Von der Hoffnung

Der innere Drang

Die Sonne schien an diesem denkwürdigen Morgen des 21. April 2021. Der Himmel war wunderbar blau, und eine frische Brise wehte mir entgegen. In mir regte sich Aufbruchstimmung. Die Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes, welche die Bundesregierung mit einschneidenden Befugnissen ausstattet, sollte heute verabschiedet werden. Eine große Demo wurde erwartet. Ich fühlte, dass es wichtiger denn je war, diese sicherlich historischen Augenblicke des Protests festzuhalten. Also schnappte ich mir meine Kamera und fuhr wieder einmal in unsere Hauptstadt.

Während ich unterwegs war, aus dem Fenster schaute und die Weite genoss, kreisten mir viele Gedanken durch den Kopf: Macht das überhaupt noch Sinn, bei all den Erfahrungen, die du mittlerweile gesammelt hast? Ist es clever, dagegen aufzubegehren, wenn so eine gewaltige Medienmacht, die Ereignisse sowieso wieder in ein negatives Licht rücken wird? Die Schlagzeilen sind doch vorprogrammiert. Die meisten Menschen finden es zusätzlich sogar unverantwortlich, dort hinzugehen. „Wandere doch aus!“, sagen sie. Auch ist es deprimierend, zu realisieren, wie weit es bereits gekommen ist und wie tief die neue Normalität in den Köpfen der Menschen verwurzelt ist. Also wozu das alles? Warum gehst du da hin? Ich kann diese Fragen nicht einmal beantworten. Vielleicht ist es der Funken Hoffnung. Ähnlich wie es Martin Luther angeblich einmal sagte: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Erste Eindrücke

Nach zweistündiger Fahrt erreichte ich gegen 9.30 Uhr die Straße des 17. Juni. Ein freundlicher Polizist erlaubte mir sogar direkt hinter der Absperrung zu parken, da ich ihm mittteilte, dass ich die Demonstration fotografisch dokumentieren wolle. Noch einen Griff zur Wasserflasche und dann ging´s geradewegs Richtung Brandenburger Tor. Ich war nicht der Einzige. Die ersten Blogger und Youtuber waren zu sehen, die das Ganze per Livestream übertrugen und begannen, Interviews zu führen. Ein freundlicher Fahrradfahrer radelte grüßend an mir vorbei. Die Worte, die aus seinen befestigten Lautsprechern tönten, waren unmissverständlich und verleiteten mich zu einem süffisanten Grinsen.

Schließlich erreichte ich die erste Menschentraube. So an die tausend dürften es gewesen sein. Es herrschte eine fröhliche Atmosphäre. Die Sonne lachte immer noch und trug sicherlich ihren Teil zur tollen Stimmung bei. Ich drückte das erste Mal den Auslöser und fragte hier und da, ob ich ein Foto machen dürfe. Manchmal kam man ins Gespräch und ich merkte deutlich, dass die Empfindungen identisch waren. Sie alle teilten die selben Sorgen wie ich, über die ich auch schon in vergangenen Artikeln zahlreich berichtete. Es ist nicht nötig, diese Dinge wieder und wieder vorzutragen. Ich nahm lieber die Eindrücke mit und fotografierte die Menschen samt ihrer Anliegen, die sie auf die selbstgebastelten Plakate und Fahnen geschrieben hatten.

Friedlicher Protest

Die Straße füllte sich. Es wurden stetig mehr. Menschen jeglicher Couleur waren zugegen. Ein bisschen fühlte es sich an, wie im vergangenen Jahr, als Millionen gegen das drohende Unheilssystem protestierten an diesem Ort und alles dafür taten, dass eben genau das, was wir inzwischen vorfinden, nicht eintritt. Wer sich diesen Protest noch einmal zu Gemüte führen möchte, kann das hier tun. Mittlerweile kamen so viele Menschen, dass die Polizei den Bereich erweitern musste. Bis sie das jedoch tat, stellte sie sich quer. Währenddessen schaute ich in das ein oder andere Auge jener Beamten und versuchte den Menschen hinter seiner schwarzen Uniform zu sehen.

Nach einiger Zeit sah sich die Einsatzleitung dazu gezwungen, den Bereich weiter auszubauen und ließ die Menschen bis kurz vor der Siegessäule gewähren. Die anschließenden Freudenschreie der Demonstranten kann man sich vorstellen. Danach wurden die Menschen durch die Polizei in den Tiergarten geleitet. Die Trommler, die eine wunderbare Stimmung erzeugten, schritten voran und die mittlerweile ca. zwanzigtausend Menschen liefen hinterher. Immer wieder riefen sie Passanten, die oft Beifall klatschten, zu, dass sie sich anschließen sollen, was einige auch taten.

Schließlich erreichten wir eine riesige Wiese. Die Demonstranten trafen nach und nach dort ein. Was ich dann erleben musste, war wirklich schockierend. Der junge Trommler, den ich die ganze Zeit begleitete und der zehn Meter neben mir stand, wurde auf das Heftigste von der Polizei attackiert und zu Boden geworfen. Ich habe diese rohe Gewalt gar nicht einordnen können, weil ich es nicht verstand. Es sah aus, wie ein Exempel, das statuiert werden sollte und was so gar nicht zu den bisherigen Erfahrungen mit den Beamten passte. Plötzlich nahm ich wahr, dass immer mehr Menschen willkürlich von Beamten in Kampfmontur herausgepickt und in Gewahrsam genommen worden sind. Wie kleine Stoßtruppen gingen sie vor und das mit teilweise äußerster Gewalt, ich habe es selbst gesehen. Die Menge war empört. Die Pfiffe wurden lauter und die Parolen entsprechend rauer. Zu Recht, das Geschehen war vollkommen unverständlich.

Eskalation

Nun wollte die Masse zum Brandenburger Tor. In der Zwischenzeit dürften noch mehr Menschen dazugekommen sein, der ganze Park war voll. Eigenartig war, dass nun die Straße des 17. Juni abgesperrt wurde, als ob man die Menschen im Tiergarten lassen und einkesseln wollte. Es herrschte eine bedrohliche Atmosphäre. Ich ging ganz nach vorne, lehnte mich an die Mauer, die zwischen dem Tiergarten und dem Brandenburger Tor steht und sah eine Unmenge an Polizisten. Kläffende Schäferhunde, Einsatztrupps, die bereit waren voranzustürmen und die Masse an friedlich protestierenden Menschen, waren schon ein ziemlich beeindruckendes Bild.

Dann kam es so, wie viele es schon ahnten, die Polizei rückte vor und schnappte sich erneut systematisch Menschen, die sie brutal übermannte. Den Demonstranten schien es nun wirklich zu reichen, denn die Situation drohte zu eskalieren. Die Rufe wurden so laut und die Energie so heftig, dass sich die Beamten eingekesselt sahen, sich zusammenrotteten und sich unter Einsatz von Pfefferspray den Rückzugsweg frei kämpften. Sogar Baumstämme flogen durch die Luft, so groß war der Unmut. Solche Szenen will niemand und Gewalt ist auch nicht der richtige Weg, da dies nur Bilder liefert, auf die die Presse doch nur wartet. Vielleicht waren es Provokateure, vielleicht nicht. Ich kann es nicht sagen. Auf jeden Fall war es eine einschneidende Situation, die nachhallt.

Résumé

Es kam in der Folge immer wieder zu solchen Situationen, doch mit der Zeit beruhigte sich die Lage. Die Menschen liefen langsam zurück. Viele mussten das eben Erlebte erst einmal verdauen. Ich verschnaufte. Mittlerweile war es ungefähr drei Uhr und an die tausend Bilder waren im Kasten. Später erfuhr ich dann, dass das Gesetz trotzdem verabschiedet worden sei. Uns allen war klar gewesen, dass wir das nicht verhindern würden, und doch waren wir da.

Ich jedenfalls habe das für mich Richtige getan. Ich bin froh, dort gewesen zu sein und diesen Tag verewigt zu haben. Vielleicht erreichen die Aufnahmen ja doch den einen oder anderen, schließlich stirbt die Hoffnung bekanntermaßen zuletzt.

~ Ulli

Momente

Gedanken

Während ich diesen Artikel schreibe, den ich eigentlich ganz anders verfassen wollte, lausche ich den melancholischen Klängen einer wundervollen Pianoversion des allseits bekannten Titels „Sonne“ von Rammstein.

Ich denke an meine Kindheit, an die unbeschwerte Zeit, die ich erlebte, an Momente, die mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin, an meine liebevollen Eltern, an die unvergesslichen Freundschaften, an die Liebe, die ich genießen und die unfassbar schönen Augenblicke, die ich in meinem kurzen Leben hier auf diesem Erdball erfahren durfte. Ich halte mir just in diesem Atemzug vor Augen, wie gut ich es doch hatte. Ich vermag es kaum in Worte zu kleiden, wie sehr ich dieses Momentum genieße, während ich diese Zeilen verfasse. Ich mache mir bewusst, welch unbeschreibliches Glück ich hatte, während ich betrübt realisiere, was gerade um uns herum passiert.

Ich schaue aus dem Fenster, lasse die Klänge auf mich wirken und verspüre ein unbeschreibliches Gefühl der Weite. Ich schließe die Augen und schwebe davon. Ich stelle mir vor, wie friedlich die Menschheit miteinander leben, wie sehr das Glück sie umgeben und welch Harmonie zwischen all den Völkern dieser Erde existieren könnte. Ein kurzes illusorisches Gefühl der Zufriedenheit kommt in mir hoch, was ich dennoch vollends genieße.

Das junge Leben

Wenn ich mir die Aufnahmen anschaue, die ich vergangene Woche gemacht habe, schwanke ich zwischen Bedauern und Glückseligkeit. Glückseligkeit, mit ansehen zu dürfen, wie unbeschwert ein Kinderherz diese groteske Welt wahrnimmt und dem Bedauern, zu realisieren, dass diese kleinen Seelen wohl niemals mehr diese Sorglosigkeit erleben werden, wie ich sie einst erfahren durfte. Der Gedanke bestürzt. Er beflügelt mich andererseits in meinem Handeln. Er motiviert mich dazu, das zu tun, was ich tue, mit meinen bescheidenen Mitteln ein kleines Leuchtfeuer zu entfachen, einen Versuch zu wagen, einen Beitrag dafür zu leisten, dass diese Dystopie nicht eintritt, die ich befürchte. Die glühenden Augen dieser kleinen Wesen ermutigen mich dazu, weiter zu machen, egal wie es ausgehen mag. Ihre Unbekümmertheit, ihre Unschuld ist es, die mich dazu bewegt, Zeilen wie diese zu schreiben, ehrlich zu sein und zu verewigen, wie Menschen wie ich die Welt gerade wahrnehmen.

Das ganze Leben noch vor sich, sind sie bereits jetzt mit einer Situation konfrontiert, die sie noch nicht einmal rational einschätzen können. Sie starren in vermummte Gesichter, in denen sie nur noch die gezeichneten Blicke erkennen. Was tun wir ihnen an? Es macht mich nachdenklich, wenn ich mir vor Augen führe, dass sie wohl niemals diese Freiheit erleben werden wie wir. Wie damit umgehen? Wie diesen wundervollen Wesen übermitteln, was momentan geschieht? Ich für meinen Teil möchte mich bei ihnen entschuldigen, mich in tiefster Demut niederknien und ihnen mitteilen, dass es Menschen gab, die sich gegen diese Unglaublichkeit zur Wehr gesetzt haben. Dass wir an sie dachten, sie nicht allein ließen und in ihrem Interesse handelten. Trotz aller Widrigkeiten und dem stürmischen Wind, der jedem entgegen weht, der sich für die Freiheit einsetzt, werden wir nicht aufgeben, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

Zuversicht

Ich hatte die Ehre eine kleine Familie in ihrem liebevollen Domizil aufnehmen zu dürfen und erkannte erst bei der Nachbearbeitung der Bilder, welche Intensität diese Stunden besaßen. Während ich mir die Aufnahmen noch einmal zu Gemüte führe, in diese unschuldigen Augen sehe und ihre hingebungsvollen Eltern betrachte, wird mein Herz schwer und doch geben sie mir Zuversicht. Sie bestärken mich in dem, was ich tue. Sie geben mir Kraft, weiter zu machen und niemals aufzugeben. Ich bin sehr froh darüber, diese Erfahrung gemacht zu haben. Danke, dass ich diese wundervollen Momente verewigen durfte.

~ Ulli

Von tapferen Herzen

Start in einen ereignisreichen Tag

Unter dem Motto „1 Jahr Lockdown Politik – Es reicht!“ sollten am 13.03.2021 in den Hauptstädten sämtlicher Bundesländer Demonstrationen gegen die bestehende Politik stattfinden. Da Magdeburg meine Landeshauptstadt ist, entschied ich mich, meine Eindrücke dort einzufangen. Es war ein grauer Samstagvormittag, der mich an einen ungemütlichen Herbstmorgen erinnerte. Natürlich schreckt mich solch ein Wetter nicht ab, ganz im Gegenteil, wenn man die Passion der Fotografie in sich trägt, ist die Düsternis ein treuer Begleiter. Vor mir lagen ungefähr zwei Stunden Autofahrt und natürlich hielt ich des Öfteren an, genoss die Stille und nahm verlassene Straßen und mystische Waldpfade auf.

Ankommen in der Landeshauptstadt

Ungefähr eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung erreichte ich mein Ziel. Nachdem ich einen Parkplatz gefunden hatte, widmete ich mich noch ein wenig der Umgebung und hielt ein paar Eindrücke fest. Der Dom zu Magdeburg ist wahrlich beeindruckend. Es scheint fast surreal, sich vorzustellen, wie Menschen dieses Bauwerk vor so vielen Jahrhunderten errichtet haben konnten. Mein Weitwinkelobjektiv gelangte klar an seine Grenzen.

Erste Eindrücke

Schließlich war es soweit. Die Menschen fanden sich allmählich am Treffpunkt ein. Als ich den Markplatz betrat, traf ich Jens, einen mir seit Kurzem bekannten Restaurantbesitzer aus meiner Gegend, der mir fassungslos von einer ganz besonderen Begegnung mit dem heimischen Ordnungsamt berichtete: Ein vermummter Mann, der von sich behauptete, er sei Mitarbeiter jenes Amtes, sprang wie aus dem Nichts aus dem Gebüsch und schrie ihn unflätig an, er soll seine Maske tragen. Eine ganz besondere Note bekommt dieses Ereignis, wenn man berücksichtigt, dass er seinen Sohn gerade zur Schule gebracht und das menschenleere Gelände verlassen hatte. Es wurde also bewusst auf „Frevler“ wie Jens gewartet.

Solche individuellen Geschichten und Erfahrungen sind es, die die Menschen an diese Orte zieht, die sie dazu veranlassen, stundenlange Fahrten in Kauf zu nehmen, um sich einen Moment verstanden zu fühlen, um sich mit Brüdern und Schwestern im Geiste zu umgeben und um Kraft zu tanken in dieser paradoxen Zeit.

Der gesamte Marktplatz füllte sich, was sicher keine Selbstverständlichkeit war, denn das zeitweise stürmische Wetter stellte die Menschen auf eine recht harte Probe. Ich lief umher und nahm auf, was mir vor die Linse kam. Die Sorgen waren deutlich zu spüren.

Inspiration

Die Sprecher am Pult waren teilweise sehr emotional, verständlich aus meiner Sicht. Ex-Kriminalhauptkommissar Michael Fritsch appellierte an seine alten Kollegen, die am Rand der Kundgebung standen, sich vor Augen zu führen, welches Narrativ sie da gerade verteidigen. Mich persönlich hat einer der letzten Redner beeindruckt, er inspirierte mich zum Titel dieses Artikels. Seine Rede erinnerte mich an meine Jugend, als ich mit großer Faszination den Film „Braveheart“ verschlang. Er zitierte eine der tiefgründigsten Szenen des Streifens und zwar den, als William Wallace seine Mitstreiter zur letzten Schlacht aufruft:

„Und wenn Ihr dann in vielen Jahren sterbend in eurem Bett liegt, wärt Ihr dann nicht bereit, jede Stunde einzutauschen von heute bis auf jenen Tag, um ein Mal nur, ein einziges Mal nur, wieder hier stehen zu dürfen und unseren Feinden zuzurufen: Ja, sie mögen uns das Leben nehmen, aber niemals nehmen sie uns unsere Freiheit!“

William Wallace

Ja, vielleicht ist das viel zu pathetisch, aber in diesem Moment hat es mich gepackt. Ich sah mich um und spürte, dass sich jeder Einzelne hier auf diesem Marktplatz als Verteidiger der Freiheit verstand. Für mich waren wir tapfere Herzen. Uns alle verbindet, dass wir das Gefühl nicht los werden, etwas läuft hier gerade in eine völlig falsche Richtung. Was will man tun, wenn einen dieses Gefühl beschleicht? Es einfach geschehen lassen? Muss ich tatsächlich akzeptieren, dass meine Freiheit endet, wo die Angst des Anderen beginnt?

Persönliche Thesen

In einer Demokratie sollte Jeder seinen Gedanken freien Lauf lassen dürfen, egal wie abwegig sie für den Anderen klingen mag. Man darf seine Meinung auch kundtun, doch mit welchen Konsequenzen? Die Ächtungsrufe werden stetig mehr, das Unverständnis schlägt einem immer stärker entgegen, und öffentliche Denunzierungen sowie unsachliche Vergleiche werden salonfähig.

Der Widerstand schwindet bei Einigen, denn das täglich steigende Level der Ohnmacht scheint immer unerträglicher. Bei Vielen macht sich Verzweiflung breit. Demonstrationen werden nicht mehr als sinnvoll erachtet, da sie eine große Angriffsfläche bieten und bei jeder Gelegenheit in ein negatives Licht gerückt werden. Es fand und findet kein Argumentationsaustausch auf Augenhöhe statt.

Die Demokratie scheint ein Auslaufmodell zu werden. Vielleicht ist sie nicht mehr erwünscht. Sie war gut gemeint, ein Versuch, doch nun scheint die Zeit für etwas Neues zu kommen. Ob es unbedingt schlechter sein wird, kann ich nicht einmal sagen, aber unfreier, nehme ich an. Länder, Grenzen, Völker, Religionen, Freiheit, Demokratie und der freie Geist scheinen nur Störfaktoren zu sein, wenn es um die Verwirklichung weitaus größerer Ziele geht.

Doch steht für mich Resignation nicht zur Debatte, denn meine Phantasie reicht dazu aus, mir eine ebenso positive Zukunft vorzustellen. Auch das ist eine Form von Mut.

Also lasst uns im Gespräch bleiben und niemals die Hoffnung aufgeben.

~ Ulli

Zeiten wie diese

Ein historischer Ort

Ich lebe in einem der historischsten Orte dieser Welt, einer kleinen Stadt, die vor circa 500 Jahren Weltgeschichte schrieb: Wittenberg. Hier fand eins der schicksalsvollsten Ereignisse statt, die die Menschheit je erlebte. Durch den Willen, die Überzeugung und die Leidenschaft eines einzigen Mannes, wurde Geschichte neu geschrieben, denn Martin Luther schlug hier seine Thesen an die Kirchentür und läutete somit ein neues Zeitalter ein. Immer wieder muss ich mir vor Augen führen, welch revolutionäre Tat dies war und wie viel ein Mensch bewirken kann, um den Lauf der Geschichte zu beeinflussen.

Ambivalenz

Häufig frage ich mich: In wie weit haben wir als Individuen tatsächlich die Macht, etwas zu bewirken oder zu verändern? Fühlen wir uns nicht oft machtlos, den Tatsachen ausgesetzt und nehmen Ereignisse stillschweigend hin, obwohl wir dabei ein inneres Unbehagen fühlen, ohne es detailliert beschreiben oder einordnen zu können? Wir können ja doch nichts tun, meinen wir und versinken in Lethargie.

Mir geht es nicht anders. Auch ich bin ein ambivalenter Mensch. Auch ich bin nicht immer mutig, obwohl ich es sein müsste, reagiere zeitweise unangemessen oder gehe negativen Aspekten in mir nach. Mittlerweile habe ich mich mit meinen Widersprüchen arrangiert, ich nehme sie an und versuche, mein Verhalten zu reflektieren. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass wohl jeder Mensch solche inneren Zerwürfnisse in sich trägt und häufig nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Meine Erkenntnis ist, nicht dagegen anzukämpfen, sondern sie nüchtern zu betrachten und anzunehmen. Wir sind Menschen, wir sind nicht perfekt.

Teile und Herrsche

Schon immer gab es Kreise, die sich dessen bewusst waren und sich diese Ambivalenzen zu Nutze machten, um Visionen zu realisieren, die wir uns nicht im Entferntesten vorstellen können. Auch jetzt wird wieder bewusst und in ganz großem Stil Zwietracht gesät. Egal aus welcher Perspektive man es betrachtet, die Menschen werden in Angst und Panik versetzt und verharren in der Starre. Die einen sehen derzeit keine Gefahr und vertrauen im guten Glauben der Obrigkeit, die anderen lassen alle Einschränkungen widerspruchslos über sich ergehen und wieder andere möchten aktiv dagegen vorgehen, ohne genau zu wissen, was sie gegen diese Ohnmacht die sie beschleicht, tun sollen. Doch genau diese Zustände werden bewusst herbeigeführt, wie so oft in der Geschichte.

Heutzutage glauben wir, frei entscheiden zu können, fernab jeglicher Beeinflussung, doch tun wir das wirklich? Diese geistig indoktrinierten Barrieren sind es, die ich überwinden möchte, dieses seit Ewigkeiten bestehende, wie ein über uns schwebendes Konstrukt, das uns Menschen übergestülpt wird und uns zu den unfassbarsten Dingen verleitet. So viele spielen das perfide Spiel mit, separieren sich, lassen sich mental vergiften, hassen und verachten einander, lassen sich gegeneinander aufhetzen, bis ins Mark spalten und sogar in Kriege schicken. Werfen wir einen Blick auf unsere Gesprächskultur: Wir vertreten unsere oft unreflektierten Meinungen, Ansichten und Weltbilder mit rigider Vehemenz und stehen am Ende erneut vor einem geschichtlichen Scherbenhaufen. Die Profiteure dieser sich wiederholenden Ereignisse sind sich dessen wohl bewusst. Die Geschichte wiederholt sich somit immer und immer wieder. Warum lassen wir das zu? Warum reagieren wir meistens genauso, wie es von uns erwartet wird, ohne dass wir das überhaupt zu realisieren scheinen?

Plädoyer

Mein Plädoyer gilt der Empathie, der Aufrichtigkeit, der Sicht aus der Vogelperspektive, des wahrhaft gegenseitigen Zuhörens und des Verständnisses, so dass wir alle irgendwann gemeinsam diejenigen erkennen und vor ein gigantisches Scherbengericht stellen, die uns Menschen all das schon so lange antun. Wir sollten aufhören, auf ihrer Klaviatur zu spielen, uns die Unglaublichkeiten bewusst machen und realisieren, dass wir uns schon unser ganzes Leben lang auf ihrer Bühne befinden. Erst wenn wir uns das vor Augen führen, sind wir meines Erachtens in der Lage, neue Kraft zu schöpfen und wirklich etwas zu verändern.

Mein Anspruch

Ich möchte diese festgefahrenen Weltbilder überwinden. Ein Weg, den ich gehen möchte, ist der Weg der Kunst, da ich durch sie ausdrücken, was ich nicht in Worte fassen kann. Sie ist ein Sprachrohr, ein Ausweg, die Kanalisierung einer Empfindung. Aus diesem Grunde machte ich mich auf den Weg in die Innenstadt Wittenbergs und hielt die Leere fest, verzweifelte Hoffnungen, vereinzelten Widerstand und die unabdingbare Konformität. Ich versuchte, der ausgestorbenen Innenstadt eine Bühne zu bieten, sie einzufangen und damit zum Ausdruck zu bringen, welches Ausmaß dieser „Kult“ bereits angenommen hat.

Uns allen muss bewusst werden, dass nur wir es sind, die das Rad der Geschichte erneut drehen können und diesen Phantasten entgegentreten müssen, mit allem, was wir haben. Die Kunst ist ein wichtiges Element in meinen Augen und ich wäre glücklich, wenn ich einen Teil zur positiven Entwicklung beisteuern kann.

~ Ulli

Retrospektive

Ein ereignisreiches Jahr

Auch diesmal möchte ich ein paar meiner Lieblingsaufnahmen verewigen und mit euch teilen. Ich brauche niemanden zu erzählen, dass es ein ganz besonderes Jahr war. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und geht unterschiedlich damit um. Meine Position habe ich hinlänglich postuliert und ist in vergangenen Artikeln nachzulesen. Nur ein Wort, ich wünsche mir, dass wir in der Zukunft wieder näher zueinander finden.

Abstecher in die Lausitz

Gleich zu Beginn des Jahres entschloss ich mich, in die Lausitz zu fahren, einen Landstrich in Sachsen und im Süden Brandenburgs, der an den Grenzen unserer Nachbarländer Polen und Tschechien liegt. Da ich ein großes Pensum vor mir hatte, suchte ich mir diesmal eine Übernachtungsmöglichkeit, um möglichst viele Eindrücke einfangen zu können. Meinen ausführlichen Beitrag dazu findest du hier.

Die Poesie des Himmels

Im Frühjahr diesen Jahres gab es für einen kurzen Zeitraum keine Möglichkeit in die Ferne zu reisen, also suchte ich mir Naheliegendes. Ich entschied, mich ein paar Tage durch meine unmittelbare Umgebung inspirieren zu lassen und fokussierte mich auf die Natur. So entstanden einige Momente dieses Naturschauspiels, was ich in meinem zweiten Artikel dieses Jahr veröffentlichte. Hier findest du meine Impressionen davon.

Abstecher in die Börde

Im Juni besuchte ich endlich einmal die Börde, einen Landstrich in meinem Heimatbundesland Sachsen-Anhalt. Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, mich einmal näher dieser Gegend zu widmen. Ich entdeckte eine Fülle an wunderschönen Bauten und Schlössern, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie ganz in der Nähe meines Wohnortes zu finden sind. Wer Näheres sehen möchte, findet das hier in diesem Artikel.

Ein Junitag

Schließlich machte ich ein Versprechen wahr und besuchte Fahima samt ihrer Familie, um ein paar situative Aufnahmen zu machen. Sie fragte mich schon lange danach und im Juni hat es dann endlich geklappt. Am Ende sind ein paar wirklich schöne Aufnahmen entstanden, die ich schließlich auch in einem Fotobuch verewigte. Hinzu wurde mir die Ehre zu Teil, dass ich in der Photosphäre veröffentlicht wurde. Die Photosphäre ist ein relativ bekanntes Medium, in dem viele kleine Künstler eine Plattform finden. Umso schöner, dass ich gleich als erster in dem Empfehlungsartikel stehe. Eindrücke dieses schönen Tages findest du hier.

Hochzeitstag meiner Eltern

Ein ganz besonderer Tag stand im Juli diesen Jahres an und zwar der Hochzeitstag meiner Eltern. Bewegende Augenblicke, die ich versucht habe, würdevoll festzuhalten. Ich finde, dass es mir gelungen ist, jedenfalls fanden Sie auch Gefallen daran und das ist das Wichtigste. Den Artikel dazu findest du hier.

Zu Besuch in Salzburg

Ein Höhepunkt des Jahres war die Reise in unser wunderschönes Nachbarland Österreich. Als kleiner Bengel war ich schonmal dort, aber erinnern konnte ich mich nicht mehr daran. Mein Ziel sollte Salzburg sein, die Heimat Mozarts. Spektakuläre Eindrücke erwarteten mich dort. Meinen ausführlichen Artikel dazu findest du hier.

Besuch auf mehreren Kundgebungen

So wie viele Menschen, mache ich mir Sorgen über die Entwicklungen auf diesem Planeten. Die einschneidenden Ereignisse weltweit bewogen mich dazu, diese Veranstaltungen zu besuchen. Ich wollte auch etwas Gutes dazu beitragen, in dem ich die Demonstrationen fotografisch begleitete. Wer mehr darüber lesen möchte, dem kann ich meine drei Artikel empfehlen. Die Demonstration in Berlin, der Schweigemarsch und die Kundgebung in Leipzig. Mir wurde des Weiteren die Ehre zu Teil, diese drei Artikel auch im Nachrichtenportal Rubikon zu veröffentlichen.

Was wird sie bringen, die Zukunft?

Noch immer fotografiere ich leidenschaftlich gern, doch ist es mir im Moment leider nicht möglich, in der Hinsicht viel zu erleben. Deswegen nehme ich mir auch ab und an ein paar ältere Aufnahmen vor und bearbeite sie nach Lust und Laune. Vielleicht widme ich mich demnächst etwas mehr der Natur, fotografiere die Leere oder Menschen. Wer weiß, was mir begegnet oder was sich findet. Meine Kamera und ich freuen sich auf alles Spannende. Ich kann nicht einschätzen, was die Zukunft bringen wird, es bleibt uns allen nichts anderes übrig, als das Beste draus zu machen. Ich bleibe zuversichtlich und werde so lange ich kann, meine Vorstellungen visualisieren und mich über jeden Einzelnen freuen, der in einem meiner Bilder etwas sieht und für einen kurzen Moment inne hält. Die Fotografie ist etwas Bleibendes, sie kann auch Menschen in weiter Zukunft bewegen, bilde ich mir ein. Ein Bild kann mehr sagen, als tausend Worte und mehr berühren, als jedes Video. Deswegen liebe ich die Fotografie. Sie gibt mir einen echten Sinn im Leben. Ich bin dankbar, diese Leidenschaft für mich entdeckt zu haben und freue mich auf viele neue Motive in der Zukunft.

~ Ulli

Schweigemarsch

Stiller Protest

„Wir müssen reden“, lautete das Motto eines Schweigemarsches in Berlin am 10. Oktober 2020. Die Organisatoren luden dazu ein, um auf diesem Wege gegen die momentan herrschenden Maßnahmen der Regierung zu protestieren. Natürlich ließ ich mich nicht lange bitten und notierte mir dieses Ereignis sofort in meinem Terminkalender. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, keinerlei Flaggen, Schilder oder Banner mitzuführen. Des Weiteren war das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes Voraussetzung für eine Teilnahme.

Mein persönlicher Ansatz

Früh morgens machte ich mich zusammen mit einem Mitstreiter auf den Weg in die Hauptstadt. Der Marsch sollte 11.59 Uhr auf dem Kurfürstendamm starten und an der Siegessäule enden. Da ich durch mein Aussehen bewusst überspitzen wollte, entschied ich mich schon Tage zuvor, mich elitär zu kleiden. Schwarz von oben bis unten, Stiefel, Sonnenbrille, Handschuhe und Mundschutz, sollten darauf hinweisen, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn wir eine Zeit erreichen sollten, in der es zu immer mehr Zwängen und Kontrollen kommt. In einigen Ländern dieser Erde ist es bereits Realität, dass Menschen durch ihre Regierungen belehrt, sanktioniert oder abgeführt werden, wenn sie die bestehenden Coronaregeln anzweifeln oder nicht befolgen. Um dies zu verhindern und ein Zeichen zu setzen, hielt ich es für unabdingbar, vor Ort zu sein und dieses Ereignis erneut festzuhalten, wie bereits am 29. August 2020

Der Marsch beginnt

Wir kamen mit dem Auto sehr gut durch und fanden auch direkt einen Parkplatz. Wir schätzten, dass wir vielleicht zwei- bis dreitausend Menschen vorfinden würden, denn extrem viel Werbung für den Schweigemarsch hatte ich vorher nicht wahrgenommen. Wir erreichten den Kurfürstendamm gegen 11.45 Uhr und reihten uns in die Menge ein. Sofort kam ich ins Gespräch und tauschte mich über Themen aus, die alle Teilnehmer gleichermaßen bewegen. Ein angenehmes Gefühl, sich verstanden und aufgehoben zu fühlen. Aus allen Teilen Deutschlands waren die Menschen angereist. Ich zückte das erste Mal meine Kamera und hielt ein paar Augenblicke fest. Wir standen zu viert in einer Reihe, denn der Abstand war eine Vorgabe, die zwingend eingehalten werden musste, um keine Auflösung des Marsches zu riskieren. Mir fielen wirklich kreative Mundschutzvarianten auf, einige davon versuchte ich mit der Kamera zu verewigen. Wie beeindruckend wäre es, dachte ich mir, wenn sie jetzt alle so gekleidet wären wie ich und dadurch eine bedrohliche Atmosphäre entstünde. Ich stellte mir vor, wie imposant es doch wäre, wenn am Ende des Marsches eine riesige Bühne stünde, auf der niemand spräche, sondern nur eine düstere Melodie zu hören und unter Nebelschwaden begleitet, ein riesiges Banner mit einer Maske zu erkennen wäre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies eine immense Wirkung erzielen würde.

Der Weg zur Siegessäule

Mit etwas Verzögerung setzten sich die Menschen in Bewegung. Ordner wiesen die Teilnehmer immer wieder darauf hin, sich an die Abstandsregeln zu halten und liefen stets beobachtend nebenher. Ich scherte des Öfteren aus, um die Menge aus verschiedenen Blickwinkeln festzuhalten. Es schien alles glatt zu laufen, soweit ich es mitbekam. Ich erkannte einige Persönlichkeiten während des Marsches, unter Anderem die Rechtsanwälte Markus Haintz und Ralf Ludwig. Immer wieder hielten vorbeilaufende Passanten an und suchten das Gespräch, mal friedlich, mal lautstark protestierend. Auch ich wurde zweimal in ein Gespräch verwickelt, das durchaus fruchtbar verlief. Andere wiederum blieben stehen und ließen den Marsch auf sich wirken. Genau das sollte auch das Ziel sein, dass Passanten zum Nachdenken angeregt werden.

Am Ziel angekommen

Wir liefen ungefähr zwei Stunden, bis wir die Siegessäule erreichten. Erst hier konnte ich mir ein Bild davon machen, wie viele Menschen teilgenommen hatten. Ich kann es sehr schlecht schätzen, doch denke ich schon, dass die angemeldete Teilnehmeranzahl von 20.000 Menschen erreicht wurde. Wir blieben noch einige Zeit vor Ort, bis die Veranstaltung aufgelöst wurde und wir zurück zum Auto liefen. Es war ein wichtiger Tag für uns beide und sicher ebenfalls für alle anderen Teilnehmer. Auch ich bin der Ansicht, dass wir alle miteinander reden müssen, wenn sich die Fronten nicht weiter verhärten sollen. Wer weiß, was am Ende aus all dem folgt. Vielleicht sehen wir die Zukunft auch zu dystopisch, doch halte ich es für essenziell, sich auch über die möglichen Verwerfungen dieser globalen Situation auszutauschen. Meine Haltung zu diesem Thema beruht aus Ereignissen der Vergangenheit, in der des Öfteren bewiesen wurde, dass die Regierungen dieser Welt die Bevölkerungen getäuscht haben. Ich möchte gern glauben, dass es diesmal anders ist, doch sprechen aus meiner Sicht die Tatsachen eine deutliche Sprache. Also lasst uns reden und zusammen eine Lösung finden. Versuchen wir, dem Gegenüber zuzuhören und nicht sofort das Gespräch abzuwürgen, nur weil der Gesprächspartner die aktuelle Situation anders sieht. Nur muss man für diesen Austausch offen sein, das ist alles. Letztlich sitzen wir alle auf diesem Globus im selben Boot und wir sollten uns vor Augen halten, wer es steuert.

~ Ulli