Blick aus der Ferne

Vorwort

Es ist zwei Uhr nachts. Drei Tage lang saß ich nun an meinem Rechner, machte mir Notizen und verfasste unzählige Zeilen über meine Heimat Deutschland. Formulierte aus, wie wenig ich es wiedererkenne und wie schnell sich Schatten über die Gemüter der Menschen legen kann. Ich sinnierte noch einmal über den desolaten Zustand und die wenig verheißungsvolle Zukunft, über die vorsätzliche Zerstörung, die unverhohlene Kriegstreiberei, die mediale Berichterstattung, die daraus resultierende Spaltung der Gesellschaft und weshalb ich mich so sehr darauf freute, all dem für einige Wochen zu entkommen. Ein ganz guter Einstieg für einen Urlaubsartikel, wie ich fand. Aber ich verwarf die Gedanken wieder, denn sie wiederholten letztendlich nur all das bereits Gesagte.

Deswegen bleibt es bei zwei kleinen Reiseberichten, die sich nur mit meinen Erfahrungen in der Ferne beschäftigen und nicht mit politischen Appellen unterfüttert werden. Sie handeln von meiner dreiwöchigen Reise in das ehemalige Jugoslawien, die ich mit Grit, Micha und ihrem Sohn Basti unternahm. Beste Freunde, mit denen ich bereits vor drei Jahren nach Istrien aufbrach und wunderschöne Erfahrungen machte.

Meine Gefährten Micha, Basti & Grit
Ausflug in die Geschichte

Kroatien und Montenegro sind Länder, die damals eins waren und in dem ein bekannter Präsident wirkte: Tito. Er starb in dem Jahr, als ich geboren wurde: 1980. Seine Regentschaft kenne ich also nur aus Erzählungen. Sie schien vielschichtig und kontrovers zu sein. Trotzdem denkt man im ehemaligen Jugoslawien noch heute an ihn. Das kam zumindest aus dem einen oder anderen Gespräch zum Ausdruck, welches ich mit den Einheimischen des Öfteren führte.

Für Viele schien es nicht die schlechteste Zeit gewesen zu sein. Zwar war sie sozialistisch geprägt, aber nicht im Stile Stalins, dem sich Tito damals sogar widersetzte. Der humorvolle und in Teilen autoritäre Lebemann führte Jugoslawien offensichtlich in den Fortschritt und hielt es zusammen. Einige Jahre nach seinem Tod zerbrach es jedoch in viele kleine Staaten. Nun fuhr ich in zwei dieser Regionen und durchschritt dabei sogar noch eine Dritte: Slowenien, was, wie ich erfuhr, wohl die erste Region war, die sich abspalten wollte vom damaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien.

Die Reise beginnt

Die Koffer gepackt, die Personalien abfotografiert und das Geld gezählt, ging es endlich los. Ich fuhr früh in den Morgenstunden und bemerkte erst nach zwanzig Minuten, dass ich etwas Essenzielles vergessen hatte, mein Kartenlesegerät. Ich kann ohne dieses kleine Ding keine Bilder auf meinen Laptop ziehen und anfangen sie zu bearbeiten. Nein, das geht nicht. Also drehte ich um. Als ich dann erneut startete, quietschte plötzlich mein Mazda, wenn ich bremste. Das geht ja gut los, dachte ich mir und rief meine Werkstatt des Vertrauens an, die mir glücklicherweise kurzfristig half und das Problem beseitigte. Danke dafür noch einmal an dieser Stelle an Auto Dörfel in Wittenberg! Endlich konnte ich ins Gaspedal treten!

Bad Reichenhall

Mein erster Halt lag im Süden Bayerns, in Bad Reichenhall. Ich buchte ein Zimmer in einer kleinen familienbetriebenen Herberge direkt am Thumsee. Ein wahrlich idyllisches Fleckchen Erde. Nachdem ich eingecheckt hatte, entschloss ich mich in die Stadt zu fahren. Dort traf ich Anna, eine ältere Dame, die viel über Bad Reichenhall zu erzählen hatte und mit der ich einen Teil meines Weges ging. Bevor wir uns voneinander verabschiedeten, gingen wir noch etwas Essen in einem bekannten Brauereigasthof, dessen Bier ich sogar schon in Wittenberg gesehen habe. Ich fuhr zu meiner Unterkunft und genoss noch ein kühles „Bürgerbräu“ am Thumsee.

Die nächste Etappe

Am nächsten Morgen ging es weiter. Es herrschte Vorfreude auf unsere Gastgeber im Norden Kroatiens, die wir immer wieder wählen. Meine Vermieterin heißt Vedrana. Die gebürtige Kroatin lebt eigentlich in Italien, aber während der Saison kommt sie nach Medveja, betreut das Hotel und kümmert sich nebenbei noch um ihre Eltern. Sie ist herzlich, freundlich, offen und hilfsbereit. Jeder, der ihr Mieter sein darf, wird bemerken, mit wie viel Liebe sie ihr Unternehmen führt. Auch Grit und Micha landen immer wieder bei der gleichen Vermieterin. Sie heißt Milena und lebt gemeinsam mit ihrem Bruder Marino im Ort nebenan, in Lovran. Ihr Domizil liegt relativ weit oben. Der Weg dorthin ist für Nichtkroaten eine Herausforderung. Ich erzähle lieber nicht, welche Schweißausbrüche ich bekam, bis ich bei Milena ankam.

Doch um erst einmal nach Istrien zu gelangen, mussten wir Österreich durchqueren. Mein Gott, was war das für ein Wetter. Der Himmel weinte, er weinte unermesslich. Schauer, Donner und Stürme begleiteten uns während der gesamten Strecke und brachte zeitweise jeden Autofahrer an seine Grenzen. Viele Menschen stört das sicher. Mich nicht. Ganz im Gegenteil. Es war perfekt für meine Kamera. Ich parkte unentwegt und hielt diese dämonischen Augenblicke fest, wo ich nur konnte.

Unwetter in Österreich

Nach Stunden des Untergangs klarte der Himmel auf und ich erreichte schließlich die slowenische Grenze. Ich machte Halt in Bled, ein sehr bekannter Ort und beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Leider stand die Sonne nicht optimal, sodass meine Aufnahmen nicht besonders aufregend geworden sind.

Ankommen in Istrien

Nach sechs Stunden Autofahrt erreichte ich schließlich mein Etappenziel. Ich lächelte, schloss zeitweise die Augen und genoss die saubere Meeresluft in vollen Zügen. Endlich den Zauber dieses hinreißenden Landstriches wieder spüren und alles hinter sich lassen. Minuten ließ ich es auf mich wirken, bevor ich weiter fuhr nach Medveja zu Vedrana.

Lovran

Es war, als wäre es gestern gewesen, dass ich hier war. Sofort fühlte ich mich zu Hause. „Willst du ein Bier?“, fragte sie mich. „Ja gern“, erwiderte ich. Anschließend setzten wir uns auf die Veranda und plauschten vorrangig auf Deutsch und Englisch, bevor ich mein Zimmer bezog und an den Strand ging. Gegen Nachmittag trafen Grit, Micha und ihr Sohn ebenfalls ein. Auch ihre, mir bis dato unbekannte Vermieterin Milena, freute sich wahnsinnig, die drei wiederzusehen. Noch am selben Abend verabredeten wir uns alle bei ihr. Wie bereits erwähnt, kann ich nicht genau sagen, wie ich an ihr Haus gelangt bin. Ich weiß nur eins, ihr Bruder musste meinen Wagen wieder auf den rechten Weg bringen. Jedenfalls habe ich jetzt verstanden, weswegen Grit und Micha immer in den höchsten Tönen von ihrer Vermieterin sprachen. Eine toughe und humorvolle Frau, die ihre riesige Wohnfläche samt gigantischer Gartenanlage allein mit ihrem Bruder bewirtschaftet. Einige Mietshäuser hat ihr Bruder eigenhändig aus dem Boden gestampft. Viel Arbeit, aber wenn man bedenkt, welch bezaubernden Ausblick sie jeden Tag frönen dürfen, entschädigt dies für so einiges.

Die kleinste Stadt der Welt

Am nächsten Morgen war es für kroatische Verhältnisse relativ mild. Nach dem köstlichen Frühstück entschied ich mich von daher ein wenig ins Landesinnere zu fahren, nach Hum, die sogenannte kleinste Stadt der Welt. Auf der Karte sieht es gar nicht so weit aus, aber wenn man den Weg gefahren ist, weiß man, warum man so lange braucht um dort hin zu gelangen. Bergauf, Serpentinen satt, enge verwinkelte Straßen und Gassen bis hin zu Feldwegen zierten den Weg. So manch einen Moment zitterte ich um meinen Wagen, und betete, dass er die Strapazen überleben würde. Irgendwann kam ich dann doch an und wurde belohnt mit strahlendem Sonnenschein und einem Ausblick, der seines gleichen sucht. Hum hat es mir angetan. Ein wahrhaft bezaubernder Ort. Ich lief durch die Gassen entlang, dinierte in der einzigen Konoba und kaufte sogar einheimischen Wein. Hier traf ich Österreicher aus Steier, die dem eigenen Alltag ebenfalls entfliehen wollten. Denn auch in ihrem Land geht es politisch gesehen drunter und drüber. Viele hundert Aufnahmen später, machte ich mich nach einigen Stunden wieder auf den Heimweg. Rückzu bemerkte ich, dass es auch eine Schnellstraße gibt. Wunderbar.

Hum
Ausklang

Der kurze Aufenthalt in Istrien neigte sich so langsam dem Ende. Es waren zwei wundervolle Tage. Am letzten Abend gingen wir im Restaurant „Riviera“ essen. Für mich das erste mal, scheinen Grit, Michael und Basti des Öfteren eingekehrt zu sein, denn die Kellnerin begrüßte sie auf das Allerherzlichste. Sie und ihr Vater arbeiten schon viele Jahre hier und lieben was sie tun, das merkt man ganz deutlich. Hier bleiben keine Wünsche offen. Von ihrem Hauswein waren wir so begeistert, dass wir glatt ein paar Flaschen mitnahmen. Am Ende durfte ich sogar ein Bild von den Zweien machen. Und was soll ich sagen, man spürt einfach was ich meine, wenn man in ihre Gesichter blickt. Es war ein herrlicher Ausklang dieser kurzen aber intensiven Zeit in Istrien. Die Abenddämmerung genoss ich noch für einen Augenblick am Strand, bevor ich heim ging.

der Süden Kroatiens

Früh morgens ging es weiter. Ich verabschiedete mich von Vedrana und sagte, dass es sein könne, dass ich auf dem Rückweg noch einmal bei ihr übernachten werde. Ich würde mich rechtzeitig melden. Aber nun, auf in den Süden! Kaum zu glauben, aber bisher haben wir erst die Hälfte unserer Strecke geschafft. Vor uns lagen noch einmal knappe eintausend Kilometer. Unser nächstes Ziel war Zadar. Die Stadt liegt etwa 300 Kilometer südlich von Istrien entfernt und ist relativ gut über die Schnellstraße zu erreichen. Ich entschied mich allerdings die Meeresstraße entlang zu fahren. Man kann sich denken warum. Für diese Aussichten hat sich der Umweg gelohnt.

Vorbei an lang gezogenen Inseln und unendlich vielen Kurven, erreichten wir gegen Nachmittag unsere Behausungen nahe Zadar. Eingecheckt, gingen wir abends noch in die Altstadt und blickten einem wundervollen Sonnenuntergang entgegen. Am nächsten Morgen frühstückten wir an einer Promenade mit perfektem Hafenblick. Wir hätten ewig hier verweilen können.

Auf nach Dubrovnik

Letzte Station vor unserem finalen Ziel in Montenegro war Dubrovnik. Wer die Serie „Game of Thrones“ kennt, weiß, dass hier viele Szenen gedreht wurden. Vorbei an Split, was wir auf den Rückweg mitnehmen sollten und der neuen Pelješac-Brücke, die es nun ermöglicht, den Grenzübergang von Bosnien/Herzigowina zu vermeiden, erreichten wir am späten Nachmittag das entlegene Dubrovnik und letzte große Stadt Kroatiens. Ein märchenhafter Ort. Wir kosteten so viel wie möglich aus, bevor wir unsere vorerst letzte Etappe antraten. Diese Strecke war eine der schönsten aus meiner Sicht. Oft hielt ich an und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, so sehr beeindruckte mich die Landschaft und die unendliche Weite dieser Gegend. Es lässt sich kaum beschreiben und selbst Bilder können es nicht wiedergeben. Man muss es erleben.

Schließlich erreichten wir die Grenze und betraten endlich Montenegro. Erste Eindrücke dieses bezaubernden Landstrichs sind am Ende meiner Bilderreihe zu sehen.

Es gäbe noch soviel zu erzählen und zu zeigen, aber würde das den ohnehin schon viel zu langen Artikel gänzlich sprengen. Ich hoffe dennoch, dass ich den einen oder anderen inspirieren kann, diese Region zu besuchen. Die Landschaft und vor allem die freundlichen Menschen sind es auf jeden Fall wert.

Dies war der erste Teil meines Reiseberichts. Nun werde ich mich an den zweiten Teil setzen.

Doviđenja!

Scharfe Schwerter

Heimweh nach Vernunft

Die Meisten kennen den Spruch vom ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission Jean Claude Juncker:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Weit weniger bekannt ist diese Aussage von ihm:

„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“

Ein erfrischend ehrlicher Satz, den er da von sich gab. Diese Fassaden verborgener Macht, äußern sich eben doch manchmal aus Versehen – oder mutwillig – erschreckend offen und beweisen damit, wessen Geistes Kind sie eigentlich sind. Es ist wirklich bedauerlich, dass dieses austauschbare Klientel die Richtung vorgibt.

Für sie sind wir Kinder. Es gibt viele brave Kinder, aber eben leider auch die anderen, die kleinen ungezogenen Gören, die einfach nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben wollen und gezüchtigt werden müssen. Die Dressur scheint ein probates Mittel zu sein. Es ist fast so, als ob die Stöckchen stetig höher positioniert werden, über die wir nutzlosen Menschen springen dürfen. Immer höher, bis uns die Luft ausgeht. Der Wahnsinn ragt mittlerweile so dermaßen in unaussprechliche Höhen, dass man kaum mit der Verarbeitung hinterherkommt. Was tun, gegen die zwangsweise entstehende Ohnmacht? Welche Superlative soll man noch verwenden, um das aktuelle Zeitgeschehen realistisch zu beschreiben? Was muss noch alles passieren, bis wir es endlich schaffen, ideologiebefreit zusammenzustehen?

Sie setzen uns Hassfiguren vor, bis der Auftrag erfüllt und alles zerstört worden ist. Dann endlich, werden uns die „vom Licht geküssten Retter“ auf ihren weißen Pferden ereilen und uns von allem Leid „befreien“. Und natürlich wird wieder nichts in den Geschichtsbüchern davon stehen, dass dieses Ereignis orchestriert worden ist. Das Traurige dabei ist, dass die Legionsaufseher erneut nicht im Entferntesten bemerken, dass sie Teil eines viel größeren Plans sind. Unbeeindruckt von der eigenen Ahnungslosigkeit, marschieren sie immer weiter auf dem Pfad des Untergangs, bis ihnen ihre beispiellose Unfähigkeit blutig aus den Augen quillen wird. Ununterbrochen kämpfen sie gegen jegliche Vernunft und ihren eigenen Verstand. Ihr gedankliches Gebilde, das gerade benötigt wird, um Menschen einzuengen, zu belehren und ihrer Kultur zu berauben, ist offenkundig nicht ausreichend beseelt, um zu erkennen, wessen nekrotischem Konstrukt sie gerade folgen. Vielleicht sind Worte zu schwach oder zumindest nicht ausreichend, um das wahrhaft Böse angemessen zu beschreiben. Gut, dass es da Alternativen gibt.

Ton als Mittel der Kunst

An diesem Sonntag schickte mir ein Freund ein Foto, auf dem eine Statue zu sehen war mit dem Zusatz: – „Steht hier, auf dem Wittenberger Töpfermarkt.“ – Ich musste zweimal hinschauen. Ein Soldat in grün-brauner Uniform und dem darunter eingravierten Satz: „Grün ist das neue Braun“. Im Hintergrund der Aufnahme erkannte ich eine weitere Skulptur, die ich nicht ganz einordnen konnte, die aber dennoch meine Aufmerksamkeit erregte. Ziemlich progressiv, fand ich im ersten Moment. Mein Interesse war sofort geweckt und ich beschloss, mich auf die Socken zu machen, um mir das Ganze persönlich anzusehen. Gesagt, getan, packte ich meine Kamera ein und fuhr zum Marktplatz.

Es war ziemlich viel los an diesem sonnigen Tag. Ich betrat den historischen Ort, lauschte den am Rande stehenden Musikern und genoss die appetitlichen Gerüche der Flammkuchenstände. Ich schaute mich um und sah eine Menge Menschen an den einzelnen Verkaufszelten neugierig die liebevoll gestalteten Kunstwerke begutachten. Doch die größte Menschentraube stand bei den aufsehenerregenden Tonfiguren, die ich mir unbedingt näher ansehen wollte. Ich nahm viele schmunzelnde Leute wahr, die diese Werke mit ihren Handys verewigten und kaum glauben konnten, dass solche, doch recht provokanten Kunstwerke präsentiert werden in einer Zeit der politischen Korrektheit. Das muss jemand mit Rückgrat gemacht haben, einer, der den Gegenwind genießt.

Bruder im Geiste

Ich ging an den Stand und sprach den Herren an, von dem ich annahm, dass er der Künstler dieser imposanten Tonfiguren war und lag richtig. Martin Sprave kommt bereits zum zehnten Mal nach Wittenberg und präsentiert seine Kunstwerke. Der Westfale bereist ganz Deutschland und erlebte bisher ausschließlich positive Resonanz auf seine Arbeit. Das hat mich doch sehr gewundert, aber auch gefreut für ihn. Wir unterhielten uns ein wenig über sein Leben, was er zur Kunstszene meint, wie sein Umfeld so denkt und darüber, dass im Westen Deutschlands deutlich weniger Menschen auf die Straße gehen als hier. Ganz klar ein Bruder im Geiste, der das Herz am rechten Fleck trägt und sich mithilfe der Kunst gehörig Ausdruck verleiht. Es ist seine Art, all diese verderbten Marodeure zu entlarven und mit dem Finger auf sie zu zeigen.

Schließlich verabschiedete ich mich von ihm. Er gab mir noch seinen Flyer mit auf den Weg und betonte, dass ich die Aufnahmen gerne verbreiten und über seine Arbeit schreiben könne.

Ebenso wie viele andere, die auf unterschiedlichsten Wegen ihren Zorn friedlich zum Ausdruck bringen, nutzt auch Martin Sprave die Kunst dafür, um nicht leise zu sein und diesem gesichtslosen Alptraum etwas entgegenzustellen, denn die Kunst ist und bleibt ein verdammt scharfes Schwert.

Ich bin sehr froh darüber, ihn kennengelernt und seine Werke festgehalten zu haben. Wer sich näher mit seinen Arbeiten beschäftigen möchte, der kann dies auf seiner Website tun: http://www.madian-art.de

Im Land der Träume

Auf nach Kroatien

Viel wurde mir berichtet von einem Land, fern der Heimat, was so wunderschön sein soll, dass man gar nicht mehr weg möchte. Nun, man kann ja viel erzählen, erleben muss man es selbst. Offen wie ich bin, ließ ich mich auf die Verheißungen ein, ohne besonders hohe Erwartungen zu hegen. Ich hatte Urlaub und dachte mir, warum sich nicht auf zehn Stunden Fahrt einlassen und ein Land besuchen, von dem du rein gar nichts weißt. Später auf der Bahre wirst du es sicher bereuen, die Dinge nicht getan zu haben. Somit folgte ich dem Vorschlag meiner Freunde Grit und Michael, in Kroatien meinen Urlaub zu verbringen und fuhr mit den beiden getrennt voneinander ans Mittelmeer.

Ein weiter Weg

Ganze zwei Länder trennen mich vom vielversprechenden Ziel. Österreich und Slowenien. Ich war bereits in Salzburg, was nah an der deutschen Grenze liegt, aber die kroatische Halbinsel Istrien sollte noch einmal doppelt soweit weg liegen. Da ich Urlaub hatte und es keinen Anlass gab, mich irgendwelchem Stress auszusetzen, beschloss ich, auf halbem Weg Rast zu machen um am nächsten Tag ausgeruht meinen Weg fortzusetzen. Meine Entscheidung fiel dabei auf den Chiemgau bei der bezaubernden Eva, wovon ich bereits im vergangenen Artikel berichtete.

Slowenien
Endlich Ankommen

Vorbei an den bereits erwähnten Ländern, die ich aus meinem Wagen versucht habe, sporadisch festzuhalten, erreichte ich endlich Kroatien. Bereits kurz hinter der Grenze kam ich in den Genuss eines Panoramas, das seines Gleichen sucht. Ich war gezwungen, den Motor auszuschalten und den Ausblick auf die wundervolle Adria zu verewigen. Wer brauch schon Urlaub, wenn er hier in Istrien lebt? Sonne satt, eine unvorstellbare Landschaft und eine Architektur, die der in Frankreich oder Italien in nichts nachsteht. Istrien ist der nördlichste Teil des langgezogenen Landes, eine mit Steinen übersäte Halbinsel zu der mir auch gleich eine kurze Geschichte einfällt, die man sich hier erzählt:

Als Gott die Erde erschaffen hat, dachte er sich, ein Landstrich soll aussehen, wie das Paradies. So ist Istrien entstanden. Ein traumhafter Ort. Als der Teufel das gesehen hat, wurde er eifersüchtig. Rasend vor Wut zerriss er den Sack, in dem die Engel die Felsen transportierten, die noch zu verbauen waren. Und ganz Istrien wurde übersäht mit Felsbrocken.

Das ist auch der einzige Wermutstropfen, den man finden könnte. Einen Sandstrand sucht man hier vergebens. Aber keine Sorge, man gewöhnt sich ganz schnell daran, versprochen!

Istrien
Lovran

Schließlich erreichte ich mein Domizil in dem hübschen Ort Lovran. Villa Maria heißt das überaus moderne und wunderschön eingerichtete Hotel, welches ganz in der Nähe des Meeres liegt. Ich wurde von der überaus freundlichen Gastgeberin Vedrana empfangen, die mir sogleich mein Zimmer zeigte. Ich war baff. Es war qualitativ einzigartig. Sofort fühlte ich mich zuhause. Nach dem Einchecken, gab sie mir noch ein paar Tipps, bevor ich in die Stadt fuhr um mich mit Grit und Michael zum Abendessen zu treffen.

Es war ein wundervolles Wiedersehen bei unbeschreiblichstem Ambiente. Hier vergisst man wahrlich die Zeit und beginnt zu leben. Während man in der Abendsonne den Blick auf das wunderschöne Meer genießt, kommen einem viele Gedanken in den Sinn, allen voran, wie es wohl wäre, hier zu leben. Schon kommt der Ober. Natürlich esse ich Fisch. Bezahlt wird in der Landeswährung Kuna. 100 Kuna sind in etwa 14 Euro. Beseelt von diesen phänomenalen Ersteindrücken, planten wir den nächsten Tag und schlenderten anschließend noch etwas durch den Ort, bevor wir in unsere Hotels fuhren.

Lovran
Aufbruch nach Krk

Der nächste Tag brach an. Ich schlief wunderbar und wir alle freuten uns auf unsere nächste Etappe, die Insel Krk (Kirk gesprochen). Sie liegt etwa eine Stunde entfernt und hat viel zu bieten. Allein für sie bräuchten wir Tage um sie in Gänze zu erkunden. Grit und Michael sehnten sich nach Meer und wollten endlich in die Adria springen, auch ich verlangte danach, doch wollte ich auch die Umgebung erkunden. Somit entließ ich sie nach Ankunft in Njivice, einem der ersten Ortschaften auf der Insel und fuhr allein weiter in die Stadt Krk um dort ein paar Aufnahmen zu machen. Ich verweilte etwa zwei Stunden hier, bevor ich anschließend zum Badestrand fuhr, wo die beiden das Meer und die Sonne in vollen Zügen genossen. So gesellte ich mich dazu und vergaß den tristen Alltag in der Heimat.

Die Stadt Krk
Rijeka

Viele Stunden später verließen wir die Insel Krk, um uns wieder auf den Heimweg zu machen. Auf halber Strecke durchquerten wir eine der größten Städte in der Region, Rijeka. Wir wollten hier unseren Abend verbringen, etwas Essen und uns den Ort ansehen. Wahrlich, es ist eine bezaubernde Stadt, in der man ewig verweilen kann. Die wunderschönen Gassen, die Architektur und die liebenswerten Menschen, hinterlassen zwangsläufig einen bleibenden Eindruck. Was soll man dazu noch sagen? Man muss es einfach erleben.

Rijeka
Erste Eindrücke

Schon die ersten beiden Tage brachten so viele wunderschöne Impressionen mit sich, dass es nicht ausreicht, das gesamte Ausmaß dieses wundervollen Fleckchens zu würdigen. Deswegen werde ich diesmal meine Erfahrungen in einem weiteren Artikel fortführen, den ich demnächst veröffentlichen werde. Für den Anfang, will ich euch erste Eindrücke präsentieren.

~ Ulli

Besuch in Tschechien

Unser schönes Nachbarland

Schon lange liebäugelte ich damit, Karlsbad einen Besuch abzustatten. Es liegt noch in meinem Einzugsgebiet, welches ich an einem Tag absolvieren kann. Etwas über 300 km trennen mich von Karlsbad, was sich im Nordwesten Tschechiens befindet.  Bereits zum zweiten Mal reiste ich dieses Jahr zu unseren Nachbarn. Damals ging es nach Prag, allerdings reichten die Aufnahmen leider nicht aus um einen Artikel darüber zu schreiben, so kann ich nur einige wenige der Aufnahmen präsentieren.

Die Reise beginnt

Früh morgens um sieben fuhr ich los. Vorbei an Leipzig, Chemnitz und Oberwiesenthal, kam ich nach über drei Stunden Autofahrt an mein langersehntes Ziel. Karlsbad befindet sich nur wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze. Die im Tal liegende Stadt verzaubert vom ersten Moment an. Nachdem einige Zeit ins Land ging, um endlich eine Parkmöglichkeit zu finden, stieß ich mich ins Getümmel. Angenehm aufgefallen ist mir, dass die Stadt zwar touristisch, aber nicht überlaufen war. Die Temperatur war mild und der Himmel bedeckt, perfekt für meine Ansprüche. Ohne zu wissen, wohin genau es mich verschlägt, stapfte ich los und ließ mich vom Charme dieser schönen Stadt inspirieren.

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Die Karlsbader Innenstadt

Ich war wirklich beeindruckt, denn die Architektur ist wahrhaft atemberaubend, ich erblickte wundervolle Fassaden und Villen in Hülle und Fülle. Von all den tragischen Vorkommnissen in der Vergangenheit war nichts zu sehen. Karlsbad stand schon mehrfach in Brand und wurde von vielen Überschwemmungen heimgesucht. Ganz offensichtlich wurde hier sehr viel Geld in den Wiederaufbau gesteckt.

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Wundervolle Eindrücke

In der relativ kurzen Zeitspanne, die mir blieb, bevor der Abend hereinbrach, versuchte ich so viel wie möglich vor die Linse zu bekommen. Oft kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und die vielen prunkvollen Eindrücke ließen mich kaum vorankommen. Ständig musste ich anhalten und aus den verschiedensten Blickwinkeln den Auslöser drücken. Neben all den tollen Villen rund um den Kern und der bezaubernden Innenstadt, begeisterte auch eine Russisch-Orthodoxe Kirche, von der man meinen könnte, ein russischer Zar persönlich war hier und hat sie aufgebaut.

Karlsbad ist ebenso die Heimat des Becherovkas, ein bekannter Schnaps, den man auch in unseren Gefilden erwerben kann. Dieser Schnaps war einer der Ersten, die ich in jungen Jahren probiert habe. Allerdings erinnere ich mich, dass er meinen Geschmack nicht getroffen hat. Sogar eine Statue von Karl Marx traf ich auf dem Weg, der offensichtlich ebenfalls diese Stadt geliebt haben muss.

Ahoj, Karlsbad!

Insgesamt verweilte ich ganze fünf Stunden in Karlsbad und trat dann meinen Heimweg an. Hoch oben am Rand des Tals schoss ich meine letzten Aufnahmen, um noch einen Gesamteindruck festzuhalten. Ich fand es wirklich überwältigend. Eine grandiose Stadt, für die es sich gelohnt hat, den Weg auf sich zu nehmen. Ich empfehle jedem, dieses Kleinod einmal zu besuchen.

Lass es dir gut gehen!

~ Ulli

Ausflug nach Polen

Eins der Fotoreiseziele, die ich mir für 2019 vorgenommen hatte, war Polen. Ich war vor Ewigkeiten an der polnischen Ostsee zugegen, kann mich aber kaum mehr daran erinnern. Ein Grund mehr, einen aktuellen Eindruck über unser Nachbarland zu erhaschen. Ich recherchierte schon zwei Tage vorher, welche Stadt für mich in Betracht käme, die ich an einem Tag belagern könnte. Es sollte schon eine etwas größere Ortschaft sein, damit sich das Ganze auch lohnt. Ursprünglich schwebte mir Łódź vor, was ich auch eine ganze Zeit in Betracht zog, doch nach weiterer Recherche fokussierte ich mich auf Stettin, was auf Grund des näheren Anfahrtsweges eher meine Zustimmung fand. Also entschied ich mich kurz vor dem Start für diese Stadt im Norden an der Grenze zu Deutschland. Früh morgens sechs Uhr ging es los und ich fuhr 300 Kilometer in Richtung Nordosten. Es war ein grauer und trister Tag, genau richtig für dieses Vorhaben.

Meine Reise führte mich durch Brandenburg und am Speckgürtel Berlins vorbei. Bevor ich überhaupt die Grenze erreichte, hielt ich noch in Prenzlau an, einer kleinen Stadt, die ca. 50 Kilometer vor der polnischen Grenze liegt. Hier wollte ich noch einmal tanken, musste aber trotzdem anhalten, da ich einen riesigen Dom sah, den ich unbedingt festhalten musste. Überwältigt von diesem gigantischen Baukunstwerk und der Information, dass auch hier Martin Luther gewirkt hatte, entschloss ich mich noch einen kurzen Moment zu verweilen und schlenderte durch das kleine Städtchen. Mittlerweile war es schon nach neun Uhr und ich beschloss weiterzufahren um endlich an mein Ziel zu gelangen.

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Marienkirche in Prenzlau

Am Grenzgebiet angekommen, die mobilen Daten am Handy ausgeschaltet und ohne einen Heller polnischer Währung im Portemonnaie zu haben, durchquerte ich die offene Grenze und sofort bot sich mir ein neues Bild. Alles war anders, die Beschilderungen, die Tempolimits, die Ampeln und die Straßen. Die Zebrastreifen scheinen wirklich eine besondere Priorität zu genießen, denn es wird einfach immer für die Fußgänger angehalten, sie brauchen sich vorher nicht einmal nach links und rechts umzuschauen, die Autofahrer halten an. Dies hat mich umso mehr gewundert, da es in Polen eigentlich genau andersherum ist: der Autofahrer hat Priorität und der Fußgänger hat zu warten. Die Ampeln in Stettin haben mich ganz besonders beeindruckt, hier gibt es neben diesen noch eine weitere Ampel, auf der die Wartezeit angezeigt wird. Die Sekunden zählen rückwärts und man kann sich wunderbar darauf einstellen, wie lange die entsprechende Grün- oder Rotphase noch andauert.

we will watch you
Rotes Rathaus in Stettin

Die Größe und die Architektur erinnerte mich stark an Leipzig. Stettin ist eine wundervolle Stadt, mit wirklich vielen schönen Gebäuden und Fassaden, die teilweise mächtig mondän wirken. Ich verbrachte einige Stunden im Zentrum und versuchte soviel wie möglich vor meine Linse zu bekommen. Es gab nur ein Problem, es waren nirgends kostenlose Parkplätze zu finden, man musste schier an jeder Ecke bezahlen. Mir blieb also nichts weiter übrig, als anzuhalten, auszusteigen und sofort etwas aus der Situation zu machen, oft ließ ich den Motor einfach an und flitzte nach getaner Aufnahme wieder in mein Auto. Einzig am Hafen von Stettin fand sich eine Gelegenheit länger zu verweilen ohne Gefahr zu laufen, einen Strafzettel zu bekommen. Noch bevor die Dämmerung einsetzte, fuhr ich wieder in Richtung Heimat. Vorbei an Gartz, Angermünde und Eberswalde. Ebenfalls wundervolle Ortschaften, die ich sicher in Zukunft noch einmal genauer unter die Lupe nehme.

In der Zukunft werde ich mir auch noch die vielen anderen großen Städte in Polen ansehen, Stettin war ein toller Einstieg, den ich jedem Menschen ans Herz legen kann. Anbei einige Eindrücke von meiner Reise.

 

Jahresrückblick

Das Jahr neigt sich dem Ende, Zeit, um ein erstes Resümee zu ziehen und auf das zu blicken, was war und was vor mir liegt. Seit einem Jahr befasse ich mich nun mit der Fotografie und habe damit die beste Entscheidung meines Lebens getroffen. In dieser Zeit entstand diese Website, es wurden Aufnahmen in Zeitungen abgebildet, ich kam in Ausstellungen und Büchern vor, gestaltete Fotobücher & Kalender und man findet mich inzwischen auf Facebook, Pinterest, Instagram und sogar auf Youtube. All das hätte ich vor einem Jahr noch nicht für möglich gehalten.

Die Fotografie ist eine Leidenschaft, die schon immer in mir zu schlummern schien und nun erwacht ist. Mich fasziniert schier alles, egal ob es die unendlichen Weiten einer kargen Landschaft sind, es sich um ein epochales Bauwerk handelt oder ein völlig normaler Moment im Alltag eines Menschen ist, den ich versuche festzuhalten: ich hoffe darauf, dass am Schluss ein bewegendes Bild herauskommt. Ich kann es immer kaum erwarten zu Hause anzukommen, den Rechner hochzufahren um mir meine Beute anzusehen und auszuwählen, welches Bild es wert ist, sich der finalen digitalen Bearbeitung zu unterziehen. Ich bin immer extrem motiviert, wenn ich an so einer Bearbeitung sitze. Vor meinem geistigen Auge habe ich meistens eine grobe Vorstellung, welche Stimmung zu dem jeweiligen Bild passen würde. Zusätzliche Inspiration verleihen mir manchmal die Stile anderer Fotografen, Filme und Musik. Ich bin oft Feuer und Flamme, während ich meine Maus an den Reglern hin- und her schiebe. Ist es geschafft und es bewegt mich in irgendeiner Form, gebe ich es einen passenden Namen, implementiere mein Logo dezent und lade es in diversen Plattformen hoch, in der Hoffnung, dem Einen oder Anderen gefällt was er sieht oder noch besser, es berührt.

Ich denke oft darüber nach, wie es wäre, wenn man mit dieser Leidenschaft seinen Lebensunterhalt bestreiten würde, doch wäre es dann noch dasselbe? Könnte man immer noch mit dieser Entspanntheit arbeiten, wenn einem ständig der Druck im Nacken sitzt?  Was, wenn die Leistung am Ende nicht gefällt? Es gibt erfahrene Fotografen, die raten davon ab, andere wiederum wirken motivierend oder sind sogar sehr erfolgreich. Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich noch keine Entscheidung getroffen und freue mich einfach auf die unbekannte Zukunft. Momentan möchte ich einfach machen, was ich liebe und das aus vollem Herzen. Es freut mich sehr, dass ich mittlerweile einige Menschen auf unterschiedlichsten Wegen getroffen habe, denen meine Bilder etwas bedeuten.

Zu guter Letzt präsentiere ich noch einige meiner Lieblingsbilder aus diesem Jahr.

Lass es Dir gut gehen!

~ Ulli

 

Schweizzeit

Die Fahrt in die Schweiz

Mein bester Freund Danny ist vor vielen Jahren in die Schweiz gezogen um dort ein neues Leben zu beginnen. Es hat ihn ganz in die Nähe des Züricher Sees verschlagen, im deutschsprachigen Kanton Schwyz. Bei guten Fahrverhältnissen trennen uns ganze acht Stunden Autofahrt, somit ist ein häufiges Treffen natürlich nicht möglich, aber ein- bis zweimal im Jahr nimmt einer von uns beiden den weiten Weg auf sich und wir besuchen uns. Diesmal war ich an der Reihe. Mit Stativ und Kamera bewaffnet, freute ich mich, in die wunderschöne Schweiz zu fahren.

Um überhaupt erst einmal in die Schweiz zu gelangen, musste ich durch vier Bundesländer fahren: Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg. Natürlich hielt ich manchmal an und musste das eine oder andere Objekt festhalten, allerdings hätte es Tage gebraucht und ich wäre niemals angekommen, wenn ich all die interessanten Städte und Burgen besichtigt hätte, die sich allein auf dem Weg zum Zielland befanden.

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Die ersten Eindrücke der Schweiz

In Lindau angekommen, sah ich schon die ersten schweizer Nummernschilder, die sich die Waage hielten zwischen den Deutschen und den Österreichern. Um in das bergige Land zu gelangen, musste ich an der östlichen Seite des Bodensees vorbei und einen kurzen Abstecher nach Österreich machen um den Grenzübergang in die Schweiz zu passieren. Ich kaufte mir keine Vignette, die von Nöten ist, wenn man die Autobahnen des Landes nutzen möchte, sondern wählte bewusst den längeren aber sicher schöneren Landstraßenweg. Ich spürte sofort, dass ich in einem anderen Land zugegen war, die Landschaft beeindruckte mich bereits auf den ersten Metern. Vom Sonnenschein begleitet, durchquerte ich schon die ersten herrlichen Städte und Dörfer, die Namen besaßen, als seien sie aus einer Fantasywelt entsprungen: Teufen, Herisau, Wattwil, Ricken oder Uznach, um nur einige zu nennen.

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Ankommen in der Schweiz

Endlich war ich da. Natürlich war die Freude groß, dass wir uns nach so langer Zeit wieder sahen. Ich berichtete Danny von meinen ersten Eindrücken, die phänomenal aber auch seltsam für mich waren. Zum Einen war da diese umwerfende Landschaft und zum Anderen sah ich fast keine Menschen auf den Straßen. Es war Samstagnachmittag, ich sah Niemanden, der spazieren ging, keine Familien auf Balkonen, die zusammen Kaffee tranken, keine Kinder, die auf den Wiesen spielten oder Jugendliche, die grillten oder eine Fahrradtour machten. Mir fiel auf, dass es nur vereinzelt Balkone gab, an denen Blumenkästen zu sehen waren, allerdings bemerkte ich wiederum, dass die Menschen, wenn ich denn welche auf dem Weg zum Züricher See zu sehen bekam, ausnahmslos freundlich und rücksichtsvoll waren. Ich erinnere mich an eine Situation, in der sich ein junger Schüler äußerst freundlich in beide Richtungen bedankt hatte, als die Autofahrer auf allen Seiten anhielten, damit er die Straße überqueren konnte oder gemütlich gewartet wurde, als eine Herde Kühe quer über die Straße trabte.

Kreuz und Quer durch die Schweiz

Wir hatten viel zu besprechen, wir grillten, tranken und gingen abends noch in ein Livekonzert. Am nächsten Morgen fuhren wir mit seinem Auto quer durch das Land mit dem Ziel, Freunde zu besuchen, die ebenfalls mittlerweile in der Schweiz leben, im Kanton Aargau. Über sie verfasste ich bereits einen Artikel, einen meiner ersten. Es war ein herrlicher Weg. Vorbei am Züricher See und einigen Kantonen, erreichten wir das Ziel in etwas über einer Stunde. Zwischendurch nötigte ich Danny des Öfteren anzuhalten, damit ich ein paar Fotos machen konnte, schließlich war ich von all den Eindrücken sichtlich überwältigt. Es war ganz sicher nicht leicht für ihn, aber er ließ sich nichts anmerken. wofür ich ihm sehr dankbar bin.

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Schweizweit

Wir verweilten nur kurz. Wir zogen weiter Richtung Luzern, zum Vierwaldstättersee und vielen anderen wundervollen Orten, von denen mir Pfeffikon, auf Grund des wirklich wundervollen Namens, am meisten in Erinnerung blieb. Mir fiel auf, dass die Architektur und die Fülle an Menschen eine Andere war, als die, die ich anfangs beim Durchqueren des Landes empfand. Es war deutlich mehr los auf den Straßen, es waren verwunschene Orte und sagenhafte Landschaften. Hier befand sich nun auch der Anfang der Alpen. Für mich schon gigantisch, sagte mir Danny, dass dies erst der Anfang sei und die Berge Richtung Italien noch höher werden. Imposant muss ich sagen, wirklich imposant. Natürlich konnte ich nicht die ganze Schweiz durchqueren, doch dass, was ich während des Aufenthalts bei meinem besten Freund entdecken konnte, war schon wirklich atemberaubend. Einige kleine Dinge lernt man auch nebenbei, beispielsweise, dass die Schweiz 1291 aus drei Kantonen nahe der Stadt Brunnen gegründet worden ist und zwar aus den Kantonen Uri, Schwyz und Unterwalden. Es werden vier Sprachen gesprochen: deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch. Wobei letztere nur noch sehr wenig und im Osten Richtung Liechtenstein anzutreffen ist.

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Auf Wiedersehen

Insgesamt ist es ein sehr strebsames und arbeitswilliges Völkchen. Oft wird gesagt, man hat es nicht leicht als Neuling, doch ist es letztendlich wie überall: wie es in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Ich habe durchweg positive Erfahrungen gemacht und fühlte mich sehr Willkommen. Nach einigen Tagen trat ich den Rückweg an, diesmal über die westliche Seite des Bodensees, durch Schaffhausen, was ebenfalls eine sehr geschichtsträchtige Stadt ist.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein wenig Fernweh habe. Ich lege wirklich jedem Menschen ans Herz, dieses bezaubernde Land einmal zu besuchen und näher kennen zu lernen. Einige Impressionen habe ich verewigt und möchte sie sehr gern teilen.

~ Ulli