Marsch des Friedens

In Berlin versammelten sich viele Menschen aus ganz Deutschland um ein eindeutiges Zeichen für Dialog und Frieden zu setzen.

Entscheidung

Es ist Samstag, der 3.8.2024. Der Begründer der Querdenkenbewegung, Michael Ballweg, initiierte erneut eine Großdemonstration in Berlin, um damit ein Zeichen für Frieden zu setzen und der unsäglichen Kriegsrhetorik zu widersprechen. Noch am Abend zuvor war ich unentschlossen. Sollte ich wirklich in die Hauptstadt reisen und mir eine weitere Demonstration antun, von der ich doch insgeheim eh denke, dass sie nichts bewirken wird? Die Politik, so scheint es, ist unerschütterlich in ihren Bahnen gefangen und geht sie auch unbeirrt weiter, unbeeinflusst von den Stimmen der Straße. Ich habe schon lange die Hoffnung aufgegeben, dass Ereignisse wie diese, in diesem großen Spiel Gehör finden könnten. Uns allen ist bewusst, was los ist, doch viele wollen nicht aufgeben, was ich gut verstehen kann. Nun denn, trotzdem meine Teilnahme nicht von Optimismus geprägt war, entschied ich mich spontan für einen Besuch.
Der Umzug zur Siegessäule sollte um 12 Uhr vom Ernst-Reuter-Platz starten, also machte ich mich zwei Stunden vorher auf den Weg.

Der Weg in die Hauptstadt

Die Fahrt nach Berlin verlief überraschend reibungslos. Der Verkehr war moderat, und mein Auto glitt fast mühelos über die Autobahn. Je näher ich kam, desto mehr wuchs die Spannung in mir. Währenddessen schweiften meine Gedanken zurück zur ersten großen Demonstration, über die ich vor vier Jahren berichtete. Damals hatte ich das erste Mal den Entschluss gefasst, meine Kamera mitzunehmen und das Geschehen festzuhalten. Es war der Beginn meiner Reise als Beobachter gesellschaftlicher Bewegungen. Die Erinnerungen an diesen Tag sind noch lebendig, ein Mosaik aus Stimmen, Gesichtern und unvergesslichen Momenten. Heute fühlte es sich an, als ob ich an diesen Ursprungspunkt zurückkehren würde, allerdings weniger hoffnungsvoll. (Link zum Artikel)

Erste Eindrücke

Als ich ankam, überkam mich leichte Ernüchterung. Es waren kaum Leute zu sehen. Ich begann, an der Größe und Bedeutung der Veranstaltung zu zweifeln. Wie sich später herausstellen sollte, täuschte ich mich. Mit genügend Getränken im Rucksack und meiner Kamera bewaffnet, führte mich mein Weg zum Treffpunkt. Inzwischen strömten immer mehr Menschen zum Sammelpunkt. Sie kamen aus allen Straßen und Gassen.
Die Sonne brannte sich schon jetzt in meine Haut. Die Luft war erfüllt von Vorfreude und Spannung. Es war, als ob die Stadt selbst den Atem anhielt und auf das wartete, was kommen würde. Die Trommler heizten die Stimmung an. Dann ging es los. Die Masse setzte sich in Bewegung.

Ich lief von links nach rechts, von vorne, nach hinten und drückte permanent den Auslöser. Die Stimmung war gigantisch. Sie war ansteckend und die Botschaften eindeutig.

Während ich durch die Menge ging, fiel mir auf, dass die Teilnehmer überwiegend älter waren. Die Jugend fehlte, ebenso wie Menschen mit Migrationshintergrund – ein bedauerliches Bild in Anbetracht der Themen, die uns alle betreffen. Dennoch waren Präsenz und Entschlossenheit der Anwesenden überwältigend. Die Demonstration war nicht nur ein Marsch, sondern eine eindrucksvolle Marketingkampagne für Frieden und Freiheit. Die lauten Trommelschläge und eindrucksvollen Transparente zogen die Blicke der Passanten auf sich, die am Straßenrand stehen blieben und das Ereignis mit Neugier verfolgten.

Ein Klima der Einschränkung

Die Veranstaltung war nicht frei von staatlichen Einschränkungen. An diesem heißen Tag war es den Teilnehmern untersagt, kostenlos Wasser zu erhalten – ein Zeichen der subtilen Barrieren, die überwunden werden mussten. Auch das Verbot, Symbole des undemokratisch untersagten Magazins Compact zu zeigen, war eine ständige Erinnerung an die Bedrohung der Meinungsfreiheit.

Treffpunkt Siegessäule

Der Marsch ging wirklich lang. Ich dachte an mein Parkticket, welches ich unbedingt erneuern musste. Bei den Preisen und der Möglichkeit, abgeschleppt zu werden, eine durchaus reale Gefahr. Also lief ich den Weg zurück, währenddessen die Demonstranten weiter durch die Stadt zogen, um gegen halb vier an der Siegessäule zu sein. Hier erschloss sich mir das erste Mal das ganze Ausmaß der Demo. Mein Rückweg dauerte etwa eine halbe Stunde und permanent strömten mir die Massen entgegen. Es war unglaublich.

Schließlich erreichte ich meinen Wagen und fuhr an die Siegessäule. Ich hatte Glück und fand unmittelbar einen Parkplatz.

Kundgebung an der Siegessäule

Die Masse an Menschen dort haute mich um. Ich kann nicht einschätzen, wie viele es waren, aber sicher nicht nur um die 9.000, wie es die Medien kolportieren.

Es waren viele Redner zugegen, die auf die Dringlichkeiten unserer Zeit hinwiesen. Dr. Schubert beispielsweise, sprach mit eindringlicher Klarheit über die Gefahren des Materialismus, der unsere Gesellschaft durchdringt. „Es ist eine Scheinrealität“, erklärte er, „die keinen Platz für Moral lässt.“ Seine Vision eines neuen Menschenbildes – das Seele, Geist, Kultur und Religion in den Mittelpunkt stellt – war eine Aufforderung zum Umdenken. „Frieden beginnt im Inneren“, betonte er, während die Menge aufmerksam lauschte.

Gabrielle Gysi erinnerte mit Kraft an die Schrecken des Krieges. Sie sprach von den vielen Menschen, die im Treptower Park ihr Leben während des Zweiten Weltkrieges verloren hatten, und stellte die Machtstrukturen infrage, die immer neue Feinde schaffen, um ihren eigenen Machterhalt zu sichern. Ihre Worte hallten in der Menge wider, als sie forderte: „Die Waffen nieder, überall!“ Ein Applaus brach los, der die Straßen Berlins erzittern ließ.

Michael Ballweg stellte die Bedeutung der digitalen Freiheit in den Fokus. Er sprach über die Notwendigkeit, unabhängige Strukturen zu schaffen und sich von den Fesseln der digitalen Überwachung zu befreien. „Echter Wandel“, sagte er, „kann nur durch gewaltfreies Handeln erreicht werden.“ Seine Worte waren ein Weckruf an alle, die bereit sind, den Status quo herauszufordern.

Mir persönlich gefiel die Rede von Robert Stein am besten, der ich leider nicht mehr persönlich beiwohnte, aber gerne hier verlinke: (Rede)

Die musikalischen Beiträge von Morgaine und Äon boten eine emotionale Flucht aus der Realität. Morgaine, mit einer Stimme, die Gänsehaut verursachte, sprach sich gegen die Parteienlandschaft aus. „Wir brauchen sie nicht“, rief sie. „Wir sind in der Lage, selbst Veränderungen zu schaffen.“ Die Zuschauer waren bewegt von der Authentizität und der Überzeugung, die in jedem ihrer Lieder lagen.

Die Macht der Bewegung

Diese Demonstration war wie eine eindrucksvolle Werbekampagne für den Frieden – laut, unübersehbar und unvergesslich. Man kann niemanden zu etwas überreden, aber man kann eine Idee präsentieren und hoffen, dass sie auf fruchtbaren Boden fällt. Sicher wird dieser Tag keinen unmittelbaren politischen Wandel bewirken, aber er hatte die Macht, einen einzelnen Menschen zu berühren und einen Keim des Nachdenkens zu säen, der später in seinem eigenen Umfeld gedeihen könnte.

Am Ende des Tages, nach acht intensiven Stunden, fühlte ich mich verändert. Ich hatte Momente eingefangen, die ich nie vergessen werde. Diese Demonstration war eine eindringliche Erinnerung daran, dass der Kampf für Frieden und Freiheit kein Ende kennt. Es liegt in unserer Verantwortung, die Flamme des Widerstands am Brennen zu halten und weiterhin für eine gerechtere Zukunft für alle zu kämpfen. Möge der Geist dieses Tages uns anspornen, unermüdlich für das einzutreten, woran wir glauben.

Retrospektive

Ein ereignisreiches Jahr

Auch diesmal möchte ich ein paar meiner Lieblingsaufnahmen verewigen und mit euch teilen. Ich brauche niemanden zu erzählen, dass es ein ganz besonderes Jahr war. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und geht unterschiedlich damit um. Meine Position habe ich hinlänglich postuliert und ist in vergangenen Artikeln nachzulesen. Nur ein Wort, ich wünsche mir, dass wir in der Zukunft wieder näher zueinander finden.

Abstecher in die Lausitz

Gleich zu Beginn des Jahres entschloss ich mich, in die Lausitz zu fahren, einen Landstrich in Sachsen und im Süden Brandenburgs, der an den Grenzen unserer Nachbarländer Polen und Tschechien liegt. Da ich ein großes Pensum vor mir hatte, suchte ich mir diesmal eine Übernachtungsmöglichkeit, um möglichst viele Eindrücke einfangen zu können. Meinen ausführlichen Beitrag dazu findest du hier.

Die Poesie des Himmels

Im Frühjahr diesen Jahres gab es für einen kurzen Zeitraum keine Möglichkeit in die Ferne zu reisen, also suchte ich mir Naheliegendes. Ich entschied, mich ein paar Tage durch meine unmittelbare Umgebung inspirieren zu lassen und fokussierte mich auf die Natur. So entstanden einige Momente dieses Naturschauspiels, was ich in meinem zweiten Artikel dieses Jahr veröffentlichte. Hier findest du meine Impressionen davon.

Abstecher in die Börde

Im Juni besuchte ich endlich einmal die Börde, einen Landstrich in meinem Heimatbundesland Sachsen-Anhalt. Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, mich einmal näher dieser Gegend zu widmen. Ich entdeckte eine Fülle an wunderschönen Bauten und Schlössern, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie ganz in der Nähe meines Wohnortes zu finden sind. Wer Näheres sehen möchte, findet das hier in diesem Artikel.

Ein Junitag

Schließlich machte ich ein Versprechen wahr und besuchte Fahima samt ihrer Familie, um ein paar situative Aufnahmen zu machen. Sie fragte mich schon lange danach und im Juni hat es dann endlich geklappt. Am Ende sind ein paar wirklich schöne Aufnahmen entstanden, die ich schließlich auch in einem Fotobuch verewigte. Hinzu wurde mir die Ehre zu Teil, dass ich in der Photosphäre veröffentlicht wurde. Die Photosphäre ist ein relativ bekanntes Medium, in dem viele kleine Künstler eine Plattform finden. Umso schöner, dass ich gleich als erster in dem Empfehlungsartikel stehe. Eindrücke dieses schönen Tages findest du hier.

Hochzeitstag meiner Eltern

Ein ganz besonderer Tag stand im Juli diesen Jahres an und zwar der Hochzeitstag meiner Eltern. Bewegende Augenblicke, die ich versucht habe, würdevoll festzuhalten. Ich finde, dass es mir gelungen ist, jedenfalls fanden Sie auch Gefallen daran und das ist das Wichtigste. Den Artikel dazu findest du hier.

Zu Besuch in Salzburg

Ein Höhepunkt des Jahres war die Reise in unser wunderschönes Nachbarland Österreich. Als kleiner Bengel war ich schonmal dort, aber erinnern konnte ich mich nicht mehr daran. Mein Ziel sollte Salzburg sein, die Heimat Mozarts. Spektakuläre Eindrücke erwarteten mich dort. Meinen ausführlichen Artikel dazu findest du hier.

Besuch auf mehreren Kundgebungen

So wie viele Menschen, mache ich mir Sorgen über die Entwicklungen auf diesem Planeten. Die einschneidenden Ereignisse weltweit bewogen mich dazu, diese Veranstaltungen zu besuchen. Ich wollte auch etwas Gutes dazu beitragen, in dem ich die Demonstrationen fotografisch begleitete. Wer mehr darüber lesen möchte, dem kann ich meine drei Artikel empfehlen. Die Demonstration in Berlin, der Schweigemarsch und die Kundgebung in Leipzig. Mir wurde des Weiteren die Ehre zu Teil, diese drei Artikel auch im Nachrichtenportal Rubikon zu veröffentlichen.

Was wird sie bringen, die Zukunft?

Noch immer fotografiere ich leidenschaftlich gern, doch ist es mir im Moment leider nicht möglich, in der Hinsicht viel zu erleben. Deswegen nehme ich mir auch ab und an ein paar ältere Aufnahmen vor und bearbeite sie nach Lust und Laune. Vielleicht widme ich mich demnächst etwas mehr der Natur, fotografiere die Leere oder Menschen. Wer weiß, was mir begegnet oder was sich findet. Meine Kamera und ich freuen sich auf alles Spannende. Ich kann nicht einschätzen, was die Zukunft bringen wird, es bleibt uns allen nichts anderes übrig, als das Beste draus zu machen. Ich bleibe zuversichtlich und werde so lange ich kann, meine Vorstellungen visualisieren und mich über jeden Einzelnen freuen, der in einem meiner Bilder etwas sieht und für einen kurzen Moment inne hält. Die Fotografie ist etwas Bleibendes, sie kann auch Menschen in weiter Zukunft bewegen, bilde ich mir ein. Ein Bild kann mehr sagen, als tausend Worte und mehr berühren, als jedes Video. Deswegen liebe ich die Fotografie. Sie gibt mir einen echten Sinn im Leben. Ich bin dankbar, diese Leidenschaft für mich entdeckt zu haben und freue mich auf viele neue Motive in der Zukunft.

~ Ulli

Wunderbare Vielfalt

Fotografie ist Leidenschaft. Sie hält einen Moment fest, der so niemals wieder existieren wird. Sie transportiert Gefühle, weckt Emotionen, erinnert an Vergangenes oder transportiert uns an entlegene Orte. Sie bewegt unterschiedlich. Durch weitere gestalterische Elemente, lässt sich die Empfindung sogar verstärken. Mit Typografie beispielsweise. Einen Menschen berührt das, den anderen lässt es kalt. Jemand fühlt etwas und ein Anderer versteht nicht, was man darin erkennen kann. Geschmäcker sind auch hier sehr unterschiedlich.

explore the world

Im Laufe der Zeit habe ich erkannt, dass ich mich auch Stilen geöffnet habe, die ich vorher immer mit Skepsis betrachtete, beispielsweise abstrakte und extrem verfremdete Bildbearbeitung und Editorialdesigns. Der Bauhaus-Stil ist vergleichbar. Große meist serifenlose Überschriften, gepaart mit Bildern aus der Vergangenheit und farbintensiven Ornamenten, die oftmals, so scheint es, ohne tieferen Sinn im Layout umher schwirren, waren für mich damals ein echtes Mysterium. Mittlerweile aber finde ich es ganz gut und vielleicht versuche ich mich irgendwann einmal daran. Vielen wird diese Form der Kunst auf ewig verschlossen bleiben und sie werden keinen Zugang finden. Es ist sehr speziell, sehr experimentell und man kann es niemanden vorwerfen, dies in der Kategorie „befremdlich“ einzuordnen.

river to nowhere

Jeder Mensch verändert sich im Laufe seiner Schaffenszeit. Anfangs schoss man vielleicht nur Portraits oder nahm Blumen und Insekten auf. Später entdeckte man die Schönheit der Weite und es entstand ein immer größer werdender Hunger nach Landschaftsaufnahmen. Tiere, Architektur, Schwarz-Weiß, Eventfotografie, es gibt soviel unterschiedliche wundervolle und interessante Richtungen, dass es schwer fällt, sich für eine einzige zu entscheiden. In jedem Stil gibt es Bilder und Designs, die mich bewegen. Ich kann mich nicht für eine einzige Präferenz entscheiden. Ich möchte sie kombinieren, sie alle darstellen, eine Message senden, aber auf meine Art und Weise. Wohin mich der Weg in der Zukunft noch führen wird, ist mir gänzlich unbekannt, aber sie birgt viele Möglichkeiten. Anbei einige Aufnahmen und Bearbeitungen die ich im Laufe der Zeit gemacht habe.

Was sagst du zum Thema Stile? Welchen hast du und planst du einen neuen Weg? Würdest du gern andere Wege gehen aber du kannst nicht, weil du dir schon einen Namen gemacht hast in einem bestimmten Metier? Erzähl mir davon.

Lass es Dir gut gehen!