Ein Tag in Freiheit

Die Einladung

Einladungen zu spontanen Ausflügen können Überraschungen bereithalten. So auch vor einigen Tagen, als mich Jochen, der Vermieter meiner besten Freundin, zum Männertag mit seinen Kumpels einlud. „Die sind echt okay“, meinte er, und ich würde gut zu ihnen passen. „Na klar, warum nicht?“, erwiderte ich. „Außer guter Laune und deinem Fahrrad brauchst du nichts weiter mitzubringen.“

Der Start

Der besagte Tag war gekommen. Es war ein herrlicher Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Königswetter. Kurz bevor ich das Haus verließ, entschied ich mich, die Kamera einzupacken – schaden konnte es ja nicht. Auf ging’s ins Nachbardorf. Nach etwa zwanzig Minuten auf dem Rad traf ich pünktlich bei Jochen ein, und wir fuhren gemeinsam zum vereinbarten Treffpunkt. Dort warteten bereits einige Leute. Jochen stellte mich seinem Kumpel Micha und seinem Schwager Thomas vor. Ich fand sie locker, und sie mich offenbar auch.

Frühstück und Bekanntschaften

Micha lud uns in den Gemeinschaftsraum ein, wo bereits gezapftes Bier und ein gedeckter Tisch auf uns warteten. Er hatte Brötchen besorgt, und Thomas kümmerte sich um Gehacktes und Wurst von einem regionalen Fleischer. Micha war ein Zugezogener aus Halle und früher leidenschaftlicher Basketballspieler. Jetzt spielt er einmal die Woche Volleyball. „Komm doch mal vorbei“, sagte er einladend.

So begannen wir den Tag mit einem kühlen Blonden und einem phänomenalen Frühstück. Nach einer Weile stießen noch zwei weitere Freunde von Jochen dazu: Bully, ein Anlagenfahrer, und Hendrik, ein Versicherungsmakler, der sein Marketing erfolgreich über Social Media betreibt, wie ich später erfahren sollte.

Erste Etappe: Bergwitz

Nach etwa einer Stunde schwangen wir uns auf die Räder und machten uns auf den Weg zu unserer ersten Etappe: Bergwitz. Vor uns lagen etwa zehn Kilometer Strecke durch wundervolle Landschaften, durch die ich noch nie zuvor gefahren bin. Wir durchquerten herrliche Natur und grüßten andere Radler, die ebenfalls den Männertag feierten. Nach etwa einer dreiviertel Stunde erreichten wir den See von Bergwitz. Dort bestellten wir die erste Runde Bier. Drei Euro neunzig für 0,4 Liter Bier. Heftig, aber heute sollte Geld keine Rolle spielen. Ein weiterer Kumpel, Gerald, ein Schornsteinsanierer, stieß zu uns. Er war schon viel um die Welt gereist und hatte spannende Geschichten zu erzählen.

Von links nach rechts: Hendrick, Thomas, Gerald, Jochen, Micha und Bully
Zweite Etappe: Rotta

Nach etwa einer Stunde und drei Bierbestellungen ging es weiter. In der Nähe gab es eine Gaststätte, wo wir unseren Durst weiter stillten. Hendrik hatte die originelle Idee, die anstoßenden Biere von unten zu fotografieren, was ich später selbst ausprobieren wollte. Da es dort sehr voll war, zogen wir bald weiter nach Rotta, etwa sechs Kilometer entfernt. Dort erwarteten uns eine Mühle und Livemusik. Die Sonne schien kräftig, aber das störte uns nicht, denn die Stimmung war großartig.

Angekommen in der Gassmühle in Rotta, war ich beeindruckt von dem schönen Ambiente. Massen von Menschen, ein zauberhafter Park, der an das Auenland erinnerte, und tolle Livemusik machten den Ort besonders. Hier fühlte ich mich, als würde ich die Jungs schon ewig kennen. Wir erhoben immer wieder die Gläser und genossen den Tag. Schließlich machten wir uns auf den Weg zur letzten Station: die Heidegaststätte am Königsee.

Dritte Etappe: Königsee

Wieder fuhren wir durch herrliche Landschaften, die es locker mit den schönsten Regionen Deutschlands aufnehmen können, nur eben ohne Berge. Ich war echt geplättet. Konnte dieser Tag noch gesteigert werden? Ja. Angekommen in der von Wald umgebenen Heidegaststätte, setzten wir uns an einen Tisch und genossen erst einmal das wunderbare Ambiente. An die hundert Gäste würde ich sagen, waren hier und feierten. Sofort wurde die erste Runde bestellt. Wir stießen an und lauschten dem DJ, der sogar Wünsche erfüllte. Ich ging zu ihm und ließ mir Zettel und Stift geben, so dass jeder an unserem Tisch einen Wunsch draufschreiben solle. Tatsächlich erfüllte der DJ einige jener und hielt somit Jochen und Thomas nicht mehr auf ihren Plätzen. Die Tanzbodenkönige sprangen auf und ließen ihren Gefühlen freien Lauf. Wir sprachen die Kellnerin an, ob sie ein Gruppenfoto von uns machen könne. Freundlich willigte sie ein.

Einige von uns bestellten Eisbein. Der Hunger hatte sie übermannt. Es schmeckte lecker. Ich reichte den Zettel des DJs herum und sagte, „Schreibt auf, wie ihr diesen Abend beschreiben würdet, wenn es einen Artikel darüber gäbe.“ Unwidersprochen nahm sich jeder den Kuli und schrieb seine Gedanken auf. Ich war überrascht. Sie hätten es ja auch kindisch finden können. Eigentlich alle verwendeten Worte, wie Freiheit oder Freundschaft. Und ich merkte es auch, dass sie alle eine langjährige und tiefe Freundschaft verbindet, auch wenn sie sich vielleicht nur einmal im Jahr begegnen. Einige der Freundschaften reichen bis in die Schulzeit zurück, andere entstanden später, waren aber immer füreinander da. Auch ich hege solche Freundschaften, aber es ist schön, so ein tief verwurzeltes Band auch bei anderen zu sehen.

Der Abschluss

Gegen 18.00 Uhr schloss das Gasthaus und wir machten uns wieder auf den Heimweg. Nicht alle waren dabei, denn Jochen brach früher auf und zwei nahmen den Zug, aber wir waren rundum zufrieden. Das ist das Leben und ich bin dankbar, diesen Tag miterlebt und festgehalten zu haben. Diese Augenblicke möchte ich ehren und hiermit unvergessen machen.

Danke Jungs!

Vom Band der Freundschaft

Die Freundschaft ist der Fels in der Brandung, ein sicherer Hafen inmitten stürmischer Zeiten.

Ein unvergesslicher Abend

Der Grill glüht, der Himmel färbt sich in sanfte Orange- und Violetttöne, und eine warme Brise streift über den Garten. Es ist ein perfekter Abend, der einen Funken Magie in sich trägt. Ein einfacher Grillabend – so könnte es auf den ersten Blick scheinen. Doch für uns ist es mehr als das. Wir, das sind Rebecca, Claudia, Tobias, deren Kinder und ich. Uns alle verbindet eine tiefe Freundschaft, die sich über die Jahre entwickelt und gefestigt hat. Glücklicherweise nahm ich an diesem Abend meine Kamera mit. Dank dieses spontanen Einfalls konnte ich die Augenblicke dieses Abends verewigen.

Der Blick durch die Linse verdeutlichte es noch mehr. Die Freundschaft ist der Fels in der Brandung, ein sicherer Hafen inmitten stürmischer Zeiten. Gemeinsam sind wir durch Höhen und Tiefen gegangen, haben uns gegenseitig in den dunkelsten Momenten gestützt und ermutigt. Rebecca hat eine besonders schwere Prüfung durchlebt, doch ihre Stärke und Entschlossenheit trotz ihrer privaten und gesundheitlichen Herausforderungen beeindruckt uns alle und zeigt, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu unterstützen und füreinander da zu sein. Es ist die bedingungslose Loyalität, die unsere Freundschaft so besonders macht. Wir stehen einander bei, verteidigen uns und bieten einander Trost und Zuversicht. In diesen Momenten der Verbundenheit gibt es keine Vorwände oder Missverständnisse – wir verstehen uns, manchmal ohne Worte. Das Zusammensein fühlt sich leicht und natürlich an. Wir teilen Erinnerungen, die uns lachen lassen, und Gedanken, die uns zum Nachdenken bringen. Doch niemals wird es langweilig, denn die gemeinsame Zeit ist erfüllt von Bedeutung und Tiefe.

Vom Glück der Freundschaft

Freundschaft ist eine der wertvollsten Beziehungen, die wir im Leben haben können. Sie ist etwas Kostbares, und manchmal nur ein zeitlich begrenztes Geschenk. Das Thema Freundschaft begleitet uns ein Leben lang. Vom ersten Moment an, in dem wir im anderen jemanden erkennen der uns selbst sympathisch ist, entsteht eine besondere Verbindung. Manchmal entsteht Liebe, selten entsteht echte Freundschaft.

Wir haben viele Ausdrücke dafür. Wir sprechen von „der besten Freundin“, kennen „Freundschaftsbeweise“, machen „Freundschaftsbesuche“ und fühlen uns geehrt, in einen „Freundeskreis“ aufgenommen zu werden. Zeitschriften widmen der „Pflege von Freundschaften“ ganze Seiten, und wir schätzen den, der „in der Not auf einen Freund zählen kann“. Doch Freundschaften können auch enden, und der „Freundschaftsbruch“ kann schmerzlich sein.

Jeder sucht „Freunde fürs Leben“, denn in Zeiten des Umbruchs oder des Leids zählen Wohlstand oder Erfolg wenig. Es sind Freunde, denen wir unsere größten Sorgen anvertrauen können und die uns beistehen, wenn wir Angst haben. Doch es ist oft einfacher, Mitleid zu erhalten als Mitfreude zu teilen. Im Mitleid leiden wir mit dem anderen, sind aber nicht wirklich bei ihm oder ihr. Menschen wie Rebecca, die viel durchgemacht haben, meiden Menschen, die ihre Zeit stehlen und fühlen instinktiv, ob es jemand ernst meint oder nicht. Daraus resultiert eine oft unbarmherzige Offenheit, die Viele abschrecken kann, aber somit die Spreu vom Weizen trennt.

Im Laufe des Lebens zeigt sich, dass Freundschaft eine der belastbarsten Beziehungen ist. In herausfordernden Momenten ermutigt uns ein Freund, unser Bestes zu geben. Wenn es gilt, schwierige Entscheidungen zu treffen, finden wir in Freunden die Menschen, die uns zuhören und uns erlauben, laut zu denken und zu fühlen. Sie bieten den Raum, in dem wir uns selbst ohne Vorurteile ausprobieren können. Eine gute Freundin konfrontiert uns auch mit unangenehmen Wahrheiten, ohne uns zu schonen. Ihr Blick ist kritisch und wohlwollend zugleich.

Oft zeigt sich der wahre Gehalt der Freundschaft erst in Zeiten der Bewährung. Denn wahre Freundschaft ist bedingungslos. Wer bleibt an unserer Seite, wenn wir gesellschaftlich geächtet werden oder wenn Krankheit uns niederschlägt? Hier zeigt sich, wer uns wirklich als Freund erhalten bleibt.

Rebecca und ich haben sie gefunden, die wahre Freundschaft und stehen uns immer bei. Etwas Schöneres kann einem Menschen kaum passieren. Dieser Tatsache möchte ich hiermit ein kleines Denkmal widmen und Danke sagen.

Von Zufällen und Hexenhäusern

Ein unvergessliches Treffen in Wittenberg

Erinnerung an vergangene Zeiten

Letzte Woche erhielt ich eine Nachricht von Eva, jener Eva, über die ich vor einigen Jahren einen Artikel geschrieben hatte. Damals übernachtete ich eine Nacht in ihrer Unterkunft im Chiemgau, um nicht in einem Ritt ins Urlaubsziel Kroatien fahren zu müssen.

Sie teilte mir mit, dass sie nach Rügen müsse und einige Zwischenstopps einplane. Einer davon sollte Wittenberg sein. Natürlich willigte ich ein.

Wiedersehen

Der Tag der Ankunft brach an. Nachdem Eva mir ihre Adresse mitgeteilt hatte, machte ich mich am späten Abend auf den Weg, um sie abzuholen und ihr die Stadt zu zeigen. Als ich ankam, wurde ich herzlich empfangen und in ihr unglaublich schönes Zuhause eingeladen, welches sie für die nächsten zwei Nächte bewohnen würde. Ich war sprachlos. Die „Alte Schule“, wie sie es nannte, war ein wahres Juwel. Rustikal, aber zugleich elegant und einladend eingerichtet – ein perfekter Mix aus Luxus und Gemütlichkeit. Die kleinen Produkte aus einheimischer Produktion und Bilder früherer Schulklassen aus diesem Gebäude, runden all die Schönheit perfekt ab. Es ärgerte mich, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte. Das musste ich unbedingt nachholen, beschloss ich.

Während ich weiterhin die Räume bewunderte, räusperte sich Eva laut und eine Tür öffnete sich. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als plötzlich Julia, eine alte Freundin, vor mir stand, die ich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Früher feierten wir oft zusammen und genossen die düsteren Klänge der „Schwarzen Szene“. Ich war wirklich überrascht und erfreut, sie wiederzusehen. Wir standen lachend da und waren überwältigt von diesem Wiedersehen. Verblüfft fragte ich, wie es zu dieser unerwarteten Zusammenkunft gekommen sei. Eva erwähnte während ihres Treffens mit ihrer Vermieterin Julia nur zufällig meinen Namen, was sie aufhorchen ließ und meinte, „Neeeeeiiin, das gibt´s doch nicht! Was für ein Zufall!“ Es war ein wahrhaft magischer Moment.

Julia war so euphorisch, dass sie uns kurzerhand in ihr „Hexenhaus“ einlud. „Morgen Abend bei mir, okay?“ Spontan willigten wir ein. Anschließend fuhr ich mit Eva in die Stadt und wir gingen im hiesigen Brauhaus etwas Essen. Sie war sehr erstaunt, wie schön Wittenberg ist und welch Geschichte es hat. Ganz neu war ihr, dass sogar Napoleon hier gelebt hatte und es eine Hundertwasserschule gibt.

Im Hexenhaus

Am nächsten Tag holte ich die Chiemgauerin pünktlich ab um Julias Einladung zu folgen. Diesmal hatte ich jedoch meine Kamera dabei und konnte somit vorher noch ein paar Eindrücke der alten Schule samt Umgebung festhalten. Anschließend ging es los.

IMG_9369

Der Weg führte in einen abgelegenen Wald am Rande der Stadt. Schon von Weiten sahen wir ihre Finnhütte, die sie kichernd als ihr kleines „Hexenhäuschen“ bezeichnet. Geparkt, zückte ich sofort meine Kamera und machte ein paar Aufnahmen von ihrem bezaubernden Domizil. Auch Eva kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn man sah, wieviel Liebe und Schweiß sie auch hier investiert hatte, um sich ein solch schönes Zuhause zu schaffen. Freudestrahlend begrüßte Julia ihre Mieterin und mich und erzählte ein wenig darüber, wie es dazu gekommen war, sich hier niederzulassen. Zusammen mit ihrem Mann erschufen sie all diese kleinen Wunder, die ihresgleichen suchen. Sie zeigte uns Bilder der früheren „Alten Schule“. Unglaublich, was sie daraus gemacht haben. Ganze sechs Jahre investierten sie, aber am Ende hat es sich gelohnt. Die fortlaufenden Buchungsanfragen und Bewertungen sprechen eine eindeutige Sprache.

Schließlich betraten wir das Hexenhaus. Natürlich war auch hier alles geschmackvoll eingerichtet. Empfangen wurden wir mit einem Baden-Württembergischen Wein der etwas trockeneren Sorte, sowie einem hervorragenden Mahl, dessen Rezept ich nicht wiedergeben kann. Es waren auf jeden Fall viele Tomaten enthalten. Sie konnte also nicht nur gut kochen, sondern auch zaubern. Gibt es eigentlich etwas, was sie nicht kann? Kaum zu glauben, was dieses Energiebündel schon alles erreicht hat. Ich freute mich sehr für sie und ihre Familie, die sich während unserer Zusammenkunft noch im fernen Bayern aufhielt. Dort leben sie schon eine ganze Weile. Allein das war natürlich schon immens viel Gesprächsstoff für Eva und Julia. Während die beiden von ihren Leben erzählten, versuchte ich hier und da ein paar Momente einzufangen.

IMG_9432

Und so verging der Abend wie im Flug. Schade eigentlich, aber er war so ungezwungen und schön, dass ich ihn hiermit verewigen möchte.

Abschied

Morgen geht es für Eva weiter nach Potsdam, ihren zweiten Zwischenstopp. Sicher wird es dort auch wundervolle Augenblicke geben, aber die Messlatte haben die Wittenberger ganz schön hoch gehängt.

Danke an die beiden Skorpione, Eva und Julia.

PS: Wer sich für eine Unterkunft in Wittenberg interessiert, den kann ich die „Alte Schule“ wirklich ans Herz legen. Hier geht´s zur Website: Link