Im Spiegel der Zeit

Ein Jahr voller Abschiede und neuer Wege

Wieder ist ein Jahr vergangen.
Ein Jahr, das Spuren hinterlassen hat.

Es waren viele Ereignisse, die meinen Lebensweg in diesen Monaten geprägt haben. Gute und schwere. Leise und einschneidende. Doch vor allem waren es Menschen. Menschen, die gingen. Menschen, die blieben. Und Menschen, die neu in mein Leben traten.

In meiner Familie war dieses Jahr geprägt von Abschieden: Meine Tante. Meine Oma väterlicherseits. Und schließlich meine Mutter.

Ihre Krankheit begleitete uns über viele Jahre. Dystonie – ein Wort, das nüchtern klingt und doch kaum begreifbar ist. Eine fortschreitende, nicht aufzuhaltende Erkrankung. Still, unerbittlich, zermürbend. Eine Krankheit, bei der man nichts reparieren, nichts lindern, nichts zurückholen kann. Man sieht zu, wie ein Mensch langsam weniger wird, während er innerlich ganz wach bleibt.

Meine Mutter sprach an manchen Tagen mit mir über ihren Wunsch, selbst zu entscheiden, wann es genug ist. Oft bat sie mich, etwas zu tun. Und oft musste ich schweigen, weil ich es nicht konnte. Erst als das Leiden unerträglich wurde, suchte mein Vater einen Arzt auf, der diesen Weg möglich machte. Sterbehilfe – ein Wort, das viele noch immer erschreckt. Erst seit wenigen Jahren in Deutschland rechtlich möglich, für viele kaum greifbar. Für mich war das Recht auf einen selbstbestimmten Tod immer Teil der Menschenwürde. Wenn es ein Recht auf Leben gibt, dann auch eins auf ein Leben in Würde.

Als ich erfuhr, dass meine Mutter gegangen war, riss es mir den Boden unter den Füßen weg. Sie wollte nicht, dass ich dabei bin. Mein Vater respektierte diesen Wunsch. So erfuhr ich es einen Tag später, als ich in mein Elternhaus gerufen wurde. Ich solle mich setzen, sagte er. Dann sprach er die Worte aus, die mein Leben in ein Davor und Danach teilten. Noch heute genügt ein Gedanke, ein Satz, ein Bild – und ich bin wieder dort. Schreiben kann das nicht auflösen. Es hält nur fest.

Vielleicht ist es genau das, was ich dieses Jahr unbewusst immer wieder getan habe: festhalten. Mit Worten. Mit Bildern. Mit Momenten. Trotz weniger Artikel.

Vor fünf Jahren hielt ich den Hochzeitstag meiner Eltern fotografisch fest. Ein Tag voller Nähe, Lachen und stiller Selbstverständlichkeit. Bilder, die heute mehr sind als Erinnerungen – sie sind Beweise dafür, dass es dieses Glück gab, und ich bin froh, ihn festgehalten zu haben und möchte hiermit noch einmal daran erinnern: (Link)

Ein Jahr in Bildern und Texten

Auch dieses Jahr habe ich wieder viel fotografiert und geschrieben. Vier Artikel spiegeln das Jahr auf ganz unterschiedliche Weise:

  • Ein Tag mit Leonid – als ich die neue Arbeitsstelle bei pino Küchen antrat, wollte ich wissen, was ein LKW-Fahrer wirklich leistet. Leonid zeigte mir seinen Alltag beim Ausfahren der Möbel, und ich staunte, wie viel Kraft, Konzentration und Ausdauer nötig sind, um das alles zu leisten. Es war ein Tag voller Respekt für seine Arbeit und die Menschen, die Tag für Tag solche Leistungen erbringen.

  • Für Jan – die Jugendweihe eines jungen Menschen. Jan ist der Sohn meiner Sportkameraden beim Volleyball, und es war mir eine besondere Ehre, dass sie mir vertrauten, diesen intimen und einzigartigen Moment festzuhalten. Die Feier war voller besonderer Augenblicke, die ich in Bildern einzufangen versuchte.

  • Zurück ans Meer – eine Reise mit meinen besten Freunden, die in Kroatien heirateten. Ein besonderer Ort, vertraute Gesichter, Sonne, Meer und das Lachen von Menschen, die einem sehr nahestehen. Ich war bereits einige Male mit ihnen dort, doch diese Reise hatte eine eigene Magie – Momente, die sich wie kleine Fluchten aus dem Alltag anfühlten und die ich mit meiner Kamera zu bewahren versuchte.

  • Herbsttage –Volleyball, Stimmen, Bewegung, Energie. Ich wollte den Sport einmal bewusst in den Fokus nehmen und den Teamgeist spüren: die Konzentration, das Zusammenspiel, die Freude, wenn ein Punkt hart erkämpft wird. Es ist eine ganz andere Liga als die, in der ich spiele. Ein war ein Tag voller Bewegung, Emotionen und echtem Teamgeist.

Fotografie und Schreiben halfen mir, das Jahr zu sehen und zu verstehen. Nicht nur die schönen Augenblicke, sondern auch die Verluste, die Abwesenheit, die Spuren, die bleiben.

Zwischen all dem Schmerz hat dieses Jahr mir auch Neues gezeigt. Es hat mich daran erinnert, dass Leben selbst im größten Verlust weitergeht.

Herbsttage

Eine neue Saison

Es ist Herbst. Die letzte Etappe des Jahres bricht an. Ich mag diese Zeit, in der die Tage kürzer werden und die Natur langsam in die Dunkelheit hinabgleitet. In der sie sich ein letztes Mal farbenfroh aufbäumt, bevor sie schließlich in grauer Stille verharrt. Es ist die Zeit, in der eine ganz besondere Saison immer wieder aufs Neue beginnt.

Seit einem Jahr spiele ich nun dienstags Volleyball in Pratau, einem kleinen Örtchen nahe Wittenberg. Ein fester Termin, auf den ich mich jedes Mal freue – nicht nur wegen des Sports, sondern vor allem wegen der Menschen. Unterschiedlich, jeder auf seine Weise besonders, und doch ergibt sich daraus ein Team, das einzigartig ist.

Marina gehört dazu. Sie spielt zusätzlich in der Hobbyliga, die in Wittenberg ausgetragen wird. Dort läuft es etwas ernster ab: über eine ganze Saison hinweg treffen Mannschaften aus der Region aufeinander, Spieltag für Spieltag, von September bis Mai.

Sie weiß, dass ich gern fotografiere. Schon beim Pumpenhaus-Turnier im vergangenen Jahr habe ich Momente mit der Kamera eingefangen, und mein Artikel darüber hat ihr gefallen. Also fragte sie mich irgendwann: ‚Komm doch mal mit, begleite uns bei der Hobbyliga und mach ein paar Aufnahmen.‘ Natürlich willigte ich ein.

Ein Herbsttag in Wittenberg

Und so fand ich mich an einem wunderschönen Herbsttag nicht auf dem Spielfeld, sondern am Rand der schönen Mehrzweckhalle im Herzen der Stadt wieder. Mit der Kamera in der Hand, bereit, die Energie, die Stimmen und den Rhythmus der Spiele einzufangen – während Marina und ihre Mannschaft aus Weddin um Punkte kämpften.

Die Sporthalle in Wittenberg

Schon beim Betreten spürte ich die besondere Stimmung. Die Halle war erfüllt von Euphorie, vom Quietschen der Schuhe auf dem Parkett und vom dumpfen Knallen der Bälle. Ein Gemisch aus Energie, Konzentration und Vorfreude lag in der Luft.

Die Hobbyliga wurde 2013 vom MTV Wittenberg ins Leben gerufen, einem traditionsreichen Verein, der bereits im 19. Jahrhundert gegründet worden ist. Dank ihres Engagements können die Spieler die schöne Mehrzweckhalle kostenfrei nutzen.

Volleyball verbindet

Acht Mannschaften traten an diesem ersten Spieltag gegeneinander an. Ich spürte die Wärme und die Freundschaften untereinander, egal für welches Team sie jeweils spielten. Ich blickte in lachende Gesichter und viele umarten sich, weil sie sich lange nicht gesehen hatten. Es ist sehr familiär. Man kennt sich. Es waren einige Gäste und Angehörige da, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

Die Zeitung war angeblich noch nie vor Ort. Es gibt nur einen einzigen Bericht, in dem es um die Benefizveranstaltung geht, die die Hobbyliga jedes Jahr auf die Beine stellt. Dazu wird ein All-Star Team am Ende der Saison gestellt, was sich im Laufe des Jahres aus gewählten Spielern zusammensetzt. Dieses Team spielt dann gegen auswärtige Vereine, wie die Bundes- oder Feuerwehr. Die Erlöse dieses einmaligen Events kommen dann Menschen zu Gute, die etwas weniger Glück im Leben hatten und einfach einen schönen Tag erleben können.

Die Spiele beginnen

Dann ging es los. Punkt für Punkt, Satz für Satz. Lange Ballwechsel, die manchmal im letzten Moment entschieden wurden. Gesichter, die anspannten, Körper, die sich streckten, Hände, die in die Luft schnellten. Nach einem Punkt sah man die Erleichterung, nach einem verlorenen Ball nur ein kurzes Nicken – weiter, weiter.

Volleyballer in Aktion

Ich merkte schnell, dass auf einem erstaunlich hohen Niveau gespielt wurde. Saubere Pässe, schnelle Angriffe, blockierte Schmetterbälle. Ich dachte mir im Stillen: Vielleicht werde ich irgendwann auch einmal so weit kommen. Den Antrieb habe ich.

Am Ende des Tages

Am Ende waren alle zufrieden, naja, vielleicht nicht alle, aber so ist das eben im Sport. Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen. Nach den Spielen blieb niemand allein. Spieler setzten sich vereinsübergreifend zusammen, erzählten, lachten, tranken ein Bier. Die Halle leerte sich langsam, Stimmen hallten leiser, bis irgendwann nur noch Stühle, Netze und der Geruch des Tages zurückblieben. Dann machte sich jeder wieder auf den Heimweg – mit müden Beinen und dem Gedanken an den nächsten Spieltag.

Ich für meinen Teil habe viele Aufnahmen gemacht. Vor allem Momentaufnahmen, in der sich die Sportler einmal in Aktion sehen können. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und hoffe, dass ich diesen Tag würdig festhalten konnte.

Zurück ans Meer

Aufbruch ins Vertraute

Es ist ein schwüler Sonntagmorgen. Endlich geht es los: Mein dreiwöchiger Urlaub zusammen mit meinen Freunden Grit, Michael und deren Sohn Basti in meine zweite Heimat Kroatien beginnt. So lange hatte ich mich darauf gefreut und dem Datum entgegengefiebert – fast schon surreal, dass es jetzt soweit ist. Schon Tage vorher hatte ich mich seelisch und moralisch darauf vorbereitet, meine Sachen verstaut und das Geschenk für ein besonderes Ereignis verpackt. Die Fahrt sollte planmäßig verlaufen, denn LKWs waren an diesem Sonntag nicht zu erwarten.

Ankunft in Bayern

Da es über elf Stunden sind, um den Norden Kroatiens zu erreichen, und ich nicht alles in einem Ritt durchfahren wollte, buchte ich vorab ein Zimmer im Süden Deutschlands – in Inzell. Die Idee kam nicht von mir, sondern von Grit und Micha, die mir dieses Kleinod empfohlen hatten. Nach kurzer Recherche entschied ich mich, dasselbe Hotel zu nehmen wie sie. Eigentlich hätte ich mir die Mühe sparen können, denn ich kann ihnen in solchen Dingen blind vertrauen.

Die Fahrt dauerte. Staufrei kam ich durch, und das Wetter war durchgängig schön. Bevor ich Inzell erreichte, sah ich ein Schild: Landshut. Da dachte ich mir: Wenn ich schon einmal in der Nähe bin, schaue ich doch auch mal vorbei. Gesagt, getan – ich fuhr von der Autobahn ab und landete im idyllischen Landshut. „Tolle Stadt“, dachte ich mir. Ich suchte einen Parkplatz und fand tatsächlich einen mitten in der Innenstadt. Sonntags konnte man hier kostenfrei parken – perfekt.

Gerade stieg ich aus dem Wagen, da kam mir ein Mann entgegen, der kaum glauben konnte, dass ich aus Wittenberg komme. Er kannte das Nummernschild „WB“, das hier leicht als „Westberlin“ interpretiert wird. Wir kamen ins Gespräch. Er erzählte, dass er selbst Wittenberger sei, aber vor Jahren weggezogen ist. In zwei Wochen fährt er in meine Heimat und besucht das alljährliche Lutherfest. Unfassbar – da fährt man hunderte Kilometer, und dann trifft man einen Einheimischen. Wir plauderten noch eine Weile, bevor ich den Kern der Stadt erkundete. Dass Landshut vor München einmal Landeshauptstadt war, erstaunte mich sehr. Er gab mir noch einen Tipp, wo ich gut essen könne – nicht hier in der Stadt, sondern etwas außerhalb. „Fahr nach Geisenhausen! Da schmeckt’s!“ Wir verabschiedeten uns, und ich machte noch ein paar Bilder, bevor ich in besagten Ort weiterfuhr.

Unterwegs dachte ich mir: Bayern ist wirklich schön. Überall kleine Dörfchen mit charmanten Kirchen und einem Panorama, das seinesgleichen sucht. Es fühlte sich an, als wäre ich durch ein Märchenland gefahren. Die Gaststätte fand ich schnell und kehrte ein. Es gab Knödel und Schweinshaxe – lecker! Die Dame, die mich bediente, kam aus Leipzig, ebenfalls aus meiner Ecke. Unglaublich. Dann ging es weiter Richtung Süden. Erste Anzeichen der Berge wurden sichtbar: die Alpen. Ständig hielt ich die Kamera raus und drückte während der Fahrt auf den Auslöser.

Kirche in Geisenkirchen

Schließlich kam ich in Hotel Schwarzberg in Inzell an. Grit und Basti waren noch nicht da. Ein klasse Hotel. Nach dem Einchecken lief ich ein wenig umher und schoss ein paar Bilder von diesem verträumten Ort. Dann trafen sie ein. Wir begrüßten uns aufs Herzlichste und genossen den ausklingenden Abend mit einem Maß Bier. Morgens ging es weiter. Wegzehrung besorgte ich mir noch bei einem ortsansässigen Bäcker, der so einladend aussah, das man nicht daran vorbeifahren konnte. Seit einem Jahr gibt es ihn, sagte mir die freundliche Verkäuferin. Und ich muss sagen, es war wirklich sehr schmackhaft. Für alle, die in der Gegend sind, sollten einmal bei „Bäckerei Kreidl“ vorbeischauen.

Ich erreiche das Meer

Schließlich erreichte ich die Grenze. Nun gings ans Portemonnaie: Vignette für Österreich: 12,50 Euro. plus Maut 14,50 Euro. Dann Karawankentunnel, wieder 8,80 Euro. E-Vignette 32 Euro Monatsticket für Slowenien. Es vergehen 5 Stunden. Endlich komme ich an und werde erneut in den magischen Bann Istriens gezogen. Die Luft, das Meer, selbst die Sonne, so scheint es, leuchtet hier anders. Ein Lächeln entsteht einfach so, ohne, dass ich etwas dagegen hätte tun können. Dies ist mittlerweile mein 4.er Artikel über diese Gegend. Wen es interessiert, hier gehts zu den alten:

Im Land der Träume

Hrvatska

Blick aus der Ferne

Terra Incognita

Es sind noch zwanzig Minuten bis Lovran, der Stadt am Meer, in der Milena und ihr Bruder Marino leben und ihre wundervollen Behausungen vermieten. Grit und Michael kommen schon zum X-ten Mal hier her. Ich kann verstehen, weswegen sie es so sehr lieben. Die Beiden wohnen weit oben in den Bergen. Somit sind noch einige Terpentinen zu bewältigen, bevor ich bei ihnen ankomme, wo meine Weggefährten schon auf mich warteten. Schließlich komme ich an. Ein sehr steiler Hang führt hinab zu den Vermietern, so steil, dass ich es nicht wage, wieder selbst hochzufahren.

Die Begrüßung war herzlich und andauernd. Uns allen wurde je ein Parkplatz zugeteilt und konnten nun die Zimmer beziehen. Ich erhielt eine riesige Wohnung, Grit und Micha ein gefühltes Penthouse. Abends unterhielten wir uns bei selbstgebranntem Wein, kleinen Snacks und einem Ausblick, den man sich nicht schöner vorstellen kann.

Unser Ausblick auf die Adria
Die ersten Tage in Istrien

Warum wir diesmal nach Kroatien fuhren? Klar — erneut wegen Sonne, Meer und der guten Luft. Aber vor allem, weil Grit und Micha sich das Ja-Wort geben wollten. Micha hatte Grit vor ein paar Monaten den Antrag gemacht, und die beiden wünschten sich, dass ich diesen besonderen Tag für sie festhalte — mit Fotos und Videos. Da musste ich nicht lange überlegen.

Am ersten Tag nach unserer Ankunft machten wir das einzig Richtige: Wir warfen uns in die Badesachen und tauchten ab ins glasklare Wasser der Adria. Die Sonne stand hoch am Himmel, die Luft roch nach Salz und Pinien, und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Wir ließen uns auf den warmen Steinen nieder, ließen die Seele baumeln und genossen dieses unvergleichliche Licht, das nur die Küste Istriens in dieser Art zu zaubern vermag.

Am Abend saßen wir wieder mit Milena und ihrem Bruder Marino zusammen, die Gastgeber, bei denen Grit und Micha seit Jahren unterkommen, und inzwischen mehr Freunde als bloße Vermieter geworden sind.

In den darauffolgenden Tagen trafen dann auch Judith und David ein, zwei enge Freunde von Grit und Micha, die aufgrund beruflicher Verpflichtungen etwas später anreisten. Wir kannten uns vorher noch nicht, ebenso wenig wie Basti, aber wir verstanden uns auf Anhieb. „Einmannfrei“ — ein bewusst falsch ausgesprochenes Wort, das Grit immer wieder zum Besten gab — wurde schnell zu unserem Running Gag, der uns noch oft an den Abenden zum Lachen brachte.

Der Tag der Hochzeit

Dann war er da: Freitag, der 6. Juni 2025. Der große Tag für Grit und Micha. Bereits am Morgen lag eine besondere Stimmung in der Luft. Die Sonne spiegelte sich auf dem glatten Wasser der Kvarner Bucht, als wollte sie selbst ein wenig festlicher scheinen. Wir frühstückten gemeinsam auf der Terrasse und sprachen über alles Mögliche — und doch spürte man, dass es ein besonderer Tag war.

Vor der eigentlichen Trauung mussten Grit und Micha am Tag davor noch einige bürokratische Hürden nehmen. Wer schon einmal in Kroatien etwas Offizielles erledigen musste, weiß, dass es dabei oft zugeht wie im berühmten Passierschein-A38-Haus bei Asterix. Die Standesbeamtin forderte noch diverse Unterlagen, eine Dolmetscherin musste organisiert und bezahlt werden, und zwischendurch hieß es immer wieder: „Gehen Sie nochmal kurz rüber ins andere Gebäude, und holen Sie sich hier einen Stempel.“ Zum Glück war Milena dabei, die mit viel Geduld und Charme die Formalitäten für die beiden regelte.

Ein Kraftakt bei den kroatischen Behörden

Die Zeremonie selbst fand schließlich in einem kleinen, wunderschönen Park direkt in Opatija statt, unter einer alten Pagode mit Blick aufs Meer. Ein traumhafter Ort, der wie gemacht schien für diesen Anlass. Die Gäste versammelten sich und Schaulustige standen in der Gegend.

Dann war es soweit. Grit und Micha schritten Hand in Hand den schmalen Weg durch den Park entlang, dem Ort entgegen, an dem sie sich gleich das Ja-Wort geben würden. Meine Kamera begleitete jeden ihrer Schritte, hielt diesen besonderen Moment für die Ewigkeit fest. Sie sahen einfach umwerfend aus: Grit in einem eleganten Kleid von Teuta Matoshi, das mit seinen zarten Stickereien und dem schimmernden Stoff wie gemacht war für diesen Ort am Meer. Und Micha — in einem weinroten Anzug, der in Italien für ihn angefertigt worden war und in dem er wirkte, als wäre er einem alten Filmklassiker entsprungen. Gemeinsam verließen sie den schattigen Park, das Rauschen der Blätter über ihnen, und traten hinaus auf die offene Fläche zur Pagode, wo bereits alle Gäste warteten. Ein Bild für die Götter.

Grit und Micha bei der Trauung
Die Zeremonie beginnt

An der Pagode angekommen, wurden Grit und Micha von der Standesbeamtin begrüßt, die sichtlich bemüht war, in der sommerlichen Hitze Haltung zu bewahren. Ein paar letzte Formalitäten wurden geflüstert, die Dolmetscherin stand bereit und übersetzte mit feiner, fast feierlicher Stimme. Dann bat man die beiden vorzutreten.

Der kleine Halbkreis aus Gästen rückte etwas näher zusammen, und es wurde still. Nur das Rauschen der nahen Adria und das Rascheln der Blätter begleiteten den Moment, in dem die Zeremonie ihren Lauf nahm. Milena und Marino standen etwas abseits, ein Lächeln im Gesicht, sichtlich gerührt. Auch Basti, der sich bisher eher zurückgehalten hatte, wirkte plötzlich sehr ernst und stolz zugleich.

Die Trauung selbst war schlicht, aber gerade dadurch so anrührend. Die Worte der Standesbeamtin, die von der Dolmetscherin Satz für Satz ins Deutsche übersetzt wurden, drehten sich um Liebe, Vertrauen und das Versprechen, einander durch alle Zeiten beizustehen. Ich spürte beim Blick durch meine Kamera, wie in den Augen der beiden ein Glanz lag, der selbst das Licht der Adria in den Schatten stellte.

Ein musikalisches Geschenk

Dann der vielleicht bewegendste Moment: Judith und David traten vor. Schon zuvor hatte ich von den beiden gehört, dass sie musikalisch seien, aber was nun folgte, übertraf alle Erwartungen. David Ameln, der ein renommierter Opernsänger ist, und seine Frau Judith stimmten ein Duett an — eine eigens für diesen Tag ausgewählte Arie.

Ihre Stimmen erfüllten den Park, getragen von der Stille ringsum. Es war, als hielte selbst das Meer für einen Augenblick den Atem an. Die glasklare Sopranstimme von Judith und Davids warme, kraftvolle Tenorstimme verschmolzen zu einem Klang, der nicht nur unter die Haut ging, sondern direkt ins Herz traf. Man sah es in den Gesichtern der Gäste — Tränen glänzten in den Augen, Grit war sichtlich gerührt, und selbst Micha, sonst der Fels in der Brandung, kämpfte mit der einen oder anderen Träne..

Judith und David singen ein Duett für das Hochzeitspaar

Ein Abend auf dem Meer

Nach der offiziellen Zeremonie kehrten wir in ein kleines Restaurant direkt an der Promenade ein. Es gab alles was das Herz begehrt, hausgemachte Pasta und istrischen Wein. Die Stimmung war entspannt, fröhlich und angenehm müde zugleich. Wir ließen den Nachmittag langsam ausklingen, bevor der zweite Höhepunkt des famosen Tages folgte.

Michael hatte eine Überraschung organisiert: eine private Bootstour entlang der Küste. Gegen Abend legten wir ab, das Boot glitt über das spiegelglatte Wasser, und der Sonnenuntergang malte den Himmel in Pastellfarben, die kitschig gewesen wären, wenn sie nicht so unverschämt echt gewesen wären.

Wir ankerten an einer kleinen, abgelegenen Bucht, fernab vom Trubel der Städte. Es war still. Nur das sanfte Plätschern der Wellen und unser ausgelassenes Lachen hallten über das Wasser. Mutige sprangen ins kühle Nass, andere blieben an Bord und genossen den Blick auf die langsam versinkende Sonne.

Besonders freute ich mich, als ich für einen Moment selbst ans Steuer durfte. Es sind diese kleinen Augenblicke, die einen Tag unvergesslich machen.

Blick auf die Küste von Medveja

Ein unvergesslicher Tag

Es war einer dieser Tage, die man am liebsten in eine Flasche füllen und für schlechtere Zeiten konservieren möchte. Voller Wärme, echter Freundschaft, Musik und diesem Wissen, dass es im Leben manchmal genau die einfachen Dinge sind, die alles bedeuten: das Meer, ein Lied, ein Glas Wein und Menschen, mit denen man lachen und weinen kann.

Weiterreise nach Gornji

Nach dem bewegenden Hochzeitstag brachen wir auf zu unserem nächsten Ziel: eine idyllische Bucht unweit von Trogir. Kurz vor der Weiterfahrt verabschiedeten sich Judith und David bereits, denn David stand mit seinem vollen Terminkalender bald wieder auf der Bühne.

Diese Region, die nicht nur durch ihre natürliche Schönheit besticht, sondern auch als Drehort der berühmten Serie Game of Thrones bekannt ist, schenkte uns eine willkommene Auszeit. Die ruhige Atmosphäre, der betörende Duft der Pinien und das kristallklare Wasser der Adria luden zum tiefen Durchatmen und Entspannen ein.

Ein besonderes Highlight war unser Besuch der historischen Altstadt von Trogir. Mit ihren verwinkelten Gassen, alten Steinhäusern und dem unvergleichlichen mediterranen Flair war sie der perfekte krönende Abschluss unserer Zeit an der dalmatinischen Küste. Eine Woche verbrachten wir hier.

Letzte Tage und Abschied

Bevor es heimwärts ging, verbrachte ich noch zwei Tage bei Vedrana in ihrem charmanten Haus direkt an der Bucht. Dort ließ ich den Blick über das Meer schweifen und sammelte die letzten Eindrücke dieser unvergesslichen Reise.

Die Heimreise rückte näher, und mit ihr das Gefühl, dass dieser Urlaub etwas ganz Besonderes war – nicht nur wegen der Landschaft oder des Wetters, sondern wegen der Menschen, der Freundschaften und der vielen gemeinsamen Momente, die ich in meinem Herzen mitnehme.

Dann ging es zurück in Richtung Heimat. Erneut elf Stunden Fahrt. Diesmal bin ich durchgefahren. Kaum angekommen, steuerte ich direkt zum Volleyballplatz, wo ich bis in die Abendstunden meinen Teamkameraden von all den Erlebnissen erzählen konnte. Die Erinnerungen an Sonne, Meer und das besondere Zusammensein ließen den Abend lebendig werden.

Doch nachts zu Hause erwartete mich ein unerwarteter Schock: Meine Wohnungstür war verschlossen. Zurück in meinen eigenen vier Wänden fühlte ich mich eigentlich angekommen und reich an Erfahrungen – doch nun stand ich vor einer unerwarteten Odyssee. Der Grund: Ein Wasserrohrbruch bei meinem Nachbarn über mir hatte den Vermieter dazu gezwungen, meine Tür aufzubrechen, um sich Zugang zu verschaffen.

Glücklicherweise erhielt ich sofort einen Ersatzschlüssel, und so konnte ich endlich wieder in mein Zuhause eintreten – erleichtert und dankbar, dass das Ganze glimpflich ausgegangen war.

Ein Video, das ich von unserem Urlaub gemacht habe, hält diese Zeit für mich lebendig und wird hoffentlich ein Schatz bleiben, den ich immer wieder gern anschaue. Wer mag, kann es sich hier ansehen:

Zum Abschluss noch einige Impressionen in Form von Bildern:

Rückblende

Ein Jahr voller Geschichten, Veränderungen und neuer Perspektiven

Unglaublich, wie die Zeit vergeht – es ist tatsächlich schon vier Monate her, seit ich hier auf meinem Blog das letzte Mal etwas veröffentlicht habe. Aber das ist das Schöne an einem Hobby wie diesem: Es bleibt mir überlassen, wann ich schreibe, und heute ist wieder einer dieser Momente, in denen mich die Inspiration packt. Zum Ausklang eines ereignisreichen Jahres, in dem ich nicht nur einen neuen Job antrat, sondern auch in eine völlig neue Branche eintauchte, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um zurückzublicken – auf die Geschichten, Begegnungen und Erfahrungen, die 2024 so besonders gemacht haben.

Ein neues Kapitel beginnt

Vor vier Monaten wagte ich mich auf neues Terrain. Ich trat nach siebzehn Jahren in der Druckerei eine neue Stelle an. Es war mehr als nur ein Jobwechsel – es war der Sprung in eine völlig neue Branche. Ein Universum für sich, das ich erst allmählich erkunde und dessen Dynamik mich täglich aufs Neue herausfordert. Aber es war ein guter Start, denn ein besseres Kollegium kann man sich kaum vorstellen. Vielleicht widme ich diesem Abenteuer im kommenden Jahr einen eigenen Beitrag, um ein paar Einblicke in dieses faszinierende, aber komplexe Feld zu geben. Erste Aufnahmen dazu habe ich bereits gemacht.

Erinnerungen an eine ereignisreiche Zeit

Gerade denke ich noch etwas weiter zurück. Vor genau drei Jahren ging mein erstes Video zu den Spaziergängen in Wittenberg online. Zeiten waren das. Damals dachten wir, wir können wirklich etwas verändern. Corona. Dieses Wort war allgegenwärtig. Heute ist vieles davon nur noch eine blasse Erinnerung. Inzwischen hat sich die Welt verändert, nicht immer zum Guten: Die Kosten steigen, Konflikte eskalieren, und politisches Vertrauen erodiert. 2024 gab es kaum noch große Demonstrationen. Jene, die dennoch stattfanden, besuchte ich aber. Das große Thema war Frieden.

Höhepunkte eines ereignisreichen Jahres

Zeit, das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Das Jahr begann mit den Bauernprotesten. Mittlerweile wird sich kaum mehr jemand daran erinnern, aber gefühlt jeder zweite Bauer war in Deutschland auf der Straße und machte seinem Unmut freien Lauf. So auch in Wittenberg. Ich fand es wichtig, diesen Tag in Würde festzuhalten. Schließlich waren es berechtigte Forderungen, die da gestellt worden sind. Warum ich den Artikel „Schiffbruch“ nannte, kann man sich hier noch einmal zu Gemüte führen: „Schiffbruch“

Anfang Februar veröffentlichte ich einen persönlichen Beitrag, in dem ich meine Ambivalenz reflektierte und die Frage stellte, welches der richtige Weg ist und ob es ihn überhaupt gibt. Ohne Bilder, nur Worte – eine bewusste Entscheidung, um die Gedanken für sich sprechen zu lassen: „Zwischen Dystopie und Hoffnung“

Im Frühling kam es zu einer außergewöhnlichen Begegnung von der ich in meinem Artikel „Von Zufällen und Hexenhäusern“ berichtete. Außerdem hielt ich einen Abend mit meiner Besten fest und verewigte meine Gedanken zum Thema Freundschaft in dem Artikel: „Vom Band der Freundschaft“

Im Mai setzte ich mein Vorhaben um und fuhr nach Berlin, um mir das Thema „Armut“ hautnah anzusehen und mir ein Bild davon zu machen. Gelesen hat jeder sicher schon einmal davon. Gesehen auch, aber ich wollte mich mit Betroffenen selbst unterhalten und ihre Geschichten hören. Es war wirklich bewegend. Meine Eindrücke verewigte ich in meinem Artikel „Von der Armut“

Wieder Mai. Männertag. Ein ganz besonderer Tag, der mich zu neuen Menschen führen sollte, die ich mittlerweile in mein Herz geschlossen habe. Die ganze Geschichte dieser tollen Stunden, habe ich in meinem Artikel „Ein Tag in Freiheit“ festgehalten.

Im Darauffolgenden Monat war es dann soweit, die Elbe Druckerei Wittenberg schloss nach 200 Jahren für immer ihre Pforten. Den letzten gemeinsamen Tag hielt ich fest und veröffentlichte ihn unter den Titel: „Das Ende einer Ära“

Wie weiter oben bereits erwähnt, fanden dieses Jahr nicht sehr viele Demonstrationen statt. Eine, die mir jedoch persönlich sehr wichtig war, besuchte ich im August diesen Jahres. Eindrücke davon, sind im Artikel „Marsch des Friedens“ zu erhalten.

Mein letzter Beitrag dieses Jahres widmete sich einem Volleyballturnier unseres Vereins. Die Bilder, die ich dabei machte, zählen zu meinen Favoriten, denn sie transportieren genau diesen amerikanischen Touch, den ich so liebe. Genannt habe ich ihn: „Eine Frage der Ehre“

Ausblick auf 2025

Nun, am Ende dieses Jahres, bleibt das Gefühl, dass jeder Moment – ob schön, schwer oder leise – seinen Platz hat. 2024 war ein Jahr der Veränderungen, des Wachstums und der Begegnungen.

Was 2025 bringt, kann niemand wissen. Aber ich bin bereit, jede neue Geschichte zu erleben, festzuhalten und zu teilen. Danke, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet habt. Auf ein neues Jahr voller Geschichten und Augenblicke, die hoffentlich inspirieren und berühren.

Zum Schluss gibt es noch eine kleine Auswahl an persönlichen Lieblingsbildern aus diesem Jahr.

Das Ende einer Ära

Nach 200 Jahren schließt eine traditionsreiche Druckerei ihre Türen. Ein bewegender Abschied, den ich in Wort und Schrift festhalten möchte.

Abschied von der Elbe Druckerei Wittenberg

Nach 17 Jahren endet ein bedeutendes Kapitel in meinem Leben. Die Druckerei, in der ich so lange als Produktioner gearbeitet habe, schloss im Mai 2024 für immer ihre Türen. Es gab keinen Nachfolger, und die Geschäftsführer haben sich nach vielen Jahren des Engagements entschieden, in den Ruhestand zu gehen. Natürlich verdient. Neben vielen Interessenten, wurden auch einige der Mitarbeiter gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, die Firma zu übernehmen, doch nach reichlicher Überlegung, überwogen die Nachteile. Investitionen in Millionenhöhe wären von Nöten.

Der Monteuer baut unsere Druckmaschine auseinander
Der Monteuer baut unsere Druckmaschine auseinander
Eine Branche im Wandel

Die Druckindustrie hat in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel durchlebt. Was einst eine unverzichtbare Säule der Medienlandschaft war, ist heute eine Branche, die mit enormen Herausforderungen konfrontiert ist. Der rasante Aufstieg der Digitalisierung hat die Art und Weise, wie wir Informationen konsumieren, grundlegend verändert. Immer mehr Menschen greifen auf digitale Medien zurück, und Printprodukte verlieren zunehmend an Bedeutung. Dies hat dazu geführt, dass viele Druckereien ihre Türen schließen mussten oder gezwungen waren, sich neu zu erfinden.

Unsere Druckerei war einst ein florierendes Geschäft. Wir produzierten Bücher, Zeitschriften, Werbematerialien und vieles mehr. Doch im Laufe der Jahre wurden die Aufträge immer weniger. Viele unserer langjährigen Kunden wandten sich digitalen Alternativen zu oder ließen ihre Druckaufträge ins Ausland verlagern, wo die Produktionskosten deutlich niedriger sind. Die Globalisierung hat es ermöglicht, dass Druckaufträge schneller und günstiger an Orten erledigt werden können, die weit entfernt von unserem Standort in Deutschland liegen.

Die Offsetdruckmaschine, die über viele Jahre hinweg das Herzstück unserer Produktion war, ist ein Symbol für diese Veränderungen. Während sie bei uns nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann, wird sie nun an den Bosporus verfrachtet, wo sie vermutlich noch viele Jahre im Einsatz sein wird. Dies verdeutlicht, wie die geografischen Verschiebungen in der Produktionslandschaft ablaufen.

Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Herausforderungen hat der technologische Fortschritt auch die Anforderungen an die Druckereien verändert. Die Einführung von Digitaldrucktechnologien und der Bedarf an umweltfreundlicheren Druckverfahren haben die Branche weiter unter Druck gesetzt. Druckereien müssen heute in teure, moderne Maschinen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für viele kleinere Betriebe, wie unsere, sind diese Investitionen jedoch kaum zu stemmen.

Die Digitalisierung hat zudem neue Geschäftsfelder eröffnet, die traditionelle Druckereien nicht ohne Weiteres bedienen können. Online-Druckportale und spezialisierte Anbieter haben den Markt erobert und bieten eine Vielzahl von Dienstleistungen an, die weit über den klassischen Druck hinausgehen. Von personalisierten Fotobüchern bis hin zu kleinsten Auflagen in hoher Qualität – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Doch diese Entwicklung hat auch dazu geführt, dass viele traditionelle Druckereien den Anschluss verloren haben.

Unsere Geschichte ist nur ein Beispiel für den umfassenden Wandel, den die Druckbranche durchlebt. Es ist eine Geschichte von Anpassung und Widerstand, von Verlust und Neuanfang. Trotz der schwierigen Umstände haben wir immer unser Bestes gegeben und qualitativ hochwertige Arbeit geliefert. Doch am Ende mussten wir erkennen, dass der Wandel unausweichlich ist und dass es manchmal besser ist, Abschied zu nehmen und Platz für Neues zu schaffen.

In der Elbe Druckerei gab es Spaß und Zusammenhalt

Jedes Jahr gab es Abteilungs-, Betriebs- und Weihnachtsfeiern. Selbst ein „Gautschfest“ wurde organisiert. Das Gautschen ist ein bis ins 16. Jahrhundert rückverfolgbarer Buchdrucker­brauch, bei dem ein Lehrling nach bestandener Abschlussprüfung im Rahmen einer Zeremonie, ähnlich dem Neptunfest, in einem Wasserbottich untergetaucht und auf einen nassen Schwamm gesetzt wird.

Susi wird 2011 in der Elbe Druckerei gegautscht

An Geburtstagen wurde zusammengelegt und morgens gab man sich die Hand. Es kam sogar vor, dass wir außerhalb der Arbeitszeit gemeinsam feierten. Den Männertag beispielsweise, zelebrierten wir oft bei Günther, dem Drucker, der ein echtes musikalisches Talent besaß. Ein Zusammenhalt, den man nicht oft erlebt in Unternehmen.
Tränen wurden vergossen, Geschichten erzählt und ein letztes Mal die Maschinen bewundert, die uns über die Jahre hinweg begleitet hatten. Den Drucksaal so zu sehen, machte nachdenklich.

Günther und seine Freunde spielen live am Männertag
Die letzten Augenblicke

Mit meiner Kamera bewaffnet, habe ich die letzten Tage und Stunden in der Druckerei festgehalten. Die Chefs gaben eine Abschlussfeier. Jede Ecke, jeder Raum und jeder Arbeitsplatz ist auf den Fotos verewigt. Auch die Momente mit den Kollegen. Ich wollte diese Erinnerungen nicht nur für mich selbst, sondern auch für sie und die Geschäftsführer bewahren, die dieses Unternehmen aufgebaut haben. Die Emotionen waren greifbar, als wir realisierten, dass dies unser letzter Tag hier sei. Wermutstropfen war einzig und allein, dass ich mich lange Zeit in Gespräche vertiefte und erst mit den Aufnahmen begann, als Einige der Kollegen schon wieder weg waren.

Dankbarkeit und Abschied

Ich blicke mit Dankbarkeit auf die Zeit zurück, die ich in der Druckerei verbracht habe. Es war mehr als nur ein Arbeitsplatz – es war ein Ort der Gemeinschaft, des Lernens und des Wachstums. Die Geschäftsführer, Kollegen und ich haben gemeinsam viele Herausforderungen gemeistert und Erfolge gefeiert. Der Abschied fiel uns allen schwer, aber wir wissen, dass es Zeit für einen neuen Anfang ist. Die gemeinsamen Erfahrungen und die dabei entstandenen Freundschaften werden immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Die Fotos, die ich an diesem letzten Tag gemacht habe, sind mehr als nur Bilder – sie sind Zeugnisse einer Zeit, die ich nie vergessen werde. Sie erinnern mich an die Menschen, die ich kennengelernt habe, die Erfahrungen, die ich gesammelt habe, und die Lektionen, die ich gelernt habe. Auch deswegen habe ich mich dazu entschieden, einige ältere Aufnahmen in diesem Artikel mit aufzunehmen, um diese besondere Zeit zu würdigen und auf ewig festzuhalten.

Schlusswort

Der Abschied von der Druckerei markiert das Ende einer Ära. Mit Wehmut und Dankbarkeit blicke ich zurück, doch mit Zuversicht und Neugier nach vorne. Die Zukunft mag ungewiss sein, aber sie ist voller Möglichkeiten. Die Elbe Druckerei mag ihre Tore für immer geschlossen haben, aber die Erinnerungen an diese tolle Zeit werde ich immer in meinem Herzen tragen.

Von Zufällen und Hexenhäusern

Ein unvergessliches Treffen in Wittenberg

Erinnerung an vergangene Zeiten

Letzte Woche erhielt ich eine Nachricht von Eva, jener Eva, über die ich vor einigen Jahren einen Artikel geschrieben hatte. Damals übernachtete ich eine Nacht in ihrer Unterkunft im Chiemgau, um nicht in einem Ritt ins Urlaubsziel Kroatien fahren zu müssen.

Sie teilte mir mit, dass sie nach Rügen müsse und einige Zwischenstopps einplane. Einer davon sollte Wittenberg sein. Natürlich willigte ich ein.

Wiedersehen

Der Tag der Ankunft brach an. Nachdem Eva mir ihre Adresse mitgeteilt hatte, machte ich mich am späten Abend auf den Weg, um sie abzuholen und ihr die Stadt zu zeigen. Als ich ankam, wurde ich herzlich empfangen und in ihr unglaublich schönes Zuhause eingeladen, welches sie für die nächsten zwei Nächte bewohnen würde. Ich war sprachlos. Die „Alte Schule“, wie sie es nannte, war ein wahres Juwel. Rustikal, aber zugleich elegant und einladend eingerichtet – ein perfekter Mix aus Luxus und Gemütlichkeit. Die kleinen Produkte aus einheimischer Produktion und Bilder früherer Schulklassen aus diesem Gebäude, runden all die Schönheit perfekt ab. Es ärgerte mich, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte. Das musste ich unbedingt nachholen, beschloss ich.

Während ich weiterhin die Räume bewunderte, räusperte sich Eva laut und eine Tür öffnete sich. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als plötzlich Julia, eine alte Freundin, vor mir stand, die ich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Früher feierten wir oft zusammen und genossen die düsteren Klänge der „Schwarzen Szene“. Ich war wirklich überrascht und erfreut, sie wiederzusehen. Wir standen lachend da und waren überwältigt von diesem Wiedersehen. Verblüfft fragte ich, wie es zu dieser unerwarteten Zusammenkunft gekommen sei. Eva erwähnte während ihres Treffens mit ihrer Vermieterin Julia nur zufällig meinen Namen, was sie aufhorchen ließ und meinte, „Neeeeeiiin, das gibt´s doch nicht! Was für ein Zufall!“ Es war ein wahrhaft magischer Moment.

Julia war so euphorisch, dass sie uns kurzerhand in ihr „Hexenhaus“ einlud. „Morgen Abend bei mir, okay?“ Spontan willigten wir ein. Anschließend fuhr ich mit Eva in die Stadt und wir gingen im hiesigen Brauhaus etwas Essen. Sie war sehr erstaunt, wie schön Wittenberg ist und welch Geschichte es hat. Ganz neu war ihr, dass sogar Napoleon hier gelebt hatte und es eine Hundertwasserschule gibt.

Im Hexenhaus

Am nächsten Tag holte ich die Chiemgauerin pünktlich ab um Julias Einladung zu folgen. Diesmal hatte ich jedoch meine Kamera dabei und konnte somit vorher noch ein paar Eindrücke der alten Schule samt Umgebung festhalten. Anschließend ging es los.

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Der Weg führte in einen abgelegenen Wald am Rande der Stadt. Schon von Weiten sahen wir ihre Finnhütte, die sie kichernd als ihr kleines „Hexenhäuschen“ bezeichnet. Geparkt, zückte ich sofort meine Kamera und machte ein paar Aufnahmen von ihrem bezaubernden Domizil. Auch Eva kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn man sah, wieviel Liebe und Schweiß sie auch hier investiert hatte, um sich ein solch schönes Zuhause zu schaffen. Freudestrahlend begrüßte Julia ihre Mieterin und mich und erzählte ein wenig darüber, wie es dazu gekommen war, sich hier niederzulassen. Zusammen mit ihrem Mann erschufen sie all diese kleinen Wunder, die ihresgleichen suchen. Sie zeigte uns Bilder der früheren „Alten Schule“. Unglaublich, was sie daraus gemacht haben. Ganze sechs Jahre investierten sie, aber am Ende hat es sich gelohnt. Die fortlaufenden Buchungsanfragen und Bewertungen sprechen eine eindeutige Sprache.

Schließlich betraten wir das Hexenhaus. Natürlich war auch hier alles geschmackvoll eingerichtet. Empfangen wurden wir mit einem Baden-Württembergischen Wein der etwas trockeneren Sorte, sowie einem hervorragenden Mahl, dessen Rezept ich nicht wiedergeben kann. Es waren auf jeden Fall viele Tomaten enthalten. Sie konnte also nicht nur gut kochen, sondern auch zaubern. Gibt es eigentlich etwas, was sie nicht kann? Kaum zu glauben, was dieses Energiebündel schon alles erreicht hat. Ich freute mich sehr für sie und ihre Familie, die sich während unserer Zusammenkunft noch im fernen Bayern aufhielt. Dort leben sie schon eine ganze Weile. Allein das war natürlich schon immens viel Gesprächsstoff für Eva und Julia. Während die beiden von ihren Leben erzählten, versuchte ich hier und da ein paar Momente einzufangen.

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Und so verging der Abend wie im Flug. Schade eigentlich, aber er war so ungezwungen und schön, dass ich ihn hiermit verewigen möchte.

Abschied

Morgen geht es für Eva weiter nach Potsdam, ihren zweiten Zwischenstopp. Sicher wird es dort auch wundervolle Augenblicke geben, aber die Messlatte haben die Wittenberger ganz schön hoch gehängt.

Danke an die beiden Skorpione, Eva und Julia.

PS: Wer sich für eine Unterkunft in Wittenberg interessiert, den kann ich die „Alte Schule“ wirklich ans Herz legen. Hier geht´s zur Website: Link

Schiffbruch

Kein Tag wie jeder andere

Deutschland. Wir schreiben den 08. Januar 2024. Wieder so ein denkwürdiger Tag, an dem ein Teil des Volkes auf die Straße geht, um seinen Unmut über die vorherrschende Situation in diesem Lande zum Ausdruck zu bringen. Erneut ist es nur ein kleiner Teil. Abermals ist es nicht die Masse, die nötig wäre, um endlich wirklich etwas bewirken zu können. Zuviele sind es, die dem Zauber der verderbten Kultisten noch immer glauben schenken und diejenigen auf das Übelste diffamieren, die auf das drohende Unheil lautstark hinweisen. Ihre unermüdliche Gutmütigkeit ist es, die weiterhin auf das Perfideste ausgenutzt wird und dafür sorgt, dass das Imperium unbehelligt existieren darf.

Hoffnung und Realität

Doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer, denn diesmal ist es nicht nur das „gemeine“ Volk, das protestiert, sondern Menschen, die dieses buchstäblich ernährt, es versorgt und am Leben hält. Es ist der Teil der Gesellschaft, der dafür sorgt, dass sie überhaupt existieren kann. Ohne diesen existentiellen Part der Gemeinschaft würde alles in sich zusammenbrechen. Angst, Verzweiflung und Not wären wieder eine ganz reale Bedrohung. Denn Hunger – und das ist ein altes Sprichwort – macht böse.

Aber vielleicht ist es das, was gewünscht ist? Bekanntermaßen lässt sich aus Chaos und Hoffnungslosigkeit ein vorzüglicher Cocktail mixen. Einer, der die düstersten Visionen einiger Weniger zur infernalen Realität werden lassen kann. Wie kann man sich sonst erklären, dass jegliche politische Entscheidung gegen das eigene Volk gerichtet ist? Ich entschuldige mich für die drastische Wortwahl, aber wie soll man es sonst interpretieren? Wie soll man es deuten, dass der ganzen Welt Hilfe angeboten wird aber die eigene Bevölkerung stetig geschröpft und mit Unsinnigkeit konfrontiert wird? Nur ein Beispiel: Die Bundesregierung nimmt jedes Jahr mehr Steuern ein als im Jahr davor. Allein seit 2009 haben sich die Steuereinnahmen um fast die Hälfte erhöht. (Quelle). Während ich diesen Artikel verfasse, lese ich, dass die Regierung trotz der Bauernproteste ihre Sparpläne fortsetzt. (Quelle). Wenn mir das jemand logisch erklären kann, bin ich offen für ein Gespräch.

Aber eines gibt mir Zuversicht. Und zwar, dass jeder, der für sich entschieden hat, hinter die Kulissen zu schauen, nie wieder zurück kann. Wer einmal erkannt hat, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, der wird nie wieder an ihn glauben. Ganz egal was man ihm sagt.

Wittenberg 2024

Doch will ich zum heutigen Tag kommen, denn auch in meiner Heimatstadt Wittenberg wurde zum Protest aufgerufen. 9 Uhr. Die Sonne schien. Es herrschten minus acht Grad. Für hiesige Gefilde, durchaus kalt. Es dauerte zehn Minuten, bis ich den Kampf gegen meine vereiste Windschutzscheibe gewann. Ein paar Brote, eine Flasche Wasser und die Kamera verstaut, fuhr ich los, um die Augenblicke dieses durchaus historischen Tages festzuhalten. Ich parkte in einer Seitenstraße, lief auf die Menge zu und war überrascht, dass ich an einem Wochentag doch soviele Menschen zu Gesicht bekam. Ein paar Hände geschüttelt, legte ich sofort los, um mit meinen Aufnahmen zu beginnen und somit der Nachwelt einen Nachweis zu bieten, dass nicht alle tatenlos zusehen, bei der mutwilligen Zerstörung dieses Landes. Unzählige Menschen waren zugegen. Und nicht nur Bauern.

Reminiszenz

Ich dachte ein wenig an die Demonstration im Jahre 2020, als wir zu Millionen voller Hoffnung gegen das System aufbegehrten und doch enttäuscht wurden.

Es waren allesamt freundliche Leute. Ich führte mir vor Augen, was erst passieren muss, dass solch ein herzliches Gemüt aufbegehrt und sich an einem Montagmorgen aufmacht, die Saat liegen zu lassen. Ich sah es in ihren Augen, dass es ihnen sogar egal war, was die Presse über sie schreibt. Jene, die sich darüber im Dauerfeuer auslässt, dass sie „Rechte“ seien, Handlanger des Bösen, dass sie Grenzen überschreiten und sowieso nur ein kleiner Bestandteil der Gesellschaft sind. Ich für meinen Teil, fühlte mich wohl in ihrer Gegenwart, denn mir ist diese typische Vorgehensweise nicht unbekannt.

Herz und Wille

Es war eine wunderbare Atmosphäre und ein perfekt organisierter Tag. Sogar fürs Essen wurde gesorgt, dank „Olli´s Gulaschkanone“. Schick sahen sie aus. Energisch und voller Elan jubelten sie den Aussagen der Redner zu. Aus dem ganzen Umland waren sie gekommen. Ich kannte kaum einen von ihnen. Ich wusste nichts über ihre Lebensgeschichten, ihre Ängste, Bedürfnisse oder individuellen Schicksale und doch fühlte ich mich ihnen allen verbunden. Jeder Einzelne von ihnen trägt seine eigene Bürde – durchlebt sein eigenes Schicksal. Und doch freute ich mich aus einem unerfindlichen Grund, sie alle zu sehen.

Schiffbrüchige

Dann kam dieser einschneidende Moment, in dem ich in den sonnigen Himmel blickte. Ich nahm meine Mütze ab und blinzelte zaghaft nach oben. Schlagartig wurde mir bewusst, dass wir alle im selben Boot sitzen, ganz gleich welchen Berufsstand wir haben, welche Beziehungen wir pflegen oder welches Leid wir ertragen müssen. Es fühlte sich so an, als wären wir alle Schiffbrüchige. Es war, als würde ich einem Wildfremden einen Rettungsring zuwerfen, um ihn vor dem Ertrinken zu retten. Nicht, dass ich ihn retten könnte, aber ich warf ihn. Es war mehr ein instinktiver Akt. Genauso ging es mir bei der Wahl des Titels diesefür diesen Artikel. Es war eine spontane Entscheidung. Er passte besser als „Bauernaufstand“.

Hinzu kommt das Lied, welches ich permanent im Hintergrund gehört habe und das „zufällig“ den selben Titel trägt. Hört mal rein. Es lohnt sich: Link

Alles, was ich sagen möchte, ist, dass ich froh bin, heute dabei gewesen zu sein und dass ich durch diese Augenblicke fühle, etwas Sinnvolles getan zu haben. Was bleibt uns sonst?

Danke an alle Brüder und Schwestern im Geiste!

Terra Incognita

Außerhalb der Hauptsaison fuhr ich getrennt mit meinen Freunden, Grit, Micha und Basti in das ehemalige Jugoslawien, um dem Alltag hierzulande für ein paar Tage zu entfliehen. Dies ist der zweite Teil meines Artikels. Den vorherigen gibt es hier.

Ankommen in Montenegro

1700 Kilometer und knapp 17 Stunden Autofahrt liegen hinter uns. Endlich erreichten wir unser Ziel: Montenegro, was soviel wie „Schwarzer Berg“ bedeutet und in dem sogar die D-Mark für einige Jahre offizielles Zahlungsmittel war. Ein kleines Fleckchen Erde im Süden der Adria, was unsere Herzen bald erobern sollte. Land und Leute brannten sich wortwörtlich in unsere Seelen ein. Und dabei haben wir nur einen Bruchteil dieser landschaftlichen Augenweide samt herzlicher Bewohner zu Gesicht bekommen, denn das Inland ließ sich nicht erschließen in neun Tagen. Unser steter Begleiter war das Meer. Es reichte schon aus, um uns vollends in den montenegrinischen Bann zu ziehen. Ich kann nur versuchen, die Magie einzufangen und wiederzugeben, was den Zauber Montenegros für uns ausmachte.

Erste Eindrücke

Die Grenze passiert, musste ich erst einmal den Motor stoppen und aussteigen. Dem Himmel entgegenblickend, realisierte ich, wie weit mein Wagen mich bereits gebracht hatte und wie fern der Heimat ich war. Ich genoss die fremden Eindrücke in vollen Zügen. Ich kenne die Bäume die hier wachsen, auch hohe Berge sind mir nicht fremd und doch war alles anders. Es unterschied sich sogar vom großen Bruder Kroatien. Montenegro ist EU Beitrittskandidat und profitiert somit nicht von Förderungen, wie sein großer Nachbar. Es wirkte im ersten Moment Ursprünglicher. Es schien selbständiger. Es fühlte sich nach mehr Ecken und Kanten an, weniger nach Akkuratem und Geöltem. Aber genau das gefiel uns.

Auf nach Ulcinj

Nun trennten uns nur noch knappe vier Stunden von unserem finalen Zielort Ulcinj am untersten Zipfel Montenegros. Natürlich benötigte ich mehr Zeit, da ich öfter anhielt um die Aussichten festzuhalten, die mir zuhauf begegneten. Kotor dürfte Einigen bekannt sein. Ein beliebtes Reiseziel, was ich mir auch zu Gemüte führen wollte. Leider musste ich mir dieses Vorhaben schnell aus dem Kopf schlagen, denn diese Stadt war hoffnungslos überfüllt. Da es in Montenegro bisher keine Autobahn Richtung Süden gibt, sind alle fahrbaren Untersätze dazu gezwungen, sich durch die teilweise wunderschönen Städte zu zwängen. Oft ging es nur mit 30 KM/h voran, aber mich störte das nicht weiter, da ich dadurch um so mehr Eindrücke der tollen Umgebung einfangen konnte.

Endlich am Ziel

Vorbei an Perast, Budva und Bar, erreichte ich endlich Ulcinj, was für neun Tage unsere Heimat sein sollte. Kurz vor Ankunft knurrte mein Magen. Ich musste Rasten. Mir stach eine prachtvolle Gaststätte am Straßenrand ins Auge. Art Taverna nennt sie sich. Ich hielt an und rief dem Wirt von Weitem auf Englisch zu: „Ist geöffnet? Ich sehe keine Gäste.“ „Yes“ erwiderte er freundlich. Geschafft von der Fahrt bestellte ich mir ein einheimisches Bier und frischen Fisch. Ich war begeistert vom Ambiente und fragte nach, ob ich ein paar Fotos machen könne. Wir kamen miteinander ins Gespräch und ich fand heraus, dass „Miqail“ der Chef persönlich war und gerade Deutsch lernt. Teile seiner Familie wohnen in Deutschland. Was für ein Zufall dachte ich. Eine tolle erste Begegnung in Montenegro. Gesättigt und zufrieden zog ich weiter.

AM PALACE

Ein paar Minuten später erreichte ich das AM PALACE – mein finales Ziel. Was für ein prächtiger Bau. Es sah einladend und sehr modern aus. Gerade stieg ich aus dem Wagen, als mich zwei Männer freundlich begrüßten und mir mit ausgestreckter Hand entgegenkamen. Admir, der Chef persönlich und sein deutscher Freund Mario, der ihm offensichtlich bei der Instandhaltung des Gebäudes hilft. Ich fühlte mich sofort Willkommen. Admir, der sehr gut deutsch sprach, präsentierte mein Zimmer. Er bemerkte, wie beeindruckt ich war und führte mich noch ein wenig herum. Bevor wir uns uns auf seine wundervolle Terrasse auf dem Dach des Hotels setzten um ein wenig zu plaudern, servierte mir seine liebenswerte Mutter Enica noch ein phänomenales Mahl. Noch immer zehre ich von ihrer freundlichen Art und ihren vorzüglichen Kochkünsten.

Von Admir lernte ich einiges über die Geschichte des Landes, wovon ich Auszüge bereits im ersten Artikel erwähnt habe. Er erzählte mir, dass Montenegro der letzte Verbündete Serbiens war und sich erst 2006 abspaltete um eigenständig zu sein. Jedes Jahr wird dieses Ereignis ausgiebig gefeiert. „Es ist weniger konservativ. Es gibt viele Ethnien und Religionen“. Die Kriminalitätsstatistik sei sehr gering sagt er, selbst Beleidigung wird hart bestraft. „Verstehen Montenegriner die Kroaten, Serben und Slowenen?“, fragte ich. „Ja natürlich. Es sind nur unterschiedliche Dialekte. Wir verstehen sogar ein klein wenig polnisch und russisch. Die älteren haben es noch in der Schule gelernt, die jüngeren von den Touristen. Vor allem aber ist Montenegro ein Land, das vergleichsweise lockere Regeln hat für Ausländer, die eine Firma eröffnen wollen.“ Und in der Tat. Es sind relativ viele russische Kennzeichen und Beschilderungen auf Kyrillisch zu sehen. Offensichtlich fühlen sich hier viele Russen noch wohl. Sicher keine Selbstverständlichkeit in der heutigen Zeit.

Hauptsächlich lebt Montenegro, was das Ursprungsland Jugoslawiens ist, von der Landwirtschaft, dem Baugewerbe und vom Tourismus. „Was sagst du zur Situation in Deutschland?“, fragte ich ihn. Er antwortete ebenso schmunzelnd und ratlos, wie die Vermieterin von Grit und Micha, die etwas mitleidig anmerkte, dass Deutschland doch mal schön gewesen sei. „Niemand versteht, was mit euch los ist.“ Ich lachte. Dann musste Admir los.

Das Domizil meiner Freunde

Nachdem ich wieder digitalen Empfang besaß, denn hier kostet 1 MB einen Euro, schrieb ich Micha, ob sie mittlerweile auch in ihrer Behausung eingetroffen seien. Diese lag etwa zehn Kilometer weit weg an der „Ada Bojana“, eine klitzekleine Insel ganz im Süden Montenegros, direkt an der Grenze zu Albanien. Sie entschieden sich für ein Ferienhaus direkt an der Flussmündung, wo ich sie gegen Abend meistens besuchte. So auch am Tag der Ankunft.

Die kommenden Tage ließen wir es uns einfach nur gut gehen und genossen das entschleunigte Leben in vollen Zügen. Meistens holten mich Grit und Micha vormittags ab und wir fuhren in die etwa 20 Kilometer entfernte Bucht, die außerhalb der Hauptsaison kaum jemand besucht. Manchmal gingen wir nach erfolgreichem Sonnenbad essen, aber meist verschlug es uns ins „VOLI“, eine Art „Kaufland“, wo wir uns mit montenegrinischen Zutaten für ein heimisches Gelage ausrüsteten. Es war herrlich.

Abstecher ins Landesinnere

Meiner Kamera und mir dürstete es jedoch nach mehr als Meer. Und so beschloss ich, einen Ausflug ins Hinterland zu machen. Der einzige Grenzübergang zu Albanien in der Nähe, lag etwa 40 Kilometer weit weg. Also nichts wie hin. Ich ließ Ulcinj hinter mir und drang immer tiefer ins Landesinnere ein. Es war eine kurvenreiche Fahrt, die mich durch wunderschöne Landschaften führte. Vorbei an gigantischen Schluchten und steppenartigen Berghängen, erreichte ich nach circa einer Stunde die Grenze. Doch mich erwartete eine ellenlange Schlange, so dass ich mich dagegen entschied Albanien zu besuchen und stattdessen ins Landesinnere von Montenegro fuhr. Meine Tour führte mich zum größten See Südeuropas, den „Skadarsko Jezero“. Ein wahres Juwel. Die Aussicht ist atemberaubend. Ich verweilte eine ganze Weile hier und träumte vor mich hin. Dann fuhr ich weiter und betrat unbekanntes Terrain. Enge Straßen zwingen jeden Autofahrer dazu äußerst vorsichtig zu fahren. Ich war wirklich froh darüber, dass ich mich dazu entschied, diese Gegend zu erkunden. Es ist kaum möglich, diesen bezaubernden Landstrich würdig zu beschreiben in dem schon die damaligen Winnetou-Filme teilweise gedreht worden sind. Ich denke, Bilder sagen mehr als Worte.

Die letzten Tage

So verstrichen die Augenblicke und das Ende nahte. Nach neun Tagen war es Zeit, Lebewohl zu sagen. Schweren Herzens mussten wir wieder Abschied nehmen. Vorbei die Zeit, in der die Heimat fast vergessen schien und man sich ausmalte, wie es wohl wäre, hier zu leben. Aber so ist nun mal das Leben, alles beginnt und alles endet. Also stiegen wir in unsere Japaner und fuhren gen Heimat. Auf dem Rückweg verblieben wir noch ein paar Tage in Kroatien. Eine Nacht in Split und den Rest in Istrien. Es war ein schöner Ausklang. Glücklicherweise hatte Vedrana noch ein Zimmer für mich frei, so dass ich erneut mein Lieblingsdomizil beziehen konnte. Hier lernte ich sogar noch Deutsche kennen. Franziska, Ulrike und Frank. Trotz leichter politischer Differenzen verstanden wir uns prächtig und genossen den letzten Abend unter kroatischem Sternenhimmel in vollen Zügen, bevor es für mich zurück in die Heimat ging.

Ich könnte noch soviel mehr berichten über dieses faszinierende Land. Etwa über die Ausgelassenheit der Menschen hier und dem wahrhaft wohlschmeckenden Essen. Ich könnte über eine tolle Marketingstrategie schreiben, die von Schlaglöchern und einer Werkstatt handelt. Der Begegnung mit Mafiosos, der Unterhaltung mit Auswanderern wie Mario, den Verlust meines Ausweises, der mannigfaltigen Jugend, der wohltuenden Spritkosten, dem kilometerweiten Sandstrand, der Lichtpflicht, Windrädern, oder Ampeln, die nur zeitweise Lust hatten, zu leuchten. Zuviel für einen Artikel. Allein über die Heimreise hätte ich zwei Artikel schreiben können. Ich kann nur sagen, kommt her und erlebt es selbst.

Mittlerweile sind schon wieder einige Wochen vergangen und noch immer zehre ich von meinen Eindrücken. All die Menschen die ich traf, werde ich nicht mehr vergessen. Auch ihnen ist dieser Artikel gewidmet. Irgendwann werde ich wiederkommen und bis dahin bleibt Montenegro stets in meinem Herzen.

Doviđenja!

Blick aus der Ferne

Vorwort

Es ist zwei Uhr nachts. Drei Tage lang saß ich nun an meinem Rechner, machte mir Notizen und verfasste unzählige Zeilen über meine Heimat Deutschland. Formulierte aus, wie wenig ich es wiedererkenne und wie schnell sich Schatten über die Gemüter der Menschen legen kann. Ich sinnierte noch einmal über den desolaten Zustand und die wenig verheißungsvolle Zukunft, über die vorsätzliche Zerstörung, die unverhohlene Kriegstreiberei, die mediale Berichterstattung, die daraus resultierende Spaltung der Gesellschaft und weshalb ich mich so sehr darauf freute, all dem für einige Wochen zu entkommen. Ein ganz guter Einstieg für einen Urlaubsartikel, wie ich fand. Aber ich verwarf die Gedanken wieder, denn sie wiederholten letztendlich nur all das bereits Gesagte.

Deswegen bleibt es bei zwei kleinen Reiseberichten, die sich nur mit meinen Erfahrungen in der Ferne beschäftigen und nicht mit politischen Appellen unterfüttert werden. Sie handeln von meiner dreiwöchigen Reise in das ehemalige Jugoslawien, die ich mit Grit, Micha und ihrem Sohn Basti unternahm. Beste Freunde, mit denen ich bereits vor drei Jahren nach Istrien aufbrach und wunderschöne Erfahrungen machte.

Meine Gefährten Micha, Basti & Grit
Ausflug in die Geschichte

Kroatien und Montenegro sind Länder, die damals eins waren und in dem ein bekannter Präsident wirkte: Tito. Er starb in dem Jahr, als ich geboren wurde: 1980. Seine Regentschaft kenne ich also nur aus Erzählungen. Sie schien vielschichtig und kontrovers zu sein. Trotzdem denkt man im ehemaligen Jugoslawien noch heute an ihn. Das kam zumindest aus dem einen oder anderen Gespräch zum Ausdruck, welches ich mit den Einheimischen des Öfteren führte.

Für Viele schien es nicht die schlechteste Zeit gewesen zu sein. Zwar war sie sozialistisch geprägt, aber nicht im Stile Stalins, dem sich Tito damals sogar widersetzte. Der humorvolle und in Teilen autoritäre Lebemann führte Jugoslawien offensichtlich in den Fortschritt und hielt es zusammen. Einige Jahre nach seinem Tod zerbrach es jedoch in viele kleine Staaten. Nun fuhr ich in zwei dieser Regionen und durchschritt dabei sogar noch eine Dritte: Slowenien, was, wie ich erfuhr, wohl die erste Region war, die sich abspalten wollte vom damaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien.

Die Reise beginnt

Die Koffer gepackt, die Personalien abfotografiert und das Geld gezählt, ging es endlich los. Ich fuhr früh in den Morgenstunden und bemerkte erst nach zwanzig Minuten, dass ich etwas Essenzielles vergessen hatte, mein Kartenlesegerät. Ich kann ohne dieses kleine Ding keine Bilder auf meinen Laptop ziehen und anfangen sie zu bearbeiten. Nein, das geht nicht. Also drehte ich um. Als ich dann erneut startete, quietschte plötzlich mein Mazda, wenn ich bremste. Das geht ja gut los, dachte ich mir und rief meine Werkstatt des Vertrauens an, die mir glücklicherweise kurzfristig half und das Problem beseitigte. Danke dafür noch einmal an dieser Stelle an Auto Dörfel in Wittenberg! Endlich konnte ich ins Gaspedal treten!

Bad Reichenhall

Mein erster Halt lag im Süden Bayerns, in Bad Reichenhall. Ich buchte ein Zimmer in einer kleinen familienbetriebenen Herberge direkt am Thumsee. Ein wahrlich idyllisches Fleckchen Erde. Nachdem ich eingecheckt hatte, entschloss ich mich in die Stadt zu fahren. Dort traf ich Anna, eine ältere Dame, die viel über Bad Reichenhall zu erzählen hatte und mit der ich einen Teil meines Weges ging. Bevor wir uns voneinander verabschiedeten, gingen wir noch etwas Essen in einem bekannten Brauereigasthof, dessen Bier ich sogar schon in Wittenberg gesehen habe. Ich fuhr zu meiner Unterkunft und genoss noch ein kühles „Bürgerbräu“ am Thumsee.

Die nächste Etappe

Am nächsten Morgen ging es weiter. Es herrschte Vorfreude auf unsere Gastgeber im Norden Kroatiens, die wir immer wieder wählen. Meine Vermieterin heißt Vedrana. Die gebürtige Kroatin lebt eigentlich in Italien, aber während der Saison kommt sie nach Medveja, betreut das Hotel und kümmert sich nebenbei noch um ihre Eltern. Sie ist herzlich, freundlich, offen und hilfsbereit. Jeder, der ihr Mieter sein darf, wird bemerken, mit wie viel Liebe sie ihr Unternehmen führt. Auch Grit und Micha landen immer wieder bei der gleichen Vermieterin. Sie heißt Milena und lebt gemeinsam mit ihrem Bruder Marino im Ort nebenan, in Lovran. Ihr Domizil liegt relativ weit oben. Der Weg dorthin ist für Nichtkroaten eine Herausforderung. Ich erzähle lieber nicht, welche Schweißausbrüche ich bekam, bis ich bei Milena ankam.

Doch um erst einmal nach Istrien zu gelangen, mussten wir Österreich durchqueren. Mein Gott, was war das für ein Wetter. Der Himmel weinte, er weinte unermesslich. Schauer, Donner und Stürme begleiteten uns während der gesamten Strecke und brachte zeitweise jeden Autofahrer an seine Grenzen. Viele Menschen stört das sicher. Mich nicht. Ganz im Gegenteil. Es war perfekt für meine Kamera. Ich parkte unentwegt und hielt diese dämonischen Augenblicke fest, wo ich nur konnte.

Unwetter in Österreich

Nach Stunden des Untergangs klarte der Himmel auf und ich erreichte schließlich die slowenische Grenze. Ich machte Halt in Bled, ein sehr bekannter Ort und beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Leider stand die Sonne nicht optimal, sodass meine Aufnahmen nicht besonders aufregend geworden sind.

Ankommen in Istrien

Nach sechs Stunden Autofahrt erreichte ich schließlich mein Etappenziel. Ich lächelte, schloss zeitweise die Augen und genoss die saubere Meeresluft in vollen Zügen. Endlich den Zauber dieses hinreißenden Landstriches wieder spüren und alles hinter sich lassen. Minuten ließ ich es auf mich wirken, bevor ich weiter fuhr nach Medveja zu Vedrana.

Lovran

Es war, als wäre es gestern gewesen, dass ich hier war. Sofort fühlte ich mich zu Hause. „Willst du ein Bier?“, fragte sie mich. „Ja gern“, erwiderte ich. Anschließend setzten wir uns auf die Veranda und plauschten vorrangig auf Deutsch und Englisch, bevor ich mein Zimmer bezog und an den Strand ging. Gegen Nachmittag trafen Grit, Micha und ihr Sohn ebenfalls ein. Auch ihre, mir bis dato unbekannte Vermieterin Milena, freute sich wahnsinnig, die drei wiederzusehen. Noch am selben Abend verabredeten wir uns alle bei ihr. Wie bereits erwähnt, kann ich nicht genau sagen, wie ich an ihr Haus gelangt bin. Ich weiß nur eins, ihr Bruder musste meinen Wagen wieder auf den rechten Weg bringen. Jedenfalls habe ich jetzt verstanden, weswegen Grit und Micha immer in den höchsten Tönen von ihrer Vermieterin sprachen. Eine toughe und humorvolle Frau, die ihre riesige Wohnfläche samt gigantischer Gartenanlage allein mit ihrem Bruder bewirtschaftet. Einige Mietshäuser hat ihr Bruder eigenhändig aus dem Boden gestampft. Viel Arbeit, aber wenn man bedenkt, welch bezaubernden Ausblick sie jeden Tag frönen dürfen, entschädigt dies für so einiges.

Die kleinste Stadt der Welt

Am nächsten Morgen war es für kroatische Verhältnisse relativ mild. Nach dem köstlichen Frühstück entschied ich mich von daher ein wenig ins Landesinnere zu fahren, nach Hum, die sogenannte kleinste Stadt der Welt. Auf der Karte sieht es gar nicht so weit aus, aber wenn man den Weg gefahren ist, weiß man, warum man so lange braucht um dort hin zu gelangen. Bergauf, Serpentinen satt, enge verwinkelte Straßen und Gassen bis hin zu Feldwegen zierten den Weg. So manch einen Moment zitterte ich um meinen Wagen, und betete, dass er die Strapazen überleben würde. Irgendwann kam ich dann doch an und wurde belohnt mit strahlendem Sonnenschein und einem Ausblick, der seines gleichen sucht. Hum hat es mir angetan. Ein wahrhaft bezaubernder Ort. Ich lief durch die Gassen entlang, dinierte in der einzigen Konoba und kaufte sogar einheimischen Wein. Hier traf ich Österreicher aus Steier, die dem eigenen Alltag ebenfalls entfliehen wollten. Denn auch in ihrem Land geht es politisch gesehen drunter und drüber. Viele hundert Aufnahmen später, machte ich mich nach einigen Stunden wieder auf den Heimweg. Rückzu bemerkte ich, dass es auch eine Schnellstraße gibt. Wunderbar.

Hum
Ausklang

Der kurze Aufenthalt in Istrien neigte sich so langsam dem Ende. Es waren zwei wundervolle Tage. Am letzten Abend gingen wir im Restaurant „Riviera“ essen. Für mich das erste mal, scheinen Grit, Michael und Basti des Öfteren eingekehrt zu sein, denn die Kellnerin begrüßte sie auf das Allerherzlichste. Sie und ihr Vater arbeiten schon viele Jahre hier und lieben was sie tun, das merkt man ganz deutlich. Hier bleiben keine Wünsche offen. Von ihrem Hauswein waren wir so begeistert, dass wir glatt ein paar Flaschen mitnahmen. Am Ende durfte ich sogar ein Bild von den Zweien machen. Und was soll ich sagen, man spürt einfach was ich meine, wenn man in ihre Gesichter blickt. Es war ein herrlicher Ausklang dieser kurzen aber intensiven Zeit in Istrien. Die Abenddämmerung genoss ich noch für einen Augenblick am Strand, bevor ich heim ging.

der Süden Kroatiens

Früh morgens ging es weiter. Ich verabschiedete mich von Vedrana und sagte, dass es sein könne, dass ich auf dem Rückweg noch einmal bei ihr übernachten werde. Ich würde mich rechtzeitig melden. Aber nun, auf in den Süden! Kaum zu glauben, aber bisher haben wir erst die Hälfte unserer Strecke geschafft. Vor uns lagen noch einmal knappe eintausend Kilometer. Unser nächstes Ziel war Zadar. Die Stadt liegt etwa 300 Kilometer südlich von Istrien entfernt und ist relativ gut über die Schnellstraße zu erreichen. Ich entschied mich allerdings die Meeresstraße entlang zu fahren. Man kann sich denken warum. Für diese Aussichten hat sich der Umweg gelohnt.

Vorbei an lang gezogenen Inseln und unendlich vielen Kurven, erreichten wir gegen Nachmittag unsere Behausungen nahe Zadar. Eingecheckt, gingen wir abends noch in die Altstadt und blickten einem wundervollen Sonnenuntergang entgegen. Am nächsten Morgen frühstückten wir an einer Promenade mit perfektem Hafenblick. Wir hätten ewig hier verweilen können.

Auf nach Dubrovnik

Letzte Station vor unserem finalen Ziel in Montenegro war Dubrovnik. Wer die Serie „Game of Thrones“ kennt, weiß, dass hier viele Szenen gedreht wurden. Vorbei an Split, was wir auf den Rückweg mitnehmen sollten und der neuen Pelješac-Brücke, die es nun ermöglicht, den Grenzübergang von Bosnien/Herzigowina zu vermeiden, erreichten wir am späten Nachmittag das entlegene Dubrovnik und letzte große Stadt Kroatiens. Ein märchenhafter Ort. Wir kosteten so viel wie möglich aus, bevor wir unsere vorerst letzte Etappe antraten. Diese Strecke war eine der schönsten aus meiner Sicht. Oft hielt ich an und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, so sehr beeindruckte mich die Landschaft und die unendliche Weite dieser Gegend. Es lässt sich kaum beschreiben und selbst Bilder können es nicht wiedergeben. Man muss es erleben.

Schließlich erreichten wir die Grenze und betraten endlich Montenegro. Erste Eindrücke dieses bezaubernden Landstrichs sind am Ende meiner Bilderreihe zu sehen.

Es gäbe noch soviel zu erzählen und zu zeigen, aber würde das den ohnehin schon viel zu langen Artikel gänzlich sprengen. Ich hoffe dennoch, dass ich den einen oder anderen inspirieren kann, diese Region zu besuchen. Die Landschaft und vor allem die freundlichen Menschen sind es auf jeden Fall wert.

Dies war der erste Teil meines Reiseberichts. Nun werde ich mich an den zweiten Teil setzen.

Doviđenja!

Friedenstaube

Ein Zeichen für den Frieden

Vergangene Woche entdeckte ich einen Flyer mit einer Friedenstaube darauf. Dort stand geschrieben: „Menschenkette. Protest gegen die Panzerlieferung. Frieden, Heizung, Brot statt Waffen, Krieg und Tod.“ Erfrischend, dachte ich mir. Mal etwas anderes als die Montagsspaziergänge, die zwar immer noch in Wittenberg stattfinden, aber leider bei vielen Menschen keine positiven Assoziationen mehr hervorrufen. Corona war der Auslöser für das wöchentlich stattfindende Ereignis. Nachdem dieses Thema in den Hintergrund gerückt ist, gab es keinen Grund mehr für viele, montags auf die Straße zu gehen. Der Spaziergang aber lebt weiter. Nur wofür er nun noch steht, wissen die meisten Menschen nicht. Da ist ein Aufruf zu einem ganz konkreten Thema, eine gute Alternative.

Eindrücke

Die Kamera im Gepäck, düste ich bei herrlichstem Sonnenschein gen Treffpunkt, der an einer viel befahrenen Straße unweit des Stadtzentrums lag. Das Auto geparkt, ein paar Hände geschüttelt, fing ich an, den Auslöser zu betätigen und meine Eindrücke festzuhalten. Es herrschte eine angenehme Stimmung. Die Menschen waren trotz des freudlosen Themas, heiter und herzlich. Sie lächelten in meine Kamera und ließen sich ganz entspannt ablichten. Sie schwenkten ihre Friedensfahnen und winkten den Autofahrern zu, die das Treiben unterschiedlich aufnahmen. Doch meistens waren sie erfreut und drückten ihre Zustimmung durch lautes Hupen aus.

Begegnung

Als ich einige Aufnahmen im Kasten hatte, begab ich mich auf die andere Straßenseite, um von dort aus alternative Perspektiven aufzunehmen. Gerade positionierte ich mich, als mir jemand auf die Schulter klopfte und mich auf Russisch ansprach. Eine ältere Dame und ihr Mann (wahrscheinlich) wollten offensichtlich wissen, was hier los war. Die Frau begann in ihr Handy zu sprechen, und ließ sie per Google Translator ins Deutsche übersetzen. Schnell fand ich heraus, dass es eine ukrainische Familie aus Cherson war, deren Haus unter Beschuss stand und ihnen nichts mehr geblieben sei. Ich drückte mein Bedauern aus und konnte nachvollziehen, dass die Beiden die Situation ganz anders beurteilen.

Immer wieder tauschten wir unsere Standpunkte aus und reichten das Handy hin und her. In der Kürze der Zeit ließ sich natürlich kein tiefgründiges Gespräch führen. Dennoch versuchte ich ihnen zu vermitteln, dass wir als Deutsche alles dafür tun sollten, den Frieden zwischen den verfeindeten Parteien anzustreben und nicht permanent die Dinge weiter eskalieren zu lassen. Wir sollten keine Waffen und Panzer senden. Die Menschen hier stehen für Diplomatie. Deutschlands Politiker sollten verhandeln! Das ist die Botschaft! Als ich ihr das in ihr Handy diktierte und sie der Übersetzung lauschte, erhielt ich ein nachdenkliches Zustimmen und wir drückten uns anschließend. Ich verabschiedete mich und widmete mich wieder der Kundgebung.

Das Ende eines schönen Tages

Mittlerweile setzte die Dämmerung ein und die ersten Teilnehmer verließen das Treffen. Ich unterhielt mich noch etwas mit dem Ein oder Anderen, verteilte ein paar Visitenkarten und ging dann auch meiner Wege.

Einige hundert Menschen trafen sich hier an diesem Samstagnachmittag. Ihre Botschaft war Frieden. Es war ein leiser Appell, den die Menschen unserer Politik und dem Zeitgeist zuriefen. Wahrscheinlich bleibt er ungehört, aber dennoch möchte ich ihnen hiermit etwas Hoffnung geben. Ihnen mitteilen, dass es durchaus Seelen gibt, die ihnen zuhören und verstehen, was sie fühlen. Sicher nicht heute, aber irgendwann in ferner Zukunft wird es vielleicht eine bessere Zeit geben und die Menschen dort, sollen wissen, wer für Diplomatie und Frieden stand.

Dies ist eine Erinnerung.