Sterbehilfe

Zwischen Leben und selbstbestimmtem Tod

Es gibt Tage, die sich unwirklich anfühlen. Tage, die man wahrscheinlich nie wieder vergisst. Dieser Samstag war so ein Tag. Ich begleitete meinen Vater ins Erzgebirge, wo mein Opa freiwillig aus dem Leben gehen wollte – begleitet von einem Arzt, vollkommen legal und aus eigener Entscheidung heraus.

Was ich dort erlebt habe, war schockierend, surreal, traurig, aber gleichzeitig auch friedlich und nachvollziehbar. Dieser Artikel soll weder provozieren noch überzeugen. Er soll einfach zeigen, wie so etwas tatsächlich abläuft und was es mit den Menschen macht, die dabei sind.

Ein weiterer Abschied

Es ist Mai. Der vorletzte Tag des Monats. Samstag. Ein einzigartiger Tag stand dem kleinen Rest meiner Familie bevor. An diesem Tag würde der Vater meines Vaters freiwillig einschlafen.

Schon einmal ereilte einen Teil meiner Familie dieses selbst gewählte Schicksal: meine Mutter im vergangenen Jahr. Es war ihr ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass ich vorher nichts davon erfahre. Nach langem Ringen gewährte mein Vater ihr schweren Herzens den Wunsch, die Bühne des Lebens freiwillig zu verlassen. Die Schmerzen waren unerträglich geworden, Hilfe unmöglich. Erst im Nachhinein erfuhr ich davon. Es war das erste Mal, dass mich etwas wirklich komplett aus der Bahn geworfen hat. Und trotzdem verstand ich es. Vor allem konnte ich es nachvollziehen.

Nun war ein Jahr vergangen und auch mein Opa wollte nicht mehr. Anders als meine Mutter hatte er ein hohes Alter erreicht. 89 Jahre verweilte er nun auf dieser Erde und spürte, dass seine Zeit einfach gekommen war. Chronische Schmerzen, schwindendes Augenlicht, regelmäßige Stürze und das Gefühl, anderen nur noch zur Last zu fallen, hatten ihn zu dieser Entscheidung bewogen.

Kurz nach dem Tod meiner Mutter nahm er Kontakt zu jenem Arzt auf, der sie damals begleitet hatte. Er wollte wissen, wie so etwas abläuft. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Ob das überhaupt erlaubt ist. Fragen, die sich vermutlich jeder stellt, der sich das erste Mal mit diesem sensiblen Thema beschäftigt.

Dabei wird in Deutschland kaum offen darüber gesprochen. Das Urteil aus Karlsruhe aus dem Jahr 2020 schuf dafür eine neue rechtliche Grundlage, doch vielen Menschen ist das bis heute kaum bekannt. Selbst Pflegeheime, Polizei oder Bestattungsunternehmen reagieren oft überrascht.

Der Gang nach Canossa

Nun war es also soweit. Erst wollte ich gar nicht mitfahren. Einen Toten hatte ich zuvor nur im Fernsehen gesehen und außerdem hatte mir das Ganze rund um meine Mutter eigentlich schon gereicht. Doch kurz vorher überlegte ich es mir anders. Ich wollte meinen Vater damit nicht alleine lassen. Vielleicht, dachte ich, hilft es mir auch selbst dabei, das alles besser zu verstehen.

Neun Uhr sollte Dr. Burkard kommen, um meinem Opa die gewünschte Hilfe zu leisten. Mein Opa Rolf lebte zu diesem Zeitpunkt seit zwei Jahren in einem Pflegeheim in Aue – dort, wo laut Franz Beckenbauer das schönste Fußballstadion Deutschlands stehen soll. Heimat meines Vaters. Ein wunderschöner Landstrich mit freundlichen Menschen und einem ganz eigenen Dialekt, der oft belächelt wird.

Um sechs Uhr morgens holte mich mein Vater in Wittenberg ab. Zwei bis drei Stunden Fahrt lagen vor uns. Er sagte, er sei froh, das nicht alleine durchstehen zu müssen. Ich wusste selbst noch gar nicht, was mich erwarten würde.

Es war ein wunderschöner Tag. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Die Straßen waren nahezu leer und wir kamen viel schneller voran als gedacht. Natürlich waren wir viel zu früh dran. Also beschlossen wir, vorher noch nach Bad Schlema zu fahren – dorthin, wo seit vergangenem Jahr die Mutter meines Vaters begraben liegt.

Der Friedhof dort ist wirklich wunderschön. Liebevoll bepflanzt, gepflegt und umgeben von einer besonderen Architektur. Ein stiller Ort mit erstaunlich friedlicher Atmosphäre.

Irgendwann wurde es Zeit weiterzufahren..

Ankunft im Pflegeheim

Gegen halb neun erreichten wir das Pflegeheim. Die Sonne schien bereits warm auf den Innenhof. Einige Bewohner saßen draußen, rauchten oder genossen einfach die frische Morgenluft. Manche unterhielten sich, andere blickten einfach still vor sich hin.

Mein Vater lief zielstrebig zum Fahrstuhl. Ich hinterher. Erst als sich die Türen schlossen, merkte man, wie angespannt er eigentlich war. Die ganze Fahrt über hatte er versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Doch jetzt wurde es plötzlich still zwischen uns. Es wirkte tatsächlich wie sein persönlicher Gang nach Canossa.

Dritte Etage. Die Fahrstuhltüren öffneten sich langsam. Im Vorbeigehen grüßten wir freundlich das Pflegepersonal. Aus der Küche roch es nach Kaffee. Einige Bewohner saßen dort bereits zusammen und frühstückten. Ganz hinten am Ende des Flures lag das Zimmer meines Opas. Mein Vater klopfte kurz und ging hinein. Mein Opa saß im Sessel. Als er meinen Vater sah, freute er sich sofort. Doch als er bemerkte, dass ich ebenfalls mitgekommen war, wurde seine Freude noch größer.

„Na du bist ja auch da!“ Er wirkte richtig glücklich. Mein Vater setzte sich aufs Bett, ich mich auf einen Stuhl daneben. Das Zimmer war klein, aber gemütlich eingerichtet. Alles wirkte ordentlich und sauber. An den Wänden hingen Bilder aus besseren Zeiten: Familienfotos, Aufnahmen meiner Eltern, seine verstorbene Frau, seine Freundin Bärbel. Zunächst wurde noch gescherzt. Für einen kurzen Moment fühlte sich alles fast wie ein normaler Besuch an. Doch irgendwann wurde das Gespräch ernster. Mein Vater fragte ihn noch einmal, ob er sich wirklich sicher sei. „Ja“, sagte er ruhig. „Ich bin durch. Es reicht.“

Danach sprach er viel über die Welt, über Nachrichten, über Kriege und gesellschaftliche Entwicklungen. Aber vor allem sagte er immer wieder, dass er froh sei, seine Zeit erlebt zu haben und uns nicht beneide. Früher habe man vielleicht weniger gehabt, aber vieles sei einfacher und unbeschwerter gewesen.

Das Aufeinandertreffen

Kurz nach neun klopfte es erneut. Dr. Burkard und seine Assistentin Frau Müller betraten den Raum. Die Begrüßung wirkte herzlich und vertraut. Schließlich war er es auch gewesen, der meine Mutter damals begleitet hatte. Zum ersten Mal lernte ich die beiden persönlich kennen. Freundlich, offen und erstaunlich ruhig. Man merkte sofort, dass Dr. Burkard genau wusste, was er tat. Keine Hektik. Keine Unsicherheit. Eher die Ausstrahlung eines Menschen, der diese Situationen schon oft erlebt hatte. Mein Opa lächelte, als er ihn sah. Fast erleichtert.

Während Frau Müller die Unterlagen vorbereitete, ging Dr. Burkard ins Bad, um die Infusion herzurichten. Alles wirkte routiniert und gleichzeitig erstaunlich ruhig. Es handelte sich um ein überdosiertes Narkosemittel, das zu einem friedlichen Einschlafen führen sollte.

Der letzte Akt

Als alles vorbereitet war, setzte sich der Arzt neben meinen Opa. Wir verabschiedeten uns. Ich drückte ihn noch einmal. „Bleibt stark. Alles Gute für euch“, sagte er. Er trank noch einen Schluck Wasser und aß ein Stück Schokolade. Ein Moment, der mir im Kopf bleiben wird, weil er gleichzeitig so alltäglich und so endgültig wirkte.

Danach legte Dr. Burkard die Kanüle an. Zunächst wurde Kochsalzlösung verabreicht, um sicherzugehen, dass die Infusion richtig lag. „Da wache ich morgen nicht mehr auf, hoffe ich?“, fragte mein Opa mit einem kleinen Lächeln. „Nein, keine Sorge“, antwortete der Arzt ruhig.

Noch einmal fragte er ihn, ob er sich wirklich sicher sei. Er hätte jederzeit Nein sagen können. Doch mein Opa blieb bei seiner Entscheidung. Dann bekam er die Infusion in die Hand. Er musste den Vorgang selbst auslösen – bei vollem Bewusstsein und aus freiem Willen. Der Arzt hob die Infusion leicht an. Das Mittel begann langsam zu laufen. „Sie schlafen gleich ein“, sagte er leise. „Gute Reise“, ergänzte Frau Müller.

Wenige Augenblicke später schlief mein Opa ein. Eben hatten wir noch miteinander gesprochen und plötzlich war einfach Ruhe. Kurz darauf hörte sein Herz auf zu schlagen.

„Jetzt ist er erlöst“, sagte Dr. Burkard.

Was ich empfand

Es war surreal. Noch wenige Minuten zuvor hatten wir geredet und gelacht. Nun lag er regungslos vor uns. Und trotzdem war ich erstaunlich gefasst. Vielleicht auch deshalb, weil ich spürte, wie überzeugt er selbst von seiner Entscheidung gewesen war. Er wollte nicht mehr leiden. Nicht abhängig werden. Nicht nur noch existieren. Vor allem wirkte alles friedlich. Kein Kampf. Keine Panik. Keine Qualen. Jeder hatte Zeit, sich zu verabschieden. Dinge zu regeln. Noch einmal miteinander zu reden. Und vor allem wirkte der Mensch, der ging, vollkommen ruhig.

Danach

Anschließend informierte Dr. Burkard die Kriminalpolizei. Der Beamte am Telefon kannte solche Fälle offenbar bereits und kündigte an, einen Kollegen vorbeizuschicken.

Frau Müller und ich gingen derweil etwas spazieren – gemeinsam mit ihren beiden Rauhaardackeln, die sie auf solchen Fahrten immer begleiten und währenddessen im Auto gewartet hatten. Wir unterhielten uns über ihre Heimat, ihre Tochter und darüber, wie sie überhaupt zu diesem Thema gekommen war. Ihr eigener Vater sei unter großen Qualen gestorben. Das habe ihre Sicht auf das Thema Sterbehilfe grundlegend verändert. Sie erzählte mir auch, dass viele Menschen an solchen Tagen regelrecht aufblühen. Manche ziehen ihre beste Kleidung an, andere veranstalten kleine Abschiedsfeiern oder verabschieden sich gemeinsam mit ihren Partnern.

Doch es gebe auch Fälle, in denen Menschen ihre Entscheidung kurzfristig zurückziehen oder Angehörige plötzlich Einspruch erheben. In solchen Situationen werde der Vorgang sofort abgebrochen. Später fragte ich Dr. Burkard, ob er keine Angst vor rechtlichen Konsequenzen habe. „Nein“, sagte er ruhig. „Es ist absolut legal. Aber viele Einrichtungen wollen mit dem Thema nichts zu tun haben.“

Polizei, Bestatter und letzter Abschied

Wenig später traf die Kriminalpolizei ein. Ein junger, sehr freundlicher Beamter nahm die Unterlagen entgegen und dokumentierte den Fall. Auch das Pflegepersonal wirkte überrascht. Besonders einer jungen Pflegerin merkte man an, wie nah ihr die Situation ging. Für viele dort war das offenbar Neuland.

Etwa eine Stunde später erschien schließlich das ortsansässige Bestattungsunternehmen Mühlig. Nachdem mein Opa vorbereitet worden war, durften wir noch einmal hinein. Sie hatten ihn wirklich würdevoll hergerichtet. Frische Kleidung, gefaltete Hände, Blumen zwischen den Fingern. Dann verabschiedeten wir uns ein letztes Mal. Der Sarg wurde geschlossen.

Heimreise und letzte Gedanken

Gegen Mittag war alles vorbei. Wir verabschiedeten uns von der Pflegeleitung, dem äußerst einfühlsamen Bestattungsunternehmen sowie dem Polizisten und fuhren wieder Richtung Heimat. Ein wirklich ereignisreicher Tag, der einiges hinterlässt. Mein Vater bedankte sich noch einmal bei mir, dass ich mitgekommen war. Ich hätte das Ganze etwas aufgelockert, sagte er, was gut gewesen sei.

Unterwegs gingen wir noch etwas essen. Biergarten. Schnitzel. Zwei Staropramen.

Wir stießen an. „Vielleicht schaut er uns schon zu“, sagte mein Vater leise. „Auf dein Wohl, Vater.“

Heute ist der Tag danach und die Zeilen fließen nur so aus mir heraus. Vielleicht auch, weil mir dieses Thema inzwischen wirklich wichtig geworden ist.

Ich weiß, dass viele Menschen damit Probleme haben werden. Andere werden es vielleicht nachvollziehen können. Doch unabhängig davon finde ich, dass in Deutschland viel offener darüber gesprochen werden sollte.

Dieser Artikel soll vor allem zeigen, wie so ein Tag tatsächlich aussehen kann. Ohne große Dramatisierung. Ohne politische Agenda. Einfach als persönliche Erfahrung.

Und vielleicht ist er auch ein kleines Denkmal für meine Familie.

Gern hätte ich schon damals über meine Mutter geschrieben. Doch erstens traf mich das damals viel zu sehr und zweitens war ich selbst nicht dabei. Ich konnte mir nur schemenhaft vorstellen, wie alles abgelaufen sein musste.

Deshalb möchte ich wenigstens noch ein paar Bilder meiner Mutter in diesem Zusammenhang verlinken, um ihr damit wenigstens ein kleines Stück gerecht zu werden. Es handelt sich um einen Artikel, den ich 2020 zum Hochzeitstag meiner Eltern veröffentlicht habe – aus einer Zeit, in der es ihr noch etwas besser ging, bevor ihre Krankheit immer schlimmer wurde:

>>Link

Meine Mutter und mein Opa in unbeschwerten Zeiten

Wer mehr Informationen über Dr. Burkard, den Ablauf oder rechtliche Fragen erhalten möchte, dem empfehle ich die Website des Doktors:

https://freitodbegleiter.info

Gute Reise, Opa!

Stürme der Entrüstung

Kein Tag wie jeder andere

Berlin. Samstag, der 25. Februar 2023. Der Tag, an dem die leider sehr umstrittene Demonstration für den Frieden in der Ukraine stattfinden sollte. Initiiert von Sarah Wagenknecht und Alice Schwarzer. Es war ein wirklich apokalyptischer Tag. Regen, Schnee, Wind. Das volle Programm.

Sicher war ich mir nicht, ob ich mich auf den Weg machen sollte, denn es gab in letzter Zeit des Öfteren Augenblicke, in denen ich mich fragte, ob das alles überhaupt noch Sinn macht. Seit Jahren versuchen wir verzweifelt auf jedwede Art unsere Mitmenschen zu erreichen, um zusammen gegen die offensichtlich interessengeleitete Politik aufzustehen, aber nichts half. Im Gegenteil. Die Abneigung manifestierte sich und Nebel legte sich über die Zuversicht.

Marodeure dieser Zeit

Die Vernunft wurde stetig weiter in die Ecke gedrängt. Jede Bestrebung, etwas Positives gedeihen zu lassen, wurde im Keim zertrampelt und mit dem unsterblichen Stigma „rechts“ versehen. Dass all diese destruktiven Gedanken und die damit einhergehenden Ideologien Einzug in die Köpfe vieler Menschen halten konnte, haben wir einzig und allein der hiesigen Journaille zu verdanken, die schon seit vielen Jahren den Pfad der Unvoreingenommenheit verlassen hat und, bis auf wenige Ausnahmen, nur noch die Staatsräson in die Hirne der Bevölkerung meißelt. Sie sind das triefende Schmiermittel dieses korrupten Systems und nutzen ihre Reichweiten, um alles Relevante ins Gegenteil zu verkehren. Sie bringen es sogar zustande, ein einfaches und unmissverständliches Wort wie „Frieden“ und Botschaften wie „Verhandeln statt Waffen“ so zu kontaminieren, dass bei Teilen der Bevölkerung eine nicht nachzuvollziehende Aversion entsteht. Sie nennen uns „Friedensschwurbler“ und „Lumpenpazifisten“. Eine Steigerung dieser Perversion ist kaum vorstellbar. Hinzu kommen hasserfüllte Phrasendrescher, die in den höchsten Ämtern sitzen und Absonderungen von sich geben wie der Baden-Württembergische Finanzminister Danyal Bayaz:

„Was sich da Friedensdemo nennt, ist die hässlichste Fratze Deutschlands und eine Schande für unser Land.“

Und das Entsetzlichste daran ist, dass es so unermesslich viele Menschen gibt, die solche Tiraden auch noch beklatschen. Jene sind es auch, die sich nicht vorstellen können, wie man in so einer Situation noch für Verhandlungen mit Russland einstehen kann. Jene sind es, die den Gegenprotest bei einer Friedensdemonstration besuchen.

Wie oft begleitete ich Demonstrationen und versuchte die Hoffnungen der Teilnehmer einzufangen, die sich gemeinsam gegen die immer absurder werdende Politik stellen. Ich sah mich stets als kleines mediales Gegengewicht zum homogenen Einheitsbild, den die großen Sendeanstalten über sämtliche Medien im Dauerbeschuss von sich geben. Eben jene Medien, die vor einigen Jahrzehnten die damaligen Friedensbemühungen noch unterstützten, marschieren nun im Einheitsschritt mit der Obrigkeit und mähen alles nieder, was nur den Anschein einer Opposition besitzt.

Es ist wahrlich zum Fremdschämen, welch Gedankenschlick diese verderbten Flaggenträger absondern. Diese gewissenlosen Seelenspalter tragen zur Massenverwandlung bei und scheinen es dabei nicht einmal zu bemerken, wessen Klaviatur sie da bespielen. Es dauert nicht mehr lange, bis Sarah Wagenknecht und Alice Schwarzer von diesen Ödniswächtern ebenso gesellschaftlich ausgegrenzt werden, wie diejenigen, die es gewagt haben, während der Coronakrise ihren Mund aufzumachen. Dank ihnen allen, werden wir uns immer weiter voneinander entfernen. Es fehlt nicht mehr viel und die einst friedliebenden Menschen hierzulande werden sich genauso gegenseitig hassen bis aufs Blut, wie Ukrainer und Russen.

And the winner is…

Gewinner ist wieder einmal der lachende Dritte. Der Puppenspieler, der schon seit ewigen Zeiten auf genau dieses Szenario hinarbeitet. Geostrategen, die nur ihren eigenen Vorteil sehen und denen das Leid Anderer völlig egal ist. Individuen, die sich für gescheiter halten, die meinen zu wissen, was gut ist für die Menschheit. Und wir? Wir lassen es geschehen, spielen ihr Spiel mit und verlieren uns im Kleinklein.

Das Herrschaftswissen, welches seit Jahrhunderten in diesen Kreisen weitergegeben worden ist, wurde im Laufe der Zeit perfektioniert. Es wuchs. Es florierte zu einer einzigartigen Macht und hat jetzt, im Zeitalter der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz, ihren Höhepunkt erreicht. Wie will man das durchbrechen? Wie will man jahrhundertelangen Vorsprung aufholen? Die grausame Antwort darauf lautet: gar nicht. Zumindest nicht in unserer kurzen Lebensspanne. Aber wir können Wegmarken legen. Etwas hinterlassen. Wir können im Hier und Jetzt, wohl wissend, dass wir es in unserem Leben nicht mehr verhindern können, ein Zeichen setzen für die Nachwelt und beweisen, dass wir alles auf friedlichem Wege versucht haben, um dem Wahnsinn etwas entgegenzusetzen. Und das haben wir! Nur ein kurzer Blick in die Vergangenheit belegt, welch eine Macht in einer Minderheit schlummerte und was sie auf den Weg brachte. Trotz aller Widrigkeiten, trotz all der Häme und schlechter Presse, blieben sie standhaft und widersetzten sich der Düsternis.

Momente der Hoffnung

Auch dieser 25. Februar ist so ein Lichtblick. Ein Tag, dem Menschen in einer besseren Welt vielleicht gedenken und anerkennen, dass es einen Teil der Bevölkerung gab, die sich den vielen Ungerechtigkeiten entgegenstellten. Diesen Tag hielt ich fest und bin am Ende froh, vor Ort gewesen zu sein.

Schlussendlich bleibt mir nur zu sagen, dass ich Sarah Wagenknecht, Alice Schwarzer und allen, die sich auf den Weg machten, dafür danke, dass sie sich diesem Sturm der Entrüstung entgegenstellten und trotz der noch zu erwartenden Stürme, weiterhin für den Frieden einstehen.