Ein historischer Tag

Motivation

Dieses Mal zog es mich in unsere Hauptstadt Berlin. Es war mir ein wichtiges Anliegen, an diesem Tag persönlich vor Ort zu sein, um mir ein eigenes Bild der Menschen zu machen, die sich gegen die derzeitigen Maßnahmen der Politik aussprechen. Auch ich stehe der ganzen Entwicklung äußerst skeptisch gegenüber und war deswegen zusätzlich motiviert, diese Augenblicke für die Ewigkeit festzuhalten. Ich wollte Zeitzeuge sein und vielleicht würden am Ende sogar ein paar brauchbare Aufnahmen entstehen.

Auf nach Berlin

Am späten Morgen ging es los. Mein Kumpel Michael holte mich ab und wir düsten mit rasender Geschwindigkeit gen Norden, ohne zu wissen, was genau uns erwarten würde. Gegen halb zwölf erreichten wir unser Ziel und fanden sogar relativ nahe der Siegessäule einen Parkplatz, was sicher nicht selbstverständlich war. Das Parkticket bezahlt, stiefelten wir der Siegessäule entgegen, an der wir einen ersten Eindruck erhielten. Wir dachten uns, naja, die Veranstaltung fängt ja noch nicht an, es dauert wohl noch etwas, bis sich etwas tut. Doch dann blickten wir nach rechts zur Straße des 17. Juni und stellten fest, dass dort wohl mehr los sein müsste. Wir liefen um die Siegessäule herum und fanden uns direkt in einer Menschenmenge wieder, die unendlich in die Ferne ragte. Überrascht, von dieser riesigen Anzahl an Zweibeinern, zückte ich das erste Mal meine Kamera und versuchte das Ganze einzufangen. Wir gingen geradewegs dem Brandenburger Tor entgegen.

Erste Eindrücke

Es war schlichtweg atemberaubend. Es waren so viele Menschen dort, dass ich mich vor Eindrücken kaum retten konnte. Ich entschloss mich dazu, die Leute einfach anzuhalten und nachzufragen, ob ich denn ein Bild von Ihnen machen könne. „Ich bin nur Hobbyfotograf und möchte die Menschen darstellen, die ich hier so treffe.“, sagte ich oft. Sie alle waren offen dafür und posierten bereitwillig für einen kurzen Augenblick vor meiner Linse.

Ankunft am Brandenburger Tor

Schließlich erreichten wir das Brandenburger Tor und gingen fest davon aus, wir hätten das Ende des Ganzen so langsam erreicht, doch weit gefehlt. Als wir es passierten, kam uns erneut eine riesige Menge Menschen entgegen. Ich hob meine Kamera empor und hoffte, dass ich es schaffen würde, die Dimension dessen einzufangen. Wir liefen entspannt bis zur Friedrichstraße, die einige Hundert Meter vom Pariser Platz entfernt ist. Hier nahmen wir nun definitiv an, dass dies das Ende der Fahnenstange sei, doch wir irrten uns schon wieder. Als wir in die Friedrichstraße abbogen, erblickten wir erneut eine schier unendliche Anzahl an Menschen. Sie trommelten, tanzten, schwangen Fahnen und hielten Plakate in die Höhe. Es waren Menschen unterschiedlichster Couleur. Ein beeindruckendes Bild.

Friedrichstraße

Wir liefen fast die gesamte Strecke ab. Wir dachten, dass zumindest an der Brücke über der Spree endgültig Schluss sei, aber noch immer sahen wir unendlich viele Menschen in der Ferne. Spätestens hier war uns klar, dass wir im sechs- oder siebenstelligen Bereich sein müssen, was die Anzahl der Leute angeht.

Der Weg zurück zur Siegessäule

Noch sichtlich beeindruckt von diesen Bildern, entschieden wir, wieder zurück zu laufen, um zur Hauptveranstaltung an der Siegessäule, die gegen 15.30 Uhr beginnen sollte, rechtzeitig da zu sein. Erneut realisierten wir die Dimensionen, was hier eigentlich los war. Des Öfteren hielt ich an, hörte hier mal zu und fing da mal einen Augenblick ein. Die positive Stimmung packte einen unweigerlich. Es verging Einiges an Zeit, bis wir wieder in der Nähe unseres Ausgangspunkts waren. Ordnungsteams des Veranstalters lotsten die Mengen in den Tiergarten, um die Verordnungen einhalten zu können und keine vorzeitige Auflösung zu riskieren. Alles war perfekt organisiert, selbst die Akustik war nirgends beeinträchtigt. Michael und ich setzten uns in die Natur und lauschten den Rednern auf der Hauptbühne. Allen voran sprach Robert F. Kennedy, der Neffe des berühmten John F. Kennedy, der die Menge zum Jubeln brachte. Beeindruckende Momente, die den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Es gab noch viele weitere Redner, doch entschlossen wir uns, gegen 18 Uhr wieder gen Heimat zu fahren. Ich hatte genug im Kasten und die Eindrücke waren so gewaltig, dass es für ein ganzes Buch reichen würde.

Fazit

Mir persönlich gab der Tag sehr viel Hoffnung. Menschen, die in normalen Zeiten wohl nie ein Bier miteinander trinken würden, schienen ihre Bedenken für ein größeres Ziel beiseite zu schieben. Es schien für einen Augenblick, als sei die Ära der gesellschaftlichen Spaltung vorbei. Anselm Lenz, einer der Ersten, die sich öffentlich entgegenstellten, formulierte es ziemlich treffend mit den Worten: „Wir können uns gern wieder demokratisch streiten, aber momentan haben wir alle das selbe Ziel.“ Der Initiator der „Querdenken“ Bewegung, Michael Ballweg, möchte genau das, einen Diskurs mit allen Menschen, denn nur so funktioniert eine demokratische Gesellschaft. Hier müssen auch Menschen angehört werden, deren Sicht auf die Welt man nicht teilt. Die oberste Priorität dieser Bewegung ist auch gar nicht Corona an sich, sondern das Fehlen einer öffentlich wissenschaftlichen Debatte ohne tendenziöse Beeinflussung in die eine oder andere Richtung. Es gibt zu diesem Thema mindestens zwei wissenschaftliche Ansichten und es ist nicht demokratisch, wenn man nur der einen Seite vertraut und gesellschaftlich einschneidende Verordnungen verabschiedet, ohne der anderen zugehört zu haben. Die Folgen, Bedenken und möglichen Zukunftsvisionen dieser ganzen Entwicklung sind durchaus ernst zu nehmen und öffentlich zu diskutieren, denn sie betreffen uns alle auf dieser Welt. Ich wünsche mir mehr Empathie und Verständnis für die Menschen, die sich aus freien Stücken in solch eine Situation begeben, wohl wissend, dass viele Menschen sie nicht verstehen können. Ich kann sie verstehen und hoffe, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen konnte, diesen wunderbaren Tag gelebter Demokratie in Ehren zu halten.

~ Ulli

Ein Junitag

Momentaufnahmen

Neulich fragte mich eine Freundin, ob ich nicht einmal Zeit hätte, ein paar Momentaufnahmen ihrer Kinder zu machen, denn Sie findet Gefallen an der Art, wie ich Situationen festhalte. Klar, sagte ich, lass mich einfach vorbeikommen und sehen, was dabei entsteht. Ich plane nie etwas wenn es mit der Fotografie zu tun hat. Ich versuche den Augenblick einzufangen und weiß selbst nicht, ob am Ende etwas Besonderes dabei herauskommt.

Auftakt

Samstag Vormittag stieg ich ins Auto und fuhr los. Es war ein herrlicher Tag. Die Sonne schien und das Thermometer zeigte unbarmherzige 32 Grad an. Als ich ankam, wurde ich sehr herzlich begrüßt. Fahima und ihre beiden Kinder empfingen mich in ihrem wunderschönen Domizil. Ihr Mann war leider nicht zugegen, denn er war geschäftlich unterwegs, doch hofften wir alle gemeinsam, dass er sich über die Aufnahmen freut, wenn er sie demnächst zu Gesicht bekommen wird. Ein wenig aufgeregt war ich schon, denn es ist doch eine gewisse Herausforderung diese Art Bilder, wie ich sie mir grob vorstellte, entstehen zu lassen.

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Reportagestil

Nach einigem Smalltalk zückte ich mein Werkzeug und machte die Kleinen erst einmal damit vertraut. Fahima sagte mir, dass die Beiden der Kamera immer etwas schüchtern entgegentreten, also dachte ich mir, zeig sie ihnen erst einmal, vielleicht nimmt ihnen das etwas die Angst. Wir erzählten, die Kinder wuselten um ihre liebende Mutter und ich drückte immer mal wieder auf den Auslöser. Der Anfang spielte sich hauptsächlich in der Küche ab, denn Fahima bereitete ein köstliches Mahl vor. Den Kleinsten im Arm, versuchte ich währenddessen aus den unterschiedlichsten Perspektiven die Augenblicke festzuhalten. Oft kniete ich auf dem Boden, um den Beiden auf Augenhöhe zu begegnen. Das ist übrigens einer der besten Tipps, den ich geben kann, bei Aufnahmen mit kleineren Wesen, wie Kindern oder Tieren, immer auf Augenhöhe gehen, denn das bringt sie am Allerbesten zur Geltung. Relativ schnell entschied ich meine erste Idee zu realisieren und das Ganze in einer Art Reportage zu präsentieren, also alle Personen ohne gestellte Posen aufnehmen, ganz so, wie sie sich in dem jeweiligen Moment eben geben. Natürlich wurde auch das ein oder andere Bild arrangiert, aber es sollte nicht so rüberkommen. Wichtig war mir, dass es interessante Aufnahmen werden, solche, die auch Menschen berühren können, die keinen Bezug zu Fahima und Ihren Kleinen haben.

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Im Freien

Zwischenzeitlich spazierten wir im Garten entlang und hielten hier und da an, um ein paar Bilder zu machen. Es war mittags, eine Zeit, die für die Fotografie äußerst ungeeignet ist, denn die harten Schatten, bedingt durch die pralle Sonneneinstrahlung, wirken sehr oft negativ auf das Endergebnis. Ich versuchte also so oft es geht, mit dem Rücken zur Sonne zu stehen, damit ein einigermaßen brauchbares Ergebnis herauskommt. In meinem Kopf schwirrte schon der Bearbeitungsstil herum: eine Art amerikanischer Stil, der sehr oft gekörnt und eben nicht auf Perfektion ausgerichtet ist. Er unterstreicht meines Erachtens die Situation perfekt. Es gibt Aufnahmen, die technisch gesehen, nicht die Besten sind, doch ist das gar nicht nötig, denn ein Rauschen im Bild kann sich sogar vorteilhaft auf die Stimmung auswirken.

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Die Bilder waren im Kasten

Es vergingen einige Stunden. Man vergisst die Zeit regelrecht bei so einem Vorhaben. Doch ich spürte, dass ein Teil der Aufnahmen etwas werden könnten. Ich drückte Sage und Schreibe 518 mal auf den Auslöser. Natürlich ist am Ende nur ein klitzekleiner Teil für eine Bildpräsentation geeignet gewesen, doch ich war letztendlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

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Dann ging es wieder nach Hause

Ich hatte das Gefühl, dass alle recht glücklich waren mit meinem Besuch. Es war ein rundum gelungener Tag. Nach der köstlichen Bewirtung und einigen letzten Aufnahmen, schlug ich wieder den Heimweg an und startete noch am selben Abend mit der Bearbeitung dieser Masse an Bildern. Einen Teil davon darf ich hier präsentieren. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden und vielleicht bewegen sie den Einen oder Anderen da draußen ja auch.

~ Ulli

 

 

Wundervolles Dresden

Auf, ins Herz Sachsens

Es war Feiertag, mitten in der Woche, der obendrein auch noch verheißungsvolles Wetter versprach: wolkig und sonnenlos. Ich beschloss diese perfekten Voraussetzungen zu nutzen und mit meinem Lieblingslied in Dauerschleife in die Landeshauptstadt Sachsens zu fahren. Vom schönen Wittenberg sind es nur etwas über zwei Stunden Landstraße bis nach Dresden. Ich behaupte, es ist eine der schönsten Strecken, die man mit dem Auto fahren kann. Parallel der Elbe entlang kommt man an bezaubernde Örtchen und Städte, wie Torgau, Riesa oder Meißen vorbei. Das Naturschauspiel, welches man unterwegs erleben darf, trägt zusätzlich dazu bei, dass man die Zeit nebenher einfach vergisst. Oft hielt ich an und versuchte die sagenhafte Weite, die unberührte Natur und die einsamen Straßen festzuhalten, die sich mir in Hülle und Fülle boten. Die Wolken gaben ein spektakuläres Bild ab und der Wind peitschte mir um die Ohren, so dass ich teilweise Mühe hatte still zustehen, um meine gewünschte Aufnahme machen zu können. Doch es hat sich gelohnt, ich habe Einiges im Kasten gehabt.

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Ankommen in Dresden

Nach entspannter Autofahrt, erreichte ich schließlich mein Ziel und war sofort fasziniert. Ich war schon ein- zweimal in Dresden, besaß damals allerdings noch nicht meine Kamera und sah die Stadt mit völlig anderen Augen. Schon, als ich die ersten Kilometer dieser wahnsinnig großen Stadt hinter mich ließ und mir die erste Kirche in der Ferne entgegen trat, musste ich an den unmöglichsten Stellen anhalten und mich auf die Straße stellen, um das Bild zu machen, welches ich haben wollte. Dieser Prozess fand relativ häufig statt, allerdings hätte er noch deutlich öfter vorkommen sollen, wenn ich nur die Zeit und die Möglichkeiten dazu gehabt hätte. Denn eins ist Fakt, es ist unmöglich, diese facettenreiche Stadt in all ihrer Gänze an einem Tag auch nur ansatzweise festzuhalten und würdigen zu können. Doch ich nahm mit, was ich konnte und versuchte meine Bestes.

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Das Palais

Vorab hatte ich mir kleine Eckdaten notiert, die vielleicht für mich interessant wären, so auch das „Palais im Garten“, welches recht nah am Zentrum Dresdens liegt. Ich kam an und war sofort geplättet. Mir bot sich ein perfekter Blick auf das kleine Schlösschen, welches von einem riesigen grünen Park umgeben war. Ich umrundete den gesamten Komplex und nahm aus jedem Winkel Bilder auf. Allein hier drückte ich ungefähr sechzig mal auf den Auslöser. Zwei, drei Aufnahmen haben es dann letztendlich in diesen Artikel geschafft.

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Pillnitz

Vom Großen Palais aus, fuhr ich ungefähr dreizehn Kilometer weit raus, um das sagenumwobene Schloss Pillnitz einmal mit eigenen Augen zu sehen. Die Geschichte dieses prunkvollen Ortes reicht weit ins siebzehnte Jahrhundert zurück. Später, im achtzehnten Jahrhundert, ließ der Kurfürst August der Starke, es zu einem Schloss mit chinesischen Akzenten umbauen, was in der Barockzeit der letzte Schrei gewesen sein muss. Einen kleinen Eintrittspreis bezahlt, streifte ich das gesamte Areal entlang und fotografierte erneut aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Zusätzlich zum prächtigen Innenhof des Schlosses, konnte man auch in den Genuss des umwerfenden Elbpanoramas außerhalb der Mauern von Pillnitz kommen. Eine wahrhaftige Idylle, die zum längerfristigen Flanieren und Genießen einlädt.

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Die Innenstadt Dresdens

Nach diesen imposanten Eindrücken fuhr ich zum Abschluss in die Innenstadt. Mir wurde geraten, einmal auf die Kreuzkirche zu steigen, von dort oben soll man einen herrlichen Blick auf die ganze Stadt haben. Gesagt getan, sollte dies mein Ziel sein. Dank des Feiertags, war nicht ganz soviel los auf den Straßen und ich erhielt sogar direkt vor der Kirche einen Parkplatz. Vier Euro bezahlt, stieg ich viele Treppen empor und wurde tatsächlich mit einem tollen Ausblick auf die Dächer Dresdens belohnt. Leider prägten immens viele Kräne und Baustellen das Stadtbild, so dass es nicht möglich war, eine perfekte Aufnahme machen zu können, aber dennoch war es ein Erlebnis. Anschließend lief ich noch ein wenig durch die Innenstadt Dresdens und trat dann den Heimweg an. Diese geschichtsträchtige Stadt hat mich wirklich in ihren Bann gezogen, wundervolle Architektur, unfassbar viel Natur und die perfekte Elblage, machen es zu einem absoluten Reisetipp. Sicher werde ich eines Tages wieder kommen und mich all den anderen Stadtteilen Dresdens widmen.

Lass es dir gut gehen!

~ Ulli