Wieder ist ein Jahr vergangen. Ein Jahr, das Spuren hinterlassen hat.
Es waren viele Ereignisse, die meinen Lebensweg in diesen Monaten geprägt haben. Gute und schwere. Leise und einschneidende. Doch vor allem waren es Menschen. Menschen, die gingen. Menschen, die blieben. Und Menschen, die neu in mein Leben traten.
In meiner Familie war dieses Jahr geprägt von Abschieden: Meine Tante. Meine Oma väterlicherseits. Und schließlich meine Mutter.
Ihre Krankheit begleitete uns über viele Jahre. Dystonie – ein Wort, das nüchtern klingt und doch kaum begreifbar ist. Eine fortschreitende, nicht aufzuhaltende Erkrankung. Still, unerbittlich, zermürbend. Eine Krankheit, bei der man nichts reparieren, nichts lindern, nichts zurückholen kann. Man sieht zu, wie ein Mensch langsam weniger wird, während er innerlich ganz wach bleibt.
Meine Mutter sprach an manchen Tagen mit mir über ihren Wunsch, selbst zu entscheiden, wann es genug ist. Oft bat sie mich, etwas zu tun. Und oft musste ich schweigen, weil ich es nicht konnte. Erst als das Leiden unerträglich wurde, suchte mein Vater einen Arzt auf, der diesen Weg möglich machte. Sterbehilfe – ein Wort, das viele noch immer erschreckt. Erst seit wenigen Jahren in Deutschland rechtlich möglich, für viele kaum greifbar. Für mich war das Recht auf einen selbstbestimmten Tod immer Teil der Menschenwürde. Wenn es ein Recht auf Leben gibt, dann auch eins auf ein Leben in Würde.
Als ich erfuhr, dass meine Mutter gegangen war, riss es mir den Boden unter den Füßen weg. Sie wollte nicht, dass ich dabei bin. Mein Vater respektierte diesen Wunsch. So erfuhr ich es einen Tag später, als ich in mein Elternhaus gerufen wurde. Ich solle mich setzen, sagte er. Dann sprach er die Worte aus, die mein Leben in ein Davor und Danach teilten. Noch heute genügt ein Gedanke, ein Satz, ein Bild – und ich bin wieder dort. Schreiben kann das nicht auflösen. Es hält nur fest.
Vielleicht ist es genau das, was ich dieses Jahr unbewusst immer wieder getan habe: festhalten. Mit Worten. Mit Bildern. Mit Momenten. Trotz weniger Artikel.
Vor fünf Jahren hielt ich den Hochzeitstag meiner Eltern fotografisch fest. Ein Tag voller Nähe, Lachen und stiller Selbstverständlichkeit. Bilder, die heute mehr sind als Erinnerungen – sie sind Beweise dafür, dass es dieses Glück gab, und ich bin froh, ihn festgehalten zu haben und möchte hiermit noch einmal daran erinnern: (Link)
Ein Jahr in Bildern und Texten
Auch dieses Jahr habe ich wieder viel fotografiert und geschrieben. Vier Artikel spiegeln das Jahr auf ganz unterschiedliche Weise:
Ein Tag mit Leonid – als ich die neue Arbeitsstelle bei pino Küchen antrat, wollte ich wissen, was ein LKW-Fahrer wirklich leistet. Leonid zeigte mir seinen Alltag beim Ausfahren der Möbel, und ich staunte, wie viel Kraft, Konzentration und Ausdauer nötig sind, um das alles zu leisten. Es war ein Tag voller Respekt für seine Arbeit und die Menschen, die Tag für Tag solche Leistungen erbringen.
Für Jan – die Jugendweihe eines jungen Menschen. Jan ist der Sohn meiner Sportkameraden beim Volleyball, und es war mir eine besondere Ehre, dass sie mir vertrauten, diesen intimen und einzigartigen Moment festzuhalten. Die Feier war voller besonderer Augenblicke, die ich in Bildern einzufangen versuchte.
Zurück ans Meer – eine Reise mit meinen besten Freunden, die in Kroatien heirateten. Ein besonderer Ort, vertraute Gesichter, Sonne, Meer und das Lachen von Menschen, die einem sehr nahestehen. Ich war bereits einige Male mit ihnen dort, doch diese Reise hatte eine eigene Magie – Momente, die sich wie kleine Fluchten aus dem Alltag anfühlten und die ich mit meiner Kamera zu bewahren versuchte.
Herbsttage –Volleyball, Stimmen, Bewegung, Energie. Ich wollte den Sport einmal bewusst in den Fokus nehmen und den Teamgeist spüren: die Konzentration, das Zusammenspiel, die Freude, wenn ein Punkt hart erkämpft wird. Es ist eine ganz andere Liga als die, in der ich spiele. Ein war ein Tag voller Bewegung, Emotionen und echtem Teamgeist.
Fotografie und Schreiben halfen mir, das Jahr zu sehen und zu verstehen. Nicht nur die schönen Augenblicke, sondern auch die Verluste, die Abwesenheit, die Spuren, die bleiben.
Zwischen all dem Schmerz hat dieses Jahr mir auch Neues gezeigt. Es hat mich daran erinnert, dass Leben selbst im größten Verlust weitergeht.
Letzte Woche erhielt ich eine Nachricht von Eva, jener Eva, über die ich vor einigen Jahren einen Artikel geschrieben hatte. Damals übernachtete ich eine Nacht in ihrer Unterkunft im Chiemgau, um nicht in einem Ritt ins Urlaubsziel Kroatien fahren zu müssen.
Sie teilte mir mit, dass sie nach Rügen müsse und einige Zwischenstopps einplane. Einer davon sollte Wittenberg sein. Natürlich willigte ich ein.
Wiedersehen
Der Tag der Ankunft brach an. Nachdem Eva mir ihre Adresse mitgeteilt hatte, machte ich mich am späten Abend auf den Weg, um sie abzuholen und ihr die Stadt zu zeigen. Als ich ankam, wurde ich herzlich empfangen und in ihr unglaublich schönes Zuhause eingeladen, welches sie für die nächsten zwei Nächte bewohnen würde. Ich war sprachlos. Die „Alte Schule“, wie sie es nannte, war ein wahres Juwel. Rustikal, aber zugleich elegant und einladend eingerichtet – ein perfekter Mix aus Luxus und Gemütlichkeit. Die kleinen Produkte aus einheimischer Produktion und Bilder früherer Schulklassen aus diesem Gebäude, runden all die Schönheit perfekt ab. Es ärgerte mich, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte. Das musste ich unbedingt nachholen, beschloss ich.
Während ich weiterhin die Räume bewunderte, räusperte sich Eva laut und eine Tür öffnete sich. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als plötzlich Julia, eine alte Freundin, vor mir stand, die ich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Früher feierten wir oft zusammen und genossen die düsteren Klänge der „Schwarzen Szene“. Ich war wirklich überrascht und erfreut, sie wiederzusehen. Wir standen lachend da und waren überwältigt von diesem Wiedersehen. Verblüfft fragte ich, wie es zu dieser unerwarteten Zusammenkunft gekommen sei. Eva erwähnte während ihres Treffens mit ihrer Vermieterin Julia nur zufällig meinen Namen, was sie aufhorchen ließ und meinte, „Neeeeeiiin, das gibt´s doch nicht! Was für ein Zufall!“ Es war ein wahrhaft magischer Moment.
Julia war so euphorisch, dass sie uns kurzerhand in ihr „Hexenhaus“ einlud. „Morgen Abend bei mir, okay?“ Spontan willigten wir ein. Anschließend fuhr ich mit Eva in die Stadt und wir gingen im hiesigen Brauhaus etwas Essen. Sie war sehr erstaunt, wie schön Wittenberg ist und welch Geschichte es hat. Ganz neu war ihr, dass sogar Napoleon hier gelebt hatte und es eine Hundertwasserschule gibt.
Im Hexenhaus
Am nächsten Tag holte ich die Chiemgauerin pünktlich ab um Julias Einladung zu folgen. Diesmal hatte ich jedoch meine Kamera dabei und konnte somit vorher noch ein paar Eindrücke der alten Schule samt Umgebung festhalten. Anschließend ging es los.
Der Weg führte in einen abgelegenen Wald am Rande der Stadt. Schon von Weiten sahen wir ihre Finnhütte, die sie kichernd als ihr kleines „Hexenhäuschen“ bezeichnet. Geparkt, zückte ich sofort meine Kamera und machte ein paar Aufnahmen von ihrem bezaubernden Domizil. Auch Eva kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn man sah, wieviel Liebe und Schweiß sie auch hier investiert hatte, um sich ein solch schönes Zuhause zu schaffen. Freudestrahlend begrüßte Julia ihre Mieterin und mich und erzählte ein wenig darüber, wie es dazu gekommen war, sich hier niederzulassen. Zusammen mit ihrem Mann erschufen sie all diese kleinen Wunder, die ihresgleichen suchen. Sie zeigte uns Bilder der früheren „Alten Schule“. Unglaublich, was sie daraus gemacht haben. Ganze sechs Jahre investierten sie, aber am Ende hat es sich gelohnt. Die fortlaufenden Buchungsanfragen und Bewertungen sprechen eine eindeutige Sprache.
Schließlich betraten wir das Hexenhaus. Natürlich war auch hier alles geschmackvoll eingerichtet. Empfangen wurden wir mit einem Baden-Württembergischen Wein der etwas trockeneren Sorte, sowie einem hervorragenden Mahl, dessen Rezept ich nicht wiedergeben kann. Es waren auf jeden Fall viele Tomaten enthalten. Sie konnte also nicht nur gut kochen, sondern auch zaubern. Gibt es eigentlich etwas, was sie nicht kann? Kaum zu glauben, was dieses Energiebündel schon alles erreicht hat. Ich freute mich sehr für sie und ihre Familie, die sich während unserer Zusammenkunft noch im fernen Bayern aufhielt. Dort leben sie schon eine ganze Weile. Allein das war natürlich schon immens viel Gesprächsstoff für Eva und Julia. Während die beiden von ihren Leben erzählten, versuchte ich hier und da ein paar Momente einzufangen.
Und so verging der Abend wie im Flug. Schade eigentlich, aber er war so ungezwungen und schön, dass ich ihn hiermit verewigen möchte.
Abschied
Morgen geht es für Eva weiter nach Potsdam, ihren zweiten Zwischenstopp. Sicher wird es dort auch wundervolle Augenblicke geben, aber die Messlatte haben die Wittenberger ganz schön hoch gehängt.
Danke an die beiden Skorpione, Eva und Julia.
PS: Wer sich für eine Unterkunft in Wittenberg interessiert, den kann ich die „Alte Schule“ wirklich ans Herz legen. Hier geht´s zur Website: Link
Deutschland. Wir schreiben den 08. Januar 2024. Wieder so ein denkwürdiger Tag, an dem ein Teil des Volkes auf die Straße geht, um seinen Unmut über die vorherrschende Situation in diesem Lande zum Ausdruck zu bringen. Erneut ist es nur ein kleiner Teil. Abermals ist es nicht die Masse, die nötig wäre, um endlich wirklich etwas bewirken zu können. Zuviele sind es, die dem Zauber der verderbten Kultisten noch immer glauben schenken und diejenigen auf das Übelste diffamieren, die auf das drohende Unheil lautstark hinweisen. Ihre unermüdliche Gutmütigkeit ist es, die weiterhin auf das Perfideste ausgenutzt wird und dafür sorgt, dass das Imperium unbehelligt existieren darf.
Hoffnung und Realität
Doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer, denn diesmal ist es nicht nur das „gemeine“ Volk, das protestiert, sondern Menschen, die dieses buchstäblich ernährt, es versorgt und am Leben hält. Es ist der Teil der Gesellschaft, der dafür sorgt, dass sie überhaupt existieren kann. Ohne diesen existentiellen Part der Gemeinschaft würde alles in sich zusammenbrechen. Angst, Verzweiflung und Not wären wieder eine ganz reale Bedrohung. Denn Hunger – und das ist ein altes Sprichwort – macht böse.
Aber vielleicht ist es das, was gewünscht ist? Bekanntermaßen lässt sich aus Chaos und Hoffnungslosigkeit ein vorzüglicher Cocktail mixen. Einer, der die düstersten Visionen einiger Weniger zur infernalen Realität werden lassen kann. Wie kann man sich sonst erklären, dass jegliche politische Entscheidung gegen das eigene Volk gerichtet ist? Ich entschuldige mich für die drastische Wortwahl, aber wie soll man es sonst interpretieren? Wie soll man es deuten, dass der ganzen Welt Hilfe angeboten wird aber die eigene Bevölkerung stetig geschröpft und mit Unsinnigkeit konfrontiert wird? Nur ein Beispiel: Die Bundesregierung nimmt jedes Jahr mehr Steuern ein als im Jahr davor. Allein seit 2009 haben sich die Steuereinnahmen um fast die Hälfte erhöht. (Quelle). Während ich diesen Artikel verfasse, lese ich, dass die Regierung trotz der Bauernproteste ihre Sparpläne fortsetzt. (Quelle). Wenn mir das jemand logisch erklären kann, bin ich offen für ein Gespräch.
Aber eines gibt mir Zuversicht. Und zwar, dass jeder, der für sich entschieden hat, hinter die Kulissen zu schauen, nie wieder zurück kann. Wer einmal erkannt hat, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, der wird nie wieder an ihn glauben. Ganz egal was man ihm sagt.
Wittenberg 2024
Doch will ich zum heutigen Tag kommen, denn auch in meiner Heimatstadt Wittenberg wurde zum Protest aufgerufen. 9 Uhr. Die Sonne schien. Es herrschten minus acht Grad. Für hiesige Gefilde, durchaus kalt. Es dauerte zehn Minuten, bis ich den Kampf gegen meine vereiste Windschutzscheibe gewann. Ein paar Brote, eine Flasche Wasser und die Kamera verstaut, fuhr ich los, um die Augenblicke dieses durchaus historischen Tages festzuhalten. Ich parkte in einer Seitenstraße, lief auf die Menge zu und war überrascht, dass ich an einem Wochentag doch soviele Menschen zu Gesicht bekam. Ein paar Hände geschüttelt, legte ich sofort los, um mit meinen Aufnahmen zu beginnen und somit der Nachwelt einen Nachweis zu bieten, dass nicht alle tatenlos zusehen, bei der mutwilligen Zerstörung dieses Landes. Unzählige Menschen waren zugegen. Und nicht nur Bauern.
Reminiszenz
Ich dachte ein wenig an die Demonstration im Jahre 2020, als wir zu Millionen voller Hoffnung gegen das System aufbegehrten und doch enttäuscht wurden.
Es waren allesamt freundliche Leute. Ich führte mir vor Augen, was erst passieren muss, dass solch ein herzliches Gemüt aufbegehrt und sich an einem Montagmorgen aufmacht, die Saat liegen zu lassen. Ich sah es in ihren Augen, dass es ihnen sogar egal war, was die Presse über sie schreibt. Jene, die sich darüber im Dauerfeuer auslässt, dass sie „Rechte“ seien, Handlanger des Bösen, dass sie Grenzen überschreiten und sowieso nur ein kleiner Bestandteil der Gesellschaft sind. Ich für meinen Teil, fühlte mich wohl in ihrer Gegenwart, denn mir ist diese typische Vorgehensweise nicht unbekannt.
Herz und Wille
Es war eine wunderbare Atmosphäre und ein perfekt organisierter Tag. Sogar fürs Essen wurde gesorgt, dank „Olli´s Gulaschkanone“. Schick sahen sie aus. Energisch und voller Elan jubelten sie den Aussagen der Redner zu. Aus dem ganzen Umland waren sie gekommen. Ich kannte kaum einen von ihnen. Ich wusste nichts über ihre Lebensgeschichten, ihre Ängste, Bedürfnisse oder individuellen Schicksale und doch fühlte ich mich ihnen allen verbunden. Jeder Einzelne von ihnen trägt seine eigene Bürde – durchlebt sein eigenes Schicksal. Und doch freute ich mich aus einem unerfindlichen Grund, sie alle zu sehen.
Schiffbrüchige
Dann kam dieser einschneidende Moment, in dem ich in den sonnigen Himmel blickte. Ich nahm meine Mütze ab und blinzelte zaghaft nach oben. Schlagartig wurde mir bewusst, dass wir alle im selben Boot sitzen, ganz gleich welchen Berufsstand wir haben, welche Beziehungen wir pflegen oder welches Leid wir ertragen müssen. Es fühlte sich so an, als wären wir alle Schiffbrüchige. Es war, als würde ich einem Wildfremden einen Rettungsring zuwerfen, um ihn vor dem Ertrinken zu retten. Nicht, dass ich ihn retten könnte, aber ich warf ihn. Es war mehr ein instinktiver Akt. Genauso ging es mir bei der Wahl des Titels diesefür diesen Artikel. Es war eine spontane Entscheidung. Er passte besser als „Bauernaufstand“.
Hinzu kommt das Lied, welches ich permanent im Hintergrund gehört habe und das „zufällig“ den selben Titel trägt. Hört mal rein. Es lohnt sich: Link
Alles, was ich sagen möchte, ist, dass ich froh bin, heute dabei gewesen zu sein und dass ich durch diese Augenblicke fühle, etwas Sinnvolles getan zu haben. Was bleibt uns sonst?
Da liegt es nun, das vergangene Jahr. Etwas mitleidig betrachte ich es. Ungläubig, ja fast paralysiert schaue ich es an und scheine es immer noch nicht zu fassen, was es mit uns gemacht hat. Ich möchte mich schütteln, mich besinnen und einfach weitergehen, aber ich kann nicht. Unnötig, all die Dinge zu kommentieren, die uns tagtäglich um den gesunden Menschenverstand geschleudert worden sind. Ein Wunder, dass die meisten Menschen, die dem in irgendeiner Weise entgegentraten, überhaupt noch bei klarem Verstand sind oder die Energie aufbringen, weiter zu machen. Nunja, es gibt Ausnahmen. Einige dieser Ausnahmen wurden sogar ins Gefängnis gesteckt.
Und ich? Nun, ich schwanke permanent. Mal möchte ich gegen das Unausweichliche ankämpfen und dann wiederrum betrachte ich uns von außen und muss betreten das Haupt senken. Sagen:, „Aufhören! Es geht nicht so – nicht mehr! Niemand hört mehr zu!“ Wäre es vielleicht klüger, sich eine Weile bedeckt zu halten? Wäre es nicht besser, sich geschlossen zurückzuziehen und abzuwarten, bis diejenigen, die uns als Querulanten und Nörgler betitulieren, selbst erkennen, dass wir gar nicht so falsch lagen mit unseren bedrohlichen Annahmen? Es scheint mir jedenfalls eine überlegenswerte Option zu sein.
Wenn ich mir vor Augen halte, was wir gemeinsam auf die Beine gestellt haben, welche Energie wir aufbrachten, um dem Unrecht etwas entgegenzusetzen, dann kann man schon stolz darauf sein, denn dadurch entstand soetwas wie Hoffnung. Hoffnung, dass wir unsere Mitmenschen erreichen. Dass die Anliegen Gehör finden bei Ihnen und dass Sie sich uns anschließen. Doch leider ist nichts geschehen. Unsere Argumente wurden nicht gehört, im Gegenteil, sie wurden stets verachtet und verlacht, bis heute. Trotzdem sich die gesellschaftliche Lage spürbar für die Allermeisten verändert hat, reichte es nicht aus, sie zum Mitmachen zu bewegen. Schade, denn nur mit ihnen gemeinsam hätten wir etwas bewegen können. Nun finde ich Spaltung, Missgunst und den Schritt in die Bedeutungslosigkeit vor.
Was nützt es auch, immer und immer wieder den Ist-Zustand zu kommentieren und sich die alltäglichen Unglaublichkeiten gegenseitig hin und her zu schicken? Wem soll das etwas nützen außer, dass es uns nur noch mehr in Rage verfallen lässt? Ja, ich weiß, was das WEF vorhat. Wahrscheinlich leben wir tatsächlich in einer anderen Welt als die Meisten. Dann soll es so sein. Ich für meinen Teil, habe meinen Frieden damit gemacht und dokumentiere weiterhin den, aus meiner Sicht, vorsätzlichen Verfall dieser Gesellschaft und versuche Brücken zu bauen, in der Hoffnung, dass sich doch am Ende alles zum Guten entwickeln wird. Ich versuche es jedenfalls auf meine Weise.
Meiner Leidenschaft, der Fotografie bin ich jedenfalls treu geblieben und habe viele Augenblicke festgehalten im Laufe dieses Jahres. Zeit, die Erfahrungen noch einmal Revue passieren zu lassen.
Der Fels in der Brandung
Mein erstes großes Projekt im vergangen Jahr fand an einem kalten Februartag in der Nähe von Berlin statt. Erneut besuchte ich Manuel, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Paart MC. Schon einmal widmete ich mich seiner Kunst und verfasste einen Artikel über ihn. Diesmal jedoch sollte es noch etwas mehr sein als nur reine Fotos und wir beschlossen, uns an ein Musikvideo zu wagen. Wie es dazu kam, was daraus entstand und ob es uns am Ende gefallen hat, was wir da fabrizierten, kann man in diesem Artikel erfahren.
Das Ende der Geduld
Mein nächster Artikel handelte von den Wittenberger Spaziergängen. Ich hoffte damit, den negativen Berichten etwas entgegensetzen zu können. Meine Erfahrungen waren wirklich schön. Zu dieser Zeit herrschte eine unbeschreiblich positive Atmosphäre auf der Straße. Man konnte den Aufbruch förmlich spüren. All diese Menschen mit samt ihren Ambitionen waren der Ansporn, etwas zurück zu geben und ihnen ein Andenken zu widmen. Ich verfasste also nicht nur diesen Artikel mit vielen Momentaufnahmen, sondern beschloss, auch ein Video unter dem Titel „Zeitzeugen“, zu veröffentlichen.
Alles was bleibt
Im Sommer des Jahres ging ich ein wenig in mich und sinnierte über das Vergangene. Ich betrachtete unser Tun und unser Sein als Ganzes und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Einigen schien ich aus der Seele zu sprechen, denn ich erhielt viele Rückmeldungen auf unterschiedlichsten Wegen. Ich schrieb über Sinn und Antrieb, über meine Einsichten und weshalb ich tue, was ich tue. Es war ein sehr persönlicher Artikel, der viel Gehör fand. Neben dem Rubikon, hielt ihn auch Gunnar Kaiser für erwähnenswert, was mich wirklich sehr gefreut hat.
Scharfe Schwerter
Im September traf ich den Künstler Martin Sprave, der hier in Wittenberg seine Kunst zur Schau stellte. Durch den Tipp eines Freundes erfuhr ich, dass er auf dem Marktplatz seine Werke ausstellte und sah mich sofort gezwungen, diese politischen Monumente fotografisch zu verewigen. Auch ihm widmete ich einen Artikel, der den Weg in mein Lieblingsmagazin Rubikon schaffte.
Die Verurteilten
Zu Guter Letzt in diesem Jahr, verfasste ich einen Artikel über den geschichtsträchtigen Reformationstag in Wittenberg, der zum Anlass genommen wurde, den Unmut gegen die Regierung in Form einer Demonstration zu veranstalten. Viele tausend Menschen sind aus ganz Deutschland gekommen und haben sich dem Protest angeschlossen. Trotz enormer Widrigkeiten, haben die Veranstalter es geschafft, ein imposantes Ereignis zu realisieren. Auch diesen Tag hielt ich in einem Artikel fest, den Mr. Dax. Dirk Müller freundlicherweise auf seiner Chaskursseite teilte.
Was uns erwartet
Was wird Sie uns bringen, die Zukunft? Wird die Gerechtigkeit triumphieren? Wird es unseren Mitmenschen wie Schuppen von den Augen fallen und werden sie realisieren, dass wir nicht ihre Feinde sind? Oder muss erst alles zusammenbrechen und das Elend vorherrschen, bis sich die Gesellschaft wieder besinnt und erkennt, was ihnen angetan wurde? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, die Hoffnung stirbt nicht zuletzt, sie stirbt niemals.
Am 31. Oktober war es wieder so weit. Wie in jedem Jahr, wird das einschneidende Ereignis aus dem Jahre 1517 in der Wiege der Reformation, meiner Heimat Wittenberg, ausgiebig gefeiert. Viele tausend Menschen besuchen das mittelalterliche Fest und flanieren durch die herrliche Innenstadt, die von den Schrecken des zweiten Weltkrieges weitgehend verschont blieb. Unbekümmert und vergnügt laufen sie durch die schmalen Gassen, bestaunen die mächtigen Statuen längst vergangener Zeiten und füllen ihre Bäuche mit alten Weinen und köstlichen Speisen. Sie lachen und sind vergnügt. Fernab des stressigen Alltags, vergessen sie und genießen ihre kostbare Zeit. Wer will es ihnen verdenken? Ich schaue sie an, schließe zeitweise die Augen und lächle. Ein warmes Gefühl umschlingt meinen Körper und ich beginne, mich kurzfristig an alte, unbeschwerte Zeiten zu erinnern. Es fühlt sich an, wie in einem Traum, aus dem man nicht mehr aufwachen möchte. Ich realisiere, wie ich es ihnen aus tiefstem Herzen gönne.
Und doch möchte ich sie berühren, sie wachrütteln, ihnen meine brennenden Intentionen mitteilen, sie warnen und vor Augen halten, welch finstere Seelen uns alle bedrohen. Aber ich weiß, die Worte würden verhallen, sie würden ein schallendes Gelächter hervorrufen oder einen mitleidigen Blick im besten Falle. Es verharrt ein sanfter Schmerz in meiner Brust und Traurigkeit umgibt mich. Nachdenklichkeit macht sich breit. Meine Gedanken irren wild umher und ich frage mich erneut, bin ich es vielleicht, der die Dinge falsch interpretiert? Täuscht mich mein Gefühl so sehr? Nur die Zukunft wird Antworten darauf geben können.
Ein seichter Auftakt
Parallel zum traditionellen Fest fand diesmal ein weiteres Ereignis in Wittenberg statt, die Reformation 2.0, wie es die Organisatoren nannten. Eine Zusammenkunft kritischer Geister, die die Symbolkraft dieses historischen Tages nutzen wollten, um ihrerseits eine Botschaft in die Welt zu senden. Gewaltige Fußstapfen in die sie da treten wollen. Es war ganz sicher eine riesige Kraftanstrengung, solch ein Event aus eigener Tasche zu stemmen. Dafür gebührt den Veranstaltern größten Respekt.
Nachdem ich erste Eindrücke des klassischen Reformationstages an diesem sonnigen Herbsttag einsog, wanderte ich mit meinem 50 mm Objektiv bewaffnet, Richtung Amselgrund, den Ort des Geschehens, an dem die Veranstaltung gegen dreizehn Uhr beginnen sollte. Viele Menschen waren noch nicht vor Ort. Der Treffpunkt schien auch nicht leicht zu finden zu sein für Außenstehende. Für jedes Navi war der Amselgrund ein Fremdwort und Parkplätze an solch einem Tag zu finden, grenzt auch an ein Wunder.
Ich tauchte in die relativ überschaubare Menge ein und gönnte mir erst einmal einen köstlichen Kaffee, den die Veranstalter gegen eine kleine Spende austeilten. Hier bekam ich auch zu hören, dass es unter Anderem verboten war, Speisen anzubieten. Verrückt, dachte ich mir. Wer weiß schon, was sich die Stadt dabei gedacht hat, solch eine Auflage zu erteilen. Hindernisse anderer Art waren die beschmierten Betonböden, auf denen im Vorfeld die Verachtung gegenüber dieser Veranstaltung zum Ausdruck gebracht worden ist, sowie verklebte Türschlösser an den Toiletten.
Ich lief ein wenig umher und erlebte eine friedliche Stimmung. Entspannt setzte ich mich ins Gras und genoss das langsame Anwachsen der Veranstaltung. Es waren einige Kameras zu sehen, ganz offensichtlich nahm man auch außerhalb unserer Stadtgrenzen dieses Ereignis war. So kam es auch, dass ich Jens Zimmer traf, der für „InfraRot“ arbeitet und dessen Podcasts ich mir regelmäßig anschaue. Wir unterhielten uns kurz, schoss danach noch ein Foto von ihm und ging dann wieder meiner Wege. Inzwischen trafen mehr und mehr Menschen ein und der Amselgrund füllte sich zusehends.
Bühne frei
Schließlich wurde die „Reformation 2.0“ offiziell eröffnet und einer der Organisatoren begrüßte die Menschen. Nach seinen einleitenden Worten begann die Kundgebung mit einem Musikbeitrag von Estéban Cortez, der wirklich melodische Stücke präsentierte, die zum Mitwippen und Nachdenken anregten. Ein weiterer musikalischer Gast war „Krähe“, ein Musiker aus dem direkten Umland, dessen Lieder sich durch klare Statements, eingängigen Melodien und einer rauen Stimme auszeichnen. Er appellierte unter Anderem an die Redakteure, endlich unabhängigen Journalismus zu betreiben, auch sie haben Kinder und zerstören durch ihre einseitige Berichterstattung die Demokratie. Sie lebt von Beteiligung sagt er. Ebenso wie Luther damals, kann er nicht anders, denn er möchte später einmal nicht sagen müssen, er habe es gewusst und nichts dagegen getan.
Es gab viele weitere Redner auf der Bühne des Wittenberger Amselgrunds. Ihre Inhalte alle zu erwähnen, würde den Rahmen sprengen. Zusammengefasst ging es um Kritik an der Regierung und ihrem Handeln. Doch es gab auch konstruktive Vorschläge, die ich von Marcus Fuchs aufschnappte, einem Organisator der Demonstrationen in Dresden, der die Menschen dazu aufforderte, ihre Differenzen bei Seite zu legen und sich stattdessen auf die Gemeinsamkeiten zu fokussieren. Beispiele dafür wären für ihn, der Erhalt des Bargeldes, politisches Fehlverhalten ahnden, sowie bedingungslos friedliche Außen- und sinnvolle Energiepolitik. Punkte, die ich gänzlich unterstreichen würde.
Der Zug setzt sich in Bewegung
Inzwischen sind Stunden vergangen. Nächster Punkt im Programm war ein großer Demonstrationszug durch die Stadt, der in der Abschlusszeremonie, einer weiteren Bühne am Luthergarten, enden sollte. Es war ein wirklich langer Weg. Mit den Trommlern an der Seite, setzte sich der Zug bei nun mittlerweile diesigem Wetter in Bewegung. Das war ein toller Moment und man konnte sich nun ein besseres Bild von der Masse an Menschen machen. Ganze sieben Minuten nahm ich mit meinem Handy auf, in denen unentwegt Menschen vorbeizogen. Im Laufe des friedlichen Protestzugs haben sich immer mehr Leute angeschlossen. Die Stimmung war super. Ich beschloss, eine Abkürzung zu nehmen und auf den Tross zu warten.
Schließlich war die Sonne verschwunden und die mächtigen Scheinwerfer und Leinwände der zweiten Bühne erhellten den Abend imposant. Als die Masse im Luthergarten eintraf, war das ein berührender Moment, denn ihre Glücksgefühle waren ihnen deutlich anzusehen und steckten an.
Abschluss
Die Masse war versammelt und lauschte den letzten Beiträgen, die auch hier mit wirklich tollen Musikbeilagen untermalt wurden. Die Sängerin „Rairda“ nahm die Zuhörer mit auf eine sphärische Reise. Diese Liveperformance ging unter die Haut. Anschließend sprach ein Pfarrer, der die Teilnehmer vom ehemaligen ZDF Moderator Peter Hahne herzlich grüßen ließ, bevor Jürgen Elsässer an das Mikrofon trat. Sein Fokus lag auf NATO, amerikanischer Außenpolitik und den Deutschen. Inhaltlich nichts Neues, aber dennoch wichtig, solche heißen Themen immer wieder anzusprechen und sich eben nicht davor zu verstecken. Nach seinem Beitrag war ich dann am Ende und lief nach Hause.
Platt, die Klamotten in die Ecke geschmissen, wate ich an meinen Rechner und überspiele ganze 15 GB mit 442 Bildern und Videos. Gerade will ich die ersten Zeilen schreiben, da läuft im Hintergrund eine Melodie, die ich seit langer Zeit nicht mehr zu Ohren bekam und die mich seltsam nachdenklich stimmte. Sie ließ mich den Abend noch einmal genussvoll Revue passieren. Ich dachte an den Mut, den all die Menschen auf der Bühne und vor Ort aufbringen, nur um für Selbstverständlichkeiten einzutreten, die man bisher niemals in Frage gestellt hätte. Das Ausmaß der Absurdität ist mittlerweile so grotesk, dass einem teilweise die Worte fehlen und man gar nicht mehr weiß, wo man ansetzen soll, wenn sich doch einmal ein interessierter Mensch aus der Herde herauswagt und sein Interesse bekundet.
Die Verurteilten
Am heutigen Tag begegnete ich einigen verfemten Personen des öffentlichen Lebens persönlich. Ihnen allen hat die mediale Berichterstattung offenkundig nicht gut getan. Sie sorgten aktiv dafür, dass diese Menschen, die ebenso ein gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft sind, kein Gehör in der breiten Öffentlichkeit fanden und immer noch finden. Einer der verbrämten, der verbrannten und geächteten, ist Dr. Heinrich Fiechtner. Ein Mann, den viele Mitmenschen augenscheinlich als das personifizierte Böse ansehen. Ich selbst bemerkte bei seiner energischen Rede, welch rhetorische Kraft in ihm steckt und wie er, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, mit voller Inbrunst seine Überzeugungen mit der Menge teilte. Auch er ist ein Verurteilter in den Augen Vieler.
Er und all die anderen, die sich für ein friedliches und faires Miteinander einsetzen, sind schuldig. Die vermeintliche Mehrheit hat sich entschieden sie zu verurteilen. Sie sind schuldig, wenn es heißt, sich den bewusst herbeigeführten Fehlentwicklungen entgegen zu stellen und laut Nein zu sagen, wenn Ungerechtigkeiten Realität werden. Schuldig, wenn es heißt, für ein echtes demokratisches Miteinander zu sein. Schuldig, bei Verlautbarung, für Frieden einzustehen mit allen Völkern dieser Erde.
Egal, ob der eine laut und der andere leise agiert, wir alle sollten froh darüber sein, dass es diese Menschen gibt, die sich auf unterschiedlichstem Wege für Freiheit und Frieden einsetzen, egal wie stark der Gegenwind ist. Allen Verurteilten danke ich von ganzem Herzen und sende noch einige mutmachende Eindrücke dieses einzigartigen Tages.
Die Meisten kennen den Spruch vom ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission Jean Claude Juncker:
„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“
Weit weniger bekannt ist diese Aussage von ihm:
„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“
Ein erfrischend ehrlicher Satz, den er da von sich gab. Diese Fassaden verborgener Macht, äußern sich eben doch manchmal aus Versehen – oder mutwillig – erschreckend offen und beweisen damit, wessen Geistes Kind sie eigentlich sind. Es ist wirklich bedauerlich, dass dieses austauschbare Klientel die Richtung vorgibt.
Für sie sind wir Kinder. Es gibt viele brave Kinder, aber eben leider auch die anderen, die kleinen ungezogenen Gören, die einfach nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben wollen und gezüchtigt werden müssen. Die Dressur scheint ein probates Mittel zu sein. Es ist fast so, als ob die Stöckchen stetig höher positioniert werden, über die wir nutzlosen Menschen springen dürfen. Immer höher, bis uns die Luft ausgeht. Der Wahnsinn ragt mittlerweile so dermaßen in unaussprechliche Höhen, dass man kaum mit der Verarbeitung hinterherkommt. Was tun, gegen die zwangsweise entstehende Ohnmacht? Welche Superlative soll man noch verwenden, um das aktuelle Zeitgeschehen realistisch zu beschreiben? Was muss noch alles passieren, bis wir es endlich schaffen, ideologiebefreit zusammenzustehen?
Sie setzen uns Hassfiguren vor, bis der Auftrag erfüllt und alles zerstört worden ist. Dann endlich, werden uns die „vom Licht geküssten Retter“ auf ihren weißen Pferden ereilen und uns von allem Leid „befreien“. Und natürlich wird wieder nichts in den Geschichtsbüchern davon stehen, dass dieses Ereignis orchestriert worden ist. Das Traurige dabei ist, dass die Legionsaufseher erneut nicht im Entferntesten bemerken, dass sie Teil eines viel größeren Plans sind. Unbeeindruckt von der eigenen Ahnungslosigkeit, marschieren sie immer weiter auf dem Pfad des Untergangs, bis ihnen ihre beispiellose Unfähigkeit blutig aus den Augen quillen wird. Ununterbrochen kämpfen sie gegen jegliche Vernunft und ihren eigenen Verstand. Ihr gedankliches Gebilde, das gerade benötigt wird, um Menschen einzuengen, zu belehren und ihrer Kultur zu berauben, ist offenkundig nicht ausreichend beseelt, um zu erkennen, wessen nekrotischem Konstrukt sie gerade folgen. Vielleicht sind Worte zu schwach oder zumindest nicht ausreichend, um das wahrhaft Böse angemessen zu beschreiben. Gut, dass es da Alternativen gibt.
Ton als Mittel der Kunst
An diesem Sonntag schickte mir ein Freund ein Foto, auf dem eine Statue zu sehen war mit dem Zusatz: – „Steht hier, auf dem Wittenberger Töpfermarkt.“ – Ich musste zweimal hinschauen. Ein Soldat in grün-brauner Uniform und dem darunter eingravierten Satz: „Grün ist das neue Braun“. Im Hintergrund der Aufnahme erkannte ich eine weitere Skulptur, die ich nicht ganz einordnen konnte, die aber dennoch meine Aufmerksamkeit erregte. Ziemlich progressiv, fand ich im ersten Moment. Mein Interesse war sofort geweckt und ich beschloss, mich auf die Socken zu machen, um mir das Ganze persönlich anzusehen. Gesagt, getan, packte ich meine Kamera ein und fuhr zum Marktplatz.
Es war ziemlich viel los an diesem sonnigen Tag. Ich betrat den historischen Ort, lauschte den am Rande stehenden Musikern und genoss die appetitlichen Gerüche der Flammkuchenstände. Ich schaute mich um und sah eine Menge Menschen an den einzelnen Verkaufszelten neugierig die liebevoll gestalteten Kunstwerke begutachten. Doch die größte Menschentraube stand bei den aufsehenerregenden Tonfiguren, die ich mir unbedingt näher ansehen wollte. Ich nahm viele schmunzelnde Leute wahr, die diese Werke mit ihren Handys verewigten und kaum glauben konnten, dass solche, doch recht provokanten Kunstwerke präsentiert werden in einer Zeit der politischen Korrektheit. Das muss jemand mit Rückgrat gemacht haben, einer, der den Gegenwind genießt.
Bruder im Geiste
Ich ging an den Stand und sprach den Herren an, von dem ich annahm, dass er der Künstler dieser imposanten Tonfiguren war und lag richtig. Martin Sprave kommt bereits zum zehnten Mal nach Wittenberg und präsentiert seine Kunstwerke. Der Westfale bereist ganz Deutschland und erlebte bisher ausschließlich positive Resonanz auf seine Arbeit. Das hat mich doch sehr gewundert, aber auch gefreut für ihn. Wir unterhielten uns ein wenig über sein Leben, was er zur Kunstszene meint, wie sein Umfeld so denkt und darüber, dass im Westen Deutschlands deutlich weniger Menschen auf die Straße gehen als hier. Ganz klar ein Bruder im Geiste, der das Herz am rechten Fleck trägt und sich mithilfe der Kunst gehörig Ausdruck verleiht. Es ist seine Art, all diese verderbten Marodeure zu entlarven und mit dem Finger auf sie zu zeigen.
Schließlich verabschiedete ich mich von ihm. Er gab mir noch seinen Flyer mit auf den Weg und betonte, dass ich die Aufnahmen gerne verbreiten und über seine Arbeit schreiben könne.
Ebenso wie viele andere, die auf unterschiedlichsten Wegen ihren Zorn friedlich zum Ausdruck bringen, nutzt auch Martin Sprave die Kunst dafür, um nicht leise zu sein und diesem gesichtslosen Alptraum etwas entgegenzustellen, denn die Kunst ist und bleibt ein verdammt scharfes Schwert.
Ich bin sehr froh darüber, ihn kennengelernt und seine Werke festgehalten zu haben. Wer sich näher mit seinen Arbeiten beschäftigen möchte, der kann dies auf seiner Website tun: http://www.madian-art.de
Schon seit geraumer Zeit versuche ich Worte zu finden, die das Unfassbare angemessen beschreiben könnten. Oft fing ich an und hörte dann doch wieder auf, da alles schon gesagt worden ist. Auf sämtliche Defekte dieser Gesellschaft wurde in jedweder Form hingewiesen, doch die Masse der Menschen möchte sie offensichtlich nicht wissen. Ich werde das nicht ändern. So gern ich sie erreichen will, ich erreiche sie nicht. Wir alle erreichen sie nicht, egal was wir tun. Sie werden uns erst hören, wenn es zu spät sein wird. Sich das einzugestehen, war nicht leicht.
Also wozu noch etwas schreiben? Ich dachte lange darüber nach. Stets mit der Kamera ausgerüstet, ging ich des Öfteren in die Natur oder fuhr umher, ohne zu wissen, wohin ich will. Ich sinnierte über die Energie, die wir auf die Straße brachten, die Hoffnung, die wir hatten, in diesem kurzen Zeitfenster tatsächlich so etwas wie eine Wende herbeizuführen. In Gedanken vereint, fühlten wir uns, als könnten wir diesem Unrecht die Stirn bieten und glaubten daran, dass der Funke der Wahrheit auf unsere Mitmenschen überspringt. Nach zwei Jahren des Kampfes muss ich jedoch konsterniert feststellen, dass die Dinge noch schlimmer geworden sind und die Wut der Verzweiflung gewichen ist. Mittlerweile habe ich meinen Frieden damit gemacht, dass diese Gesellschaft am Ende ist.
Sinn und Antrieb
Also noch einmal, wofür das alles? Wozu noch etwas schreiben? Ich habe für mich eine Antwort gefunden. Ich tue es für die Nachwelt. Für die Zeit, die nach der unvermeidlichen Katastrophe hoffentlich existieren wird. Ich dokumentiere und beweise damit, dass nicht Alle blindlings folgten. Dass es Menschen gab, die hinterfragten, die die Dinge als Ganzes betrachteten, die ihr ungutes Gefühl nicht einfach unterdrückten und sich dem Unrecht entgegen stellten, wohl wissend, ignoriert, diffamiert und ausgegrenzt zu werden. Auf der Website „ich-habe-mitgemacht.de“ gibt es eine beeindruckende Liste von Personen, die sich in den letzten zwei Jahren ganz besonders hervorgetan haben. Der Philosoph Gunnar Kaiser stellte vor Kurzem die Frage, wie man mit eben jenen Teil der Gesellschaft umgehen soll und jetzt durch den veröffentlichten Evaluationsbericht eines Besseren belehrt worden ist. Entgegnet man ihnen mit Vergebung oder Vergeltung? Diese Frage brachte mich zum Nachdenken. Wahrscheinlich könnte ich sie jeden Tag anders beantworten, denn mein emotionales Pendel schlägt stetig in eine andere Richtung aus. Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Ich kann keine eindeutige Antwort darauf geben. Wahrscheinlich habe ich nur einen Wunsch, Gerechtigkeit.
Sagen, was ist
Vielleicht gibt es sie gar nicht diese Gerechtigkeit. Wahrscheinlich haben wir uns noch nie tatsächlich verändern können als Spezies Mensch, denn diese Probleme, die es heute gibt, gab es auch schon Jahrtausende zuvor, nur auf andere Art und Weise. Wie oft setzte sich der psychopathischste Auswurf an die Spitze einer Gesellschaft, welcher wie ein Pilzmyzel die Nation unter sich erstickte. Es wird immer Gewinner und Verlierer geben, Herrscher und Beherrschte und jede noch so harmonische Zeit des Aufbruchs wird wieder und wieder vernichtet, bis ein kurzer Moment des Friedens ausbricht, bevor sich das Rad erneut von vorne dreht. Eigentlich ernüchternd, aber andererseits besteht das Leben nun einmal aus Geburt und Tod. Alles beginnt und alles endet. Warum dagegen ankämpfen?
Auch wenn uns eine schreckliche Zeit zu drohen scheint, so baut mich der Gedanke auf, dass es auch immer ein „danach“ geben wird. Ganz egal, wie es dann aussehen mag, die Natur und die Schönheit bleibt bestehen. Einen Teil von ihr hielt ich in den letzten Monaten fest. Vielleicht animiert sie, sich für einen Augenblick an ihr zu erfreuen und Kraft zu schöpfen, denn sie ist alles, was bleibt.
„Ohne WHO keine Pandemie, ohne WEF kein Great Reset, ohne NATO kein Krieg und ohne EZB keine Inflation. Das Leben könnte so schön sein.“
Ja, ziemlich polemisch. Aber knapper lässt sich das organisierte Verbrechen nicht beschreiben. Im Laufe der Jahrzehnte scheint etwas unbemerkt in die Gesellschaften infiltriert worden zu sein. Etwas, was ich nicht zu beschreiben vermag. Eine Art Geisteshaltung, eine Mentalität, etwas, was sich nicht anfassen lässt. Es ist, als gehe eine Saat auf, die vor langer Zeit gelegt worden ist. Anders lassen sich diese grotesken Entwicklungen dieser Welt kaum mehr rational erklären.
Unerheblich welchem gesellschaftlich relevanten Thema ich mich auch widme, ich sehe überall nur Lüge und Zerstörung. Ich schaue mich um und bekomme den Mund nicht mehr zu. Fast schon paralysiert stehe ich am Rand des Spielfelds und ertappe mich dabei, wie eine milde Form der Ehrfurcht in mir entsteht, wenn ich mir den bisherigen Erfolg der Architekten vor Augen führe, die sich ihre ganz eigene Welt erschaffen wollen. Ihnen ist bewusst, wie sie uns dazu bringen können, dass wir in dreißig Jahren ihren Wünschen entsprechen und dass dies nicht von einem auf den anderen Tag zu vermitteln ist. Dafür sind Etappenziele von Nöten. Ihnen ist klar, dass die Masse der Menschen für bare Münze hält, was ihnen die etablierten Sendeanstalten präsentieren. Sie wissen, dass die meisten Menschen anschließend mit jenen Argumenten bewaffnet, ihr Weltbild formen und Streitgespräche führen, gegen die niemand ankommen wird. Ihnen ist ebenfalls bewusst, dass dies natürlich auch für die Gegenseite, die wenigen Zweifler gilt, denn auch sie verteidigen ihr alternatives Weltbild vehement. Dabei spielt es für sie keine Rolle, wer Recht hat. Sie können alles verkaufen. Jeder noch so große Betrug wird vom größten Teil der Gesellschaft unhinterfragt geschluckt. Wie das möglich ist bei all den bereits bewiesenen Lügen der Vergangenheit, bleibt ein Mysterium. Auch das ist den Architekten sicher nicht unbekannt.
Geplant wird in Generationen, nicht in Wochen oder Monaten. Kaum etwas geschieht aus Zufall. Wäre ich ein Mensch mit Gottkomplex und voller Niedertracht, würde ich es nicht anders angehen. Sie haben die Welt in ein menschenfeindliches Biotop verwandelt und weiten den Nährboden stetig aus, um die gesamtgesellschaftliche Oligophrenie weiter voranzutreiben. Leider klappt es. Die Naivität und die Gutmütigkeit der Menschen, wird gnadenlos ausgenutzt. Das Ergebnis dessen, sieht man gerade live.
Schauen wir uns nur an, wo wir hingekommen sind. In was man uns hineinmanövriert hat. Die Vernunft scheint ausgerottet. Hetze und Fehlverhalten wird legitimiert. Der Plan ging auf, die Menschen bis ins Mark zu spalten, so dass es zu keiner Versöhnung mehr kommen kann. Der Zorn ist ein steter Begleiter geworden, seitdem die Freiheit schwand und die Einflussnahme von Machtpolitik und Wirtschaftsmonopolen in großen Schritten voranging. In Details zerstritten, bleibt der Widerstand gelähmt und kann nicht wachsen. Um wirklich etwas bewirken zu können, müssen diese Gräben überwunden werden. Wir sind angehalten uns alle zu vereinen, um dem Syndikat entschlossen entgegen treten zu können. Ich kann nur versuchen dafür zu werben, denn einzig die Masse an Menschen, die dieses Spiel nicht mehr mitspielt, wird den Spuk beenden können. Jeder der fühlt, dass hier etwas nicht stimmt und dass die Sache nicht gut ausgehen wird, sollte sich gemeinsam mit all den anderen auf der Straße wiederfinden, die bereits seit zwei Jahren ihren Unmut kundtun. Die Gegenwehr sollte sich nicht nur auf das eine große Thema beschränken, sondern geöffnet werden für weitere Missstände, die angeprangert, beendet und verhindert werden müssen. Nur gemeinsam sind wir stark! Wenn das Unrecht einmal installiert worden ist, dann gibt es kein Zurück mehr. Es liegt an uns, das zu verhindern.
Über viele Monate habe ich die Spaziergänge in meiner Heimatstadt Wittenberg begleitet. Sie alle eint das Gefühl der Fassungslosigkeit und der Ohnmacht. Jeden Montag gehen sie auf die Straße und versuchen auf friedliche Art und Weise ein Zeichen gegen das schreiende Unrecht zu setzen. Sie alle plagen die gleichen Fragen: was tun? Wie umgehen in einer Zeit, in der man sich unverstanden fühlt und in der Andersdenkende mit keinerlei rationalem Argument mehr zu erreichen sind? Wohin mit all dem Schmerz und der stets begleitenden Ohnmacht? Der Klimax sämtlicher Gipfel scheint erreicht zu sein. Dieser Planet scheint zu klein für den Kummer. Er bietet nicht genug Schutz. Seine Schultern sind zu schwach, als das jene genug Trost spenden könnten. Wie viel Geduld kann man noch aufbringen? Wann ist das Ende der Geduld erreicht? Und was kommt danach? Wie verhindern wir es, dass es in der Zukunft wieder zu den gleichen Strukturen kommt? Können wir das überhaupt?
Es gibt viele gute Ansätze, wie man die Dinge zum Positiven ändern könnte, aber solange die Macht an anderer Stelle sitzt, glaube ich nicht, dass sich dahingehend etwas bewegen lässt. Sicher, man könnte versuchen in einer kleinen Gemeinschaft ein Gegenmodell vorzuleben, aber auch dies wird keine Resonanz erfahren in der breiten Masse. Letztendlich wird es nur mit all den Andersdenkenden den Ansatz einer Änderung geben können. Auch wenn es kaum vorstellbar erscheint, aber nur die Wucht der Vielen kann eine politische Wende herbeiführen. Deswegen werbe ich, trotz des Zorns, der auch in mir brodelt, immer wieder für das Brückenschlagen mit allen Teilen der Gesellschaft. Erst wenn wir diesen Traum tatsächlich realisiert haben und wir Hunderttausende in jeder Stadt sind, besteht Hoffnung auf echte Veränderung.
Wir sind Zeitzeugen dieses unfassbaren Unrechts. Mögen nachfolgende Generationen unsere Taten nicht vergessen.
Das Jahr beginnt, wie es aufgehört hat. Noch immer liegt diese riesige, staubige Decke über mir, die hartnäckig alles Menschliche unter sich zu begraben droht. Die Tage beginnen mal ernüchternd, mal hoffnungsvoll. Der Zorn ist ein stetiger Begleiter, ebenso wie die Fassungslosigkeit und das schwindende Verständnis für den Teil der Gesellschaft, die diesen bigotten Staatslenkern noch immer treuherzig Glauben schenkt.
Ich weiß, dass es nicht nur mir so geht. Einer der Felsen in der Brandung ist Manuel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Paart MC. Er nutzt seine musikalischen Fähigkeiten dafür, diesem grotesken Schauspiel etwas entgegenzusetzen. Gerade in diesen Zeiten ist es so wichtig, dass es aufrechte Menschen wie ihn gibt. Ein Licht in der Dunkelheit, welche die gesamte Kunstszene zu umschlingen scheint. Denn die meisten Künstler schweigen genau in dem Augenblick, in dem sie lauthals schreien müssten. All die Jahrzehnte führten sie Stücke auf, schrieben und verfassten Lieder darüber, dass so etwas wie damals, nie wieder passieren möge. „Wehret den Anfängen!“, war stets der Tenor. Und nun? In der Stunde der Bewährung, in der es um den größten globalen Angriff auf die Freiheit des Individuums geht, hört man nichts. Es herrscht Ruhe. Jetzt ist das Gros dieses Metiers sogar noch willfähriger Helfer des schier unübersehbaren Unrechts. Es ist beschämend und kaum zu ertragen.
Doch es gibt sie noch vereinzelt, die Lichtblicke, die enorm viel Kraft und Hoffnung spenden. Paart MC ist einer davon. Ein starker Typ, der sagt was er denkt und auch dafür einsteht. Vergangenes Jahr lernte ich ihn kennen. Die Geschichte dazu, hielt ich damals schon fest. Auch er trägt einen wichtigen Teil dazu bei, den einen oder anderen, gerade jungen Menschen, zu erreichen, ihm ein Sprachrohr zu geben und aus seiner Stasis zu befreien.
Eine Idee wird Wirklichkeit
Vor ein paar Wochen schickte er mir seinen neuesten Song „Traitors“ und fragte mich, was ich davon halte. Ihm ist bekannt, dass es so gar nicht meine Musik ist, aber dennoch hörte ich ihn mir an. Und was soll ich sagen, ich war wirklich beeindruckt. Der Beat, der Refrain und vor allem seine authentischen Zeilen, überzeugten mich. Ich sagte ihm, dass dies für mich der professionellste Rap war, den ich bisher von ihm hörte. Doch dem Paart war das nicht genug. Ihm gingen weitere Gedanken durch den Kopf. Ein Musikvideo sollte es sein. Ich sagte, „Schön! Das ist sicher eine gute Idee.“„Wie wär´s, wenn du das machst?“, fragte er mich. Ich war erst einmal perplex. Ich? Bisher hatte ich mich erst einmal mit dieser Thematik beschäftigt und ein kleines Video über den Wittenberger Spaziergang erstellt. Schließlich ist meine Passion die Fotografie und nicht das Filmen. Aber wir hatten Beide Blut geleckt, denn was hatten wir zu verlieren? Gesagt getan, willigte ich ein und wir verabredeten uns zu einem Drehtermin in der Nähe von Berlin.
Der Tag der Wahrheit
Ich stand sehr zeitig auf, denn immerhin trennten mich fast zwei Stunden Autofahrt von seinem Heimatort. Ohne zu wissen, was genau mich erwartet oder wie ich das Ganze halbwegs professionell realisieren sollte, fuhr ich mit meinem gesamten Kameraequipment einem wundervollen Sonnenaufgang entgegen, den ich sogar später im Musikvideo implementieren sollte.
Endlich angekommen, trafen wir uns vorab bei ihm zu Hause. Er stand bereits draußen vor der Tür und bat mich herein. Wir tranken noch einen Kaffee und sprachen darüber, wie der Tag ablaufen könne. Er erwähnte ein verlassenes Betonwerk, was eine gute Location für unser Vorhaben sein sollte. Gegen Mittag wolle seine Frau noch vorbeikommen, die sich ebenfalls für den Dreh anbot. Alles gepackt, ging es endlich los. Etwa zehn Minuten später waren wir am Ziel und parkten auf einem abgelegenen Feld. Anschließend liefen wir noch etwa zwei Kilometer, bis wir das beeindruckende Gelände endlich erreichten.
Die ersten Aufnahmen
Es war heruntergekommen, karg, trist und faszinierend zu gleich. An den unmöglichsten Stellen waren Graffitis zu sehen, die teilweise wahre Kunstwerke sind. Wir beide waren begeistert von dem Ambiente. „Hier machen wir ein paar Drehs!“ sagte ich, als wir die erste leerstehende Halle sahen. Manuel zog sich um, währenddessen ich meine Kamera positionierte. Ich wies ihn an, mal hier und da herumzulaufen, bevor wir ein paar Festaufnahmen in Angriff nehmen würden. Die ersten Szenen waren im Kasten.
Nach etwa einer Stunde zogen wir weiter in die nächste Halle. Überall übermannte uns das Staunen. An jeder Ecke gab es etwas zu sehen. Auch waren wir nicht die Einzigen, die dieses abgelegene Gelände besuchten. Einige vorbeikommende Menschen begutachteten in kleinen Gruppen ebenfalls das Gelände. Ab und an kamen wir sogar mit ihnen ins Gespräch. Inspiriert von der Umgebung legten wir wieder los mit dem Drehen.
Gegen die Mittagszeit stieß seine Frau dazu. Sie sollte das Ganze noch etwas aufwerten. Zwei Masken hatte ich dabei, von denen ich dachte, sie könnten zum Video passen. Sie probierte sie an. Ich gab ein paar Anweisungen, den Rest erledigte sie von selbst bravourös. Auch, als sie dann mit Manuel zusammen im Bild war, ließ ich die Beiden einfach machen. So verging die Zeit. Am Ende waren wir alle zufrieden mit dem Ergebnis. Erschöpft und mit vielen neuen gewonnen Erfahrungen im Gepäck, ließen wir den Tag noch etwas ausklingen, bevor ich den Heimweg antrat.
Natürlich setzte ich mich gleich am nächsten Morgen an den Rechner und lag los. Zwölf Stunden später gab es die ersten Ergebnisse, die Manuel schon gut gefielen. Über die kommenden Tage setzte ich mich weiter ran und verfeinerte das Ganze. Neben ein paar Bildern, die ich während des Drehs trotzdem aufnahm, kann man das filmische Resultat dieses Erlebnisses, nun seit dem 4.2.2022 begutachten:
Es war mir eine Ehre, mit Manuel und seiner Frau dieses Abenteuer durchlebt zu haben. Die massigen Eindrücke, die ich an diesem Tag gewann, haben meinen Blick in diesem Bereich noch einmal enorm erweitert. Natürlich werde ich weiterhin der Fotografie frönen, aber mein Interesse für das Filmen wurde geweckt.
Outro
Zum Ende hin bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich hoffe, dass es mehr Menschen werden, die sich mit Hilfe der Kunst dem Unrecht entgegenstellen, denn wie sagte schon damals vor vielen Jahren Johann Wolfgang von Goethe: „Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.“
Den Anfang des Jahres möchte ich mit einem kleinen Résumé beginnen. Auch diesmal hielt ich einige Augenblicke fotografisch fest. Alles fing mit meinem Beitrag an, den ich „Fünfzehn Kilometer“ nannte. In ihm verarbeitete ich die Absurdität einer staatlichen Vorgabe, in der es hieß, dass man sich nur im genannten Radius von seinem Haus entfernen darf. Ich fuhr in alle Himmelsrichtungen um genau in dieser Entfernung die Welt festzuhalten. Der Artikel wurde auch im Rubikon und auf Cashkurs veröffentlicht.
Zeiten wie Diese
Mein zweiter Artikel handelte von meiner Heimatstadt Wittenberg. Er zeigt, was diese Zeit mit einer Stadt alles macht und was die politischen Entscheidungen alles nach sich ziehen. Ich versuchte die Leere und Tristesse darzustellen und für die Nachwelt festzuhalten. Der Rubikon veröffentlichte meinen Artikel unter dem Titel „Das leblose Land“. Auch Dirk Müller ließ mir die Ehre zu Teil, diesen Artikel auf seiner Seite herauszugeben.
Tapfere Herzen
Im März besuchte ich dann eine Demonstration in der Landeshauptstadt Magdeburg und hielt einige Momente fest. Der Titel „Tapfere Herzen“ ist eine Anlehnung an die Rede des William Wallace aus dem Film „Braveheart“, der in einer Rede dieses Tages zitiert worden ist und mich sehr inspirierte. Die Eindrücke dazu findet man hier auf meiner Website und unter anderem auf „Cashkurs„.
Momente
Ebenfalls im März des Jahres begleitete ich eine junge Familie. Ich wollte die Kleinsten aufnehmen und erfahren, was diese Zeit wohl mit ihnen macht. Diese einzigartigen Momente hielt ich in diesem Artikel fest.
Von der Hoffnung
Im April fuhr ich nach Berlin, um gegen die Abstimmung zur Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes zu demonstrieren und die Augenblicke des Geschehens bildlich darzustellen. Auch diesen Artikel teilte der Rubikon.
Wo ich die Freiheit sah
Ich hatte das Glück, dieses Jahr wundervolle Menschen kennenlernen zu dürfen. Unter Anderem die Ackerpiraten. Diese autarke Großfamilie, schloss ich so ins Herz, dass ich ihr einen Artikel widmen musste.
Vom Klang der Kunst
Als ich mir das Pendant zum European Songcontest, nämlich den NuoVision Songcontest ansah, fiel mir ein Künstler auf, dessen Texte mich stark beeindruckten. Sein Name ist Paart MC. Ich schrieb ihm eine Mail und bat um ein Kennenlernen samt Reportage. Er willigte ein. Das Ergebnis sieht man hier.
Der Chiemgau & Kroatien
Im Sommer des Jahres nutzte ich meinen Urlaub, um wieder fernere Ziele zu bereisen. Der Plan war, mit meinen Freunden nach Kroatien zu fahren, um dort ein bisschen Energie zu tanken. In der Tat, habe ich diese Reise nicht bereut, war sie eine der Schönsten, die ich jemals machte. Da die Eindrücke so umfangreich waren, teilte ich sie diesmal sogar in zwei Artikel auf. Den einen gibt es hier und den anderen hier. Auch der Übernachtung vorher im Chiemgau widmete ich einen Artikel.
Vereint im Schmerz
Wieder ging es nach Berlin. Erneut begleitete ich eine riesige Demonstration. Unter Anderem kam mir hier Boris Reitschuster vor die Linse, den man in einem der Bilder erkennt. Auch diese Eindrücke teilte der Rubikon.
Parallelwelten
Im letzten Artikel des Jahres hielt ich ein paar persönliche Gedanken fest, die mich in diesem Moment sehr bewegten und die ich mir von der Seele schreiben musste. Auch diesen teilte der Rubikon freundlicherweise auf seiner Website.
Auf ein Neues
Es war ein sehr kräftezehrendes Jahr. Dennoch überwiegt die Freude darüber, so viele wunderbare Menschen kennengelernt zu haben, die dem Unrecht ebenfalls entgegenstehen und ihren Teil dazu beitragen, dass die gesellschaftliche Bewusstlosigkeit überwunden wird. Sie alle geben nicht auf. Ich danke euch allen!