Zurück ans Meer

Aufbruch ins Vertraute

Es ist ein schwüler Sonntagmorgen. Endlich geht es los: Mein dreiwöchiger Urlaub zusammen mit meinen Freunden Grit, Michael und deren Sohn Basti in meine zweite Heimat Kroatien beginnt. So lange hatte ich mich darauf gefreut und dem Datum entgegengefiebert – fast schon surreal, dass es jetzt soweit ist. Schon Tage vorher hatte ich mich seelisch und moralisch darauf vorbereitet, meine Sachen verstaut und das Geschenk für ein besonderes Ereignis verpackt. Die Fahrt sollte planmäßig verlaufen, denn LKWs waren an diesem Sonntag nicht zu erwarten.

Ankunft in Bayern

Da es über elf Stunden sind, um den Norden Kroatiens zu erreichen, und ich nicht alles in einem Ritt durchfahren wollte, buchte ich vorab ein Zimmer im Süden Deutschlands – in Inzell. Die Idee kam nicht von mir, sondern von Grit und Micha, die mir dieses Kleinod empfohlen hatten. Nach kurzer Recherche entschied ich mich, dasselbe Hotel zu nehmen wie sie. Eigentlich hätte ich mir die Mühe sparen können, denn ich kann ihnen in solchen Dingen blind vertrauen.

Die Fahrt dauerte. Staufrei kam ich durch, und das Wetter war durchgängig schön. Bevor ich Inzell erreichte, sah ich ein Schild: Landshut. Da dachte ich mir: Wenn ich schon einmal in der Nähe bin, schaue ich doch auch mal vorbei. Gesagt, getan – ich fuhr von der Autobahn ab und landete im idyllischen Landshut. „Tolle Stadt“, dachte ich mir. Ich suchte einen Parkplatz und fand tatsächlich einen mitten in der Innenstadt. Sonntags konnte man hier kostenfrei parken – perfekt.

Gerade stieg ich aus dem Wagen, da kam mir ein Mann entgegen, der kaum glauben konnte, dass ich aus Wittenberg komme. Er kannte das Nummernschild „WB“, das hier leicht als „Westberlin“ interpretiert wird. Wir kamen ins Gespräch. Er erzählte, dass er selbst Wittenberger sei, aber vor Jahren weggezogen ist. In zwei Wochen fährt er in meine Heimat und besucht das alljährliche Lutherfest. Unfassbar – da fährt man hunderte Kilometer, und dann trifft man einen Einheimischen. Wir plauderten noch eine Weile, bevor ich den Kern der Stadt erkundete. Dass Landshut vor München einmal Landeshauptstadt war, erstaunte mich sehr. Er gab mir noch einen Tipp, wo ich gut essen könne – nicht hier in der Stadt, sondern etwas außerhalb. „Fahr nach Geisenhausen! Da schmeckt’s!“ Wir verabschiedeten uns, und ich machte noch ein paar Bilder, bevor ich in besagten Ort weiterfuhr.

Unterwegs dachte ich mir: Bayern ist wirklich schön. Überall kleine Dörfchen mit charmanten Kirchen und einem Panorama, das seinesgleichen sucht. Es fühlte sich an, als wäre ich durch ein Märchenland gefahren. Die Gaststätte fand ich schnell und kehrte ein. Es gab Knödel und Schweinshaxe – lecker! Die Dame, die mich bediente, kam aus Leipzig, ebenfalls aus meiner Ecke. Unglaublich. Dann ging es weiter Richtung Süden. Erste Anzeichen der Berge wurden sichtbar: die Alpen. Ständig hielt ich die Kamera raus und drückte während der Fahrt auf den Auslöser.

Kirche in Geisenkirchen

Schließlich kam ich in Hotel Schwarzberg in Inzell an. Grit und Basti waren noch nicht da. Ein klasse Hotel. Nach dem Einchecken lief ich ein wenig umher und schoss ein paar Bilder von diesem verträumten Ort. Dann trafen sie ein. Wir begrüßten uns aufs Herzlichste und genossen den ausklingenden Abend mit einem Maß Bier. Morgens ging es weiter. Wegzehrung besorgte ich mir noch bei einem ortsansässigen Bäcker, der so einladend aussah, das man nicht daran vorbeifahren konnte. Seit einem Jahr gibt es ihn, sagte mir die freundliche Verkäuferin. Und ich muss sagen, es war wirklich sehr schmackhaft. Für alle, die in der Gegend sind, sollten einmal bei „Bäckerei Kreidl“ vorbeischauen.

Ich erreiche das Meer

Schließlich erreichte ich die Grenze. Nun gings ans Portemonnaie: Vignette für Österreich: 12,50 Euro. plus Maut 14,50 Euro. Dann Karawankentunnel, wieder 8,80 Euro. E-Vignette 32 Euro Monatsticket für Slowenien. Es vergehen 5 Stunden. Endlich komme ich an und werde erneut in den magischen Bann Istriens gezogen. Die Luft, das Meer, selbst die Sonne, so scheint es, leuchtet hier anders. Ein Lächeln entsteht einfach so, ohne, dass ich etwas dagegen hätte tun können. Dies ist mittlerweile mein 4.er Artikel über diese Gegend. Wen es interessiert, hier gehts zu den alten:

Im Land der Träume

Hrvatska

Blick aus der Ferne

Terra Incognita

Es sind noch zwanzig Minuten bis Lovran, der Stadt am Meer, in der Milena und ihr Bruder Marino leben und ihre wundervollen Behausungen vermieten. Grit und Michael kommen schon zum X-ten Mal hier her. Ich kann verstehen, weswegen sie es so sehr lieben. Die Beiden wohnen weit oben in den Bergen. Somit sind noch einige Terpentinen zu bewältigen, bevor ich bei ihnen ankomme, wo meine Weggefährten schon auf mich warteten. Schließlich komme ich an. Ein sehr steiler Hang führt hinab zu den Vermietern, so steil, dass ich es nicht wage, wieder selbst hochzufahren.

Die Begrüßung war herzlich und andauernd. Uns allen wurde je ein Parkplatz zugeteilt und konnten nun die Zimmer beziehen. Ich erhielt eine riesige Wohnung, Grit und Micha ein gefühltes Penthouse. Abends unterhielten wir uns bei selbstgebranntem Wein, kleinen Snacks und einem Ausblick, den man sich nicht schöner vorstellen kann.

Unser Ausblick auf die Adria
Die ersten Tage in Istrien

Warum wir diesmal nach Kroatien fuhren? Klar — erneut wegen Sonne, Meer und der guten Luft. Aber vor allem, weil Grit und Micha sich das Ja-Wort geben wollten. Micha hatte Grit vor ein paar Monaten den Antrag gemacht, und die beiden wünschten sich, dass ich diesen besonderen Tag für sie festhalte — mit Fotos und Videos. Da musste ich nicht lange überlegen.

Am ersten Tag nach unserer Ankunft machten wir das einzig Richtige: Wir warfen uns in die Badesachen und tauchten ab ins glasklare Wasser der Adria. Die Sonne stand hoch am Himmel, die Luft roch nach Salz und Pinien, und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Wir ließen uns auf den warmen Steinen nieder, ließen die Seele baumeln und genossen dieses unvergleichliche Licht, das nur die Küste Istriens in dieser Art zu zaubern vermag.

Am Abend saßen wir wieder mit Milena und ihrem Bruder Marino zusammen, die Gastgeber, bei denen Grit und Micha seit Jahren unterkommen, und inzwischen mehr Freunde als bloße Vermieter geworden sind.

In den darauffolgenden Tagen trafen dann auch Judith und David ein, zwei enge Freunde von Grit und Micha, die aufgrund beruflicher Verpflichtungen etwas später anreisten. Wir kannten uns vorher noch nicht, ebenso wenig wie Basti, aber wir verstanden uns auf Anhieb. „Einmannfrei“ — ein bewusst falsch ausgesprochenes Wort, das Grit immer wieder zum Besten gab — wurde schnell zu unserem Running Gag, der uns noch oft an den Abenden zum Lachen brachte.

Der Tag der Hochzeit

Dann war er da: Freitag, der 6. Juni 2025. Der große Tag für Grit und Micha. Bereits am Morgen lag eine besondere Stimmung in der Luft. Die Sonne spiegelte sich auf dem glatten Wasser der Kvarner Bucht, als wollte sie selbst ein wenig festlicher scheinen. Wir frühstückten gemeinsam auf der Terrasse und sprachen über alles Mögliche — und doch spürte man, dass es ein besonderer Tag war.

Vor der eigentlichen Trauung mussten Grit und Micha am Tag davor noch einige bürokratische Hürden nehmen. Wer schon einmal in Kroatien etwas Offizielles erledigen musste, weiß, dass es dabei oft zugeht wie im berühmten Passierschein-A38-Haus bei Asterix. Die Standesbeamtin forderte noch diverse Unterlagen, eine Dolmetscherin musste organisiert und bezahlt werden, und zwischendurch hieß es immer wieder: „Gehen Sie nochmal kurz rüber ins andere Gebäude, und holen Sie sich hier einen Stempel.“ Zum Glück war Milena dabei, die mit viel Geduld und Charme die Formalitäten für die beiden regelte.

Ein Kraftakt bei den kroatischen Behörden

Die Zeremonie selbst fand schließlich in einem kleinen, wunderschönen Park direkt in Opatija statt, unter einer alten Pagode mit Blick aufs Meer. Ein traumhafter Ort, der wie gemacht schien für diesen Anlass. Die Gäste versammelten sich und Schaulustige standen in der Gegend.

Dann war es soweit. Grit und Micha schritten Hand in Hand den schmalen Weg durch den Park entlang, dem Ort entgegen, an dem sie sich gleich das Ja-Wort geben würden. Meine Kamera begleitete jeden ihrer Schritte, hielt diesen besonderen Moment für die Ewigkeit fest. Sie sahen einfach umwerfend aus: Grit in einem eleganten Kleid von Teuta Matoshi, das mit seinen zarten Stickereien und dem schimmernden Stoff wie gemacht war für diesen Ort am Meer. Und Micha — in einem weinroten Anzug, der in Italien für ihn angefertigt worden war und in dem er wirkte, als wäre er einem alten Filmklassiker entsprungen. Gemeinsam verließen sie den schattigen Park, das Rauschen der Blätter über ihnen, und traten hinaus auf die offene Fläche zur Pagode, wo bereits alle Gäste warteten. Ein Bild für die Götter.

Grit und Micha bei der Trauung
Die Zeremonie beginnt

An der Pagode angekommen, wurden Grit und Micha von der Standesbeamtin begrüßt, die sichtlich bemüht war, in der sommerlichen Hitze Haltung zu bewahren. Ein paar letzte Formalitäten wurden geflüstert, die Dolmetscherin stand bereit und übersetzte mit feiner, fast feierlicher Stimme. Dann bat man die beiden vorzutreten.

Der kleine Halbkreis aus Gästen rückte etwas näher zusammen, und es wurde still. Nur das Rauschen der nahen Adria und das Rascheln der Blätter begleiteten den Moment, in dem die Zeremonie ihren Lauf nahm. Milena und Marino standen etwas abseits, ein Lächeln im Gesicht, sichtlich gerührt. Auch Basti, der sich bisher eher zurückgehalten hatte, wirkte plötzlich sehr ernst und stolz zugleich.

Die Trauung selbst war schlicht, aber gerade dadurch so anrührend. Die Worte der Standesbeamtin, die von der Dolmetscherin Satz für Satz ins Deutsche übersetzt wurden, drehten sich um Liebe, Vertrauen und das Versprechen, einander durch alle Zeiten beizustehen. Ich spürte beim Blick durch meine Kamera, wie in den Augen der beiden ein Glanz lag, der selbst das Licht der Adria in den Schatten stellte.

Ein musikalisches Geschenk

Dann der vielleicht bewegendste Moment: Judith und David traten vor. Schon zuvor hatte ich von den beiden gehört, dass sie musikalisch seien, aber was nun folgte, übertraf alle Erwartungen. David Ameln, der ein renommierter Opernsänger ist, und seine Frau Judith stimmten ein Duett an — eine eigens für diesen Tag ausgewählte Arie.

Ihre Stimmen erfüllten den Park, getragen von der Stille ringsum. Es war, als hielte selbst das Meer für einen Augenblick den Atem an. Die glasklare Sopranstimme von Judith und Davids warme, kraftvolle Tenorstimme verschmolzen zu einem Klang, der nicht nur unter die Haut ging, sondern direkt ins Herz traf. Man sah es in den Gesichtern der Gäste — Tränen glänzten in den Augen, Grit war sichtlich gerührt, und selbst Micha, sonst der Fels in der Brandung, kämpfte mit der einen oder anderen Träne..

Judith und David singen ein Duett für das Hochzeitspaar

Ein Abend auf dem Meer

Nach der offiziellen Zeremonie kehrten wir in ein kleines Restaurant direkt an der Promenade ein. Es gab alles was das Herz begehrt, hausgemachte Pasta und istrischen Wein. Die Stimmung war entspannt, fröhlich und angenehm müde zugleich. Wir ließen den Nachmittag langsam ausklingen, bevor der zweite Höhepunkt des famosen Tages folgte.

Michael hatte eine Überraschung organisiert: eine private Bootstour entlang der Küste. Gegen Abend legten wir ab, das Boot glitt über das spiegelglatte Wasser, und der Sonnenuntergang malte den Himmel in Pastellfarben, die kitschig gewesen wären, wenn sie nicht so unverschämt echt gewesen wären.

Wir ankerten an einer kleinen, abgelegenen Bucht, fernab vom Trubel der Städte. Es war still. Nur das sanfte Plätschern der Wellen und unser ausgelassenes Lachen hallten über das Wasser. Mutige sprangen ins kühle Nass, andere blieben an Bord und genossen den Blick auf die langsam versinkende Sonne.

Besonders freute ich mich, als ich für einen Moment selbst ans Steuer durfte. Es sind diese kleinen Augenblicke, die einen Tag unvergesslich machen.

Blick auf die Küste von Medveja

Ein unvergesslicher Tag

Es war einer dieser Tage, die man am liebsten in eine Flasche füllen und für schlechtere Zeiten konservieren möchte. Voller Wärme, echter Freundschaft, Musik und diesem Wissen, dass es im Leben manchmal genau die einfachen Dinge sind, die alles bedeuten: das Meer, ein Lied, ein Glas Wein und Menschen, mit denen man lachen und weinen kann.

Weiterreise nach Gornji

Nach dem bewegenden Hochzeitstag brachen wir auf zu unserem nächsten Ziel: eine idyllische Bucht unweit von Trogir. Kurz vor der Weiterfahrt verabschiedeten sich Judith und David bereits, denn David stand mit seinem vollen Terminkalender bald wieder auf der Bühne.

Diese Region, die nicht nur durch ihre natürliche Schönheit besticht, sondern auch als Drehort der berühmten Serie Game of Thrones bekannt ist, schenkte uns eine willkommene Auszeit. Die ruhige Atmosphäre, der betörende Duft der Pinien und das kristallklare Wasser der Adria luden zum tiefen Durchatmen und Entspannen ein.

Ein besonderes Highlight war unser Besuch der historischen Altstadt von Trogir. Mit ihren verwinkelten Gassen, alten Steinhäusern und dem unvergleichlichen mediterranen Flair war sie der perfekte krönende Abschluss unserer Zeit an der dalmatinischen Küste. Eine Woche verbrachten wir hier.

Letzte Tage und Abschied

Bevor es heimwärts ging, verbrachte ich noch zwei Tage bei Vedrana in ihrem charmanten Haus direkt an der Bucht. Dort ließ ich den Blick über das Meer schweifen und sammelte die letzten Eindrücke dieser unvergesslichen Reise.

Die Heimreise rückte näher, und mit ihr das Gefühl, dass dieser Urlaub etwas ganz Besonderes war – nicht nur wegen der Landschaft oder des Wetters, sondern wegen der Menschen, der Freundschaften und der vielen gemeinsamen Momente, die ich in meinem Herzen mitnehme.

Dann ging es zurück in Richtung Heimat. Erneut elf Stunden Fahrt. Diesmal bin ich durchgefahren. Kaum angekommen, steuerte ich direkt zum Volleyballplatz, wo ich bis in die Abendstunden meinen Teamkameraden von all den Erlebnissen erzählen konnte. Die Erinnerungen an Sonne, Meer und das besondere Zusammensein ließen den Abend lebendig werden.

Doch nachts zu Hause erwartete mich ein unerwarteter Schock: Meine Wohnungstür war verschlossen. Zurück in meinen eigenen vier Wänden fühlte ich mich eigentlich angekommen und reich an Erfahrungen – doch nun stand ich vor einer unerwarteten Odyssee. Der Grund: Ein Wasserrohrbruch bei meinem Nachbarn über mir hatte den Vermieter dazu gezwungen, meine Tür aufzubrechen, um sich Zugang zu verschaffen.

Glücklicherweise erhielt ich sofort einen Ersatzschlüssel, und so konnte ich endlich wieder in mein Zuhause eintreten – erleichtert und dankbar, dass das Ganze glimpflich ausgegangen war.

Ein Video, das ich von unserem Urlaub gemacht habe, hält diese Zeit für mich lebendig und wird hoffentlich ein Schatz bleiben, den ich immer wieder gern anschaue. Wer mag, kann es sich hier ansehen:

Zum Abschluss noch einige Impressionen in Form von Bildern:

Eva und der Chiemgau

Urlaubsplanung

Endlich Urlaub. Endlich die Seele baumeln lassen, den Alltag vergessen und versuchen, diesen ganzen Wahnsinn, der hier gerade passiert, ein Stück weit in den Hintergrund zu rücken. Das war nur fern der Heimat möglich.

Nach kurzer Recherche war die Route gesetzt: Kroatien. Freunde von mir fuhren schon relativ oft hin und fragten mich, ob ich nicht mitkommen mag. Dort soll alles etwas entspannter als hier sein, es herrscht weniger Angst, hier lebt man! Für mich klang das einfach perfekt.

Etwas über eintausend Kilometer trennen mein Ziel von der Heimat. Warum sich soviel Stress ausliefern? Ich suchte nach einer Übernachtungsmöglichkeit auf halber Strecke und entdeckte Evas Kleinod im Chiemgau. Ihr Titel, samt Beschreibung der Übernachtungsanzeige stachen mir sofort ins Auge. Also schrieb ich ihr und hoffte, dass sie mich kurzfristig für eine Nacht beherbergen könne. Zum Glück klappte es.

Eine Reise beginnt

Die Taschen gepackt und mit massig an Liedgut ausgestattet, ging es los gen Süden mit Zwischenstopp im Chiemgau. Dieser liegt in einem der südöstlichsten Zipfel Deutschlands, kurz vor den Toren der Alpen und der Grenze zu Österreich. Ganze sechs Stunden Autofahrt trennen meine Heimat Wittenberg von dieser bezaubernden Gegend.

Zu Gast bei Eva

Endlich hatte ich mein Ziel am frühen Nachmittag erreicht. Dank Navi war es kein Problem, diesen versteckten Ort zu finden, der sich ein paar Kilometer weit weg des Chiemsees befindet. Es war ein riesiges mit Blumenkästen behangenes Haus, typisch bayerisch eben. An der Tür klebte ein Zettel mit der Info, wo ich parken kann und dass ich ums Haus in den Garten kommen soll, in dem Eva verweilte. Gesagt, getan, lief ich ums Haus und wurde aufs Herzlichste begrüßt. Ich spürte sofort, was für ein offener und liebevoller Mensch sie war.

Sie führte mich anschließend in das charmant eingerichtete Gästezimmer, was sie mit einem herzlichen Willkommensgeschenk versah. Eine kleine Erdbeerschale, eine Flasche Wasser und eine Süßigkeit waren für mich bestimmt.

Nach dem Einchecken zeigte sie mir das Haus und lud mich zu einem Kaffee ein. Wir setzten uns in den Garten und unterhielten uns ganz so, als würden wir uns schon ewig kennen. Wir erzählten von unseren Leben, unseren Zielen, von dem, was wir noch vorhaben und philosophierten über die Welt. Dabei kam heraus, dass wir die Dinge ganz ähnlich sehen und fühlen. Überhaupt scheint sie die Gabe zu besitzen, Menschen sehr gut einschätzen zu können. Empathie und Mitgefühl sind ganz offensichtlich ihre beeindruckendsten Eigenschaften.

So vergingen die Stunden. Ich erwähnte, dass ich früh aufstehen und weiter müsse und mir leider nicht viel Zeit bleibt, um einen Hauch an Eindrücken aus dieser Gegend zu gewinnen. Ich dachte mir, wenn ich schonmal hier bin, muss ich wohl auch mal an den berühmten Chiemsee, doch Eva erwiderte, dass dort ja jeder hingehe und ich mir lieber die unmittelbare Gegend ansehen solle. Gern zeigt sie mir ein wenig. Erfreut von diesem Angebot, stiegen wir beide in mein Auto und fuhren einen Abschnitt des Landstrichs ab.

Von Freunden, Quellen und der Weite

Die Erdbeeren, die ich auf meinem Nachttisch zur Begrüßung vorfand, stammen von einer befreundeten jungen Familie, die sich ganz in der Nähe einen Garten hält. „Lass uns da mal hinfahren“, sagte Eva, „Ich mache dich mit ihnen bekannt.“

Begleitet von herrlichstem Sonnenschein, ging es also Richtung „Bamreih“. Angekommen, traf ich herzliche Leute, die mir ein wenig über ihr Leben und ihre Leidenschaft erzählten. Eva pflückte Erdbeeren und unterhielt sich mit den Beiden. Die Kamera gezückt, versuchte ich ein paar Momentaufnahmen festzuhalten.

Anschließend verabschiedeten wir uns und fuhren in etwas höhere Lagen. Es sollte zu einer Quelle gehen, aus der sie stetig ihr Trinkwasser auffrischt. Glücklicherweise hatte ich meine Trinkflasche mit, so dass ich ebenfalls in den Genuss kam, von dieser kostbaren Naturquelle zu probieren. In der Tat spürte ich die Reinheit. Sicher lag das aber auch an dem bezaubernden Ambiente, was mich umgab. Wer hier lebt, brauch nicht in den Urlaub zu fahren. Es ist traumhaft schön, hier kann man wahrlich die Seele baumeln lassen, dachte ich mir, als wir zu unserem letzten Ziel fuhren, von wo aus wir einen herrlichen Ausblick auf Evas Chiemgau erhielten. Ich entdeckte sogar noch eine versteckte Bank, von der Eva noch nichts wusste, wir saßen uns hin und genossen die Aussicht.

Abschied

Die Stunden vergingen wie im Fluge. Am Abend setzten wir uns noch eine Weile in den Garten. Sie bewirtete mich mit einem Gericht aus einem ortsansässigen Gasthof und kredenzte mir noch einen hauseigenen Salat, der schon optisch seinesgleichen sucht und ebenfalls verewigt werden musste.

So viele Eindrücke bereits am ersten Urlaubstag, die Messlatte hing ziemlich weit oben. Zufrieden fiel ich ins Bett.

Am nächsten Morgen packte ich meine Sachen und wollte los. Eva sagte, dass ich sie noch ein Stück mitnehmen soll, um mir einen letzten Ausblick zu zeigen, bevor es weiter geht. Natürlich konnte ich dieses Angebot nicht abschlagen und wurde in der Tat belohnt.

Es waren wunderbare Stunden am Chiemgau. Erst später auf dem Rückweg, sollte ich kurz am Chiemsee anhalten, um ein paar Aufnahmen zu machen. Natürlich kann ich nur einen kleinen Eindruck vermitteln in dieser kurzen Zeit, aber das, was ich festhielt, möchte ich mit Euch teilen.

~ Ulli

Retrospektive

Ein ereignisreiches Jahr

Auch diesmal möchte ich ein paar meiner Lieblingsaufnahmen verewigen und mit euch teilen. Ich brauche niemanden zu erzählen, dass es ein ganz besonderes Jahr war. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und geht unterschiedlich damit um. Meine Position habe ich hinlänglich postuliert und ist in vergangenen Artikeln nachzulesen. Nur ein Wort, ich wünsche mir, dass wir in der Zukunft wieder näher zueinander finden.

Abstecher in die Lausitz

Gleich zu Beginn des Jahres entschloss ich mich, in die Lausitz zu fahren, einen Landstrich in Sachsen und im Süden Brandenburgs, der an den Grenzen unserer Nachbarländer Polen und Tschechien liegt. Da ich ein großes Pensum vor mir hatte, suchte ich mir diesmal eine Übernachtungsmöglichkeit, um möglichst viele Eindrücke einfangen zu können. Meinen ausführlichen Beitrag dazu findest du hier.

Die Poesie des Himmels

Im Frühjahr diesen Jahres gab es für einen kurzen Zeitraum keine Möglichkeit in die Ferne zu reisen, also suchte ich mir Naheliegendes. Ich entschied, mich ein paar Tage durch meine unmittelbare Umgebung inspirieren zu lassen und fokussierte mich auf die Natur. So entstanden einige Momente dieses Naturschauspiels, was ich in meinem zweiten Artikel dieses Jahr veröffentlichte. Hier findest du meine Impressionen davon.

Abstecher in die Börde

Im Juni besuchte ich endlich einmal die Börde, einen Landstrich in meinem Heimatbundesland Sachsen-Anhalt. Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, mich einmal näher dieser Gegend zu widmen. Ich entdeckte eine Fülle an wunderschönen Bauten und Schlössern, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie ganz in der Nähe meines Wohnortes zu finden sind. Wer Näheres sehen möchte, findet das hier in diesem Artikel.

Ein Junitag

Schließlich machte ich ein Versprechen wahr und besuchte Fahima samt ihrer Familie, um ein paar situative Aufnahmen zu machen. Sie fragte mich schon lange danach und im Juni hat es dann endlich geklappt. Am Ende sind ein paar wirklich schöne Aufnahmen entstanden, die ich schließlich auch in einem Fotobuch verewigte. Hinzu wurde mir die Ehre zu Teil, dass ich in der Photosphäre veröffentlicht wurde. Die Photosphäre ist ein relativ bekanntes Medium, in dem viele kleine Künstler eine Plattform finden. Umso schöner, dass ich gleich als erster in dem Empfehlungsartikel stehe. Eindrücke dieses schönen Tages findest du hier.

Hochzeitstag meiner Eltern

Ein ganz besonderer Tag stand im Juli diesen Jahres an und zwar der Hochzeitstag meiner Eltern. Bewegende Augenblicke, die ich versucht habe, würdevoll festzuhalten. Ich finde, dass es mir gelungen ist, jedenfalls fanden Sie auch Gefallen daran und das ist das Wichtigste. Den Artikel dazu findest du hier.

Zu Besuch in Salzburg

Ein Höhepunkt des Jahres war die Reise in unser wunderschönes Nachbarland Österreich. Als kleiner Bengel war ich schonmal dort, aber erinnern konnte ich mich nicht mehr daran. Mein Ziel sollte Salzburg sein, die Heimat Mozarts. Spektakuläre Eindrücke erwarteten mich dort. Meinen ausführlichen Artikel dazu findest du hier.

Besuch auf mehreren Kundgebungen

So wie viele Menschen, mache ich mir Sorgen über die Entwicklungen auf diesem Planeten. Die einschneidenden Ereignisse weltweit bewogen mich dazu, diese Veranstaltungen zu besuchen. Ich wollte auch etwas Gutes dazu beitragen, in dem ich die Demonstrationen fotografisch begleitete. Wer mehr darüber lesen möchte, dem kann ich meine drei Artikel empfehlen. Die Demonstration in Berlin, der Schweigemarsch und die Kundgebung in Leipzig. Mir wurde des Weiteren die Ehre zu Teil, diese drei Artikel auch im Nachrichtenportal Rubikon zu veröffentlichen.

Was wird sie bringen, die Zukunft?

Noch immer fotografiere ich leidenschaftlich gern, doch ist es mir im Moment leider nicht möglich, in der Hinsicht viel zu erleben. Deswegen nehme ich mir auch ab und an ein paar ältere Aufnahmen vor und bearbeite sie nach Lust und Laune. Vielleicht widme ich mich demnächst etwas mehr der Natur, fotografiere die Leere oder Menschen. Wer weiß, was mir begegnet oder was sich findet. Meine Kamera und ich freuen sich auf alles Spannende. Ich kann nicht einschätzen, was die Zukunft bringen wird, es bleibt uns allen nichts anderes übrig, als das Beste draus zu machen. Ich bleibe zuversichtlich und werde so lange ich kann, meine Vorstellungen visualisieren und mich über jeden Einzelnen freuen, der in einem meiner Bilder etwas sieht und für einen kurzen Moment inne hält. Die Fotografie ist etwas Bleibendes, sie kann auch Menschen in weiter Zukunft bewegen, bilde ich mir ein. Ein Bild kann mehr sagen, als tausend Worte und mehr berühren, als jedes Video. Deswegen liebe ich die Fotografie. Sie gibt mir einen echten Sinn im Leben. Ich bin dankbar, diese Leidenschaft für mich entdeckt zu haben und freue mich auf viele neue Motive in der Zukunft.

~ Ulli

Ein Tag an der Spree

Einladung

Neulich fragte mich mein Kumpel Christian, ob ich denn nicht Lust hätte, mit ihm und seiner frischen Liebe Varvara (aus dem Herzen Russlands) nach Berlin zu fahren um einige ihrer Freunde zu treffen, die über die halbe Bundesrepublik verstreut sind. Vor ein paar Jahren haben sie sich beim Sprachunterricht kennengelernt und halten seit dem den Kontakt miteinander. Warum nicht, dachte ich mir und entschied mit der Kamera im Gepäck, den Trip mitzumachen. Wir starteten am späten Morgen und fuhren in Richtung Hauptstadt. Ich packte nur meinen Allrounder ein, mein 24-70 mm Objektiv. Ich ließ mich auch dieses Mal überraschen und ließ alles auf mich zukommen. Ich schoss ein paar Bilder während der Fahrt und genoss den lauen Sommertag.

Ankommen in Berlin

Nach etwas über einer Stunde erreichten wir unser Ziel im Herzen Berlins und gingen in unser Hotel. Nach und nach trafen die Freunde Varvaras ein. Die Freude war groß und man unterhielt sich erst einmal auf russisch, von dem ich natürlich kein Wort verstand, aber Emotionen benötigen keinen Dolmetscher. Die Freude über das Wiedersehen konnten Christian und ich klar sehen. Nun stand die Frage im Raum, was tun? Wir wollten ins Museum gehen, aber leider war es geschlossen, also einigten wir uns auf eine Schiffsfahrt auf der Spree. Gesagt getan, liefen wir los. Unterwegs schoss ich unentwegt Bilder und versuchte die Augenblicke festzuhalten. In meinem Kopf stellte ich mir bereits vor, wie ich sie bearbeiten werde. Während ich die Momente festhielt und sie mich gar nicht bemerkten, fühlte ich, wie sehr ich das liebe, was ich tue. Die Fotografie gibt mir einen echten Sinn im Leben. Sie macht es wertvoll, denn ich erschaffe etwas, was es so nie wieder geben wird und eventuell auch die Nachwelt für einen kurzen Moment zum Inne halten bewegen kann. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich die Klänge von Oleg Byonic mit dem Lied „The Sting“, die meine Empfindungen noch unterstreicht. Schön, etwas zu tun, was man mit Leidenschaft macht.

Auf der Spree

Angekommen an der Spree, die Unkosten bezahlt, setzten wir uns in das Schiff und genossen die Brisen, die uns während der Fahrt entgegen kamen. Am majestätisch empor ragenden Berliner Dom startete unser einstündiger Trip. Vorbei am Bode Museum, dem Bundestag, dem Haus der Kulturen, endete die Hinfahrt schließlich in der Nähe der Siegessäule. Ich bedauerte, dass ich nicht mein Weitwinkelobjektiv mitnahm, denn das hätte ich jetzt wirklich gebrauchen können. Dennoch versuchte ich etwas rauszuholen.

Abschied

Es war ein wirklich schöner Ausflug. Nicht einmal der Regen, der später auf uns niederprasselte, konnte uns dies vermasseln. Wir gingen anschließend an der Promenade etwas Essen, lauschten der famosen Livemusik und ließen den Abend ausklingen, bevor es ins Hotel ging um an nächsten Morgen wieder heim zu fahren. Es war ein wirklich toller Tagestrip und habe mich gefreut, die Freunde Varvaras kennengelernt zu haben.

до свидания