Liebe ist ein Fundament

Ein Tag, der zeigt, dass es nicht um den Anfang geht, sondern darum, gemeinsam weiterzugehen.

Ein ganz besonderer Gründonnerstag

Es ist Ostern. Die Sonne scheint endlich ausgiebig. Der perfekte Tag, um zu heiraten. Susi und Andy sind Freunde von Freunden, die ich zur Trauung festhalten sollte. Man hat mich gefragt und ich habe spontan zugesagt. Also Kameras eingepackt und gewartet auf Carsten, meinen Volleyballkumpanen, der mich samt des Bräutigams abholte.

Wir begrüßten uns und ich fragte, warum es unbedingt dieses Datum sein soll. Die Antwort war einfach und gleichzeitig besonders: Beide haben am Gründonnerstag Geburtstag. Damit war klar – genau dieser Tag musste es sein. In Wittenberg gab es keinen freien Termin mehr. Also fuhren wie ins etwa zwanzig Kilometer entfernte Bad Schmiedeberg.

Früh um zehn ging es los. Eine Stunde blieb noch bis zur Trauung. Andy war aufgeregt, das hat man gemerkt. Aber da war auch viel Vorfreude. Nach vierzehn Jahren Beziehung, mit allem was dazugehört, jetzt diesen Schritt zu gehen – das ist kein kleiner Moment. Für Susi war das lange kein Thema. Heiraten musste für sie nicht sein. Erst ein familiärer Schicksalsschlag Anfang des Jahres hat etwas verändert. Plötzlich wird einem bewusst, wie schnell sich alles drehen kann. Wie schnell Dinge vorbei sein können. Also warum dann nicht den Schritt einfach wagen? Man lebt nur einmal.

Ankunft im Rathaus

Wir fuhren im Konvoi. Die Braut und der Anhang samt Freunden waren in den anderen Autos, die Carsten hinterherfuhren.

In Bad Schmiedeberg angekommen, begrüßten wir uns erst einmal, bevor wir direkt ins Rathaus gingen. Gerade noch pünktlich eingetroffen, wurden wir freundlich von der Standesbeamtin empfangen. Sie erklärte den Ablauf und ließ mir die Zeit, mich umzusehen. Wo kann ich stehen, ohne zu stören? Wo fällt das Licht gut? Welche Perspektiven funktionieren? Man schaut sich das an, ohne groß aufzufallen – einfach, um bereit zu sein, wenn es losgeht.

Der Trauungsraum im Standesamt
Wenn der Moment beginnt

Dann war es soweit. Die Türen öffneten sich und das Brautpaar betrat den Raum. Vor ihnen die Standesbeamtin, dahinter Familie und Freunde. Gespräche verstummten, alle richteten den Blick nach vorne. Man hat sofort gemerkt: Jetzt geht es los.

Susi und Andy nahmen vorne Platz, die Trauzeugen neben ihnen. Vierzehn Jahre stehen da auf einmal im Raum. Dinge, die man nicht sieht, aber spürt.

Die Standesbeamtin begann zu sprechen. Ruhig, ohne Hektik, vom Kennenlernen, vom gemeinsamen Weg und von den Jahren, die hinter ihnen liegen. Keine Standardrede, sondern etwas, das zu ihnen passt. Sie sprach davon, dass Liebe nicht nur aus den leichten Momenten besteht, sondern davon, dass man sich immer wieder neu füreinander entscheidet – und dass genau darin ihre Stärke liegt.

Zwischendurch zitierte sie Dichter aus vergangenen Zeiten. Worte, die man vielleicht schon einmal gehört hat, die aber in diesem Moment Gewicht bekommen haben. Ich bewegte mich währenddessen durch den Raum, suchte Blickwinkel und versuchte unauffällig zu bleiben, bis der Boden unter mir anfing zu knarzen. Ein kurzer Hinweis – also setzte ich mich und wartete.

Der Augenblick, der alles trägt

Dann kam der Moment. Alle standen auf, die Ringe wurden gereicht – und genau da setzte das Lieblingslied von Susi ein: Liebe ist ein Fundament. Das hat gesessen und hat mich inspiriert, diesen Artikel danach zu benennen. Schon Wahnsinn, welche Qualität die Künstliche Intelligenz mittlerweile erschaffen kann.

Der Kuss folgte kurz darauf und man hat gemerkt, wie sich die Stimmung im Raum verändert. Die Musik, der Moment, die Menschen – alles kam zusammen. Hier und da Tränen, keine großen Gesten, sondern ehrliche Reaktionen.

Danach wurde unterschrieben. Susi und Andy, die Trauzeugen und auch Lina. Ein kleiner Moment, der viel sagt, weil sie nicht einfach dabei ist, sondern dazugehört.

Anschließend wurde sich umarmt, gratuliert und miteinander gesprochen. Die Spannung fiel ab, alles wurde lockerer. Schließlich war die Zeremonie vorbei und wir verabschiedeten uns alle von der freundlichen Standesbeamtin.

Lina unterschreibt die Unterlagen
Ein Ort zum Loslassen

Vor dem Rathaus blieb die Gruppe noch eine Weile zusammen stehen. Keiner hatte es eilig zu gehen, die Sonne stand gut und die Stimmung war gelöst. Man merkte, dass alle diesen Moment noch ein wenig genießen wollten.

Eigentlich sollte ich nur die Trauung festhalten, aber ich schlug trotzdem vor, noch zum Schloss Reinharz zu fahren, um den Tag nicht direkt enden zu lassen. Die Idee wurde angenommen.

Im Park von Schloss Reinharz wurde alles noch einmal anders. Die Anspannung war weg, man konnte spüren, wie alle einmal durchatmen konnten. Die Gespräche wurden freier, das Lachen entspannter, die Umgebung tat ihr Übriges. Wir machten Gruppenfotos, Bilder von der Familie und von Susi und Andy – und immer wieder Lina mittendrin. Fast nichts wirkte gestellt, eher wie ein gemeinsames Bewegen durch den Park, bei dem sich die Momente von selbst ergeben.

Alles was bleibt

Irgendwann war auch dieser Teil vorbei. Ich verabschiedete mich von allen und wurde von Carsten wieder nach Hause gefahren. Die Feier ging im engsten Kreis weiter.

Zuhause angekommen, setzte ich mich direkt an die Bilder, sichtete die ersten Aufnahmen, machte mir Notizen und schrieb hier und da schon ein paar Sätze auf.

Dabei merkte ich, dass ich etwas Besonderes festgehalten habe. Etwas, das bleibt. Für mich – aber vor allem für das Brautpaar. Und hoffentlich eine Erinnerung, zu der sie immer wieder gern zurückschauen.

Im Spiegel der Zeit

Ein Jahr voller Abschiede und neuer Wege

Wieder ist ein Jahr vergangen.
Ein Jahr, das Spuren hinterlassen hat.

Es waren viele Ereignisse, die meinen Lebensweg in diesen Monaten geprägt haben. Gute und schwere. Leise und einschneidende. Doch vor allem waren es Menschen. Menschen, die gingen. Menschen, die blieben. Und Menschen, die neu in mein Leben traten.

In meiner Familie war dieses Jahr geprägt von Abschieden: Meine Tante. Meine Oma väterlicherseits. Und schließlich meine Mutter.

Ihre Krankheit begleitete uns über viele Jahre. Dystonie – ein Wort, das nüchtern klingt und doch kaum begreifbar ist. Eine fortschreitende, nicht aufzuhaltende Erkrankung. Still, unerbittlich, zermürbend. Eine Krankheit, bei der man nichts reparieren, nichts lindern, nichts zurückholen kann. Man sieht zu, wie ein Mensch langsam weniger wird, während er innerlich ganz wach bleibt.

Meine Mutter sprach an manchen Tagen mit mir über ihren Wunsch, selbst zu entscheiden, wann es genug ist. Oft bat sie mich, etwas zu tun. Und oft musste ich schweigen, weil ich es nicht konnte. Erst als das Leiden unerträglich wurde, suchte mein Vater einen Arzt auf, der diesen Weg möglich machte. Sterbehilfe – ein Wort, das viele noch immer erschreckt. Erst seit wenigen Jahren in Deutschland rechtlich möglich, für viele kaum greifbar. Für mich war das Recht auf einen selbstbestimmten Tod immer Teil der Menschenwürde. Wenn es ein Recht auf Leben gibt, dann auch eins auf ein Leben in Würde.

Als ich erfuhr, dass meine Mutter gegangen war, riss es mir den Boden unter den Füßen weg. Sie wollte nicht, dass ich dabei bin. Mein Vater respektierte diesen Wunsch. So erfuhr ich es einen Tag später, als ich in mein Elternhaus gerufen wurde. Ich solle mich setzen, sagte er. Dann sprach er die Worte aus, die mein Leben in ein Davor und Danach teilten. Noch heute genügt ein Gedanke, ein Satz, ein Bild – und ich bin wieder dort. Schreiben kann das nicht auflösen. Es hält nur fest.

Vielleicht ist es genau das, was ich dieses Jahr unbewusst immer wieder getan habe: festhalten. Mit Worten. Mit Bildern. Mit Momenten. Trotz weniger Artikel.

Vor fünf Jahren hielt ich den Hochzeitstag meiner Eltern fotografisch fest. Ein Tag voller Nähe, Lachen und stiller Selbstverständlichkeit. Bilder, die heute mehr sind als Erinnerungen – sie sind Beweise dafür, dass es dieses Glück gab, und ich bin froh, ihn festgehalten zu haben und möchte hiermit noch einmal daran erinnern: (Link)

Ein Jahr in Bildern und Texten

Auch dieses Jahr habe ich wieder viel fotografiert und geschrieben. Vier Artikel spiegeln das Jahr auf ganz unterschiedliche Weise:

  • Ein Tag mit Leonid – als ich die neue Arbeitsstelle bei pino Küchen antrat, wollte ich wissen, was ein LKW-Fahrer wirklich leistet. Leonid zeigte mir seinen Alltag beim Ausfahren der Möbel, und ich staunte, wie viel Kraft, Konzentration und Ausdauer nötig sind, um das alles zu leisten. Es war ein Tag voller Respekt für seine Arbeit und die Menschen, die Tag für Tag solche Leistungen erbringen.

  • Für Jan – die Jugendweihe eines jungen Menschen. Jan ist der Sohn meiner Sportkameraden beim Volleyball, und es war mir eine besondere Ehre, dass sie mir vertrauten, diesen intimen und einzigartigen Moment festzuhalten. Die Feier war voller besonderer Augenblicke, die ich in Bildern einzufangen versuchte.

  • Zurück ans Meer – eine Reise mit meinen besten Freunden, die in Kroatien heirateten. Ein besonderer Ort, vertraute Gesichter, Sonne, Meer und das Lachen von Menschen, die einem sehr nahestehen. Ich war bereits einige Male mit ihnen dort, doch diese Reise hatte eine eigene Magie – Momente, die sich wie kleine Fluchten aus dem Alltag anfühlten und die ich mit meiner Kamera zu bewahren versuchte.

  • Herbsttage –Volleyball, Stimmen, Bewegung, Energie. Ich wollte den Sport einmal bewusst in den Fokus nehmen und den Teamgeist spüren: die Konzentration, das Zusammenspiel, die Freude, wenn ein Punkt hart erkämpft wird. Es ist eine ganz andere Liga als die, in der ich spiele. Ein war ein Tag voller Bewegung, Emotionen und echtem Teamgeist.

Fotografie und Schreiben halfen mir, das Jahr zu sehen und zu verstehen. Nicht nur die schönen Augenblicke, sondern auch die Verluste, die Abwesenheit, die Spuren, die bleiben.

Zwischen all dem Schmerz hat dieses Jahr mir auch Neues gezeigt. Es hat mich daran erinnert, dass Leben selbst im größten Verlust weitergeht.

Herbsttage

Eine neue Saison

Es ist Herbst. Die letzte Etappe des Jahres bricht an. Ich mag diese Zeit, in der die Tage kürzer werden und die Natur langsam in die Dunkelheit hinabgleitet. In der sie sich ein letztes Mal farbenfroh aufbäumt, bevor sie schließlich in grauer Stille verharrt. Es ist die Zeit, in der eine ganz besondere Saison immer wieder aufs Neue beginnt.

Seit einem Jahr spiele ich nun dienstags Volleyball in Pratau, einem kleinen Örtchen nahe Wittenberg. Ein fester Termin, auf den ich mich jedes Mal freue – nicht nur wegen des Sports, sondern vor allem wegen der Menschen. Unterschiedlich, jeder auf seine Weise besonders, und doch ergibt sich daraus ein Team, das einzigartig ist.

Marina gehört dazu. Sie spielt zusätzlich in der Hobbyliga, die in Wittenberg ausgetragen wird. Dort läuft es etwas ernster ab: über eine ganze Saison hinweg treffen Mannschaften aus der Region aufeinander, Spieltag für Spieltag, von September bis Mai.

Sie weiß, dass ich gern fotografiere. Schon beim Pumpenhaus-Turnier im vergangenen Jahr habe ich Momente mit der Kamera eingefangen, und mein Artikel darüber hat ihr gefallen. Also fragte sie mich irgendwann: ‚Komm doch mal mit, begleite uns bei der Hobbyliga und mach ein paar Aufnahmen.‘ Natürlich willigte ich ein.

Ein Herbsttag in Wittenberg

Und so fand ich mich an einem wunderschönen Herbsttag nicht auf dem Spielfeld, sondern am Rand der schönen Mehrzweckhalle im Herzen der Stadt wieder. Mit der Kamera in der Hand, bereit, die Energie, die Stimmen und den Rhythmus der Spiele einzufangen – während Marina und ihre Mannschaft aus Weddin um Punkte kämpften.

Die Sporthalle in Wittenberg

Schon beim Betreten spürte ich die besondere Stimmung. Die Halle war erfüllt von Euphorie, vom Quietschen der Schuhe auf dem Parkett und vom dumpfen Knallen der Bälle. Ein Gemisch aus Energie, Konzentration und Vorfreude lag in der Luft.

Die Hobbyliga wurde 2013 vom MTV Wittenberg ins Leben gerufen, einem traditionsreichen Verein, der bereits im 19. Jahrhundert gegründet worden ist. Dank ihres Engagements können die Spieler die schöne Mehrzweckhalle kostenfrei nutzen.

Volleyball verbindet

Acht Mannschaften traten an diesem ersten Spieltag gegeneinander an. Ich spürte die Wärme und die Freundschaften untereinander, egal für welches Team sie jeweils spielten. Ich blickte in lachende Gesichter und viele umarten sich, weil sie sich lange nicht gesehen hatten. Es ist sehr familiär. Man kennt sich. Es waren einige Gäste und Angehörige da, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

Die Zeitung war angeblich noch nie vor Ort. Es gibt nur einen einzigen Bericht, in dem es um die Benefizveranstaltung geht, die die Hobbyliga jedes Jahr auf die Beine stellt. Dazu wird ein All-Star Team am Ende der Saison gestellt, was sich im Laufe des Jahres aus gewählten Spielern zusammensetzt. Dieses Team spielt dann gegen auswärtige Vereine, wie die Bundes- oder Feuerwehr. Die Erlöse dieses einmaligen Events kommen dann Menschen zu Gute, die etwas weniger Glück im Leben hatten und einfach einen schönen Tag erleben können.

Die Spiele beginnen

Dann ging es los. Punkt für Punkt, Satz für Satz. Lange Ballwechsel, die manchmal im letzten Moment entschieden wurden. Gesichter, die anspannten, Körper, die sich streckten, Hände, die in die Luft schnellten. Nach einem Punkt sah man die Erleichterung, nach einem verlorenen Ball nur ein kurzes Nicken – weiter, weiter.

Volleyballer in Aktion

Ich merkte schnell, dass auf einem erstaunlich hohen Niveau gespielt wurde. Saubere Pässe, schnelle Angriffe, blockierte Schmetterbälle. Ich dachte mir im Stillen: Vielleicht werde ich irgendwann auch einmal so weit kommen. Den Antrieb habe ich.

Am Ende des Tages

Am Ende waren alle zufrieden, naja, vielleicht nicht alle, aber so ist das eben im Sport. Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen. Nach den Spielen blieb niemand allein. Spieler setzten sich vereinsübergreifend zusammen, erzählten, lachten, tranken ein Bier. Die Halle leerte sich langsam, Stimmen hallten leiser, bis irgendwann nur noch Stühle, Netze und der Geruch des Tages zurückblieben. Dann machte sich jeder wieder auf den Heimweg – mit müden Beinen und dem Gedanken an den nächsten Spieltag.

Ich für meinen Teil habe viele Aufnahmen gemacht. Vor allem Momentaufnahmen, in der sich die Sportler einmal in Aktion sehen können. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und hoffe, dass ich diesen Tag würdig festhalten konnte.

Für Jan

Ein grauer Tag mit leisen Versprechen

Es ist ein milder Frühlingstag. Der Himmel hängt tief, als hätte er sich eine Decke übergezogen. Ein feiner Regen fällt gleichmäßig vom Himmel, unaufgeregt, aber beständig. Nichts Spektakuläres, kein Donner, kein Blitz – einfach ein stiller, grauer Tag, der fast zu gut passt für meine Begriffe.

Es ist 15 Uhr. In einer Stunde beginnt eine Jugendweihe. Nicht irgendeine – sondern die eines Jungen, den ich bis zu diesem Moment nicht kannte: Jan.

Er ist der Sohn von Sindy, der Lebensgefährtin meines Volleyballkumpels Carsten. Irgendwann – es war wohl rund um das Volleyballturnier im letzten Jahr – sprach mich Carsten auf das Fest an. Oder besser gesagt: Er sprach nicht darüber, ob ich fotografieren möchte – vielmehr klang es wie eine Selbstverständlichkeit, dass ich es tun würde. Und er hatte recht. Ich sagte ohne Zögern zu.

Ein Ort, an dem mehr passiert, als man sieht

Der Veranstaltungsort ist das „ResoWitt“ – eine Einrichtung, an der ich in den letzten Jahren des Öfteren vorbeigefahren bin, ohne je zu wissen, was dort eigentlich passiert. Von außen wirkte es eher unscheinbar, fast anonym. Doch dieser Eindruck sollte sich heute vollständig wandeln.

Als ich ankomme, werde ich bereits erwartet. Carsten begrüßt mich freudestrahlend, auch Sindy heißt mich herzlich willkommen. Ihre kleine Tochter ist ebenfalls schon da – quirlig, offen, lebensfroh. Sie hatte bereits damals beim Volleyballturnier alle Blicke auf sich gezogen.

Die drei strahlen mir eine Wärme entgegen, die nicht aufgesetzt wirkt. Für sie scheint es nicht selbstverständlich zu sein, dass ich gekommen bin. Vielleicht, weil sie es nicht gewohnt sind, dass Versprechen eingelöst werden. Vielleicht auch, weil echte Verbindlichkeit heute selten geworden ist.

Die Räumlichkeiten sind geschmackvoll und liebevoll vorbereitet. Das Motto des Tages lautet Schwarz-Rot – eine ungewöhnliche, aber starke Farbkombination. Gäste und Dekoration greifen das Thema auf – ein durchdachtes Detail, das dem Ganzen Struktur und Stil verleiht.

Jan

Dann wird mir Jan vorgestellt. Er ist der Mittelpunkt des Tages – und wirkt doch alles andere als inszeniert. Er ist höflich, ruhig, zugewandt. Kein Angeber, kein Lautsprecher. Einer, der genau beobachtet und erst dann spricht. Ich mag das.

Jan mit seinem Vater

Es dauert nicht lange, bis sich der Raum füllt. Eine große Familie kommt zusammen – bunt, laut, herzlich. Namen fliegen herum, Geschichten werden erzählt, Umarmungen verteilt. Carsten und Jan stellen mich allen vor. Ich beginne zu fotografieren – zunächst dezent, zurückhaltend. Mein Ziel ist es nie, zu stören – ich will miterleben, nicht unterbrechen.

Kaffee und Kuchen stehen bereit. Der Regen lässt langsam nach. Die Gespräche klingen heller, leichter. Die Kinder zieht es nach draußen – Ostereiersuche steht auf dem Programm. Auch ich folge ihnen mit der Kamera in der Hand und fange ein, was sich zeigt: leuchtende Augen, kleine Erfolge, große Freude.

Erinnerungen in Schwarz-Rot

Ich schlage vor, Porträtfotos zu machen. Wer möchte, darf. Und fast alle möchten.

Mal allein, mal als Paar, mal als Gruppe. Jeder bringt etwas Eigenes mit: eine Haltung, ein Lächeln, eine Geschichte. Und ich versuche, das festzuhalten, was sich nicht sagen lässt.

Als ich später die Bilder sichte, zähle ich über 1.200 Aufnahmen. Natürlich bleiben am Ende nur wenige übrig – aber es geht nie um Masse. Es geht um das eine Bild, in dem ein Moment eingefroren ist. Das eine Foto, das nach Jahrzehnten noch spricht.

Mein Teamkamerad Berti mit seinen geliebten Eltern
Der Duft von Grillgut und der Klang von Dankbarkeit

Als der Abend sich nähert, übernimmt Max den Grill. Ein Mann mit Rhythmusgefühl und Humor. Steaks, Würstchen, marinierte Überraschungen – was da auf den Rost kommt, lässt wenig Wünsche offen.

Dazu gibt es eine Vielzahl selbstgemachter Salate. Hier haben sich Sindy und Carsten wirklich ganz besondere Mühe gegeben. An alles wurde gedacht. Es ist ein Essen, das nicht nur satt macht, sondern verbindet.

Die Gespräche wandeln sich, werden ruhiger, persönlicher. Die Sonne bricht durch die Wolken. Sie kommt nicht oft an diesem Tag, aber wenn, dann richtig.

Jochen – der Mann hinter dem Gelände

Erst am späteren Abend lerne ich Jochen kennen. Ein Mann, der sich Zeit nimmt, wenn er sie hat – und sonst lieber mit den Händen arbeitet.

Seit über zwanzig Jahren ist er der Hausmeister des ResoWitt. Doch Hausmeister ist nur ein Wort – in Wahrheit ist er der Möglichmacher.

Jochen ist gelernter Garten- und Landschaftsbauer. Seine eigene Kindheit war schwierig. Mit sechzehn kam er in ein Heim – das Jugendamt griff ein. Der Vater früh verstorben, die Mutter? Irgendwo, vielleicht.

Heute ist Jochen 65. Und obwohl er längst im Ruhestand sein könnte, arbeitet er weiter – aus Überzeugung. Er organisiert Veranstaltungen, repariert und pflegt das Gelände mit Hingabe. Hier gibt es alles, was Kinder brauchen: Schaukeln, Rutschen, Kicker, Tischtennis – und ein echtes Beachvolleyballfeld.

Jochen, ein Mann mit echtem Herz

Auch Carsten nutzt es regelmäßig. Neben unserem gemeinsamen Verein hat er sich hier ebenfalls ein sportliches Zuhause geschaffen.

Das ResoWitt betreut derzeit etwa 150 Familien – Tendenz steigend. Jochen erklärt mir den Namen: „Resozialisierung Wittenberg“. Plötzlich ergibt alles Sinn.

Der Ort lebt – nicht nur durch Gebäude, sondern durch Menschen wie ihn.

Der Abschied und das, was bleibt

Es ist fast 22 Uhr, als ich mich auf den Heimweg machen möchte. Doch bevor ich gehe, stehen Carsten, Sindy und Jan vor mir. Sie überreichen mir einen liebevoll gepackten Präsentkorb.

Keine große Rede, keine pathetischen Worte – nur ehrliche Dankbarkeit.

Ich bin gerührt. Und gleichzeitig fast ein wenig verlegen. Denn ich habe ja noch gar nichts „abgeliefert“. Noch keine Bilder, kein Bericht. Nur Präsenz. Doch vielleicht war genau die das Wichtigste.

Jetzt, da ich die Fotos sichten und sortieren darf, weiß ich: Ich habe diesen Tag nicht einfach nur begleitet – ich durfte Teil davon sein.

Für Jan

Ich hoffe, dass meine Bilder eines Tages etwas erzählen können. Nicht nur von einem Fest – sondern von einem jungen Menschen, der auf leisen Sohlen erwachsen wurde.

Von einer Familie, die ihn trägt.

Von einem Ort, der mehr gibt, als man sieht.

Und von einem Frühlingstag, an dem es regnete, aber keiner klagte.

Für Jan.
Für die Erinnerung.
Für später.


Rückblende

Ein Jahr voller Geschichten, Veränderungen und neuer Perspektiven

Unglaublich, wie die Zeit vergeht – es ist tatsächlich schon vier Monate her, seit ich hier auf meinem Blog das letzte Mal etwas veröffentlicht habe. Aber das ist das Schöne an einem Hobby wie diesem: Es bleibt mir überlassen, wann ich schreibe, und heute ist wieder einer dieser Momente, in denen mich die Inspiration packt. Zum Ausklang eines ereignisreichen Jahres, in dem ich nicht nur einen neuen Job antrat, sondern auch in eine völlig neue Branche eintauchte, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um zurückzublicken – auf die Geschichten, Begegnungen und Erfahrungen, die 2024 so besonders gemacht haben.

Ein neues Kapitel beginnt

Vor vier Monaten wagte ich mich auf neues Terrain. Ich trat nach siebzehn Jahren in der Druckerei eine neue Stelle an. Es war mehr als nur ein Jobwechsel – es war der Sprung in eine völlig neue Branche. Ein Universum für sich, das ich erst allmählich erkunde und dessen Dynamik mich täglich aufs Neue herausfordert. Aber es war ein guter Start, denn ein besseres Kollegium kann man sich kaum vorstellen. Vielleicht widme ich diesem Abenteuer im kommenden Jahr einen eigenen Beitrag, um ein paar Einblicke in dieses faszinierende, aber komplexe Feld zu geben. Erste Aufnahmen dazu habe ich bereits gemacht.

Erinnerungen an eine ereignisreiche Zeit

Gerade denke ich noch etwas weiter zurück. Vor genau drei Jahren ging mein erstes Video zu den Spaziergängen in Wittenberg online. Zeiten waren das. Damals dachten wir, wir können wirklich etwas verändern. Corona. Dieses Wort war allgegenwärtig. Heute ist vieles davon nur noch eine blasse Erinnerung. Inzwischen hat sich die Welt verändert, nicht immer zum Guten: Die Kosten steigen, Konflikte eskalieren, und politisches Vertrauen erodiert. 2024 gab es kaum noch große Demonstrationen. Jene, die dennoch stattfanden, besuchte ich aber. Das große Thema war Frieden.

Höhepunkte eines ereignisreichen Jahres

Zeit, das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Das Jahr begann mit den Bauernprotesten. Mittlerweile wird sich kaum mehr jemand daran erinnern, aber gefühlt jeder zweite Bauer war in Deutschland auf der Straße und machte seinem Unmut freien Lauf. So auch in Wittenberg. Ich fand es wichtig, diesen Tag in Würde festzuhalten. Schließlich waren es berechtigte Forderungen, die da gestellt worden sind. Warum ich den Artikel „Schiffbruch“ nannte, kann man sich hier noch einmal zu Gemüte führen: „Schiffbruch“

Anfang Februar veröffentlichte ich einen persönlichen Beitrag, in dem ich meine Ambivalenz reflektierte und die Frage stellte, welches der richtige Weg ist und ob es ihn überhaupt gibt. Ohne Bilder, nur Worte – eine bewusste Entscheidung, um die Gedanken für sich sprechen zu lassen: „Zwischen Dystopie und Hoffnung“

Im Frühling kam es zu einer außergewöhnlichen Begegnung von der ich in meinem Artikel „Von Zufällen und Hexenhäusern“ berichtete. Außerdem hielt ich einen Abend mit meiner Besten fest und verewigte meine Gedanken zum Thema Freundschaft in dem Artikel: „Vom Band der Freundschaft“

Im Mai setzte ich mein Vorhaben um und fuhr nach Berlin, um mir das Thema „Armut“ hautnah anzusehen und mir ein Bild davon zu machen. Gelesen hat jeder sicher schon einmal davon. Gesehen auch, aber ich wollte mich mit Betroffenen selbst unterhalten und ihre Geschichten hören. Es war wirklich bewegend. Meine Eindrücke verewigte ich in meinem Artikel „Von der Armut“

Wieder Mai. Männertag. Ein ganz besonderer Tag, der mich zu neuen Menschen führen sollte, die ich mittlerweile in mein Herz geschlossen habe. Die ganze Geschichte dieser tollen Stunden, habe ich in meinem Artikel „Ein Tag in Freiheit“ festgehalten.

Im Darauffolgenden Monat war es dann soweit, die Elbe Druckerei Wittenberg schloss nach 200 Jahren für immer ihre Pforten. Den letzten gemeinsamen Tag hielt ich fest und veröffentlichte ihn unter den Titel: „Das Ende einer Ära“

Wie weiter oben bereits erwähnt, fanden dieses Jahr nicht sehr viele Demonstrationen statt. Eine, die mir jedoch persönlich sehr wichtig war, besuchte ich im August diesen Jahres. Eindrücke davon, sind im Artikel „Marsch des Friedens“ zu erhalten.

Mein letzter Beitrag dieses Jahres widmete sich einem Volleyballturnier unseres Vereins. Die Bilder, die ich dabei machte, zählen zu meinen Favoriten, denn sie transportieren genau diesen amerikanischen Touch, den ich so liebe. Genannt habe ich ihn: „Eine Frage der Ehre“

Ausblick auf 2025

Nun, am Ende dieses Jahres, bleibt das Gefühl, dass jeder Moment – ob schön, schwer oder leise – seinen Platz hat. 2024 war ein Jahr der Veränderungen, des Wachstums und der Begegnungen.

Was 2025 bringt, kann niemand wissen. Aber ich bin bereit, jede neue Geschichte zu erleben, festzuhalten und zu teilen. Danke, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet habt. Auf ein neues Jahr voller Geschichten und Augenblicke, die hoffentlich inspirieren und berühren.

Zum Schluss gibt es noch eine kleine Auswahl an persönlichen Lieblingsbildern aus diesem Jahr.

Ein Tag in Freiheit

Die Einladung

Einladungen zu spontanen Ausflügen können Überraschungen bereithalten. So auch vor einigen Tagen, als mich Jochen, der Vermieter meiner besten Freundin, zum Männertag mit seinen Kumpels einlud. „Die sind echt okay“, meinte er, und ich würde gut zu ihnen passen. „Na klar, warum nicht?“, erwiderte ich. „Außer guter Laune und deinem Fahrrad brauchst du nichts weiter mitzubringen.“

Der Start

Der besagte Tag war gekommen. Es war ein herrlicher Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Königswetter. Kurz bevor ich das Haus verließ, entschied ich mich, die Kamera einzupacken – schaden konnte es ja nicht. Auf ging’s ins Nachbardorf. Nach etwa zwanzig Minuten auf dem Rad traf ich pünktlich bei Jochen ein, und wir fuhren gemeinsam zum vereinbarten Treffpunkt. Dort warteten bereits einige Leute. Jochen stellte mich seinem Kumpel Micha und seinem Schwager Thomas vor. Ich fand sie locker, und sie mich offenbar auch.

Frühstück und Bekanntschaften

Micha lud uns in den Gemeinschaftsraum ein, wo bereits gezapftes Bier und ein gedeckter Tisch auf uns warteten. Er hatte Brötchen besorgt, und Thomas kümmerte sich um Gehacktes und Wurst von einem regionalen Fleischer. Micha war ein Zugezogener aus Halle und früher leidenschaftlicher Basketballspieler. Jetzt spielt er einmal die Woche Volleyball. „Komm doch mal vorbei“, sagte er einladend.

So begannen wir den Tag mit einem kühlen Blonden und einem phänomenalen Frühstück. Nach einer Weile stießen noch zwei weitere Freunde von Jochen dazu: Bully, ein Anlagenfahrer, und Hendrik, ein Versicherungsmakler, der sein Marketing erfolgreich über Social Media betreibt, wie ich später erfahren sollte.

Erste Etappe: Bergwitz

Nach etwa einer Stunde schwangen wir uns auf die Räder und machten uns auf den Weg zu unserer ersten Etappe: Bergwitz. Vor uns lagen etwa zehn Kilometer Strecke durch wundervolle Landschaften, durch die ich noch nie zuvor gefahren bin. Wir durchquerten herrliche Natur und grüßten andere Radler, die ebenfalls den Männertag feierten. Nach etwa einer dreiviertel Stunde erreichten wir den See von Bergwitz. Dort bestellten wir die erste Runde Bier. Drei Euro neunzig für 0,4 Liter Bier. Heftig, aber heute sollte Geld keine Rolle spielen. Ein weiterer Kumpel, Gerald, ein Schornsteinsanierer, stieß zu uns. Er war schon viel um die Welt gereist und hatte spannende Geschichten zu erzählen.

Von links nach rechts: Hendrick, Thomas, Gerald, Jochen, Micha und Bully
Zweite Etappe: Rotta

Nach etwa einer Stunde und drei Bierbestellungen ging es weiter. In der Nähe gab es eine Gaststätte, wo wir unseren Durst weiter stillten. Hendrik hatte die originelle Idee, die anstoßenden Biere von unten zu fotografieren, was ich später selbst ausprobieren wollte. Da es dort sehr voll war, zogen wir bald weiter nach Rotta, etwa sechs Kilometer entfernt. Dort erwarteten uns eine Mühle und Livemusik. Die Sonne schien kräftig, aber das störte uns nicht, denn die Stimmung war großartig.

Angekommen in der Gassmühle in Rotta, war ich beeindruckt von dem schönen Ambiente. Massen von Menschen, ein zauberhafter Park, der an das Auenland erinnerte, und tolle Livemusik machten den Ort besonders. Hier fühlte ich mich, als würde ich die Jungs schon ewig kennen. Wir erhoben immer wieder die Gläser und genossen den Tag. Schließlich machten wir uns auf den Weg zur letzten Station: die Heidegaststätte am Königsee.

Dritte Etappe: Königsee

Wieder fuhren wir durch herrliche Landschaften, die es locker mit den schönsten Regionen Deutschlands aufnehmen können, nur eben ohne Berge. Ich war echt geplättet. Konnte dieser Tag noch gesteigert werden? Ja. Angekommen in der von Wald umgebenen Heidegaststätte, setzten wir uns an einen Tisch und genossen erst einmal das wunderbare Ambiente. An die hundert Gäste würde ich sagen, waren hier und feierten. Sofort wurde die erste Runde bestellt. Wir stießen an und lauschten dem DJ, der sogar Wünsche erfüllte. Ich ging zu ihm und ließ mir Zettel und Stift geben, so dass jeder an unserem Tisch einen Wunsch draufschreiben solle. Tatsächlich erfüllte der DJ einige jener und hielt somit Jochen und Thomas nicht mehr auf ihren Plätzen. Die Tanzbodenkönige sprangen auf und ließen ihren Gefühlen freien Lauf. Wir sprachen die Kellnerin an, ob sie ein Gruppenfoto von uns machen könne. Freundlich willigte sie ein.

Einige von uns bestellten Eisbein. Der Hunger hatte sie übermannt. Es schmeckte lecker. Ich reichte den Zettel des DJs herum und sagte, „Schreibt auf, wie ihr diesen Abend beschreiben würdet, wenn es einen Artikel darüber gäbe.“ Unwidersprochen nahm sich jeder den Kuli und schrieb seine Gedanken auf. Ich war überrascht. Sie hätten es ja auch kindisch finden können. Eigentlich alle verwendeten Worte, wie Freiheit oder Freundschaft. Und ich merkte es auch, dass sie alle eine langjährige und tiefe Freundschaft verbindet, auch wenn sie sich vielleicht nur einmal im Jahr begegnen. Einige der Freundschaften reichen bis in die Schulzeit zurück, andere entstanden später, waren aber immer füreinander da. Auch ich hege solche Freundschaften, aber es ist schön, so ein tief verwurzeltes Band auch bei anderen zu sehen.

Der Abschluss

Gegen 18.00 Uhr schloss das Gasthaus und wir machten uns wieder auf den Heimweg. Nicht alle waren dabei, denn Jochen brach früher auf und zwei nahmen den Zug, aber wir waren rundum zufrieden. Das ist das Leben und ich bin dankbar, diesen Tag miterlebt und festgehalten zu haben. Diese Augenblicke möchte ich ehren und hiermit unvergessen machen.

Danke Jungs!

Von Zufällen und Hexenhäusern

Ein unvergessliches Treffen in Wittenberg

Erinnerung an vergangene Zeiten

Letzte Woche erhielt ich eine Nachricht von Eva, jener Eva, über die ich vor einigen Jahren einen Artikel geschrieben hatte. Damals übernachtete ich eine Nacht in ihrer Unterkunft im Chiemgau, um nicht in einem Ritt ins Urlaubsziel Kroatien fahren zu müssen.

Sie teilte mir mit, dass sie nach Rügen müsse und einige Zwischenstopps einplane. Einer davon sollte Wittenberg sein. Natürlich willigte ich ein.

Wiedersehen

Der Tag der Ankunft brach an. Nachdem Eva mir ihre Adresse mitgeteilt hatte, machte ich mich am späten Abend auf den Weg, um sie abzuholen und ihr die Stadt zu zeigen. Als ich ankam, wurde ich herzlich empfangen und in ihr unglaublich schönes Zuhause eingeladen, welches sie für die nächsten zwei Nächte bewohnen würde. Ich war sprachlos. Die „Alte Schule“, wie sie es nannte, war ein wahres Juwel. Rustikal, aber zugleich elegant und einladend eingerichtet – ein perfekter Mix aus Luxus und Gemütlichkeit. Die kleinen Produkte aus einheimischer Produktion und Bilder früherer Schulklassen aus diesem Gebäude, runden all die Schönheit perfekt ab. Es ärgerte mich, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte. Das musste ich unbedingt nachholen, beschloss ich.

Während ich weiterhin die Räume bewunderte, räusperte sich Eva laut und eine Tür öffnete sich. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als plötzlich Julia, eine alte Freundin, vor mir stand, die ich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Früher feierten wir oft zusammen und genossen die düsteren Klänge der „Schwarzen Szene“. Ich war wirklich überrascht und erfreut, sie wiederzusehen. Wir standen lachend da und waren überwältigt von diesem Wiedersehen. Verblüfft fragte ich, wie es zu dieser unerwarteten Zusammenkunft gekommen sei. Eva erwähnte während ihres Treffens mit ihrer Vermieterin Julia nur zufällig meinen Namen, was sie aufhorchen ließ und meinte, „Neeeeeiiin, das gibt´s doch nicht! Was für ein Zufall!“ Es war ein wahrhaft magischer Moment.

Julia war so euphorisch, dass sie uns kurzerhand in ihr „Hexenhaus“ einlud. „Morgen Abend bei mir, okay?“ Spontan willigten wir ein. Anschließend fuhr ich mit Eva in die Stadt und wir gingen im hiesigen Brauhaus etwas Essen. Sie war sehr erstaunt, wie schön Wittenberg ist und welch Geschichte es hat. Ganz neu war ihr, dass sogar Napoleon hier gelebt hatte und es eine Hundertwasserschule gibt.

Im Hexenhaus

Am nächsten Tag holte ich die Chiemgauerin pünktlich ab um Julias Einladung zu folgen. Diesmal hatte ich jedoch meine Kamera dabei und konnte somit vorher noch ein paar Eindrücke der alten Schule samt Umgebung festhalten. Anschließend ging es los.

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Der Weg führte in einen abgelegenen Wald am Rande der Stadt. Schon von Weiten sahen wir ihre Finnhütte, die sie kichernd als ihr kleines „Hexenhäuschen“ bezeichnet. Geparkt, zückte ich sofort meine Kamera und machte ein paar Aufnahmen von ihrem bezaubernden Domizil. Auch Eva kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn man sah, wieviel Liebe und Schweiß sie auch hier investiert hatte, um sich ein solch schönes Zuhause zu schaffen. Freudestrahlend begrüßte Julia ihre Mieterin und mich und erzählte ein wenig darüber, wie es dazu gekommen war, sich hier niederzulassen. Zusammen mit ihrem Mann erschufen sie all diese kleinen Wunder, die ihresgleichen suchen. Sie zeigte uns Bilder der früheren „Alten Schule“. Unglaublich, was sie daraus gemacht haben. Ganze sechs Jahre investierten sie, aber am Ende hat es sich gelohnt. Die fortlaufenden Buchungsanfragen und Bewertungen sprechen eine eindeutige Sprache.

Schließlich betraten wir das Hexenhaus. Natürlich war auch hier alles geschmackvoll eingerichtet. Empfangen wurden wir mit einem Baden-Württembergischen Wein der etwas trockeneren Sorte, sowie einem hervorragenden Mahl, dessen Rezept ich nicht wiedergeben kann. Es waren auf jeden Fall viele Tomaten enthalten. Sie konnte also nicht nur gut kochen, sondern auch zaubern. Gibt es eigentlich etwas, was sie nicht kann? Kaum zu glauben, was dieses Energiebündel schon alles erreicht hat. Ich freute mich sehr für sie und ihre Familie, die sich während unserer Zusammenkunft noch im fernen Bayern aufhielt. Dort leben sie schon eine ganze Weile. Allein das war natürlich schon immens viel Gesprächsstoff für Eva und Julia. Während die beiden von ihren Leben erzählten, versuchte ich hier und da ein paar Momente einzufangen.

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Und so verging der Abend wie im Flug. Schade eigentlich, aber er war so ungezwungen und schön, dass ich ihn hiermit verewigen möchte.

Abschied

Morgen geht es für Eva weiter nach Potsdam, ihren zweiten Zwischenstopp. Sicher wird es dort auch wundervolle Augenblicke geben, aber die Messlatte haben die Wittenberger ganz schön hoch gehängt.

Danke an die beiden Skorpione, Eva und Julia.

PS: Wer sich für eine Unterkunft in Wittenberg interessiert, den kann ich die „Alte Schule“ wirklich ans Herz legen. Hier geht´s zur Website: Link

Zwischen Dystopie und Hoffnung

Ein Flüstern in der Ferne

Während ich am Fenster verweile und den exquisiten Rotweinlikör „Teranino“ von meiner unvergesslichen Reise nach Kroatien genieße, blicken meine Augen in den aufkeimenden Nachthimmel. Dort entdecke ich winzige Gedankenfetzen, die wie Glühwürmchen durch meinen Kopf schwirren. Die Herausforderung, das Unfassbare in Worte zu kleiden und es adäquat zu beschreiben, wird durch diese flüchtigen Eindrücke noch komplexer.

Inmitten dieser stillen Reflexion entfaltet sich vor meinem inneren Auge ein fiktives Szenario. Zwei Fremde begegnen sich auf einem abgeschiedenen Berg, ihre Blicke verlieren sich in der Unendlichkeit. In der Stille der Nacht tauschen sie sich über das Unbegreifliche aus, ihre Worte werden zu einem leisen Echo in der Bergnacht. Ein solches Gespräch, so zart und nachdenklich, spiegelt vielleicht am besten die Gefühlslage derer wider, die versuchen, die Komplexität der vergangenen Zeit zu verstehen.

Das ungewöhnliche Zusammentreffen

Tatjana und Simon, Fremde in einer entfremdeten Welt, teilen sich hoch oben einen Augenblick des Schicksals auf einer verwitterten Bank. Ihr Blick richtet sich synchron zum bedrohlichen Himmel, der Zeuge ihrer nachdenklichen Begegnung wird, während die Resignation wie ein Schatten über ihren Worten liegt.

Ihre Stimme, von Enttäuschung durchtränkt, eröffnet das Gespräch, während Simon in ihre Gedanken eintaucht. Ihre Augen gen Himmel gerichtet, erzählt sie von ihrer verzweifelten Flucht in die Ignoranz. Sie ist sich der politischen Tragödie bewusst und gesteht sich unverblümt ihre Resignation ein. Dabei stellt sie fest, dass eben jene möglicherweise ein Mittel ist, um die ständige Frustration zu überwinden, denn auch Sie hat ein Leben. Dennoch, ihre Frage bleibt bestehen: Ist das Wegschieben wirklich die bessere Alternative oder nur eine Flucht vor der harten Realität? Ist es nicht an der Zeit, aufzustehen und die Lügen zu entlarven?

Simon konfrontiert sie mit der beunruhigenden Wahrheit. Es stimmt, unsere individuellen Bemühungen sind oft nicht mehr als ein Tropfen im Ozean der Apathie. Aber es wird höchste Zeit, aufzuwachen und die Illusionen des politischen Engagements zu durchschauen. In einer Welt, die von beklemmender Resignation durchzogen ist, malt man sich ein düsteres Bild von einer Gesellschaft, die sich am Rande des Abgrunds befindet. Doch selbst in der Dunkelheit der dystopischsten Realität, findet man einen Funken Hoffnung. Trotz der Gewissheit, dass individuelle Bemühungen möglicherweise nicht immer sofortige Ergebnisse erzielen, ist das politische Engagement ein dynamischer Prozess, der die Bedeutung von kleinen Fortschritten betont, auch wenn diese nicht immer sofort erkennbar sind. Die Herausforderung besteht darin, sich als Teil eines größeren Ganzen zu erkennen, ohne die genaue Wirkung objektiv feststellen zu können. Dieser Prozess unterstreicht die Möglichkeit, in der Dunkelheit eine Bewegung zu entfachen, welche die vermeintlich unaufhaltsame Spirale des Niedergangs durchbrechen könnte. Wir müssen uns der Realität stellen! Wir können nicht fliehen. Wir leben jetzt! In einhundert Jahren, sind wir alle tot.

Der Himmel scheint ihre Geschichten zu verschlingen, während Tatjana von ihrer Suche nach persönlichem Glück in einer Welt erzählt, die im Verfall begriffen ist. Er wird zum Hintergrund einer dystopischen Prophezeiung. Politischer Niedergang und gesellschaftliche Bewusstlosigkeit verschmelzen zu einem Schauspiel des Untergangs.

Trotz der Trostlosigkeit suchen sie nach einem Funken Hoffnung. Sie erkennen die Macht der Veränderung, die in der Dunkelheit verborgen liegt. Das Bewusstsein, dass eine Bewegung die Spirale des Niedergangs durchbrechen könnte, beginnt wie ein zartes Licht durch die Dunkelheit zu schimmern. Die Idee von lokalen Gemeinschaften, von einem bewussteren Umgang mit der Umwelt, durchzieht die Luft. Es ist, als ob der Himmel selbst auf ihre Hoffnung herabblickt und Zustimmung signalisiert.

Wir müssen aufhören, uns selbst zu belügen. Tatjana und Simon geben einen Einblick in ihre Strategien – sei es in Routinen oder bewusster Ignoranz – und fordern dazu auf, ehrlich zu sich selbst zu sein. Statt uns in der Resignation zu verlieren, sollten wir unsere eigene Revolution der Selbstpflege starten. Wir dürfen nicht aufgeben, auch, wenn es sinnlos erscheint. Jeder auf seine Art, jeder mit dem, was er kann. Ganz egal, ob es am Ende so scheint, als brächte es nichts. Wir müssen weiter machen!

Auch wenn das emotionale Pendel hin und her schwingt und jeder Tag anders beseelt ist, liegt die Möglichkeit der Veränderung nur in unseren Händen.

Also lasst uns nicht verzagen, auch wenn Zeiten nachvollziehbarer Resignation uns heimsuchen.

Uns allen, viel Kraft!

Friedenstaube

Ein Zeichen für den Frieden

Vergangene Woche entdeckte ich einen Flyer mit einer Friedenstaube darauf. Dort stand geschrieben: „Menschenkette. Protest gegen die Panzerlieferung. Frieden, Heizung, Brot statt Waffen, Krieg und Tod.“ Erfrischend, dachte ich mir. Mal etwas anderes als die Montagsspaziergänge, die zwar immer noch in Wittenberg stattfinden, aber leider bei vielen Menschen keine positiven Assoziationen mehr hervorrufen. Corona war der Auslöser für das wöchentlich stattfindende Ereignis. Nachdem dieses Thema in den Hintergrund gerückt ist, gab es keinen Grund mehr für viele, montags auf die Straße zu gehen. Der Spaziergang aber lebt weiter. Nur wofür er nun noch steht, wissen die meisten Menschen nicht. Da ist ein Aufruf zu einem ganz konkreten Thema, eine gute Alternative.

Eindrücke

Die Kamera im Gepäck, düste ich bei herrlichstem Sonnenschein gen Treffpunkt, der an einer viel befahrenen Straße unweit des Stadtzentrums lag. Das Auto geparkt, ein paar Hände geschüttelt, fing ich an, den Auslöser zu betätigen und meine Eindrücke festzuhalten. Es herrschte eine angenehme Stimmung. Die Menschen waren trotz des freudlosen Themas, heiter und herzlich. Sie lächelten in meine Kamera und ließen sich ganz entspannt ablichten. Sie schwenkten ihre Friedensfahnen und winkten den Autofahrern zu, die das Treiben unterschiedlich aufnahmen. Doch meistens waren sie erfreut und drückten ihre Zustimmung durch lautes Hupen aus.

Begegnung

Als ich einige Aufnahmen im Kasten hatte, begab ich mich auf die andere Straßenseite, um von dort aus alternative Perspektiven aufzunehmen. Gerade positionierte ich mich, als mir jemand auf die Schulter klopfte und mich auf Russisch ansprach. Eine ältere Dame und ihr Mann (wahrscheinlich) wollten offensichtlich wissen, was hier los war. Die Frau begann in ihr Handy zu sprechen, und ließ sie per Google Translator ins Deutsche übersetzen. Schnell fand ich heraus, dass es eine ukrainische Familie aus Cherson war, deren Haus unter Beschuss stand und ihnen nichts mehr geblieben sei. Ich drückte mein Bedauern aus und konnte nachvollziehen, dass die Beiden die Situation ganz anders beurteilen.

Immer wieder tauschten wir unsere Standpunkte aus und reichten das Handy hin und her. In der Kürze der Zeit ließ sich natürlich kein tiefgründiges Gespräch führen. Dennoch versuchte ich ihnen zu vermitteln, dass wir als Deutsche alles dafür tun sollten, den Frieden zwischen den verfeindeten Parteien anzustreben und nicht permanent die Dinge weiter eskalieren zu lassen. Wir sollten keine Waffen und Panzer senden. Die Menschen hier stehen für Diplomatie. Deutschlands Politiker sollten verhandeln! Das ist die Botschaft! Als ich ihr das in ihr Handy diktierte und sie der Übersetzung lauschte, erhielt ich ein nachdenkliches Zustimmen und wir drückten uns anschließend. Ich verabschiedete mich und widmete mich wieder der Kundgebung.

Das Ende eines schönen Tages

Mittlerweile setzte die Dämmerung ein und die ersten Teilnehmer verließen das Treffen. Ich unterhielt mich noch etwas mit dem Ein oder Anderen, verteilte ein paar Visitenkarten und ging dann auch meiner Wege.

Einige hundert Menschen trafen sich hier an diesem Samstagnachmittag. Ihre Botschaft war Frieden. Es war ein leiser Appell, den die Menschen unserer Politik und dem Zeitgeist zuriefen. Wahrscheinlich bleibt er ungehört, aber dennoch möchte ich ihnen hiermit etwas Hoffnung geben. Ihnen mitteilen, dass es durchaus Seelen gibt, die ihnen zuhören und verstehen, was sie fühlen. Sicher nicht heute, aber irgendwann in ferner Zukunft wird es vielleicht eine bessere Zeit geben und die Menschen dort, sollen wissen, wer für Diplomatie und Frieden stand.

Dies ist eine Erinnerung.

Vergangenheit und Zukunft

Einsicht

Da liegt es nun, das vergangene Jahr. Etwas mitleidig betrachte ich es. Ungläubig, ja fast paralysiert schaue ich es an und scheine es immer noch nicht zu fassen, was es mit uns gemacht hat. Ich möchte mich schütteln, mich besinnen und einfach weitergehen, aber ich kann nicht. Unnötig, all die Dinge zu kommentieren, die uns tagtäglich um den gesunden Menschenverstand geschleudert worden sind. Ein Wunder, dass die meisten Menschen, die dem in irgendeiner Weise entgegentraten, überhaupt noch bei klarem Verstand sind oder die Energie aufbringen, weiter zu machen. Nunja, es gibt Ausnahmen. Einige dieser Ausnahmen wurden sogar ins Gefängnis gesteckt.

Und ich? Nun, ich schwanke permanent. Mal möchte ich gegen das Unausweichliche ankämpfen und dann wiederrum betrachte ich uns von außen und muss betreten das Haupt senken. Sagen:, „Aufhören! Es geht nicht so – nicht mehr! Niemand hört mehr zu!“ Wäre es vielleicht klüger, sich eine Weile bedeckt zu halten? Wäre es nicht besser, sich geschlossen zurückzuziehen und abzuwarten, bis diejenigen, die uns als Querulanten und Nörgler betitulieren, selbst erkennen, dass wir gar nicht so falsch lagen mit unseren bedrohlichen Annahmen? Es scheint mir jedenfalls eine überlegenswerte Option zu sein.

Wenn ich mir vor Augen halte, was wir gemeinsam auf die Beine gestellt haben, welche Energie wir aufbrachten, um dem Unrecht etwas entgegenzusetzen, dann kann man schon stolz darauf sein, denn dadurch entstand soetwas wie Hoffnung. Hoffnung, dass wir unsere Mitmenschen erreichen. Dass die Anliegen Gehör finden bei Ihnen und dass Sie sich uns anschließen. Doch leider ist nichts geschehen. Unsere Argumente wurden nicht gehört, im Gegenteil, sie wurden stets verachtet und verlacht, bis heute. Trotzdem sich die gesellschaftliche Lage spürbar für die Allermeisten verändert hat, reichte es nicht aus, sie zum Mitmachen zu bewegen. Schade, denn nur mit ihnen gemeinsam hätten wir etwas bewegen können. Nun finde ich Spaltung, Missgunst und den Schritt in die Bedeutungslosigkeit vor.

Was nützt es auch, immer und immer wieder den Ist-Zustand zu kommentieren und sich die alltäglichen Unglaublichkeiten gegenseitig hin und her zu schicken? Wem soll das etwas nützen außer, dass es uns nur noch mehr in Rage verfallen lässt? Ja, ich weiß, was das WEF vorhat. Wahrscheinlich leben wir tatsächlich in einer anderen Welt als die Meisten. Dann soll es so sein. Ich für meinen Teil, habe meinen Frieden damit gemacht und dokumentiere weiterhin den, aus meiner Sicht, vorsätzlichen Verfall dieser Gesellschaft und versuche Brücken zu bauen, in der Hoffnung, dass sich doch am Ende alles zum Guten entwickeln wird. Ich versuche es jedenfalls auf meine Weise.

Meiner Leidenschaft, der Fotografie bin ich jedenfalls treu geblieben und habe viele Augenblicke festgehalten im Laufe dieses Jahres. Zeit, die Erfahrungen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Der Fels in der Brandung

Mein erstes großes Projekt im vergangen Jahr fand an einem kalten Februartag in der Nähe von Berlin statt. Erneut besuchte ich Manuel, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Paart MC. Schon einmal widmete ich mich seiner Kunst und verfasste einen Artikel über ihn. Diesmal jedoch sollte es noch etwas mehr sein als nur reine Fotos und wir beschlossen, uns an ein Musikvideo zu wagen. Wie es dazu kam, was daraus entstand und ob es uns am Ende gefallen hat, was wir da fabrizierten, kann man in diesem Artikel erfahren.

Das Ende der Geduld

Mein nächster Artikel handelte von den Wittenberger Spaziergängen. Ich hoffte damit, den negativen Berichten etwas entgegensetzen zu können. Meine Erfahrungen waren wirklich schön. Zu dieser Zeit herrschte eine unbeschreiblich positive Atmosphäre auf der Straße. Man konnte den Aufbruch förmlich spüren. All diese Menschen mit samt ihren Ambitionen waren der Ansporn, etwas zurück zu geben und ihnen ein Andenken zu widmen. Ich verfasste also nicht nur diesen Artikel mit vielen Momentaufnahmen, sondern beschloss, auch ein Video unter dem Titel „Zeitzeugen“, zu veröffentlichen.

Alles was bleibt

Im Sommer des Jahres ging ich ein wenig in mich und sinnierte über das Vergangene. Ich betrachtete unser Tun und unser Sein als Ganzes und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Einigen schien ich aus der Seele zu sprechen, denn ich erhielt viele Rückmeldungen auf unterschiedlichsten Wegen. Ich schrieb über Sinn und Antrieb, über meine Einsichten und weshalb ich tue, was ich tue. Es war ein sehr persönlicher Artikel, der viel Gehör fand. Neben dem Rubikon, hielt ihn auch Gunnar Kaiser für erwähnenswert, was mich wirklich sehr gefreut hat.

Scharfe Schwerter

Im September traf ich den Künstler Martin Sprave, der hier in Wittenberg seine Kunst zur Schau stellte. Durch den Tipp eines Freundes erfuhr ich, dass er auf dem Marktplatz seine Werke ausstellte und sah mich sofort gezwungen, diese politischen Monumente fotografisch zu verewigen. Auch ihm widmete ich einen Artikel, der den Weg in mein Lieblingsmagazin Rubikon schaffte.

Die Verurteilten

Zu Guter Letzt in diesem Jahr, verfasste ich einen Artikel über den geschichtsträchtigen Reformationstag in Wittenberg, der zum Anlass genommen wurde, den Unmut gegen die Regierung in Form einer Demonstration zu veranstalten. Viele tausend Menschen sind aus ganz Deutschland gekommen und haben sich dem Protest angeschlossen. Trotz enormer Widrigkeiten, haben die Veranstalter es geschafft, ein imposantes Ereignis zu realisieren. Auch diesen Tag hielt ich in einem Artikel fest, den Mr. Dax. Dirk Müller freundlicherweise auf seiner Chaskursseite teilte.

Was uns erwartet

Was wird Sie uns bringen, die Zukunft? Wird die Gerechtigkeit triumphieren? Wird es unseren Mitmenschen wie Schuppen von den Augen fallen und werden sie realisieren, dass wir nicht ihre Feinde sind? Oder muss erst alles zusammenbrechen und das Elend vorherrschen, bis sich die Gesellschaft wieder besinnt und erkennt, was ihnen angetan wurde? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, die Hoffnung stirbt nicht zuletzt, sie stirbt niemals.