festgehalten habe. Etwas, das bleibt. Für mich – aber vor allem für das Brautpaar. Und hoffentlich eine Erinnerung, zu der sie immer wieder gern zurückschauen.

Im Spiegel der Zeit

Ein Jahr voller Abschiede und neuer Wege

Wieder ist ein Jahr vergangen.
Ein Jahr, das Spuren hinterlassen hat.

Es waren viele Ereignisse, die meinen Lebensweg in diesen Monaten geprägt haben. Gute und schwere. Leise und einschneidende. Doch vor allem waren es Menschen. Menschen, die gingen. Menschen, die blieben. Und Menschen, die neu in mein Leben traten.

In meiner Familie war dieses Jahr geprägt von Abschieden: Meine Tante. Meine Oma väterlicherseits. Und schließlich meine Mutter.

Ihre Krankheit begleitete uns über viele Jahre. Dystonie – ein Wort, das nüchtern klingt und doch kaum begreifbar ist. Eine fortschreitende, nicht aufzuhaltende Erkrankung. Still, unerbittlich, zermürbend. Eine Krankheit, bei der man nichts reparieren, nichts lindern, nichts zurückholen kann. Man sieht zu, wie ein Mensch langsam weniger wird, während er innerlich ganz wach bleibt.

Meine Mutter sprach an manchen Tagen mit mir über ihren Wunsch, selbst zu entscheiden, wann es genug ist. Oft bat sie mich, etwas zu tun. Und oft musste ich schweigen, weil ich es nicht konnte. Erst als das Leiden unerträglich wurde, suchte mein Vater einen Arzt auf, der diesen Weg möglich machte. Sterbehilfe – ein Wort, das viele noch immer erschreckt. Erst seit wenigen Jahren in Deutschland rechtlich möglich, für viele kaum greifbar. Für mich war das Recht auf einen selbstbestimmten Tod immer Teil der Menschenwürde. Wenn es ein Recht auf Leben gibt, dann auch eins auf ein Leben in Würde.

Als ich erfuhr, dass meine Mutter gegangen war, riss es mir den Boden unter den Füßen weg. Sie wollte nicht, dass ich dabei bin. Mein Vater respektierte diesen Wunsch. So erfuhr ich es einen Tag später, als ich in mein Elternhaus gerufen wurde. Ich solle mich setzen, sagte er. Dann sprach er die Worte aus, die mein Leben in ein Davor und Danach teilten. Noch heute genügt ein Gedanke, ein Satz, ein Bild – und ich bin wieder dort. Schreiben kann das nicht auflösen. Es hält nur fest.

Vielleicht ist es genau das, was ich dieses Jahr unbewusst immer wieder getan habe: festhalten. Mit Worten. Mit Bildern. Mit Momenten. Trotz weniger Artikel.

Vor fünf Jahren hielt ich den Hochzeitstag meiner Eltern fotografisch fest. Ein Tag voller Nähe, Lachen und stiller Selbstverständlichkeit. Bilder, die heute mehr sind als Erinnerungen – sie sind Beweise dafür, dass es dieses Glück gab, und ich bin froh, ihn festgehalten zu haben und möchte hiermit noch einmal daran erinnern: (Link)

Ein Jahr in Bildern und Texten

Auch dieses Jahr habe ich wieder viel fotografiert und geschrieben. Vier Artikel spiegeln das Jahr auf ganz unterschiedliche Weise:

  • Ein Tag mit Leonid – als ich die neue Arbeitsstelle bei pino Küchen antrat, wollte ich wissen, was ein LKW-Fahrer wirklich leistet. Leonid zeigte mir seinen Alltag beim Ausfahren der Möbel, und ich staunte, wie viel Kraft, Konzentration und Ausdauer nötig sind, um das alles zu leisten. Es war ein Tag voller Respekt für seine Arbeit und die Menschen, die Tag für Tag solche Leistungen erbringen.

  • Für Jan – die Jugendweihe eines jungen Menschen. Jan ist der Sohn meiner Sportkameraden beim Volleyball, und es war mir eine besondere Ehre, dass sie mir vertrauten, diesen intimen und einzigartigen Moment festzuhalten. Die Feier war voller besonderer Augenblicke, die ich in Bildern einzufangen versuchte.

  • Zurück ans Meer – eine Reise mit meinen besten Freunden, die in Kroatien heirateten. Ein besonderer Ort, vertraute Gesichter, Sonne, Meer und das Lachen von Menschen, die einem sehr nahestehen. Ich war bereits einige Male mit ihnen dort, doch diese Reise hatte eine eigene Magie – Momente, die sich wie kleine Fluchten aus dem Alltag anfühlten und die ich mit meiner Kamera zu bewahren versuchte.

  • Herbsttage –Volleyball, Stimmen, Bewegung, Energie. Ich wollte den Sport einmal bewusst in den Fokus nehmen und den Teamgeist spüren: die Konzentration, das Zusammenspiel, die Freude, wenn ein Punkt hart erkämpft wird. Es ist eine ganz andere Liga als die, in der ich spiele. Ein war ein Tag voller Bewegung, Emotionen und echtem Teamgeist.

Fotografie und Schreiben halfen mir, das Jahr zu sehen und zu verstehen. Nicht nur die schönen Augenblicke, sondern auch die Verluste, die Abwesenheit, die Spuren, die bleiben.

Zwischen all dem Schmerz hat dieses Jahr mir auch Neues gezeigt. Es hat mich daran erinnert, dass Leben selbst im größten Verlust weitergeht.

Herbsttage

Eine neue Saison

Es ist Herbst. Die letzte Etappe des Jahres bricht an. Ich mag diese Zeit, in der die Tage kürzer werden und die Natur langsam in die Dunkelheit hinabgleitet. In der sie sich ein letztes Mal farbenfroh aufbäumt, bevor sie schließlich in grauer Stille verharrt. Es ist die Zeit, in der eine ganz besondere Saison immer wieder aufs Neue beginnt.

Seit einem Jahr spiele ich nun dienstags Volleyball in Pratau, einem kleinen Örtchen nahe Wittenberg. Ein fester Termin, auf den ich mich jedes Mal freue – nicht nur wegen des Sports, sondern vor allem wegen der Menschen. Unterschiedlich, jeder auf seine Weise besonders, und doch ergibt sich daraus ein Team, das einzigartig ist.

Marina gehört dazu. Sie spielt zusätzlich in der Hobbyliga, die in Wittenberg ausgetragen wird. Dort läuft es etwas ernster ab: über eine ganze Saison hinweg treffen Mannschaften aus der Region aufeinander, Spieltag für Spieltag, von September bis Mai.

Sie weiß, dass ich gern fotografiere. Schon beim Pumpenhaus-Turnier im vergangenen Jahr habe ich Momente mit der Kamera eingefangen, und mein Artikel darüber hat ihr gefallen. Also fragte sie mich irgendwann: ‚Komm doch mal mit, begleite uns bei der Hobbyliga und mach ein paar Aufnahmen.‘ Natürlich willigte ich ein.

Ein Herbsttag in Wittenberg

Und so fand ich mich an einem wunderschönen Herbsttag nicht auf dem Spielfeld, sondern am Rand der schönen Mehrzweckhalle im Herzen der Stadt wieder. Mit der Kamera in der Hand, bereit, die Energie, die Stimmen und den Rhythmus der Spiele einzufangen – während Marina und ihre Mannschaft aus Weddin um Punkte kämpften.

Die Sporthalle in Wittenberg

Schon beim Betreten spürte ich die besondere Stimmung. Die Halle war erfüllt von Euphorie, vom Quietschen der Schuhe auf dem Parkett und vom dumpfen Knallen der Bälle. Ein Gemisch aus Energie, Konzentration und Vorfreude lag in der Luft.

Die Hobbyliga wurde 2013 vom MTV Wittenberg ins Leben gerufen, einem traditionsreichen Verein, der bereits im 19. Jahrhundert gegründet worden ist. Dank ihres Engagements können die Spieler die schöne Mehrzweckhalle kostenfrei nutzen.

Volleyball verbindet

Acht Mannschaften traten an diesem ersten Spieltag gegeneinander an. Ich spürte die Wärme und die Freundschaften untereinander, egal für welches Team sie jeweils spielten. Ich blickte in lachende Gesichter und viele umarten sich, weil sie sich lange nicht gesehen hatten. Es ist sehr familiär. Man kennt sich. Es waren einige Gäste und Angehörige da, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

Die Zeitung war angeblich noch nie vor Ort. Es gibt nur einen einzigen Bericht, in dem es um die Benefizveranstaltung geht, die die Hobbyliga jedes Jahr auf die Beine stellt. Dazu wird ein All-Star Team am Ende der Saison gestellt, was sich im Laufe des Jahres aus gewählten Spielern zusammensetzt. Dieses Team spielt dann gegen auswärtige Vereine, wie die Bundes- oder Feuerwehr. Die Erlöse dieses einmaligen Events kommen dann Menschen zu Gute, die etwas weniger Glück im Leben hatten und einfach einen schönen Tag erleben können.

Die Spiele beginnen

Dann ging es los. Punkt für Punkt, Satz für Satz. Lange Ballwechsel, die manchmal im letzten Moment entschieden wurden. Gesichter, die anspannten, Körper, die sich streckten, Hände, die in die Luft schnellten. Nach einem Punkt sah man die Erleichterung, nach einem verlorenen Ball nur ein kurzes Nicken – weiter, weiter.

Volleyballer in Aktion

Ich merkte schnell, dass auf einem erstaunlich hohen Niveau gespielt wurde. Saubere Pässe, schnelle Angriffe, blockierte Schmetterbälle. Ich dachte mir im Stillen: Vielleicht werde ich irgendwann auch einmal so weit kommen. Den Antrieb habe ich.

Am Ende des Tages

Am Ende waren alle zufrieden, naja, vielleicht nicht alle, aber so ist das eben im Sport. Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen. Nach den Spielen blieb niemand allein. Spieler setzten sich vereinsübergreifend zusammen, erzählten, lachten, tranken ein Bier. Die Halle leerte sich langsam, Stimmen hallten leiser, bis irgendwann nur noch Stühle, Netze und der Geruch des Tages zurückblieben. Dann machte sich jeder wieder auf den Heimweg – mit müden Beinen und dem Gedanken an den nächsten Spieltag.

Ich für meinen Teil habe viele Aufnahmen gemacht. Vor allem Momentaufnahmen, in der sich die Sportler einmal in Aktion sehen können. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und hoffe, dass ich diesen Tag würdig festhalten konnte.

Zurück ans Meer

Aufbruch ins Vertraute

Es ist ein schwüler Sonntagmorgen. Endlich geht es los: Mein dreiwöchiger Urlaub zusammen mit meinen Freunden Grit, Michael und deren Sohn Basti in meine zweite Heimat Kroatien beginnt. So lange hatte ich mich darauf gefreut und dem Datum entgegengefiebert – fast schon surreal, dass es jetzt soweit ist. Schon Tage vorher hatte ich mich seelisch und moralisch darauf vorbereitet, meine Sachen verstaut und das Geschenk für ein besonderes Ereignis verpackt. Die Fahrt sollte planmäßig verlaufen, denn LKWs waren an diesem Sonntag nicht zu erwarten.

Ankunft in Bayern

Da es über elf Stunden sind, um den Norden Kroatiens zu erreichen, und ich nicht alles in einem Ritt durchfahren wollte, buchte ich vorab ein Zimmer im Süden Deutschlands – in Inzell. Die Idee kam nicht von mir, sondern von Grit und Micha, die mir dieses Kleinod empfohlen hatten. Nach kurzer Recherche entschied ich mich, dasselbe Hotel zu nehmen wie sie. Eigentlich hätte ich mir die Mühe sparen können, denn ich kann ihnen in solchen Dingen blind vertrauen.

Die Fahrt dauerte. Staufrei kam ich durch, und das Wetter war durchgängig schön. Bevor ich Inzell erreichte, sah ich ein Schild: Landshut. Da dachte ich mir: Wenn ich schon einmal in der Nähe bin, schaue ich doch auch mal vorbei. Gesagt, getan – ich fuhr von der Autobahn ab und landete im idyllischen Landshut. „Tolle Stadt“, dachte ich mir. Ich suchte einen Parkplatz und fand tatsächlich einen mitten in der Innenstadt. Sonntags konnte man hier kostenfrei parken – perfekt.

Gerade stieg ich aus dem Wagen, da kam mir ein Mann entgegen, der kaum glauben konnte, dass ich aus Wittenberg komme. Er kannte das Nummernschild „WB“, das hier leicht als „Westberlin“ interpretiert wird. Wir kamen ins Gespräch. Er erzählte, dass er selbst Wittenberger sei, aber vor Jahren weggezogen ist. In zwei Wochen fährt er in meine Heimat und besucht das alljährliche Lutherfest. Unfassbar – da fährt man hunderte Kilometer, und dann trifft man einen Einheimischen. Wir plauderten noch eine Weile, bevor ich den Kern der Stadt erkundete. Dass Landshut vor München einmal Landeshauptstadt war, erstaunte mich sehr. Er gab mir noch einen Tipp, wo ich gut essen könne – nicht hier in der Stadt, sondern etwas außerhalb. „Fahr nach Geisenhausen! Da schmeckt’s!“ Wir verabschiedeten uns, und ich machte noch ein paar Bilder, bevor ich in besagten Ort weiterfuhr.

Unterwegs dachte ich mir: Bayern ist wirklich schön. Überall kleine Dörfchen mit charmanten Kirchen und einem Panorama, das seinesgleichen sucht. Es fühlte sich an, als wäre ich durch ein Märchenland gefahren. Die Gaststätte fand ich schnell und kehrte ein. Es gab Knödel und Schweinshaxe – lecker! Die Dame, die mich bediente, kam aus Leipzig, ebenfalls aus meiner Ecke. Unglaublich. Dann ging es weiter Richtung Süden. Erste Anzeichen der Berge wurden sichtbar: die Alpen. Ständig hielt ich die Kamera raus und drückte während der Fahrt auf den Auslöser.

Kirche in Geisenkirchen

Schließlich kam ich in Hotel Schwarzberg in Inzell an. Grit und Basti waren noch nicht da. Ein klasse Hotel. Nach dem Einchecken lief ich ein wenig umher und schoss ein paar Bilder von diesem verträumten Ort. Dann trafen sie ein. Wir begrüßten uns aufs Herzlichste und genossen den ausklingenden Abend mit einem Maß Bier. Morgens ging es weiter. Wegzehrung besorgte ich mir noch bei einem ortsansässigen Bäcker, der so einladend aussah, das man nicht daran vorbeifahren konnte. Seit einem Jahr gibt es ihn, sagte mir die freundliche Verkäuferin. Und ich muss sagen, es war wirklich sehr schmackhaft. Für alle, die in der Gegend sind, sollten einmal bei „Bäckerei Kreidl“ vorbeischauen.

Ich erreiche das Meer

Schließlich erreichte ich die Grenze. Nun gings ans Portemonnaie: Vignette für Österreich: 12,50 Euro. plus Maut 14,50 Euro. Dann Karawankentunnel, wieder 8,80 Euro. E-Vignette 32 Euro Monatsticket für Slowenien. Es vergehen 5 Stunden. Endlich komme ich an und werde erneut in den magischen Bann Istriens gezogen. Die Luft, das Meer, selbst die Sonne, so scheint es, leuchtet hier anders. Ein Lächeln entsteht einfach so, ohne, dass ich etwas dagegen hätte tun können. Dies ist mittlerweile mein 4.er Artikel über diese Gegend. Wen es interessiert, hier gehts zu den alten:

Im Land der Träume

Hrvatska

Blick aus der Ferne

Terra Incognita

Es sind noch zwanzig Minuten bis Lovran, der Stadt am Meer, in der Milena und ihr Bruder Marino leben und ihre wundervollen Behausungen vermieten. Grit und Michael kommen schon zum X-ten Mal hier her. Ich kann verstehen, weswegen sie es so sehr lieben. Die Beiden wohnen weit oben in den Bergen. Somit sind noch einige Terpentinen zu bewältigen, bevor ich bei ihnen ankomme, wo meine Weggefährten schon auf mich warteten. Schließlich komme ich an. Ein sehr steiler Hang führt hinab zu den Vermietern, so steil, dass ich es nicht wage, wieder selbst hochzufahren.

Die Begrüßung war herzlich und andauernd. Uns allen wurde je ein Parkplatz zugeteilt und konnten nun die Zimmer beziehen. Ich erhielt eine riesige Wohnung, Grit und Micha ein gefühltes Penthouse. Abends unterhielten wir uns bei selbstgebranntem Wein, kleinen Snacks und einem Ausblick, den man sich nicht schöner vorstellen kann.

Unser Ausblick auf die Adria
Die ersten Tage in Istrien

Warum wir diesmal nach Kroatien fuhren? Klar — erneut wegen Sonne, Meer und der guten Luft. Aber vor allem, weil Grit und Micha sich das Ja-Wort geben wollten. Micha hatte Grit vor ein paar Monaten den Antrag gemacht, und die beiden wünschten sich, dass ich diesen besonderen Tag für sie festhalte — mit Fotos und Videos. Da musste ich nicht lange überlegen.

Am ersten Tag nach unserer Ankunft machten wir das einzig Richtige: Wir warfen uns in die Badesachen und tauchten ab ins glasklare Wasser der Adria. Die Sonne stand hoch am Himmel, die Luft roch nach Salz und Pinien, und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Wir ließen uns auf den warmen Steinen nieder, ließen die Seele baumeln und genossen dieses unvergleichliche Licht, das nur die Küste Istriens in dieser Art zu zaubern vermag.

Am Abend saßen wir wieder mit Milena und ihrem Bruder Marino zusammen, die Gastgeber, bei denen Grit und Micha seit Jahren unterkommen, und inzwischen mehr Freunde als bloße Vermieter geworden sind.

In den darauffolgenden Tagen trafen dann auch Judith und David ein, zwei enge Freunde von Grit und Micha, die aufgrund beruflicher Verpflichtungen etwas später anreisten. Wir kannten uns vorher noch nicht, ebenso wenig wie Basti, aber wir verstanden uns auf Anhieb. „Einmannfrei“ — ein bewusst falsch ausgesprochenes Wort, das Grit immer wieder zum Besten gab — wurde schnell zu unserem Running Gag, der uns noch oft an den Abenden zum Lachen brachte.

Der Tag der Hochzeit

Dann war er da: Freitag, der 6. Juni 2025. Der große Tag für Grit und Micha. Bereits am Morgen lag eine besondere Stimmung in der Luft. Die Sonne spiegelte sich auf dem glatten Wasser der Kvarner Bucht, als wollte sie selbst ein wenig festlicher scheinen. Wir frühstückten gemeinsam auf der Terrasse und sprachen über alles Mögliche — und doch spürte man, dass es ein besonderer Tag war.

Vor der eigentlichen Trauung mussten Grit und Micha am Tag davor noch einige bürokratische Hürden nehmen. Wer schon einmal in Kroatien etwas Offizielles erledigen musste, weiß, dass es dabei oft zugeht wie im berühmten Passierschein-A38-Haus bei Asterix. Die Standesbeamtin forderte noch diverse Unterlagen, eine Dolmetscherin musste organisiert und bezahlt werden, und zwischendurch hieß es immer wieder: „Gehen Sie nochmal kurz rüber ins andere Gebäude, und holen Sie sich hier einen Stempel.“ Zum Glück war Milena dabei, die mit viel Geduld und Charme die Formalitäten für die beiden regelte.

Ein Kraftakt bei den kroatischen Behörden

Die Zeremonie selbst fand schließlich in einem kleinen, wunderschönen Park direkt in Opatija statt, unter einer alten Pagode mit Blick aufs Meer. Ein traumhafter Ort, der wie gemacht schien für diesen Anlass. Die Gäste versammelten sich und Schaulustige standen in der Gegend.

Dann war es soweit. Grit und Micha schritten Hand in Hand den schmalen Weg durch den Park entlang, dem Ort entgegen, an dem sie sich gleich das Ja-Wort geben würden. Meine Kamera begleitete jeden ihrer Schritte, hielt diesen besonderen Moment für die Ewigkeit fest. Sie sahen einfach umwerfend aus: Grit in einem eleganten Kleid von Teuta Matoshi, das mit seinen zarten Stickereien und dem schimmernden Stoff wie gemacht war für diesen Ort am Meer. Und Micha — in einem weinroten Anzug, der in Italien für ihn angefertigt worden war und in dem er wirkte, als wäre er einem alten Filmklassiker entsprungen. Gemeinsam verließen sie den schattigen Park, das Rauschen der Blätter über ihnen, und traten hinaus auf die offene Fläche zur Pagode, wo bereits alle Gäste warteten. Ein Bild für die Götter.

Grit und Micha bei der Trauung
Die Zeremonie beginnt

An der Pagode angekommen, wurden Grit und Micha von der Standesbeamtin begrüßt, die sichtlich bemüht war, in der sommerlichen Hitze Haltung zu bewahren. Ein paar letzte Formalitäten wurden geflüstert, die Dolmetscherin stand bereit und übersetzte mit feiner, fast feierlicher Stimme. Dann bat man die beiden vorzutreten.

Der kleine Halbkreis aus Gästen rückte etwas näher zusammen, und es wurde still. Nur das Rauschen der nahen Adria und das Rascheln der Blätter begleiteten den Moment, in dem die Zeremonie ihren Lauf nahm. Milena und Marino standen etwas abseits, ein Lächeln im Gesicht, sichtlich gerührt. Auch Basti, der sich bisher eher zurückgehalten hatte, wirkte plötzlich sehr ernst und stolz zugleich.

Die Trauung selbst war schlicht, aber gerade dadurch so anrührend. Die Worte der Standesbeamtin, die von der Dolmetscherin Satz für Satz ins Deutsche übersetzt wurden, drehten sich um Liebe, Vertrauen und das Versprechen, einander durch alle Zeiten beizustehen. Ich spürte beim Blick durch meine Kamera, wie in den Augen der beiden ein Glanz lag, der selbst das Licht der Adria in den Schatten stellte.

Ein musikalisches Geschenk

Dann der vielleicht bewegendste Moment: Judith und David traten vor. Schon zuvor hatte ich von den beiden gehört, dass sie musikalisch seien, aber was nun folgte, übertraf alle Erwartungen. David Ameln, der ein renommierter Opernsänger ist, und seine Frau Judith stimmten ein Duett an — eine eigens für diesen Tag ausgewählte Arie.

Ihre Stimmen erfüllten den Park, getragen von der Stille ringsum. Es war, als hielte selbst das Meer für einen Augenblick den Atem an. Die glasklare Sopranstimme von Judith und Davids warme, kraftvolle Tenorstimme verschmolzen zu einem Klang, der nicht nur unter die Haut ging, sondern direkt ins Herz traf. Man sah es in den Gesichtern der Gäste — Tränen glänzten in den Augen, Grit war sichtlich gerührt, und selbst Micha, sonst der Fels in der Brandung, kämpfte mit der einen oder anderen Träne..

Judith und David singen ein Duett für das Hochzeitspaar

Ein Abend auf dem Meer

Nach der offiziellen Zeremonie kehrten wir in ein kleines Restaurant direkt an der Promenade ein. Es gab alles was das Herz begehrt, hausgemachte Pasta und istrischen Wein. Die Stimmung war entspannt, fröhlich und angenehm müde zugleich. Wir ließen den Nachmittag langsam ausklingen, bevor der zweite Höhepunkt des famosen Tages folgte.

Michael hatte eine Überraschung organisiert: eine private Bootstour entlang der Küste. Gegen Abend legten wir ab, das Boot glitt über das spiegelglatte Wasser, und der Sonnenuntergang malte den Himmel in Pastellfarben, die kitschig gewesen wären, wenn sie nicht so unverschämt echt gewesen wären.

Wir ankerten an einer kleinen, abgelegenen Bucht, fernab vom Trubel der Städte. Es war still. Nur das sanfte Plätschern der Wellen und unser ausgelassenes Lachen hallten über das Wasser. Mutige sprangen ins kühle Nass, andere blieben an Bord und genossen den Blick auf die langsam versinkende Sonne.

Besonders freute ich mich, als ich für einen Moment selbst ans Steuer durfte. Es sind diese kleinen Augenblicke, die einen Tag unvergesslich machen.

Blick auf die Küste von Medveja

Ein unvergesslicher Tag

Es war einer dieser Tage, die man am liebsten in eine Flasche füllen und für schlechtere Zeiten konservieren möchte. Voller Wärme, echter Freundschaft, Musik und diesem Wissen, dass es im Leben manchmal genau die einfachen Dinge sind, die alles bedeuten: das Meer, ein Lied, ein Glas Wein und Menschen, mit denen man lachen und weinen kann.

Weiterreise nach Gornji

Nach dem bewegenden Hochzeitstag brachen wir auf zu unserem nächsten Ziel: eine idyllische Bucht unweit von Trogir. Kurz vor der Weiterfahrt verabschiedeten sich Judith und David bereits, denn David stand mit seinem vollen Terminkalender bald wieder auf der Bühne.

Diese Region, die nicht nur durch ihre natürliche Schönheit besticht, sondern auch als Drehort der berühmten Serie Game of Thrones bekannt ist, schenkte uns eine willkommene Auszeit. Die ruhige Atmosphäre, der betörende Duft der Pinien und das kristallklare Wasser der Adria luden zum tiefen Durchatmen und Entspannen ein.

Ein besonderes Highlight war unser Besuch der historischen Altstadt von Trogir. Mit ihren verwinkelten Gassen, alten Steinhäusern und dem unvergleichlichen mediterranen Flair war sie der perfekte krönende Abschluss unserer Zeit an der dalmatinischen Küste. Eine Woche verbrachten wir hier.

Letzte Tage und Abschied

Bevor es heimwärts ging, verbrachte ich noch zwei Tage bei Vedrana in ihrem charmanten Haus direkt an der Bucht. Dort ließ ich den Blick über das Meer schweifen und sammelte die letzten Eindrücke dieser unvergesslichen Reise.

Die Heimreise rückte näher, und mit ihr das Gefühl, dass dieser Urlaub etwas ganz Besonderes war – nicht nur wegen der Landschaft oder des Wetters, sondern wegen der Menschen, der Freundschaften und der vielen gemeinsamen Momente, die ich in meinem Herzen mitnehme.

Dann ging es zurück in Richtung Heimat. Erneut elf Stunden Fahrt. Diesmal bin ich durchgefahren. Kaum angekommen, steuerte ich direkt zum Volleyballplatz, wo ich bis in die Abendstunden meinen Teamkameraden von all den Erlebnissen erzählen konnte. Die Erinnerungen an Sonne, Meer und das besondere Zusammensein ließen den Abend lebendig werden.

Doch nachts zu Hause erwartete mich ein unerwarteter Schock: Meine Wohnungstür war verschlossen. Zurück in meinen eigenen vier Wänden fühlte ich mich eigentlich angekommen und reich an Erfahrungen – doch nun stand ich vor einer unerwarteten Odyssee. Der Grund: Ein Wasserrohrbruch bei meinem Nachbarn über mir hatte den Vermieter dazu gezwungen, meine Tür aufzubrechen, um sich Zugang zu verschaffen.

Glücklicherweise erhielt ich sofort einen Ersatzschlüssel, und so konnte ich endlich wieder in mein Zuhause eintreten – erleichtert und dankbar, dass das Ganze glimpflich ausgegangen war.

Ein Video, das ich von unserem Urlaub gemacht habe, hält diese Zeit für mich lebendig und wird hoffentlich ein Schatz bleiben, den ich immer wieder gern anschaue. Wer mag, kann es sich hier ansehen:

Zum Abschluss noch einige Impressionen in Form von Bildern:

Für Jan

Ein grauer Tag mit leisen Versprechen

Es ist ein milder Frühlingstag. Der Himmel hängt tief, als hätte er sich eine Decke übergezogen. Ein feiner Regen fällt gleichmäßig vom Himmel, unaufgeregt, aber beständig. Nichts Spektakuläres, kein Donner, kein Blitz – einfach ein stiller, grauer Tag, der fast zu gut passt für meine Begriffe.

Es ist 15 Uhr. In einer Stunde beginnt eine Jugendweihe. Nicht irgendeine – sondern die eines Jungen, den ich bis zu diesem Moment nicht kannte: Jan.

Er ist der Sohn von Sindy, der Lebensgefährtin meines Volleyballkumpels Carsten. Irgendwann – es war wohl rund um das Volleyballturnier im letzten Jahr – sprach mich Carsten auf das Fest an. Oder besser gesagt: Er sprach nicht darüber, ob ich fotografieren möchte – vielmehr klang es wie eine Selbstverständlichkeit, dass ich es tun würde. Und er hatte recht. Ich sagte ohne Zögern zu.

Ein Ort, an dem mehr passiert, als man sieht

Der Veranstaltungsort ist das „ResoWitt“ – eine Einrichtung, an der ich in den letzten Jahren des Öfteren vorbeigefahren bin, ohne je zu wissen, was dort eigentlich passiert. Von außen wirkte es eher unscheinbar, fast anonym. Doch dieser Eindruck sollte sich heute vollständig wandeln.

Als ich ankomme, werde ich bereits erwartet. Carsten begrüßt mich freudestrahlend, auch Sindy heißt mich herzlich willkommen. Ihre kleine Tochter ist ebenfalls schon da – quirlig, offen, lebensfroh. Sie hatte bereits damals beim Volleyballturnier alle Blicke auf sich gezogen.

Die drei strahlen mir eine Wärme entgegen, die nicht aufgesetzt wirkt. Für sie scheint es nicht selbstverständlich zu sein, dass ich gekommen bin. Vielleicht, weil sie es nicht gewohnt sind, dass Versprechen eingelöst werden. Vielleicht auch, weil echte Verbindlichkeit heute selten geworden ist.

Die Räumlichkeiten sind geschmackvoll und liebevoll vorbereitet. Das Motto des Tages lautet Schwarz-Rot – eine ungewöhnliche, aber starke Farbkombination. Gäste und Dekoration greifen das Thema auf – ein durchdachtes Detail, das dem Ganzen Struktur und Stil verleiht.

Jan

Dann wird mir Jan vorgestellt. Er ist der Mittelpunkt des Tages – und wirkt doch alles andere als inszeniert. Er ist höflich, ruhig, zugewandt. Kein Angeber, kein Lautsprecher. Einer, der genau beobachtet und erst dann spricht. Ich mag das.

Jan mit seinem Vater

Es dauert nicht lange, bis sich der Raum füllt. Eine große Familie kommt zusammen – bunt, laut, herzlich. Namen fliegen herum, Geschichten werden erzählt, Umarmungen verteilt. Carsten und Jan stellen mich allen vor. Ich beginne zu fotografieren – zunächst dezent, zurückhaltend. Mein Ziel ist es nie, zu stören – ich will miterleben, nicht unterbrechen.

Kaffee und Kuchen stehen bereit. Der Regen lässt langsam nach. Die Gespräche klingen heller, leichter. Die Kinder zieht es nach draußen – Ostereiersuche steht auf dem Programm. Auch ich folge ihnen mit der Kamera in der Hand und fange ein, was sich zeigt: leuchtende Augen, kleine Erfolge, große Freude.

Erinnerungen in Schwarz-Rot

Ich schlage vor, Porträtfotos zu machen. Wer möchte, darf. Und fast alle möchten.

Mal allein, mal als Paar, mal als Gruppe. Jeder bringt etwas Eigenes mit: eine Haltung, ein Lächeln, eine Geschichte. Und ich versuche, das festzuhalten, was sich nicht sagen lässt.

Als ich später die Bilder sichte, zähle ich über 1.200 Aufnahmen. Natürlich bleiben am Ende nur wenige übrig – aber es geht nie um Masse. Es geht um das eine Bild, in dem ein Moment eingefroren ist. Das eine Foto, das nach Jahrzehnten noch spricht.

Mein Teamkamerad Berti mit seinen geliebten Eltern
Der Duft von Grillgut und der Klang von Dankbarkeit

Als der Abend sich nähert, übernimmt Max den Grill. Ein Mann mit Rhythmusgefühl und Humor. Steaks, Würstchen, marinierte Überraschungen – was da auf den Rost kommt, lässt wenig Wünsche offen.

Dazu gibt es eine Vielzahl selbstgemachter Salate. Hier haben sich Sindy und Carsten wirklich ganz besondere Mühe gegeben. An alles wurde gedacht. Es ist ein Essen, das nicht nur satt macht, sondern verbindet.

Die Gespräche wandeln sich, werden ruhiger, persönlicher. Die Sonne bricht durch die Wolken. Sie kommt nicht oft an diesem Tag, aber wenn, dann richtig.

Jochen – der Mann hinter dem Gelände

Erst am späteren Abend lerne ich Jochen kennen. Ein Mann, der sich Zeit nimmt, wenn er sie hat – und sonst lieber mit den Händen arbeitet.

Seit über zwanzig Jahren ist er der Hausmeister des ResoWitt. Doch Hausmeister ist nur ein Wort – in Wahrheit ist er der Möglichmacher.

Jochen ist gelernter Garten- und Landschaftsbauer. Seine eigene Kindheit war schwierig. Mit sechzehn kam er in ein Heim – das Jugendamt griff ein. Der Vater früh verstorben, die Mutter? Irgendwo, vielleicht.

Heute ist Jochen 65. Und obwohl er längst im Ruhestand sein könnte, arbeitet er weiter – aus Überzeugung. Er organisiert Veranstaltungen, repariert und pflegt das Gelände mit Hingabe. Hier gibt es alles, was Kinder brauchen: Schaukeln, Rutschen, Kicker, Tischtennis – und ein echtes Beachvolleyballfeld.

Jochen, ein Mann mit echtem Herz

Auch Carsten nutzt es regelmäßig. Neben unserem gemeinsamen Verein hat er sich hier ebenfalls ein sportliches Zuhause geschaffen.

Das ResoWitt betreut derzeit etwa 150 Familien – Tendenz steigend. Jochen erklärt mir den Namen: „Resozialisierung Wittenberg“. Plötzlich ergibt alles Sinn.

Der Ort lebt – nicht nur durch Gebäude, sondern durch Menschen wie ihn.

Der Abschied und das, was bleibt

Es ist fast 22 Uhr, als ich mich auf den Heimweg machen möchte. Doch bevor ich gehe, stehen Carsten, Sindy und Jan vor mir. Sie überreichen mir einen liebevoll gepackten Präsentkorb.

Keine große Rede, keine pathetischen Worte – nur ehrliche Dankbarkeit.

Ich bin gerührt. Und gleichzeitig fast ein wenig verlegen. Denn ich habe ja noch gar nichts „abgeliefert“. Noch keine Bilder, kein Bericht. Nur Präsenz. Doch vielleicht war genau die das Wichtigste.

Jetzt, da ich die Fotos sichten und sortieren darf, weiß ich: Ich habe diesen Tag nicht einfach nur begleitet – ich durfte Teil davon sein.

Für Jan

Ich hoffe, dass meine Bilder eines Tages etwas erzählen können. Nicht nur von einem Fest – sondern von einem jungen Menschen, der auf leisen Sohlen erwachsen wurde.

Von einer Familie, die ihn trägt.

Von einem Ort, der mehr gibt, als man sieht.

Und von einem Frühlingstag, an dem es regnete, aber keiner klagte.

Für Jan.
Für die Erinnerung.
Für später.


Ein Tag mit Leonid

Vorwort: Ein Blick hinter die Kulissen – Der Anfang einer Reise

Seit einem halben Jahr bin ich Teil des Marketing-Teams bei pino Küchen, einem der führenden Küchenhersteller Deutschlands. Das Unternehmen, das zur Küchenholding Nobilia gehört, steht für moderne Küchen zu attraktiven Preisen. Zuvor war ich 17 Jahre in der Druckindustrie tätig, bis die Firma, die mein Zuhause geworden war, schließen musste. Bei pino erhielt ich eine Chance für einen echten Neuanfang.

Diese Reportage ist der Beginn einer persönlichen Reise. Ich möchte die Menschen vorstellen, die dieses Unternehmen ausmachen, ihre Geschichten erzählen und täglichen Herausforderungen beleuchten. Den Anfang macht heute Leonid, ein LKW-Fahrer, der tagtäglich dafür sorgt, dass unsere Küchen pünktlich bei unseren Kunden ankommen.

Es ist ein Blick auf die Logistik, einem wesentlichen Bereich von pino, und eine Würdigung des guten Arbeitsklimas, das ich hier gefunden habe. Es ist eine Geschichte von Dankbarkeit, neuen Wegen und der spannenden Herausforderung, mich in einem neuen Umfeld zu beweisen. Vielleicht folgen in Zukunft weitere Einblicke in andere Bereiche unseres Unternehmens – die Möglichkeiten sind vielfältig. Doch heute steht Leonid im Mittelpunkt.

Leonid bei der Anmeldung
Auf Achse: Ein Blick hinter die Kulissen der Logistik

Es ist halb fünf Uhr morgens. Die Kälte kriecht unter meine Jacke, während ich über das dunkle Betriebsgelände stapfe. Mein Ziel: Ein gigantischer LKW, neben dem ich mit meinen 1,96 Metern wie ein Zwerg erscheinen sollte. Hinter den zugezogenen Vorhängen wartet Leonid, mein Begleiter für die nächsten Stunden.

Die Stille auf dem Hof ist beinahe unheimlich. Reihenweise stehen die Trucks nebeneinander, eine schlafende Armada aus Stahl, bereit zum Aufbruch. Das kalte Licht des Hinterausgangs taucht die Szenerie in ein gespenstisches Zwielicht. Ich greife zur Kamera, fange diese surreale Atmosphäre ein, während Schatten über den Asphalt huschen.

Mit klammen Fingern klopfe ich an die Tür des LKWs. Ein Augenblick vergeht, dann hebt sich der Vorhang. Leonid nickt mir zu. „Steig ein“, ruft er mit tiefer Stimme.

Noch ruhen die Giganten
Das mobile Kommandozentrum

Oben in der Fahrerkabine fühle ich mich wie in einem Cockpit eines Raumschiffs. Knöpfe, Schalter, Anzeigen – ein faszinierendes Kontrollzentrum auf Rädern. Leonid reicht mir die Hand. „Kaffee?“ fragt er.

Zu meiner Überraschung zaubert er eine kleine Kaffeemaschine hervor. Der Motor springt an, warme Luft strömt aus den Lüftungsschlitzen. Draußen herrscht noch tiefste Nacht, aber hier drinnen beginnt der Tag.

Während Leonid sich kurz frisch macht, nutze ich die Gelegenheit für erste Aufnahmen. Der Blick aus dieser Höhe ist atemberaubend, fast heroisch. Ich fühle mich wie ein Entdecker, der in eine neue Welt eintaucht.

Leonid ist Kasache, Jahrgang ’69. Seit Jahren lebt er mit seiner Familie in Chemnitz, doch sein wahres Zuhause ist die Straße. Fünf Tage die Woche fährt er kreuz und quer durch Deutschland, kehrt nur am Wochenende heim. Seine Kinder hat er kaum aufwachsen sehen. „Das ist der Job“, sagt er nachdenklich, den Blick in die Ferne gerichtet. Er diente ´89 in Ostdeutschland, in Jüterbog. Er passte den perfekten Zeitpunkt ab. „Die Wende, der Aufschwung – das war wirklich eine tolle Zeit.“, sinniert er, „Aber heute? Die Zeiten sind schlechter geworden!“

Die Reise beginnt

Unser LKW ist beladen mit 22 Küchen, die an drei verschiedene Adressen geliefert werden müssen. Die erste: Ein großes Möbelhaus, etwa 70 Kilometer Autobahn vor uns. Ich hätte nie gedacht, dass LKW-Fahren so viel Organisation verlangt. Alles läuft nach Plan – muss es auch. Lieferzeiten sind exakt getaktet, die Wareneingänge genau abgestimmt. Eine Verspätung kann bedeuten, dass du Stunden warten musst oder am nächsten Tag wiederkommen darfst.

So sieht eine aufgebaute pino Küche aus

Auf dem Hof des Möbelhauses ist bereits viel los. Die Fahrer grüßen sich. Man kennt sich. Es gibt Regeln, ungeschriebene und festgelegte. Leonid muss sich durch einen Stapel Papiere arbeiten. Ohne sie geht hier gar nichts. Also auf zur Anmeldung. Dann darf er endlich rückwärts an die Rampe fahren – eine Präzisionsarbeit, die er mit stoischer Ruhe erledigt. Ich wäre vermutlich längst verzweifelt.

Ohne Papiere läuft gar nichts

Dann beginnt der eigentliche Kraftakt: das Abladen. Die Realität zerschmettert meine naiven Vorstellungen. Ich hatte mir das anders vorgestellt – irgendwie mechanischer, mit Gabelstaplern oder Hebebühnen. Aber nein, jede einzelne Küche wird per Hand abgeladen und auf spezielle Wagen, sogenannte Colletten, gestapelt. Die Fahrer müssen das selbst machen. Das Personal vom Wareneingang hilft nicht.

Stück für Stück wuchtet Leonid die schweren Teile aus dem Hänger seines LKWs. Ich helfe so gut ich kann, doch es dauert. Ganze fünf Stunden. Harte, schweißtreibende Arbeit. Erst jetzt wird mir klar, welch entscheidende Rolle die korrekte Beladung der LKWs spielt.

Hier im Lager werden die Küchen zwischengelagert und später an Endkunden ausgeliefert. Ich hatte keine Ahnung, wie komplex diese Logistik ist. Der Lagerleiter überreicht uns eine rote Mappe. Er erklärt mir, dass die Farbe Vertrauen bedeutet – wir sind langjährige Geschäftspartner. Neue Lieferanten erhalten andere Farben, ihre Waren werden strenger kontrolliert. Nachvollziehbar. Die letzte Palette ist verstaut. Leonid streicht sich mit dem Handrücken über die Stirn. „Weiter“, sagt er nur.

Leonids harter Alltag
Die letzten Lieferungen und der Stau der Hölle

Die nächste Station ist ruhiger. Nur drei Küchen warten hier auf ihre Entladung. Das Prozedere bleibt gleich, nur in Miniaturausgabe.

Unser dritter Kunde lässt uns warten. Eine halbe Stunde vergeht. „Das ist hier immer so“, murmelt Leonid. Er lehnt sich zurück und dreht sich eine Zigarette. Dann endlich dürfen wir an die Rampe. Drei Mitarbeiter nehmen die letzten Teile entgegen, machen ein paar lockere Witze und wünschen uns ein schönes Wochenende.

Geschafft. Fast. Der Heimweg sollte eine Formsache sein, doch dann erwischt es uns – ein Stau, der sich zäh wie Kaugummi über die Autobahn zieht. Ganze drei Stunden stehen wir fest. „Hätte uns die letzte Adresse nicht so lange warten lassen, wären wir gewarnt worden und hätten ihn umfahren können“, sagt Leonid resigniert. Schließlich ist es Freitag und er will nach Hause zu seiner Familie. Ich lehne mich zurück und blicke auf die endlose Schlange roter Rücklichter. Mein erster richtiger Superstau.

Respekt für die Straße

Jeden Tag diese Strapazen. Jede Woche dieselben Herausforderungen. Für Menschen wie Leonid ist das Alltag – ein harter, oft unsichtbarer Job, der unsere Wirtschaft am Laufen hält. Ich bin froh, ein Teil dieses Unternehmens zu sein. Aber noch mehr bin ich dankbar, diesen Einblick bekommen zu haben. Die Straße mag für viele nur ein Ort sein, um von A nach B zu kommen. Doch für manche ist sie ein Zuhause. Und für eine kurze Zeit durfte ich daran teilhaben.

Meine Kamera hat diesen Tag festgehalten, die Höhen und Tiefen, die Anstrengungen und kleinen Triumphe. Neben Bildern habe ich auch ein Video erstellt, dass die Essenz dieser Erfahrung einfängt. Sie sind stumme Zeugen der unsichtbaren Helden.

Leonid und seine Kollegen verdienen unseren tiefsten Respekt. Sie sind das Rückgrat unserer Konsumgesellschaft und die stillen Krieger der Logistik. Mein Tag mit ihm hat mir gezeigt, dass hinter jeder Küche, die unser Werk verlässt, harte Arbeit, Engagement und enorme Leidenschaft stecken. Diese Reportage ist mein kleiner Beitrag, um ihnen die Anerkennung zu zollen, die sie verdienen.

Die Straße ruft – und Männer wie Leonid antworten, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Ihre Geschichte verdient es, erzählt zu werden.

Rückblende

Ein Jahr voller Geschichten, Veränderungen und neuer Perspektiven

Unglaublich, wie die Zeit vergeht – es ist tatsächlich schon vier Monate her, seit ich hier auf meinem Blog das letzte Mal etwas veröffentlicht habe. Aber das ist das Schöne an einem Hobby wie diesem: Es bleibt mir überlassen, wann ich schreibe, und heute ist wieder einer dieser Momente, in denen mich die Inspiration packt. Zum Ausklang eines ereignisreichen Jahres, in dem ich nicht nur einen neuen Job antrat, sondern auch in eine völlig neue Branche eintauchte, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um zurückzublicken – auf die Geschichten, Begegnungen und Erfahrungen, die 2024 so besonders gemacht haben.

Ein neues Kapitel beginnt

Vor vier Monaten wagte ich mich auf neues Terrain. Ich trat nach siebzehn Jahren in der Druckerei eine neue Stelle an. Es war mehr als nur ein Jobwechsel – es war der Sprung in eine völlig neue Branche. Ein Universum für sich, das ich erst allmählich erkunde und dessen Dynamik mich täglich aufs Neue herausfordert. Aber es war ein guter Start, denn ein besseres Kollegium kann man sich kaum vorstellen. Vielleicht widme ich diesem Abenteuer im kommenden Jahr einen eigenen Beitrag, um ein paar Einblicke in dieses faszinierende, aber komplexe Feld zu geben. Erste Aufnahmen dazu habe ich bereits gemacht.

Erinnerungen an eine ereignisreiche Zeit

Gerade denke ich noch etwas weiter zurück. Vor genau drei Jahren ging mein erstes Video zu den Spaziergängen in Wittenberg online. Zeiten waren das. Damals dachten wir, wir können wirklich etwas verändern. Corona. Dieses Wort war allgegenwärtig. Heute ist vieles davon nur noch eine blasse Erinnerung. Inzwischen hat sich die Welt verändert, nicht immer zum Guten: Die Kosten steigen, Konflikte eskalieren, und politisches Vertrauen erodiert. 2024 gab es kaum noch große Demonstrationen. Jene, die dennoch stattfanden, besuchte ich aber. Das große Thema war Frieden.

Höhepunkte eines ereignisreichen Jahres

Zeit, das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Das Jahr begann mit den Bauernprotesten. Mittlerweile wird sich kaum mehr jemand daran erinnern, aber gefühlt jeder zweite Bauer war in Deutschland auf der Straße und machte seinem Unmut freien Lauf. So auch in Wittenberg. Ich fand es wichtig, diesen Tag in Würde festzuhalten. Schließlich waren es berechtigte Forderungen, die da gestellt worden sind. Warum ich den Artikel „Schiffbruch“ nannte, kann man sich hier noch einmal zu Gemüte führen: „Schiffbruch“

Anfang Februar veröffentlichte ich einen persönlichen Beitrag, in dem ich meine Ambivalenz reflektierte und die Frage stellte, welches der richtige Weg ist und ob es ihn überhaupt gibt. Ohne Bilder, nur Worte – eine bewusste Entscheidung, um die Gedanken für sich sprechen zu lassen: „Zwischen Dystopie und Hoffnung“

Im Frühling kam es zu einer außergewöhnlichen Begegnung von der ich in meinem Artikel „Von Zufällen und Hexenhäusern“ berichtete. Außerdem hielt ich einen Abend mit meiner Besten fest und verewigte meine Gedanken zum Thema Freundschaft in dem Artikel: „Vom Band der Freundschaft“

Im Mai setzte ich mein Vorhaben um und fuhr nach Berlin, um mir das Thema „Armut“ hautnah anzusehen und mir ein Bild davon zu machen. Gelesen hat jeder sicher schon einmal davon. Gesehen auch, aber ich wollte mich mit Betroffenen selbst unterhalten und ihre Geschichten hören. Es war wirklich bewegend. Meine Eindrücke verewigte ich in meinem Artikel „Von der Armut“

Wieder Mai. Männertag. Ein ganz besonderer Tag, der mich zu neuen Menschen führen sollte, die ich mittlerweile in mein Herz geschlossen habe. Die ganze Geschichte dieser tollen Stunden, habe ich in meinem Artikel „Ein Tag in Freiheit“ festgehalten.

Im Darauffolgenden Monat war es dann soweit, die Elbe Druckerei Wittenberg schloss nach 200 Jahren für immer ihre Pforten. Den letzten gemeinsamen Tag hielt ich fest und veröffentlichte ihn unter den Titel: „Das Ende einer Ära“

Wie weiter oben bereits erwähnt, fanden dieses Jahr nicht sehr viele Demonstrationen statt. Eine, die mir jedoch persönlich sehr wichtig war, besuchte ich im August diesen Jahres. Eindrücke davon, sind im Artikel „Marsch des Friedens“ zu erhalten.

Mein letzter Beitrag dieses Jahres widmete sich einem Volleyballturnier unseres Vereins. Die Bilder, die ich dabei machte, zählen zu meinen Favoriten, denn sie transportieren genau diesen amerikanischen Touch, den ich so liebe. Genannt habe ich ihn: „Eine Frage der Ehre“

Ausblick auf 2025

Nun, am Ende dieses Jahres, bleibt das Gefühl, dass jeder Moment – ob schön, schwer oder leise – seinen Platz hat. 2024 war ein Jahr der Veränderungen, des Wachstums und der Begegnungen.

Was 2025 bringt, kann niemand wissen. Aber ich bin bereit, jede neue Geschichte zu erleben, festzuhalten und zu teilen. Danke, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet habt. Auf ein neues Jahr voller Geschichten und Augenblicke, die hoffentlich inspirieren und berühren.

Zum Schluss gibt es noch eine kleine Auswahl an persönlichen Lieblingsbildern aus diesem Jahr.

Eine Frage der Ehre

Ein Turnier in Wittenberg

Es ist Samstag. Acht Uhr. Die Sonne brennt bereits früh am Morgen und taucht die Stadt in goldenes Licht. Es wird ein sehr heißer Tag. Ein Turnier steht an – ein Volleyballturnier. Ein Verein aus dem kleinen nahegelegenen Örtchen Pratau tritt heute an, um seinen Titel zu verteidigen. Seit einigen Monaten bin ich Teil dieses Teams. Doch spielen werde ich nicht. Ich begleite lieber das Spektakel mit meiner Kamera.

Zu Gast beim „WSV“

Das Turnier findet an einem Ort statt, der einiges an Geschichte in sich trägt. Das alte Pumpenhaus, einst das Herz des nahegelegenen Schwimmbads und Nachbar des ortsansässigen Fußballvereins, ist es inzwischen ein Sportlerheim und dient heutzutage als Arena der Freundschaft, des Wettkampfs und der Gemeinschaft. Der Pokal, den es beim diesjährigen Beachvolleyballturnier zu gewinnen gibt, hat deswegen die Form einer Pumpe – ein Symbol der Vergangenheit, das in den Händen des Siegers eine neue Bedeutung bekommt.

Der Siegerpokal

Fünf befreundete Mannschaften sind es, die heute gegeneinander antreten: Der „WSV – Wittenberg“, der „VSG Fläming Nudersdorf“, „Weddin 92“, „MTV Senioren“ und wir, „Blau-Rot Pratau“. Der WSV, der auch dieses Jahr wieder als Organisator des Turniers fungiert, hat keine Mühen gescheut, um den Teilnehmern einen unvergesslichen Tag zu bereiten. Bereits beim Betreten des Geländes spürte man die liebevolle Vorbereitung: Für Musik und Nahrung wurde gesorgt, Sonnenschirme spendeten Schatten, und das Sportlerheim des Gastgebers, eine wahre Oase an diesem Tag, ludt zum Verweilen ein. Große Bäume säumen das Gelände, ihre mächtigen Kronen bieten Schutz vor der brennenden Sonne, und eine sanfte Brise bringt immer wieder erfrischende Abkühlung.

Rund 50 Menschen haben sich versammelt. Es ist kein riesiges Turnier, aber gerade das macht seinen Reiz aus. Die Atmosphäre ist familiär. Die meisten kennen sich, und doch gibt es immer wieder neue Gesichter, die sich im Laufe des Tages näher kennenlernen. Es sind nicht nur die Spieler, die diesen Tag besonders machen, sondern auch ihre Familien, Freunde und Bekannte, die sie begleiten. Es wird gelacht, geredet, und vor allem: es wird gespielt. Auf dem Feld befinden sich 6 Spieler. Bis 21 wird gezählt, dann ist einer von zwei Sätzen vorbei. Eine Zeit lang sah es so aus, dass „Wedding 92“ das Ding heute nach Hause fahren wird, doch wie sich später herausstellen sollte, war dies ein Trugschluss.

Carsten beobachtet das Spielgeschehen

Es waren klasse Leute, allesamt. Doch natürlich schlug mein Herz für die Pratauer Gang. Ein starkes Team mit tollen Menschen. Menschen wie Micha beispielsweise, der mich überhaupt erst zu diesem Verein gebracht hat. (Wie es dazu kam, dass sich unsere Wege kreuzten, kann man hier nachlesen.) Carsten, der das Spiel mit einer solchen Leidenschaft und Hingabe betreibt, dass man meinen könnte, es sei seine Lebensaufgabe. Oder Stefan, der studierte Kommunikationsdesigner, von dem ich selbst noch Einiges in puncto Gestaltung lernen kann. Und dann gibt es noch Marina, Gerd, Matze und viele andere, die ich in den vergangenen Monaten kennenlernen durfte. Sie alle bringen ihre eigenen Geschichten und Perspektiven mit, und doch eint uns alle die Liebe zu diesem Sport.

Volleyball, ein Sport der verbindet

Natürlich geht es auch um die Ehre. In jedem Spiel will man gewinnen, sonst brauch man nicht antreten, aber Volleyball ist mehr als das. Es ist ein eigener Kosmos. Hier herrscht echter Gemeinschaftssinn. Selbst nach einer Niederlage wird abgeklatscht, es gibt keine bösen Worte, nur den festen Willen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Und selbst wenn, ist das nach der Partie vergessen.

Eindrücke festhalten

Der Tag vergeht wie im Flug. Ich bin so in meiner Rolle vertieft, dass ich glatt vergesse, selbst etwas zu essen. Dabei gibt es reichlich – Steaks, Salate und sogar Kuchen hatte der WSV organisiert. Für mich aber waren die Aufnahmen das Wichtigste. Bilder, die nicht nur den sportlichen Wettkampf einfangen sollten, sondern auch die vielen kleinen Momente abseits des Spielfelds. Die strahlenden Gesichter der Kinder, die sich im Schatten der Bäume austoben, die stolzen Blicke der Partner und Freunde oder die jubelnden Rufe nach einem gelungenen Spielzug. Meine Kamera hält all das fest, und mit jedem Klick versuche ich, die Magie dieses Tages einzufangen.

Guntram, Jahrgang 1953 und seit drei Jahren Präsident des WSV, ist selbst aktiver Volleyballer. Mit seiner ruhigen, aber bestimmten Art sorgt er dafür, dass alles reibungslos abläuft. Am Ende des Tages ist es auch er, der die Siegerehrung durchführt. Und man mag es kaum glauben, aber Pratau hat es tatsächlich geschafft und den Titel nach vier spannenden Partien verteidigt. Natürlich hielt ich auch diesen Moment fest, bevor wir uns alle noch auf ein Bier zusammen setzten.

Siegerehrung
Ein wunderbarer Tag geht zu Ende

Mittlerweile ist es halb sechs und ich verabschiede mich. Während ich meine Kamera einpacke und mich auf den Heimweg mache, denke ich über den Tag nach. Fast wehmütig blicke ich zurück und stelle fest, dass es mehr als nur Teamkollegen sind, es sind Menschen, von denen sich jeder wünscht, sie um sich zu haben. Herzlich, humorvoll und bodenständig. Ich bin dankbar, ein Teil dieses wundervollen Vereins zu sein, und ich freue mich auf viele weitere Jahre, in denen wir gemeinsam lachen, spielen und Erinnerungen schaffen werden.

Der 4. Pumpenhaustag war mehr als nur ein Turnier. Er war ein Fest der Gemeinschaft – und ich bin stolz, dass ich ihn mit meiner Kamera einfangen durfte.