Im Reich der Kantone

Vorfreude auf die Schweiz

Auch in diesem Jahr nutzte ich wieder einen Teil meines Urlaubs dazu, meinen besten Freund Danny in der Schweiz zu besuchen. Erste Eindrücke dieses wundervollen Landes verfasste ich bereits vergangenes Jahr in diesem Artikel. Diesmal nahm ich mir vor, neben den Landschaftsaufnahmen, auch die Menschen des Landes besser kennen zu lernen. Noch bevor ich den Urlaub antrat, verriet mir Danny, dass er Freunde auf einer echten Alm hat. Etwas Besseres konnte mir gar nicht passieren. Eher beiläufig erwähnte er, dass es nur ein kleiner Fußmarsch sei, der hinauf zum Häuschen führt. Es wird schon nicht so schlimm werden, dachte ich mir und packte meinen Koffer. Voller Spannung stieg ich ins Auto und fuhr zehn Stunden Richtung Züricher See in der Ostschweiz.

Wanderung durch die Alpen

Mittlerweile ist Danny nach Uznach gezogen, einer idyllischen Kleinstadt im Kanton Sankt Gallen. Nach meiner Ankunft genossen wir bei einem „Bierli“ die herrliche Aussicht auf die Berge und planten die kommenden Tage. Gleich am nächsten Morgen sollte es auf die Alm im Diesbachtal gehen, welches im nahe gelegenen Kanton Glarus liegt. Enthusiastisch und voller Elan, freute ich mich darauf, die Menschen auf der Berghütte zu treffen. Wir fuhren mit dem Auto in Richtung Fuß des Tals und überquerten die ersten Höhenmeter mit einer Seilbahn.

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Blick ins Tal

Als wir oben waren, erwartete mich ein herrlicher Blick in das Tal und meine Kamera trat das erste Mal in Aktion. Nun ging es weiter bergauf. Ich nahm an, dass die Hütte ganz in der Nähe lag, doch weit gefehlt, wir wanderten ungefähr drei Stunden Berge und Täler entlang, bis wir das ersehnte Ziel erreichten. Es war ein harter Weg für mich, der mir Einiges abverlangte. Für einen geübten Wanderer wie Danny offensichtlich kein Problem, brachte es mich zeitweise an den Rand des Wahnsinns, damit hatte ich nun nicht gerechnet und unterschätzte diesen für mich unendlich weiten Wanderweg kolossal. Ich dachte nicht, dass wir ankommen würden, ich war wirklich platt. Doch irgendwie schafften wir es. Das Ziel war erreicht. Tausende Meter über dem Meeresspiegel ragte eine kleine Berghütte malerisch auf dem Gipfel hervor. Francisca kam uns entgegen und begleitete uns locker und flockig, ganz so, als ob gar nichts dabei wäre, diesen „kleinen“ Berg zu erklimmen. Oben angekommen, brach die Erzählung über meine Erfahrung mit diesem Wanderweg sofort das Eis. Ich lernte wunderbare Menschen kennen, die so herzlich und freundlich waren, dass ich gar nicht mehr weg wollte. Francisca und ihre Eltern, Ursula und Peter, bleiben den ganzen Sommer über auf der Alm und produzieren Käse, der weltweit verkauft wird. Neben der unbezahlbaren Aussicht, die sich mir bot, lernte ich Einiges in der kurzen Zeit, zum Beispiel, wie die frische Kuhmilch mit Hilfe einer Zentrifuge verarbeitet wird oder dass es bei den Schweizer Bauern ein ernsthaftes Interesse an der Haltung von Lamas an Stelle von Hütehunden gibt.

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Alm
Abstieg ins Tal

Ich nahm viele Momente auf. Nicht nur die geselligen Augenblicke mit Freunden der Familie, die noch zu Besuch kamen, sondern auch Francisca mit den Kühen, ihre Hunde sowie die äußerst wohlschmeckende Bewirtung. Ich wollte die Lebensweise festhalten und des urige Gefühl transportieren, welches hier zu spüren ist und ich hoffe, dass es mir gelungen ist. Inzwischen waren einige Stunden vergangen und wir mussten leider wieder Abschied nehmen. Die letzte Seilbahn des Tages konnten wir zeitlich nicht mehr erreichen, weswegen wir uns dazu entschlossen haben, einen zweistündigen Abstieg in das Tal zu absolvieren. Natürlich war das deutlich erfreulicher, als der unsägliche Aufstieg, aber gegen Ende ist auch dies nicht zu unterschätzen.

Walenstadt

Der nächste Tag brach an. Diesmal wollten wir zum sogenannten „Paxmal“, eine Art Tempel in den Bergen. Wir dachten erst, es sei uralt und von den Römern erbaut worden, doch weit gefehlt, erst im Jahre 1924 begannen die Bauarbeiten. Ein Schweizer Maler und Bildhauer erschuf einen Ort der Ruhe, wie uns freundliche Wanderer auf dem Weg nach oben mitteilten. Ja, auch an diesem Tag wurde gewandert. Wir fuhren in den südlichsten Zipfel des Kantons Sankt Gallen, nach Walenstadt und liefen dann ca. drei Kilometer bergauf. Noch gezeichnet vom Vortag, konnte mich nun nichts mehr so leicht erschüttern. Wir benötigten ungefähr eine Stunde, bis wir den stillen Tempel erreichten. Kein Mensch war dort, es herrschte wahrlich Stille. Ein beeindruckendes Werk, was damals erschaffen wurde. Ich schoss ein paar Aufnahmen, genoss den unfassbar schönen Ausblick ins Tal und entschied mit Danny, anschließend noch in eine „Beiz“ zu gehen, also eine kleine Berggaststätte, die zufälligerweise auch ganz in der Nähe lag.

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Paxmal

Uns bot sich ein sagenhaft idyllisches Bild als wir die Beiz erreichten. Leben, wo Andere Urlaub machen, das beschreibt diesen Ort wohl am Besten. Wir setzten uns auf eine urige Bank und wurden von der Hausherrin Edith begrüßt, die sich auch zu uns setzte und unsere neugierigen Fragen gern beantwortete. So fand ich heraus, dass auch hier Käse produziert und den ganzen Sommer über ganze vier Tonnen davon in die ganze Welt vertrieben werden. Außerdem lernte ich einen neuen Begriff für Halbhartkäse: „Mutschli“. Wir wurden auch hier köstlich bewirtet, es gab sehr leckeres Bier aus dem Appenzeller Land: „Quöllfrisch“, dazu tischte uns Edith ein tolles Mahl aus Käse und Wurst auf. Ich nahm noch ein paar Bilder auf von der wundervollen Alp Schrina und dann ging es wieder Richtung Uznach.

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Alp Schrina
Abstecher nach Italien

Am folgenden Tag war es sehr regnerisch und wir nutzten dies, um einen Abstecher nach Italien zu machen. Unser Ziel hieß Verona. Italien ist noch einmal eine ganz andere Welt, der ich in der Zukunft noch einen eigenen Artikel widmen werde.

Letzter Tag in der Schweiz

So langsam ging es dem Ende entgegen, doch einen Tag konnten wir noch nutzen, um ein Schweizer Highlight zu besuchen. Die Wahl fiel auf die berühmte Bergbeiz „Äscher-Waldkirchli“, welches im Kanton Appenzell liegt, nahe des Bodensees. Ich habe schon viele tolle Bilder von diesem Ort gesehen, es war Zeit, ihn selbst einmal zu Gesicht zu bekommen. Uns begleitete strahlender Sonnenschein auf dem Weg dorthin. Erneut ging es mit einer Seilbahn ungefähr 1.600 Meter auf die Spitze der vorderen Alpen. Nun hieß es wieder wandern, diesmal bergab. Vorbei an einer Tropfsteinhöhle, der Kirche bis hin zur ersehnten Beiz. Es war ein herrlicher Anblick. Wir verweilten eine Weile und genossen diese phänomenale Aussicht, bevor wir wieder den Heimweg antraten.

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Berggasthaus Aescher
Au revoir Swiss!

Wiedereinmal zog mich dieses wundervolle Land in seinen Bann. Erneut lernte ich viele neue Orte und Gepflogenheiten kennen. Auch kam ich mit den Menschen viel häufiger in Kontakt und konnte somit noch mehr eintauchen in das Alltagsleben unserer Nachbarn. Die Offenheit, das Selbstbewusstsein und die Liebenswürdigkeit der Schweizer lässt mich nur schweren Herzens wieder ziehen, doch die Zeit war um, denn die Woche darauf sollte es nach Tschechien gehen.

Anbei ein paar Eindrücke meiner Reise in die Schweiz.

~ Ulli

 

 

 

 

Ausflug nach Polen

Eins der Fotoreiseziele, die ich mir für 2019 vorgenommen hatte, war Polen. Ich war vor Ewigkeiten an der polnischen Ostsee zugegen, kann mich aber kaum mehr daran erinnern. Ein Grund mehr, einen aktuellen Eindruck über unser Nachbarland zu erhaschen. Ich recherchierte schon zwei Tage vorher, welche Stadt für mich in Betracht käme, die ich an einem Tag belagern könnte. Es sollte schon eine etwas größere Ortschaft sein, damit sich das Ganze auch lohnt. Ursprünglich schwebte mir Łódź vor, was ich auch eine ganze Zeit in Betracht zog, doch nach weiterer Recherche fokussierte ich mich auf Stettin, was auf Grund des näheren Anfahrtsweges eher meine Zustimmung fand. Also entschied ich mich kurz vor dem Start für diese Stadt im Norden an der Grenze zu Deutschland. Früh morgens sechs Uhr ging es los und ich fuhr 300 Kilometer in Richtung Nordosten. Es war ein grauer und trister Tag, genau richtig für dieses Vorhaben.

Meine Reise führte mich durch Brandenburg und am Speckgürtel Berlins vorbei. Bevor ich überhaupt die Grenze erreichte, hielt ich noch in Prenzlau an, einer kleinen Stadt, die ca. 50 Kilometer vor der polnischen Grenze liegt. Hier wollte ich noch einmal tanken, musste aber trotzdem anhalten, da ich einen riesigen Dom sah, den ich unbedingt festhalten musste. Überwältigt von diesem gigantischen Baukunstwerk und der Information, dass auch hier Martin Luther gewirkt hatte, entschloss ich mich noch einen kurzen Moment zu verweilen und schlenderte durch das kleine Städtchen. Mittlerweile war es schon nach neun Uhr und ich beschloss weiterzufahren um endlich an mein Ziel zu gelangen.

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Marienkirche in Prenzlau

Am Grenzgebiet angekommen, die mobilen Daten am Handy ausgeschaltet und ohne einen Heller polnischer Währung im Portemonnaie zu haben, durchquerte ich die offene Grenze und sofort bot sich mir ein neues Bild. Alles war anders, die Beschilderungen, die Tempolimits, die Ampeln und die Straßen. Die Zebrastreifen scheinen wirklich eine besondere Priorität zu genießen, denn es wird einfach immer für die Fußgänger angehalten, sie brauchen sich vorher nicht einmal nach links und rechts umzuschauen, die Autofahrer halten an. Dies hat mich umso mehr gewundert, da es in Polen eigentlich genau andersherum ist: der Autofahrer hat Priorität und der Fußgänger hat zu warten. Die Ampeln in Stettin haben mich ganz besonders beeindruckt, hier gibt es neben diesen noch eine weitere Ampel, auf der die Wartezeit angezeigt wird. Die Sekunden zählen rückwärts und man kann sich wunderbar darauf einstellen, wie lange die entsprechende Grün- oder Rotphase noch andauert.

we will watch you
Rotes Rathaus in Stettin

Die Größe und die Architektur erinnerte mich stark an Leipzig. Stettin ist eine wundervolle Stadt, mit wirklich vielen schönen Gebäuden und Fassaden, die teilweise mächtig mondän wirken. Ich verbrachte einige Stunden im Zentrum und versuchte soviel wie möglich vor meine Linse zu bekommen. Es gab nur ein Problem, es waren nirgends kostenlose Parkplätze zu finden, man musste schier an jeder Ecke bezahlen. Mir blieb also nichts weiter übrig, als anzuhalten, auszusteigen und sofort etwas aus der Situation zu machen, oft ließ ich den Motor einfach an und flitzte nach getaner Aufnahme wieder in mein Auto. Einzig am Hafen von Stettin fand sich eine Gelegenheit länger zu verweilen ohne Gefahr zu laufen, einen Strafzettel zu bekommen. Noch bevor die Dämmerung einsetzte, fuhr ich wieder in Richtung Heimat. Vorbei an Gartz, Angermünde und Eberswalde. Ebenfalls wundervolle Ortschaften, die ich sicher in Zukunft noch einmal genauer unter die Lupe nehme.

In der Zukunft werde ich mir auch noch die vielen anderen großen Städte in Polen ansehen, Stettin war ein toller Einstieg, den ich jedem Menschen ans Herz legen kann. Anbei einige Eindrücke von meiner Reise.