Der Fels in der Brandung

Momentaufnahme

Das Jahr beginnt, wie es aufgehört hat. Noch immer liegt diese riesige, staubige Decke über mir, die hartnäckig alles Menschliche unter sich zu begraben droht. Die Tage beginnen mal ernüchternd, mal hoffnungsvoll. Der Zorn ist ein stetiger Begleiter, ebenso wie die Fassungslosigkeit und das schwindende Verständnis für den Teil der Gesellschaft, die diesen bigotten Staatslenkern noch immer treuherzig Glauben schenkt.

Ich weiß, dass es nicht nur mir so geht. Einer der Felsen in der Brandung ist Manuel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Paart MC. Er nutzt seine musikalischen Fähigkeiten dafür, diesem grotesken Schauspiel etwas entgegenzusetzen. Gerade in diesen Zeiten ist es so wichtig, dass es aufrechte Menschen wie ihn gibt. Ein Licht in der Dunkelheit, welche die gesamte Kunstszene zu umschlingen scheint. Denn die meisten Künstler schweigen genau in dem Augenblick, in dem sie lauthals schreien müssten. All die Jahrzehnte führten sie Stücke auf, schrieben und verfassten Lieder darüber, dass so etwas wie damals, nie wieder passieren möge. „Wehret den Anfängen!“, war stets der Tenor. Und nun? In der Stunde der Bewährung, in der es um den größten globalen Angriff auf die Freiheit des Individuums geht, hört man nichts. Es herrscht Ruhe. Jetzt ist das Gros dieses Metiers sogar noch willfähriger Helfer des schier unübersehbaren Unrechts. Es ist beschämend und kaum zu ertragen.

Doch es gibt sie noch vereinzelt, die Lichtblicke, die enorm viel Kraft und Hoffnung spenden. Paart MC ist einer davon. Ein starker Typ, der sagt was er denkt und auch dafür einsteht. Vergangenes Jahr lernte ich ihn kennen. Die Geschichte dazu, hielt ich damals schon fest. Auch er trägt einen wichtigen Teil dazu bei, den einen oder anderen, gerade jungen Menschen, zu erreichen, ihm ein Sprachrohr zu geben und aus seiner Stasis zu befreien.

Eine Idee wird Wirklichkeit

Vor ein paar Wochen schickte er mir seinen neuesten Song „Traitors“ und fragte mich, was ich davon halte. Ihm ist bekannt, dass es so gar nicht meine Musik ist, aber dennoch hörte ich ihn mir an. Und was soll ich sagen, ich war wirklich beeindruckt. Der Beat, der Refrain und vor allem seine authentischen Zeilen, überzeugten mich. Ich sagte ihm, dass dies für mich der professionellste Rap war, den ich bisher von ihm hörte. Doch dem Paart war das nicht genug. Ihm gingen weitere Gedanken durch den Kopf. Ein Musikvideo sollte es sein. Ich sagte, „Schön! Das ist sicher eine gute Idee.“ „Wie wär´s, wenn du das machst?“, fragte er mich. Ich war erst einmal perplex. Ich? Bisher hatte ich mich erst einmal mit dieser Thematik beschäftigt und ein kleines Video über den Wittenberger Spaziergang erstellt. Schließlich ist meine Passion die Fotografie und nicht das Filmen. Aber wir hatten Beide Blut geleckt, denn was hatten wir zu verlieren? Gesagt getan, willigte ich ein und wir verabredeten uns zu einem Drehtermin in der Nähe von Berlin.

Der Tag der Wahrheit

Ich stand sehr zeitig auf, denn immerhin trennten mich fast zwei Stunden Autofahrt von seinem Heimatort. Ohne zu wissen, was genau mich erwartet oder wie ich das Ganze halbwegs professionell realisieren sollte, fuhr ich mit meinem gesamten Kameraequipment einem wundervollen Sonnenaufgang entgegen, den ich sogar später im Musikvideo implementieren sollte.

Endlich angekommen, trafen wir uns vorab bei ihm zu Hause. Er stand bereits draußen vor der Tür und bat mich herein. Wir tranken noch einen Kaffee und sprachen darüber, wie der Tag ablaufen könne. Er erwähnte ein verlassenes Betonwerk, was eine gute Location für unser Vorhaben sein sollte. Gegen Mittag wolle seine Frau noch vorbeikommen, die sich ebenfalls für den Dreh anbot. Alles gepackt, ging es endlich los. Etwa zehn Minuten später waren wir am Ziel und parkten auf einem abgelegenen Feld. Anschließend liefen wir noch etwa zwei Kilometer, bis wir das beeindruckende Gelände endlich erreichten.

Die ersten Aufnahmen

Es war heruntergekommen, karg, trist und faszinierend zu gleich. An den unmöglichsten Stellen waren Graffitis zu sehen, die teilweise wahre Kunstwerke sind. Wir beide waren begeistert von dem Ambiente. „Hier machen wir ein paar Drehs!“ sagte ich, als wir die erste leerstehende Halle sahen. Manuel zog sich um, währenddessen ich meine Kamera positionierte. Ich wies ihn an, mal hier und da herumzulaufen, bevor wir ein paar Festaufnahmen in Angriff nehmen würden. Die ersten Szenen waren im Kasten.

Nach etwa einer Stunde zogen wir weiter in die nächste Halle. Überall übermannte uns das Staunen. An jeder Ecke gab es etwas zu sehen. Auch waren wir nicht die Einzigen, die dieses abgelegene Gelände besuchten. Einige vorbeikommende Menschen begutachteten in kleinen Gruppen ebenfalls das Gelände. Ab und an kamen wir sogar mit ihnen ins Gespräch. Inspiriert von der Umgebung legten wir wieder los mit dem Drehen.

Gegen die Mittagszeit stieß seine Frau dazu. Sie sollte das Ganze noch etwas aufwerten. Zwei Masken hatte ich dabei, von denen ich dachte, sie könnten zum Video passen. Sie probierte sie an. Ich gab ein paar Anweisungen, den Rest erledigte sie von selbst bravourös. Auch, als sie dann mit Manuel zusammen im Bild war, ließ ich die Beiden einfach machen. So verging die Zeit. Am Ende waren wir alle zufrieden mit dem Ergebnis. Erschöpft und mit vielen neuen gewonnen Erfahrungen im Gepäck, ließen wir den Tag noch etwas ausklingen, bevor ich den Heimweg antrat.

Natürlich setzte ich mich gleich am nächsten Morgen an den Rechner und lag los. Zwölf Stunden später gab es die ersten Ergebnisse, die Manuel schon gut gefielen. Über die kommenden Tage setzte ich mich weiter ran und verfeinerte das Ganze. Neben ein paar Bildern, die ich während des Drehs trotzdem aufnahm, kann man das filmische Resultat dieses Erlebnisses, nun seit dem 4.2.2022 begutachten:

Es war mir eine Ehre, mit Manuel und seiner Frau dieses Abenteuer durchlebt zu haben. Die massigen Eindrücke, die ich an diesem Tag gewann, haben meinen Blick in diesem Bereich noch einmal enorm erweitert. Natürlich werde ich weiterhin der Fotografie frönen, aber mein Interesse für das Filmen wurde geweckt.

Outro

Zum Ende hin bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich hoffe, dass es mehr Menschen werden, die sich mit Hilfe der Kunst dem Unrecht entgegenstellen, denn wie sagte schon damals vor vielen Jahren Johann Wolfgang von Goethe: „Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.“

Rückspiegel

Fünfzehn Kilometer

Den Anfang des Jahres möchte ich mit einem kleinen Ré­su­mé beginnen. Auch diesmal hielt ich einige Augenblicke fotografisch fest. Alles fing mit meinem Beitrag an, den ich „Fünfzehn Kilometer“ nannte. In ihm verarbeitete ich die Absurdität einer staatlichen Vorgabe, in der es hieß, dass man sich nur im genannten Radius von seinem Haus entfernen darf. Ich fuhr in alle Himmelsrichtungen um genau in dieser Entfernung die Welt festzuhalten. Der Artikel wurde auch im Rubikon und auf Cashkurs veröffentlicht.

Zeiten wie Diese

Mein zweiter Artikel handelte von meiner Heimatstadt Wittenberg. Er zeigt, was diese Zeit mit einer Stadt alles macht und was die politischen Entscheidungen alles nach sich ziehen. Ich versuchte die Leere und Tristesse darzustellen und für die Nachwelt festzuhalten. Der Rubikon veröffentlichte meinen Artikel unter dem Titel „Das leblose Land“. Auch Dirk Müller ließ mir die Ehre zu Teil, diesen Artikel auf seiner Seite herauszugeben.

Tapfere Herzen

Im März besuchte ich dann eine Demonstration in der Landeshauptstadt Magdeburg und hielt einige Momente fest. Der Titel „Tapfere Herzen“ ist eine Anlehnung an die Rede des William Wallace aus dem Film „Braveheart“, der in einer Rede dieses Tages zitiert worden ist und mich sehr inspirierte. Die Eindrücke dazu findet man hier auf meiner Website und unter anderem auf „Cashkurs„.

Momente

Ebenfalls im März des Jahres begleitete ich eine junge Familie. Ich wollte die Kleinsten aufnehmen und erfahren, was diese Zeit wohl mit ihnen macht. Diese einzigartigen Momente hielt ich in diesem Artikel fest.

Von der Hoffnung

Im April fuhr ich nach Berlin, um gegen die Abstimmung zur Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes zu demonstrieren und die Augenblicke des Geschehens bildlich darzustellen. Auch diesen Artikel teilte der Rubikon.

Wo ich die Freiheit sah

Ich hatte das Glück, dieses Jahr wundervolle Menschen kennenlernen zu dürfen. Unter Anderem die Ackerpiraten. Diese autarke Großfamilie, schloss ich so ins Herz, dass ich ihr einen Artikel widmen musste.

Vom Klang der Kunst

Als ich mir das Pendant zum European Songcontest, nämlich den NuoVision Songcontest ansah, fiel mir ein Künstler auf, dessen Texte mich stark beeindruckten. Sein Name ist Paart MC. Ich schrieb ihm eine Mail und bat um ein Kennenlernen samt Reportage. Er willigte ein. Das Ergebnis sieht man hier.

Der Chiemgau & Kroatien

Im Sommer des Jahres nutzte ich meinen Urlaub, um wieder fernere Ziele zu bereisen. Der Plan war, mit meinen Freunden nach Kroatien zu fahren, um dort ein bisschen Energie zu tanken. In der Tat, habe ich diese Reise nicht bereut, war sie eine der Schönsten, die ich jemals machte. Da die Eindrücke so umfangreich waren, teilte ich sie diesmal sogar in zwei Artikel auf. Den einen gibt es hier und den anderen hier. Auch der Übernachtung vorher im Chiemgau widmete ich einen Artikel.

Vereint im Schmerz

Wieder ging es nach Berlin. Erneut begleitete ich eine riesige Demonstration. Unter Anderem kam mir hier Boris Reitschuster vor die Linse, den man in einem der Bilder erkennt. Auch diese Eindrücke teilte der Rubikon.

Parallelwelten

Im letzten Artikel des Jahres hielt ich ein paar persönliche Gedanken fest, die mich in diesem Moment sehr bewegten und die ich mir von der Seele schreiben musste. Auch diesen teilte der Rubikon freundlicherweise auf seiner Website.

Auf ein Neues

Es war ein sehr kräftezehrendes Jahr. Dennoch überwiegt die Freude darüber, so viele wunderbare Menschen kennengelernt zu haben, die dem Unrecht ebenfalls entgegenstehen und ihren Teil dazu beitragen, dass die gesellschaftliche Bewusstlosigkeit überwunden wird. Sie alle geben nicht auf. Ich danke euch allen!

Vereint im Schmerz

Zugegeben, der Titel klingt etwas pathetisch, aber nachdem ich diesen bedeutsamen Tag noch einmal Revue passieren ließ und mir die Aufnahmen am Abend zu Gemüte führte, wollte ich ihn. Drückt er mit ein paar Buchstaben genau das Gefühl aus, was mich seit langer Zeit umgibt und von dem ich stetig versuchte, es in Worte zu fassen.

Es heißt nicht ohne Grund, geteiltes Leid ist halbes Leid. Erst jetzt, just in diesem Moment, verstehe ich die Bedeutsamkeit dieser allseits bekannten Redewendung tatsächlich. Denn was muss erst geschehen, dass Menschen unterschiedlichster Colour sich vom Sofa aufraffen, in die Ferne reisen und zusammen auf die Straße gehen? Was muss passieren, dass er sagt, ich weiß mir nicht mehr anders zu helfen? Wieviel kann ein Mensch ertragen? Wann ist seine individuelle rote Linie erreicht? Wie weit ist es gekommen, dass die Motivation, etwas zu tun, was nicht der Mehrheit entspricht, größer wiegt, als die Pein, die ihm zwangsläufig entgegenschlagen wird?

Wir leben in einer Zeit, in der selbst Worte, die seit Ewigkeiten legitim waren, bedeutungslos ja sogar abschreckend wirken mittlerweile. Fast schämt man sich sie auszusprechen. Worte wie Heimat, Deutschland, Recht, Freiheit, Nationalhymne oder Führerschein sind mittlerweile so kontaminiert, dass man sich zweimal überlegt, ob man sie benutzt. Es ist nicht nur der gesellschaftliche Umgang mit Corona, weswegen die Menschen auf die Straße gehen. Es scheint, als sei es das gesamte Lebensmodell, dass uns aufoktroyiert wird. Es ist Klima, es ist Gendersprache, es ist die Politik in Gänze. Das ganze Weltbild passt nicht mehr. Egal welches Thema man sich zu Gemüte führt, wir fühlen, dass es falsch ist und wir verstehen nicht, weshalb so viele Brüder und Schwestern das nicht erkennen wollen und uns sogar „bekämpfen“. Dabei sind wir die Letzten, die sich streiten möchten. Ganz im Gegenteil, wir möchten den Frieden, die Versöhnung und in Harmonie miteinander leben. Dafür greifen wir auf das vorletzte Mittel zurück was uns bleibt, die Straße.

Wir müssen alles versuchen, die Dinge zum Guten zu bewegen. Wenn uns das nicht gelingt, sind wir gezwungen unsere eigene Welt zu erschaffen, doch wer möchte das wirklich? Es würde zwangsläufig bedeuten, dass wir uns separieren müssen. Und diesen Zustand jemals wieder aufzulösen, würde Generationen andauern. Wer will das denn? Ich jedenfalls nicht und ich bin der festen Überzeugung, niemand anderes ebenso, der noch ein gewisses Maß an Empathie und Gefühl besitzt. Dafür gehen die Menschen an Tagen wie diesen weltweit auf die Straße, vereint im Schmerz.

Es ist alles gesagt, es ist alles bekannt. Mich erreicht der Schmerz in den unterschiedlichsten Lautstärken und Tonlagen. Es reicht. Er soll aufhören. Doch wird er es nicht von alleine. Mir bleibt nur das, was ich kann und zwar die Fotografie. Mit ihr versuche ich in den Dialog zu kommen, denn Bilder haben eine andere Ausdruckskraft als das geschriebene Wort oder ein Video. Ein Bild kann dazu anregen, für einen Augenblick die Realität zu vergessen. Im besten Fall entsteht ein Zweifel. Ein kurzer Gedanke, der zu weiteren führt und somit zu einem völlig neuen Blickwinkel. Ein naiver, aber schöner Gedanke. Mir gibt er Kraft.

Bildlich berichten möchte ich vom 28.08.2021. An diesem Tag vereinten sich Unzählige in Berlin und machten ihrem Schmerz freien Lauf. Sie gingen gemeinsam auf die Straße, wohlwissend, wie sie in den Gazetten beschrieben werden. Die Energie war atemberaubend, sie war spürbar und gab Halt. Eine schier endlose Anzahl an Menschen ließ sich von Verboten nicht aufhalten und folgte ihrem Herzen, getragen vom unbändigen Gefühl, das Richtige zu tun. Niemand konnte sie aufhalten. Die Liebe und der Wille nach Veränderung steckte an. Niemand warf einen bösen Blick auf die Armada des vergangenen Menschenverstands. Ganz im Gegenteil. Ich erlebte soviel Zuspruch von Passanten und Beobachtern, dass es mich darin bestätigte was ich tue und wofür so viele Menschen den weiten Weg auf sich nahmen. Sie blickten aus ihren Balkonen, schwanken Fahnen, begrüßten uns, streckten den Daumen in die Höhe, pfiffen aus ihren Autos, nahmen selbst alles auf und schenkten uns ein Lächeln. Es war unbeschreiblich. Dabei gerät es fast in den Hintergrund, dass uns die Polizei auf einer Brücke am Weitergehen hinderte.

Ich habe schon viele Demonstrationen fotografisch begleitet und ein paar Gedanken dazu niedergeschrieben, aber diesmal hat es mich besonders mitgerissen. Vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber ich empfand, dass es ein ganz besonderer Tag war, der mir Hoffnung gab, denn diese Masse an reinen Herzen war nicht zu übersehen und regte ganz sicher den einen oder anderen zum Nachdenken an.

Genug der Worte, Bilder sprechen für sich. Ich hoffe, dass ich die Energie dieses wundervollen Tages einigermaßen vermitteln kann.

~ Ulli

Hrvatska

Lokale Ausflugsziele

Vorab: Bevor man sich den folgenden Artikel zu Gemüte führt, sollte man sich dem ersten Teil widmen, da es ansonsten zu Verständnisproblemen kommen könnte. Hier ist der Link.

Der zweite Teil meines Erfahrungsberichts über eins der schönsten Regionen, die ich bisher sah, beginnt mit einem Ausflug in die neunzig Kilometer entfernte Küstenstadt Pula. Dort soll es einen herrlichen Strand geben, meinte Michael, der jeden Abend neue Ausflugsziele recherchierte. Entspannt und den herrlichen Ausblick auf das Meer genießend, erreichten wir die größte Stadt Istriens. Bevor wir uns ihr in Gänze widmeten, besuchten wir erst einmal den nahegelegenen Strand, der auf den zuvor recherchierten Bildern sehr ansprechend aussah. Und in der Tat, wir wurden nicht enttäuscht. Ein herrlicher Strand, der kaum besucht war. Nun, wir hatten nichts dagegen. Wir fanden ein herrliches schattiges Plätzchen und sprangen ins Meer. Später lief ich mit Michael noch etwas umher, um die Gegend zu erkunden und ein paar Eindrücke festzuhalten.

Ausblick aufs Meer
Schlendern durch Pula

Nach einigen Stunden verließen wir den Strand und fuhren in die Innenstadt Pulas. Wir parkten direkt vor dem großen Amphitheater, was die Hauptattraktion der Stadt ist. Hier fanden vor vielen Jahrhunderten ebenfalls Gladiatorenwettkämpfe statt, ganz wie im alten Rom. Wir erkundeten die gesamte Innenstadt und waren fasziniert von der schönen Architektur. Am frühen Abend verließen wir Pula und fuhren wieder Richtung Lovran, unsere temporäre Heimat. Auf dem Rückweg stachen uns noch einige schöne Fleckchen ins Auge, die ich natürlich ebenfalls festhielt.

Altstadt von Pula
Rovinj und Poreč

Wie jeden Abend, gingen wir in unsere Stammkneipe, in der wir auch Teile der EM verfolgten. Die kroatische Mannschaft feuerten wir besonders an. Der Plan für den nächsten Urlaubstag war gesetzt: Rovinj (Wir sprachen es Rovinje aus). Eine traumhafte Stadt, die nördlich von Pula liegt. Wir fuhren quer durchs Land und waren ebenfalls nach ungefähr neunzig Minuten da. Auch hier setzte ich Grit und Michael an einem Strand ab und nutzte die Gelegenheit um in den nächst höher gelegenen Ort Poreč zu fahren. Ich wollte einfach mitnehmen, was geht. Das klingt alles nach ziemlich viel Stress, ist es aber gar nicht. Ganz im Gegenteil, für mich ist das purer Genuss.

Eine Dreiviertel Stunde benötigte ich, um an besagten Ort zu gelangen. Eine hübsche kleine Hafenstadt, die ich in vollem Umfang erkundete. Zwei Stunden reichten aus, um mir einen angemessenen Eindruck zu verschaffen, bis ich wieder nach Rovinji düste und mit ins Meer sprang, bevor wir anschließend in die Innenstadt fuhren.

Diese Stadt war wirklich ein Highlight. Hier hätte man zweifelsohne auch Szenen der Serie Game of Thrones drehen können. Wir dachten, die bisher erlebten Stadtbilder lassen sich nicht mehr toppen, aber das hier setzte dem Ganzen noch eine Krone auf. Wir saugten auf, was wir konnten. Auch hier begegneten wir ausnahmslos freundlichen Menschen. Wir kauften einheimischen Wein und rare Öle, die uns eine freundliche Verkäuferin schmackhaft machte. Rovinji hinterlässt einen starken Eindruck, den man nicht vergessen wird.

Rovinji
Die letzten Tage

Es gefiel mir so gut, dass ich meinen Urlaub auf Istrien kurzfristig um drei Tage verlängerte. Ich konnte einfach noch nicht weg, zu sehr hatte mich Istrien in seinen Bann gezogen. Ich dachte daran, wie es wohl ist, hier sein Leben zu verbringen. Wenn nur nicht diese außergewöhnlich hohe Sprachbarriere wäre. Viele der Einheimischen sprechen deutsch, aber wenn man hier leben möchte, muss man auch die Sprache sprechen. Wir erlebten noch so Einiges. Ein Höhepunkt war die Konoba Kali in Lovran, ein außergewöhnliches Restaurant, mit einzigartigem Ausblick aufs Meer. Hier wird man aufs Herzlichste empfangen. Der Chef begrüßte uns persönlich und stellte uns seine Konoba vor. Er erzählte so Einiges über Kroatien, sein Leben und wie er die Welt sieht. Kein Zweifel, das ist ein absoluter Geheimtipp. Wer einmal hier in der Gegend strandet, muss hier hergehen, denn nicht nur das Essen hier ist phänomenal.

Zu Gast in der Konoba Kali
Dovidenja

Es waren wundervolle Augenblicke hier. Oft denke ich an einen der schönsten Urlaube zurück, den ich vor vielen Jahren in Frankreich erleben durfte, doch das bezaubernde Kroatien samt der durchgängig liebevollen Menschen hier, hat es wahrhaftig geschafft, dies noch einmal zu toppen. Auch hatte ich mit Grit und Michael das Glück, zwei wunderbare Menschen dabei zu haben, mit denen ich diese einschneidenden Erlebnisse teilen durfte.

Abschied von Kroatien

Ich danke den Kroaten für Ihre Gastfreundschaft und hoffe, diese bezaubernde Region eines Tages wieder zu sehen.

~ Ulli