Herbsttage

Eine neue Saison

Es ist Herbst. Die letzte Etappe des Jahres bricht an. Ich mag diese Zeit, in der die Tage kürzer werden und die Natur langsam in die Dunkelheit hinabgleitet. In der sie sich ein letztes Mal farbenfroh aufbäumt, bevor sie schließlich in grauer Stille verharrt. Es ist die Zeit, in der eine ganz besondere Saison immer wieder aufs Neue beginnt.

Seit einem Jahr spiele ich nun dienstags Volleyball in Pratau, einem kleinen Örtchen nahe Wittenberg. Ein fester Termin, auf den ich mich jedes Mal freue – nicht nur wegen des Sports, sondern vor allem wegen der Menschen. Unterschiedlich, jeder auf seine Weise besonders, und doch ergibt sich daraus ein Team, das einzigartig ist.

Marina gehört dazu. Sie spielt zusätzlich in der Hobbyliga, die in Wittenberg ausgetragen wird. Dort läuft es etwas ernster ab: über eine ganze Saison hinweg treffen Mannschaften aus der Region aufeinander, Spieltag für Spieltag, von September bis Mai.

Sie weiß, dass ich gern fotografiere. Schon beim Pumpenhaus-Turnier im vergangenen Jahr habe ich Momente mit der Kamera eingefangen, und mein Artikel darüber hat ihr gefallen. Also fragte sie mich irgendwann: ‚Komm doch mal mit, begleite uns bei der Hobbyliga und mach ein paar Aufnahmen.‘ Natürlich willigte ich ein.

Ein Herbsttag in Wittenberg

Und so fand ich mich an einem wunderschönen Herbsttag nicht auf dem Spielfeld, sondern am Rand der schönen Mehrzweckhalle im Herzen der Stadt wieder. Mit der Kamera in der Hand, bereit, die Energie, die Stimmen und den Rhythmus der Spiele einzufangen – während Marina und ihre Mannschaft aus Weddin um Punkte kämpften.

Die Sporthalle in Wittenberg

Schon beim Betreten spürte ich die besondere Stimmung. Die Halle war erfüllt von Euphorie, vom Quietschen der Schuhe auf dem Parkett und vom dumpfen Knallen der Bälle. Ein Gemisch aus Energie, Konzentration und Vorfreude lag in der Luft.

Die Hobbyliga wurde 2013 vom MTV Wittenberg ins Leben gerufen, einem traditionsreichen Verein, der bereits im 19. Jahrhundert gegründet worden ist. Dank ihres Engagements können die Spieler die schöne Mehrzweckhalle kostenfrei nutzen.

Volleyball verbindet

Acht Mannschaften traten an diesem ersten Spieltag gegeneinander an. Ich spürte die Wärme und die Freundschaften untereinander, egal für welches Team sie jeweils spielten. Ich blickte in lachende Gesichter und viele umarten sich, weil sie sich lange nicht gesehen hatten. Es ist sehr familiär. Man kennt sich. Es waren einige Gäste und Angehörige da, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

Die Zeitung war angeblich noch nie vor Ort. Es gibt nur einen einzigen Bericht, in dem es um die Benefizveranstaltung geht, die die Hobbyliga jedes Jahr auf die Beine stellt. Dazu wird ein All-Star Team am Ende der Saison gestellt, was sich im Laufe des Jahres aus gewählten Spielern zusammensetzt. Dieses Team spielt dann gegen auswärtige Vereine, wie die Bundes- oder Feuerwehr. Die Erlöse dieses einmaligen Events kommen dann Menschen zu Gute, die etwas weniger Glück im Leben hatten und einfach einen schönen Tag erleben können.

Die Spiele beginnen

Dann ging es los. Punkt für Punkt, Satz für Satz. Lange Ballwechsel, die manchmal im letzten Moment entschieden wurden. Gesichter, die anspannten, Körper, die sich streckten, Hände, die in die Luft schnellten. Nach einem Punkt sah man die Erleichterung, nach einem verlorenen Ball nur ein kurzes Nicken – weiter, weiter.

Volleyballer in Aktion

Ich merkte schnell, dass auf einem erstaunlich hohen Niveau gespielt wurde. Saubere Pässe, schnelle Angriffe, blockierte Schmetterbälle. Ich dachte mir im Stillen: Vielleicht werde ich irgendwann auch einmal so weit kommen. Den Antrieb habe ich.

Am Ende des Tages

Am Ende waren alle zufrieden, naja, vielleicht nicht alle, aber so ist das eben im Sport. Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen. Nach den Spielen blieb niemand allein. Spieler setzten sich vereinsübergreifend zusammen, erzählten, lachten, tranken ein Bier. Die Halle leerte sich langsam, Stimmen hallten leiser, bis irgendwann nur noch Stühle, Netze und der Geruch des Tages zurückblieben. Dann machte sich jeder wieder auf den Heimweg – mit müden Beinen und dem Gedanken an den nächsten Spieltag.

Ich für meinen Teil habe viele Aufnahmen gemacht. Vor allem Momentaufnahmen, in der sich die Sportler einmal in Aktion sehen können. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und hoffe, dass ich diesen Tag würdig festhalten konnte.