Ein Turnier in Wittenberg
Es ist Samstag. Acht Uhr. Die Sonne brennt bereits früh am Morgen und taucht die Stadt in goldenes Licht. Es wird ein sehr heißer Tag. Ein Turnier steht an – ein Volleyballturnier. Ein Verein aus dem kleinen nahegelegenen Örtchen Pratau tritt heute an, um seinen Titel zu verteidigen. Seit einigen Monaten bin ich Teil dieses Teams. Doch spielen werde ich nicht. Ich begleite lieber das Spektakel mit meiner Kamera.
Zu Gast beim „WSV“
Das Turnier findet an einem Ort statt, der einiges an Geschichte in sich trägt. Das alte Pumpenhaus, einst das Herz des nahegelegenen Schwimmbads und Nachbar des ortsansässigen Fußballvereins, ist es inzwischen ein Sportlerheim und dient heutzutage als Arena der Freundschaft, des Wettkampfs und der Gemeinschaft. Der Pokal, den es beim diesjährigen Beachvolleyballturnier zu gewinnen gibt, hat deswegen die Form einer Pumpe – ein Symbol der Vergangenheit, das in den Händen des Siegers eine neue Bedeutung bekommt.

Fünf befreundete Mannschaften sind es, die heute gegeneinander antreten: Der „WSV – Wittenberg“, der „VSG Fläming Nudersdorf“, „Weddin 92“, „MTV Senioren“ und wir, „Blau-Rot Pratau“. Der WSV, der auch dieses Jahr wieder als Organisator des Turniers fungiert, hat keine Mühen gescheut, um den Teilnehmern einen unvergesslichen Tag zu bereiten. Bereits beim Betreten des Geländes spürte man die liebevolle Vorbereitung: Für Musik und Nahrung wurde gesorgt, Sonnenschirme spendeten Schatten, und das Sportlerheim des Gastgebers, eine wahre Oase an diesem Tag, ludt zum Verweilen ein. Große Bäume säumen das Gelände, ihre mächtigen Kronen bieten Schutz vor der brennenden Sonne, und eine sanfte Brise bringt immer wieder erfrischende Abkühlung.
Rund 50 Menschen haben sich versammelt. Es ist kein riesiges Turnier, aber gerade das macht seinen Reiz aus. Die Atmosphäre ist familiär. Die meisten kennen sich, und doch gibt es immer wieder neue Gesichter, die sich im Laufe des Tages näher kennenlernen. Es sind nicht nur die Spieler, die diesen Tag besonders machen, sondern auch ihre Familien, Freunde und Bekannte, die sie begleiten. Es wird gelacht, geredet, und vor allem: es wird gespielt. Auf dem Feld befinden sich 6 Spieler. Bis 21 wird gezählt, dann ist einer von zwei Sätzen vorbei. Eine Zeit lang sah es so aus, dass „Wedding 92“ das Ding heute nach Hause fahren wird, doch wie sich später herausstellen sollte, war dies ein Trugschluss.

Es waren klasse Leute, allesamt. Doch natürlich schlug mein Herz für die Pratauer Gang. Ein starkes Team mit tollen Menschen. Menschen wie Micha beispielsweise, der mich überhaupt erst zu diesem Verein gebracht hat. (Wie es dazu kam, dass sich unsere Wege kreuzten, kann man hier nachlesen.) Carsten, der das Spiel mit einer solchen Leidenschaft und Hingabe betreibt, dass man meinen könnte, es sei seine Lebensaufgabe. Oder Stefan, der studierte Kommunikationsdesigner, von dem ich selbst noch Einiges in puncto Gestaltung lernen kann. Und dann gibt es noch Marina, Gerd, Matze und viele andere, die ich in den vergangenen Monaten kennenlernen durfte. Sie alle bringen ihre eigenen Geschichten und Perspektiven mit, und doch eint uns alle die Liebe zu diesem Sport.
Volleyball, ein Sport der verbindet
Natürlich geht es auch um die Ehre. In jedem Spiel will man gewinnen, sonst brauch man nicht antreten, aber Volleyball ist mehr als das. Es ist ein eigener Kosmos. Hier herrscht echter Gemeinschaftssinn. Selbst nach einer Niederlage wird abgeklatscht, es gibt keine bösen Worte, nur den festen Willen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Und selbst wenn, ist das nach der Partie vergessen.
Eindrücke festhalten
Der Tag vergeht wie im Flug. Ich bin so in meiner Rolle vertieft, dass ich glatt vergesse, selbst etwas zu essen. Dabei gibt es reichlich – Steaks, Salate und sogar Kuchen hatte der WSV organisiert. Für mich aber waren die Aufnahmen das Wichtigste. Bilder, die nicht nur den sportlichen Wettkampf einfangen sollten, sondern auch die vielen kleinen Momente abseits des Spielfelds. Die strahlenden Gesichter der Kinder, die sich im Schatten der Bäume austoben, die stolzen Blicke der Partner und Freunde oder die jubelnden Rufe nach einem gelungenen Spielzug. Meine Kamera hält all das fest, und mit jedem Klick versuche ich, die Magie dieses Tages einzufangen.
Guntram, Jahrgang 1953 und seit drei Jahren Präsident des WSV, ist selbst aktiver Volleyballer. Mit seiner ruhigen, aber bestimmten Art sorgt er dafür, dass alles reibungslos abläuft. Am Ende des Tages ist es auch er, der die Siegerehrung durchführt. Und man mag es kaum glauben, aber Pratau hat es tatsächlich geschafft und den Titel nach vier spannenden Partien verteidigt. Natürlich hielt ich auch diesen Moment fest, bevor wir uns alle noch auf ein Bier zusammen setzten.

Ein wunderbarer Tag geht zu Ende
Mittlerweile ist es halb sechs und ich verabschiede mich. Während ich meine Kamera einpacke und mich auf den Heimweg mache, denke ich über den Tag nach. Fast wehmütig blicke ich zurück und stelle fest, dass es mehr als nur Teamkollegen sind, es sind Menschen, von denen sich jeder wünscht, sie um sich zu haben. Herzlich, humorvoll und bodenständig. Ich bin dankbar, ein Teil dieses wundervollen Vereins zu sein, und ich freue mich auf viele weitere Jahre, in denen wir gemeinsam lachen, spielen und Erinnerungen schaffen werden.
Der 4. Pumpenhaustag war mehr als nur ein Turnier. Er war ein Fest der Gemeinschaft – und ich bin stolz, dass ich ihn mit meiner Kamera einfangen durfte.

























































































