Sommerhochzeit

Und wieder haben es Zwei gewagt, sind Freunde von mir den Bund fürs Leben eingegangen. Lena und Björn, zwei Menschen, die sich fanden und ohne jeden Zweifel füreinander bestimmt sind. Jeder, der sie kennenlernt, wird diese angenehme Wärme und Offenheit zwischen ihnen unweigerlich spüren. Dies war auch die besondere Herausforderung für mich, auf den Bildern die entsprechende Wirkung zu erzielen, denn ich wurde gefragt, ob ich während dieses besonderen Ereignisses ein paar Bilder machen würde. Begleitet von dem Gedanken, dass es schon nicht so wild werden würde, diesen Tag mit der Kamera bewaffnet ein paar Aufnahmen zu machen, willigte ich bedenkenlos ein. Allerdings teilte ich den Beiden vorab mit, dass wir wohl alle ziemlich gespannt sein können, was am Ende dabei herauskommen wird, aber dieses Risiko gingen Lena und Björn augenscheinlich bewusst ein.

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Natürlich plante ich auch hier nichts im Voraus. Wie immer wollte ich alles vor Ort auf mich wirken lassen und nahm mir vor, an Eindrücken mitzunehmen, was ich konnte. Mir war nur bekannt, dass sie während des jährlich stattfindenden Lutherfests heirateten und sich dementsprechend kleiden würden. Ich schaute mich ein wenig im Netz um und ließ mich von Profis in diesem Metier inspirieren, ohne auch nur im Entferntesten zu ahnen, welch enorme Anstrengung und Verantwortung es erfordern würde, einen solch wichtigen Tag fotografisch zu begleiten. Bisher habe ich nur wenig Erfahrung in Sachen Hochzeitsfotografie sammeln können, noch nie war ich mit meiner Kamera bei einer Vermählung oder den Vorbereitungen dabei. Die einzige Vorstellung, die ich bereits von vornherein hatte, war, dass ich eine Art Reportagestil machen möchte, sprich, am Ende sollen natürliche und möglichst viele ungestellte Bilder entstehen, die einen Retroflair besitzen. Neben klassischen schwarz-weiß Bildern wünschte ich mir warme, gekörnte Aufnahmen, die dem Betrachter das Gefühl vermitteln sollen, er könne genau nachvollziehen, wie wundervoll dieser Tag gewesen sein muss.

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Nun war es endlich soweit, von früh bis abends parat stehen und nach besonderen Blickwinkeln Ausschau halten, ohne genau zu wissen, was mich erwarten würde und ob ein Teil der Aufnahmen am Ende gelingt. Egal, es ging los: Als erstes stand der Friseurtermin an. Schon häufig sah ich bei den Profis, dass sie zusätzlich die Vorbereitung aufnehmen, also dachte ich mir, es kann ja nicht falsch sein, wenn auch ich das mache. Gesagt getan. Mit der Kamera testete ich die verschiedensten Perspektiven aus. Viel Platz war nicht vorhanden und verdammt warm war es auch und das bereits um acht Uhr morgens! Aber ein paar Bilder waren im Kasten. Weiter ging es zu Lena nach Haus, wo neben dem Schminktermin erst mal ein Sektfrühstück mit Fast-Ehemann Björn, Freunden und Verwandten anstand. Ich genehmigte mir auch einen, es war ja so heiß! Zwischendurch fotografierte ich und versuchte so oft es nur ging, relativ unbemerkt den Auslöser zu betätigen, selbst der Hund und die Katze blieben nicht vor meiner Linse verschont. Einige gestellte Bilder müssen an so einem Tag bekanntermaßen auch sein, also kamen alle Gäste vor die Linse, die Lust hatten. Ich fand die Idee mit der Backsteinwand ganz gut, also positionierte ich meine Zielpersonen davor und nahm ununterbrochen auf.

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Nach circa zwei Stunden ging es in die Stadt, Trauungstermin war um elf Uhr. Zwischendurch planten wir durch den Park zu gehen, denn es war anzunehmen, dass dies eine gute Kulisse für ein nettes Bild werden würde. Und so war es meines Erachtens auch. Meine Lieblingsaufnahme zeigt Lena und Björn aus meiner oft genutzten Froschperspektive, während sie in den Park laufen.

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Nach einem Treffen mit weiteren Verwandten und Freunden in der Stadt, ging es mit der Stadtwache Wittenberg zum Rathaus, in dem die Vermählung vollzogen werden sollte. Sowohl vor, während und nach der Trauung habe ich unzählige Fotos gemacht. Ich versuchte so viele Momente festzuhalten, wie möglich. Allein hier stellte ich meine Kamera auf eine harte Probe, so oft wie ich den Auslöser hintereinander betätigte. Mir war bewusst, dass am Ende nur eine Handvoll ansprechender Bilder herauskommen würde. Auf alle Fälle war es ein bewegender Moment, als sich Lena und Björn das Jawort gaben. Es war wirklich wunderschön und das Hochzeitspaar locker und lustig wie eh und je, eine Freude für alle Beteiligten, selbst für den Bürgermeister der Stadt.

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Anschließend gab es eine dringend benötigte Pause, da es pure Knochenarbeit war, bei dieser unfassbar drückenden Wärme zu fotografieren. Meine Anspannung löste sich etwas, als ich endlich meine lang ersehnte Fassbrause die Kehle entlang herunterspülen konnte. Gegen Abend waren dann alle Gäste auf der Schlosswiese versammelt, auf der das Lutherfest seinen mittelalterlichen Knotenpunkt besaß. Wir tranken, aßen und feierten. Ein weiteres Highlight war zweifelsohne das Ständchen des örtlichen Fanfahrenzugs, was uns alle sehr beeindruckte.

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Abschließend kann ich sagen, dass es ein durch und durch gelungener Tag war und ich sehr glücklich darüber bin, dass mir die Ehre zu Teil wurde, die Hochzeitsbilder zu machen. Gerade an so einem besonderen Tag wie diesem, finde ich es wichtig, dass zeitlose Bilder entstehen und ich hoffe, ich bin dieser Aufgabe im Sinne von Lena und Björn gerecht geworden.

Meines Erachtens werden Bilder immer für die Ewigkeit sein, sie werden anhaltend bewegen, auch im Zeitalter des technologischen Fortschritts. Selbst weit in der Zukunft wird ein Bild die Menschen berühren. Deswegen ist es für mich die wundervollste Leidenschaft die es gibt und bin unendlich dankbar dafür, wenn ich es schaffe, mit meinen Aufnahmen den Einen oder Anderen zu berühren.

Lass es dir gut gehen!

~ Ulli

 

Meine Heimat Wittenberg

Seit etwas über einem Jahr gehe ich nun schon meiner Leidenschaft nach und bereise so oft es nur geht die unterschiedlichsten Gegenden: von der Ostsee, über das schöne Sachsen, nach Hessen, Hamburg, Brandenburg, Thüringen, die Schweiz oder Polen und komme doch immer wieder gern nach Hause in meine Heimatstadt Wittenberg in Sachsen Anhalt. Die meisten meiner Freunde sind weggezogen und verstreut in aller Herren Länder, ich bin einer der Wenigen, die geblieben sind und muss sagen, dass ich es nicht bereue. Seit nunmehr 37 Jahren wohne ich in einer der wunderschönsten Kleinstädte Deutschlands und habe im Laufe der Zeit natürlich auch einige Aufnahmen machen können, die ich gern mit euch teilen möchte.

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Der Marktplatz von Wittenberg

Von Wittenberg gelangt man an ganz viele wundervolle Reiseziele. Es sind nur ca. 80 Kilometer bis Leipzig und 100 bis Berlin. Man erreicht schnell Nachbarländer wie Polen oder die Tschechei und in knapp drei Stunden ist man schon an der Ostsee. Für einen Menschen wie mich, der die Fotografie liebt, also perfekt!

Wittenberg liegt direkt am Bundesland Brandenburg und bis zum Freistaat Sachsen sind es auch nur relativ wenige Fahrminuten. Hier liegt das Herz der Reformation, denn Martin Luther, der Begründer der evangelischen Glaubensrichtung hat hier seine Thesen 1517 an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen und revolutionierte damit die Welt. Eine geschichtsträchtige Stadt, die von vielen Reisenden besucht wird. Doch Wittenberg hat noch viel mehr zu bieten: eine bezaubernde Innenstadt mit wundervoller Architektur, das mittelalterliche Lutherfest, dass jedes Jahr zehntausende Besucher anlockt und zu der bekannte Bands dieses gigantische Spektakel begleiten, die wunderschöne Elbe und die zauberhafte Landschaft, die Wittenberg umgibt. Auch namhafte Künstler, wie Hundertwasser oder Herakut haben hier ihre Spuren hinterlassen.

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Schlosskirche

Ich kann Jedem nur empfehlen, einmal Wittenberg in seine kommenden Reiseziele mit einzubeziehen um sich selbst davon zu überzeugen. Anbei ein paar Eindrücke aus meiner Heimat Wittenberg.

Lass es dir gut gehen!

~ Ulli

Ausflug nach Polen

Eins der Fotoreiseziele, die ich mir für 2019 vorgenommen hatte, war Polen. Ich war vor Ewigkeiten an der polnischen Ostsee zugegen, kann mich aber kaum mehr daran erinnern. Ein Grund mehr, einen aktuellen Eindruck über unser Nachbarland zu erhaschen. Ich recherchierte schon zwei Tage vorher, welche Stadt für mich in Betracht käme, die ich an einem Tag belagern könnte. Es sollte schon eine etwas größere Ortschaft sein, damit sich das Ganze auch lohnt. Ursprünglich schwebte mir Łódź vor, was ich auch eine ganze Zeit in Betracht zog, doch nach weiterer Recherche fokussierte ich mich auf Stettin, was auf Grund des näheren Anfahrtsweges eher meine Zustimmung fand. Also entschied ich mich kurz vor dem Start für diese Stadt im Norden an der Grenze zu Deutschland. Früh morgens sechs Uhr ging es los und ich fuhr 300 Kilometer in Richtung Nordosten. Es war ein grauer und trister Tag, genau richtig für dieses Vorhaben.

Meine Reise führte mich durch Brandenburg und am Speckgürtel Berlins vorbei. Bevor ich überhaupt die Grenze erreichte, hielt ich noch in Prenzlau an, einer kleinen Stadt, die ca. 50 Kilometer vor der polnischen Grenze liegt. Hier wollte ich noch einmal tanken, musste aber trotzdem anhalten, da ich einen riesigen Dom sah, den ich unbedingt festhalten musste. Überwältigt von diesem gigantischen Baukunstwerk und der Information, dass auch hier Martin Luther gewirkt hatte, entschloss ich mich noch einen kurzen Moment zu verweilen und schlenderte durch das kleine Städtchen. Mittlerweile war es schon nach neun Uhr und ich beschloss weiterzufahren um endlich an mein Ziel zu gelangen.

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Marienkirche in Prenzlau

Am Grenzgebiet angekommen, die mobilen Daten am Handy ausgeschaltet und ohne einen Heller polnischer Währung im Portemonnaie zu haben, durchquerte ich die offene Grenze und sofort bot sich mir ein neues Bild. Alles war anders, die Beschilderungen, die Tempolimits, die Ampeln und die Straßen. Die Zebrastreifen scheinen wirklich eine besondere Priorität zu genießen, denn es wird einfach immer für die Fußgänger angehalten, sie brauchen sich vorher nicht einmal nach links und rechts umzuschauen, die Autofahrer halten an. Dies hat mich umso mehr gewundert, da es in Polen eigentlich genau andersherum ist: der Autofahrer hat Priorität und der Fußgänger hat zu warten. Die Ampeln in Stettin haben mich ganz besonders beeindruckt, hier gibt es neben diesen noch eine weitere Ampel, auf der die Wartezeit angezeigt wird. Die Sekunden zählen rückwärts und man kann sich wunderbar darauf einstellen, wie lange die entsprechende Grün- oder Rotphase noch andauert.

we will watch you
Rotes Rathaus in Stettin

Die Größe und die Architektur erinnerte mich stark an Leipzig. Stettin ist eine wundervolle Stadt, mit wirklich vielen schönen Gebäuden und Fassaden, die teilweise mächtig mondän wirken. Ich verbrachte einige Stunden im Zentrum und versuchte soviel wie möglich vor meine Linse zu bekommen. Es gab nur ein Problem, es waren nirgends kostenlose Parkplätze zu finden, man musste schier an jeder Ecke bezahlen. Mir blieb also nichts weiter übrig, als anzuhalten, auszusteigen und sofort etwas aus der Situation zu machen, oft ließ ich den Motor einfach an und flitzte nach getaner Aufnahme wieder in mein Auto. Einzig am Hafen von Stettin fand sich eine Gelegenheit länger zu verweilen ohne Gefahr zu laufen, einen Strafzettel zu bekommen. Noch bevor die Dämmerung einsetzte, fuhr ich wieder in Richtung Heimat. Vorbei an Gartz, Angermünde und Eberswalde. Ebenfalls wundervolle Ortschaften, die ich sicher in Zukunft noch einmal genauer unter die Lupe nehme.

In der Zukunft werde ich mir auch noch die vielen anderen großen Städte in Polen ansehen, Stettin war ein toller Einstieg, den ich jedem Menschen ans Herz legen kann. Anbei einige Eindrücke von meiner Reise.