Ein Tag mit Leonid

Vorwort: Ein Blick hinter die Kulissen – Der Anfang einer Reise

Seit einem halben Jahr bin ich Teil des Marketing-Teams bei pino Küchen, einem der führenden Küchenhersteller Deutschlands. Das Unternehmen, das zur Küchenholding Nobilia gehört, steht für moderne Küchen zu attraktiven Preisen. Zuvor war ich 17 Jahre in der Druckindustrie tätig, bis die Firma, die mein Zuhause geworden war, schließen musste. Bei pino erhielt ich eine Chance für einen echten Neuanfang.

Diese Reportage ist der Beginn einer persönlichen Reise. Ich möchte die Menschen vorstellen, die dieses Unternehmen ausmachen, ihre Geschichten erzählen und täglichen Herausforderungen beleuchten. Den Anfang macht heute Leonid, ein LKW-Fahrer, der tagtäglich dafür sorgt, dass unsere Küchen pünktlich bei unseren Kunden ankommen.

Es ist ein Blick auf die Logistik, einem wesentlichen Bereich von pino, und eine Würdigung des guten Arbeitsklimas, das ich hier gefunden habe. Es ist eine Geschichte von Dankbarkeit, neuen Wegen und der spannenden Herausforderung, mich in einem neuen Umfeld zu beweisen. Vielleicht folgen in Zukunft weitere Einblicke in andere Bereiche unseres Unternehmens – die Möglichkeiten sind vielfältig. Doch heute steht Leonid im Mittelpunkt.

Leonid bei der Anmeldung
Auf Achse: Ein Blick hinter die Kulissen der Logistik

Es ist halb fünf Uhr morgens. Die Kälte kriecht unter meine Jacke, während ich über das dunkle Betriebsgelände stapfe. Mein Ziel: Ein gigantischer LKW, neben dem ich mit meinen 1,96 Metern wie ein Zwerg erscheinen sollte. Hinter den zugezogenen Vorhängen wartet Leonid, mein Begleiter für die nächsten Stunden.

Die Stille auf dem Hof ist beinahe unheimlich. Reihenweise stehen die Trucks nebeneinander, eine schlafende Armada aus Stahl, bereit zum Aufbruch. Das kalte Licht des Hinterausgangs taucht die Szenerie in ein gespenstisches Zwielicht. Ich greife zur Kamera, fange diese surreale Atmosphäre ein, während Schatten über den Asphalt huschen.

Mit klammen Fingern klopfe ich an die Tür des LKWs. Ein Augenblick vergeht, dann hebt sich der Vorhang. Leonid nickt mir zu. „Steig ein“, ruft er mit tiefer Stimme.

Noch ruhen die Giganten
Das mobile Kommandozentrum

Oben in der Fahrerkabine fühle ich mich wie in einem Cockpit eines Raumschiffs. Knöpfe, Schalter, Anzeigen – ein faszinierendes Kontrollzentrum auf Rädern. Leonid reicht mir die Hand. „Kaffee?“ fragt er.

Zu meiner Überraschung zaubert er eine kleine Kaffeemaschine hervor. Der Motor springt an, warme Luft strömt aus den Lüftungsschlitzen. Draußen herrscht noch tiefste Nacht, aber hier drinnen beginnt der Tag.

Während Leonid sich kurz frisch macht, nutze ich die Gelegenheit für erste Aufnahmen. Der Blick aus dieser Höhe ist atemberaubend, fast heroisch. Ich fühle mich wie ein Entdecker, der in eine neue Welt eintaucht.

Leonid ist Kasache, Jahrgang ’69. Seit Jahren lebt er mit seiner Familie in Chemnitz, doch sein wahres Zuhause ist die Straße. Fünf Tage die Woche fährt er kreuz und quer durch Deutschland, kehrt nur am Wochenende heim. Seine Kinder hat er kaum aufwachsen sehen. „Das ist der Job“, sagt er nachdenklich, den Blick in die Ferne gerichtet. Er diente ´89 in Ostdeutschland, in Jüterbog. Er passte den perfekten Zeitpunkt ab. „Die Wende, der Aufschwung – das war wirklich eine tolle Zeit.“, sinniert er, „Aber heute? Die Zeiten sind schlechter geworden!“

Die Reise beginnt

Unser LKW ist beladen mit 22 Küchen, die an drei verschiedene Adressen geliefert werden müssen. Die erste: Ein großes Möbelhaus, etwa 70 Kilometer Autobahn vor uns. Ich hätte nie gedacht, dass LKW-Fahren so viel Organisation verlangt. Alles läuft nach Plan – muss es auch. Lieferzeiten sind exakt getaktet, die Wareneingänge genau abgestimmt. Eine Verspätung kann bedeuten, dass du Stunden warten musst oder am nächsten Tag wiederkommen darfst.

So sieht eine aufgebaute pino Küche aus

Auf dem Hof des Möbelhauses ist bereits viel los. Die Fahrer grüßen sich. Man kennt sich. Es gibt Regeln, ungeschriebene und festgelegte. Leonid muss sich durch einen Stapel Papiere arbeiten. Ohne sie geht hier gar nichts. Also auf zur Anmeldung. Dann darf er endlich rückwärts an die Rampe fahren – eine Präzisionsarbeit, die er mit stoischer Ruhe erledigt. Ich wäre vermutlich längst verzweifelt.

Ohne Papiere läuft gar nichts

Dann beginnt der eigentliche Kraftakt: das Abladen. Die Realität zerschmettert meine naiven Vorstellungen. Ich hatte mir das anders vorgestellt – irgendwie mechanischer, mit Gabelstaplern oder Hebebühnen. Aber nein, jede einzelne Küche wird per Hand abgeladen und auf spezielle Wagen, sogenannte Colletten, gestapelt. Die Fahrer müssen das selbst machen. Das Personal vom Wareneingang hilft nicht.

Stück für Stück wuchtet Leonid die schweren Teile aus dem Hänger seines LKWs. Ich helfe so gut ich kann, doch es dauert. Ganze fünf Stunden. Harte, schweißtreibende Arbeit. Erst jetzt wird mir klar, welch entscheidende Rolle die korrekte Beladung der LKWs spielt.

Hier im Lager werden die Küchen zwischengelagert und später an Endkunden ausgeliefert. Ich hatte keine Ahnung, wie komplex diese Logistik ist. Der Lagerleiter überreicht uns eine rote Mappe. Er erklärt mir, dass die Farbe Vertrauen bedeutet – wir sind langjährige Geschäftspartner. Neue Lieferanten erhalten andere Farben, ihre Waren werden strenger kontrolliert. Nachvollziehbar. Die letzte Palette ist verstaut. Leonid streicht sich mit dem Handrücken über die Stirn. „Weiter“, sagt er nur.

Leonids harter Alltag
Die letzten Lieferungen und der Stau der Hölle

Die nächste Station ist ruhiger. Nur drei Küchen warten hier auf ihre Entladung. Das Prozedere bleibt gleich, nur in Miniaturausgabe.

Unser dritter Kunde lässt uns warten. Eine halbe Stunde vergeht. „Das ist hier immer so“, murmelt Leonid. Er lehnt sich zurück und dreht sich eine Zigarette. Dann endlich dürfen wir an die Rampe. Drei Mitarbeiter nehmen die letzten Teile entgegen, machen ein paar lockere Witze und wünschen uns ein schönes Wochenende.

Geschafft. Fast. Der Heimweg sollte eine Formsache sein, doch dann erwischt es uns – ein Stau, der sich zäh wie Kaugummi über die Autobahn zieht. Ganze drei Stunden stehen wir fest. „Hätte uns die letzte Adresse nicht so lange warten lassen, wären wir gewarnt worden und hätten ihn umfahren können“, sagt Leonid resigniert. Schließlich ist es Freitag und er will nach Hause zu seiner Familie. Ich lehne mich zurück und blicke auf die endlose Schlange roter Rücklichter. Mein erster richtiger Superstau.

Respekt für die Straße

Jeden Tag diese Strapazen. Jede Woche dieselben Herausforderungen. Für Menschen wie Leonid ist das Alltag – ein harter, oft unsichtbarer Job, der unsere Wirtschaft am Laufen hält. Ich bin froh, ein Teil dieses Unternehmens zu sein. Aber noch mehr bin ich dankbar, diesen Einblick bekommen zu haben. Die Straße mag für viele nur ein Ort sein, um von A nach B zu kommen. Doch für manche ist sie ein Zuhause. Und für eine kurze Zeit durfte ich daran teilhaben.

Meine Kamera hat diesen Tag festgehalten, die Höhen und Tiefen, die Anstrengungen und kleinen Triumphe. Neben Bildern habe ich auch ein Video erstellt, dass die Essenz dieser Erfahrung einfängt. Sie sind stumme Zeugen der unsichtbaren Helden.

Leonid und seine Kollegen verdienen unseren tiefsten Respekt. Sie sind das Rückgrat unserer Konsumgesellschaft und die stillen Krieger der Logistik. Mein Tag mit ihm hat mir gezeigt, dass hinter jeder Küche, die unser Werk verlässt, harte Arbeit, Engagement und enorme Leidenschaft stecken. Diese Reportage ist mein kleiner Beitrag, um ihnen die Anerkennung zu zollen, die sie verdienen.

Die Straße ruft – und Männer wie Leonid antworten, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Ihre Geschichte verdient es, erzählt zu werden.

Ein Junitag

Momentaufnahmen

Neulich fragte mich eine Freundin, ob ich nicht einmal Zeit hätte, ein paar Momentaufnahmen ihrer Kinder zu machen, denn Sie findet Gefallen an der Art, wie ich Situationen festhalte. Klar, sagte ich, lass mich einfach vorbeikommen und sehen, was dabei entsteht. Ich plane nie etwas wenn es mit der Fotografie zu tun hat. Ich versuche den Augenblick einzufangen und weiß selbst nicht, ob am Ende etwas Besonderes dabei herauskommt.

Auftakt

Samstag Vormittag stieg ich ins Auto und fuhr los. Es war ein herrlicher Tag. Die Sonne schien und das Thermometer zeigte unbarmherzige 32 Grad an. Als ich ankam, wurde ich sehr herzlich begrüßt. Fahima und ihre beiden Kinder empfingen mich in ihrem wunderschönen Domizil. Ihr Mann war leider nicht zugegen, denn er war geschäftlich unterwegs, doch hofften wir alle gemeinsam, dass er sich über die Aufnahmen freut, wenn er sie demnächst zu Gesicht bekommen wird. Ein wenig aufgeregt war ich schon, denn es ist doch eine gewisse Herausforderung diese Art Bilder, wie ich sie mir grob vorstellte, entstehen zu lassen.

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Reportagestil

Nach einigem Smalltalk zückte ich mein Werkzeug und machte die Kleinen erst einmal damit vertraut. Fahima sagte mir, dass die Beiden der Kamera immer etwas schüchtern entgegentreten, also dachte ich mir, zeig sie ihnen erst einmal, vielleicht nimmt ihnen das etwas die Angst. Wir erzählten, die Kinder wuselten um ihre liebende Mutter und ich drückte immer mal wieder auf den Auslöser. Der Anfang spielte sich hauptsächlich in der Küche ab, denn Fahima bereitete ein köstliches Mahl vor. Den Kleinsten im Arm, versuchte ich währenddessen aus den unterschiedlichsten Perspektiven die Augenblicke festzuhalten. Oft kniete ich auf dem Boden, um den Beiden auf Augenhöhe zu begegnen. Das ist übrigens einer der besten Tipps, den ich geben kann, bei Aufnahmen mit kleineren Wesen, wie Kindern oder Tieren, immer auf Augenhöhe gehen, denn das bringt sie am Allerbesten zur Geltung. Relativ schnell entschied ich meine erste Idee zu realisieren und das Ganze in einer Art Reportage zu präsentieren, also alle Personen ohne gestellte Posen aufnehmen, ganz so, wie sie sich in dem jeweiligen Moment eben geben. Natürlich wurde auch das ein oder andere Bild arrangiert, aber es sollte nicht so rüberkommen. Wichtig war mir, dass es interessante Aufnahmen werden, solche, die auch Menschen berühren können, die keinen Bezug zu Fahima und Ihren Kleinen haben.

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Im Freien

Zwischenzeitlich spazierten wir im Garten entlang und hielten hier und da an, um ein paar Bilder zu machen. Es war mittags, eine Zeit, die für die Fotografie äußerst ungeeignet ist, denn die harten Schatten, bedingt durch die pralle Sonneneinstrahlung, wirken sehr oft negativ auf das Endergebnis. Ich versuchte also so oft es geht, mit dem Rücken zur Sonne zu stehen, damit ein einigermaßen brauchbares Ergebnis herauskommt. In meinem Kopf schwirrte schon der Bearbeitungsstil herum: eine Art amerikanischer Stil, der sehr oft gekörnt und eben nicht auf Perfektion ausgerichtet ist. Er unterstreicht meines Erachtens die Situation perfekt. Es gibt Aufnahmen, die technisch gesehen, nicht die Besten sind, doch ist das gar nicht nötig, denn ein Rauschen im Bild kann sich sogar vorteilhaft auf die Stimmung auswirken.

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Die Bilder waren im Kasten

Es vergingen einige Stunden. Man vergisst die Zeit regelrecht bei so einem Vorhaben. Doch ich spürte, dass ein Teil der Aufnahmen etwas werden könnten. Ich drückte Sage und Schreibe 518 mal auf den Auslöser. Natürlich ist am Ende nur ein klitzekleiner Teil für eine Bildpräsentation geeignet gewesen, doch ich war letztendlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

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Dann ging es wieder nach Hause

Ich hatte das Gefühl, dass alle recht glücklich waren mit meinem Besuch. Es war ein rundum gelungener Tag. Nach der köstlichen Bewirtung und einigen letzten Aufnahmen, schlug ich wieder den Heimweg an und startete noch am selben Abend mit der Bearbeitung dieser Masse an Bildern. Einen Teil davon darf ich hier präsentieren. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden und vielleicht bewegen sie den Einen oder Anderen da draußen ja auch.

~ Ulli