Liebe ist ein Fundament

Ein Tag, der zeigt, dass es nicht um den Anfang geht, sondern darum, gemeinsam weiterzugehen.

Ein ganz besonderer Gründonnerstag

Es ist Ostern. Die Sonne scheint endlich ausgiebig. Der perfekte Tag, um zu heiraten. Susi und Andy sind Freunde von Freunden, die ich zur Trauung festhalten sollte. Man hat mich gefragt und ich habe spontan zugesagt. Also Kameras eingepackt und gewartet auf Carsten, meinen Volleyballkumpanen, der mich samt des Bräutigams abholte.

Wir begrüßten uns und ich fragte, warum es unbedingt dieses Datum sein soll. Die Antwort war einfach und gleichzeitig besonders: Beide haben am Gründonnerstag Geburtstag. Damit war klar – genau dieser Tag musste es sein. In Wittenberg gab es keinen freien Termin mehr. Also fuhren wie ins etwa zwanzig Kilometer entfernte Bad Schmiedeberg.

Früh um zehn ging es los. Eine Stunde blieb noch bis zur Trauung. Andy war aufgeregt, das hat man gemerkt. Aber da war auch viel Vorfreude. Nach vierzehn Jahren Beziehung, mit allem was dazugehört, jetzt diesen Schritt zu gehen – das ist kein kleiner Moment. Für Susi war das lange kein Thema. Heiraten musste für sie nicht sein. Erst ein familiärer Schicksalsschlag Anfang des Jahres hat etwas verändert. Plötzlich wird einem bewusst, wie schnell sich alles drehen kann. Wie schnell Dinge vorbei sein können. Also warum dann nicht den Schritt einfach wagen? Man lebt nur einmal.

Ankunft im Rathaus

Wir fuhren im Konvoi. Die Braut und der Anhang samt Freunden waren in den anderen Autos, die Carsten hinterherfuhren.

In Bad Schmiedeberg angekommen, begrüßten wir uns erst einmal, bevor wir direkt ins Rathaus gingen. Gerade noch pünktlich eingetroffen, wurden wir freundlich von der Standesbeamtin empfangen. Sie erklärte den Ablauf und ließ mir die Zeit, mich umzusehen. Wo kann ich stehen, ohne zu stören? Wo fällt das Licht gut? Welche Perspektiven funktionieren? Man schaut sich das an, ohne groß aufzufallen – einfach, um bereit zu sein, wenn es losgeht.

Der Trauungsraum im Standesamt
Wenn der Moment beginnt

Dann war es soweit. Die Türen öffneten sich und das Brautpaar betrat den Raum. Vor ihnen die Standesbeamtin, dahinter Familie und Freunde. Gespräche verstummten, alle richteten den Blick nach vorne. Man hat sofort gemerkt: Jetzt geht es los.

Susi und Andy nahmen vorne Platz, die Trauzeugen neben ihnen. Vierzehn Jahre stehen da auf einmal im Raum. Dinge, die man nicht sieht, aber spürt.

Die Standesbeamtin begann zu sprechen. Ruhig, ohne Hektik, vom Kennenlernen, vom gemeinsamen Weg und von den Jahren, die hinter ihnen liegen. Keine Standardrede, sondern etwas, das zu ihnen passt. Sie sprach davon, dass Liebe nicht nur aus den leichten Momenten besteht, sondern davon, dass man sich immer wieder neu füreinander entscheidet – und dass genau darin ihre Stärke liegt.

Zwischendurch zitierte sie Dichter aus vergangenen Zeiten. Worte, die man vielleicht schon einmal gehört hat, die aber in diesem Moment Gewicht bekommen haben. Ich bewegte mich währenddessen durch den Raum, suchte Blickwinkel und versuchte unauffällig zu bleiben, bis der Boden unter mir anfing zu knarzen. Ein kurzer Hinweis – also setzte ich mich und wartete.

Der Augenblick, der alles trägt

Dann kam der Moment. Alle standen auf, die Ringe wurden gereicht – und genau da setzte das Lieblingslied von Susi ein: Liebe ist ein Fundament. Das hat gesessen und hat mich inspiriert, diesen Artikel danach zu benennen. Schon Wahnsinn, welche Qualität die Künstliche Intelligenz mittlerweile erschaffen kann.

Der Kuss folgte kurz darauf und man hat gemerkt, wie sich die Stimmung im Raum verändert. Die Musik, der Moment, die Menschen – alles kam zusammen. Hier und da Tränen, keine großen Gesten, sondern ehrliche Reaktionen.

Danach wurde unterschrieben. Susi und Andy, die Trauzeugen und auch Lina. Ein kleiner Moment, der viel sagt, weil sie nicht einfach dabei ist, sondern dazugehört.

Anschließend wurde sich umarmt, gratuliert und miteinander gesprochen. Die Spannung fiel ab, alles wurde lockerer. Schließlich war die Zeremonie vorbei und wir verabschiedeten uns alle von der freundlichen Standesbeamtin.

Lina unterschreibt die Unterlagen
Ein Ort zum Loslassen

Vor dem Rathaus blieb die Gruppe noch eine Weile zusammen stehen. Keiner hatte es eilig zu gehen, die Sonne stand gut und die Stimmung war gelöst. Man merkte, dass alle diesen Moment noch ein wenig genießen wollten.

Eigentlich sollte ich nur die Trauung festhalten, aber ich schlug trotzdem vor, noch zum Schloss Reinharz zu fahren, um den Tag nicht direkt enden zu lassen. Die Idee wurde angenommen.

Im Park von Schloss Reinharz wurde alles noch einmal anders. Die Anspannung war weg, man konnte spüren, wie alle einmal durchatmen konnten. Die Gespräche wurden freier, das Lachen entspannter, die Umgebung tat ihr Übriges. Wir machten Gruppenfotos, Bilder von der Familie und von Susi und Andy – und immer wieder Lina mittendrin. Fast nichts wirkte gestellt, eher wie ein gemeinsames Bewegen durch den Park, bei dem sich die Momente von selbst ergeben.

Alles was bleibt

Irgendwann war auch dieser Teil vorbei. Ich verabschiedete mich von allen und wurde von Carsten wieder nach Hause gefahren. Die Feier ging im engsten Kreis weiter.

Zuhause angekommen, setzte ich mich direkt an die Bilder, sichtete die ersten Aufnahmen, machte mir Notizen und schrieb hier und da schon ein paar Sätze auf.

Dabei merkte ich, dass ich etwas Besonderes festgehalten habe. Etwas, das bleibt. Für mich – aber vor allem für das Brautpaar. Und hoffentlich eine Erinnerung, zu der sie immer wieder gern zurückschauen.

Rückblende

Ein Jahr voller Geschichten, Veränderungen und neuer Perspektiven

Unglaublich, wie die Zeit vergeht – es ist tatsächlich schon vier Monate her, seit ich hier auf meinem Blog das letzte Mal etwas veröffentlicht habe. Aber das ist das Schöne an einem Hobby wie diesem: Es bleibt mir überlassen, wann ich schreibe, und heute ist wieder einer dieser Momente, in denen mich die Inspiration packt. Zum Ausklang eines ereignisreichen Jahres, in dem ich nicht nur einen neuen Job antrat, sondern auch in eine völlig neue Branche eintauchte, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um zurückzublicken – auf die Geschichten, Begegnungen und Erfahrungen, die 2024 so besonders gemacht haben.

Ein neues Kapitel beginnt

Vor vier Monaten wagte ich mich auf neues Terrain. Ich trat nach siebzehn Jahren in der Druckerei eine neue Stelle an. Es war mehr als nur ein Jobwechsel – es war der Sprung in eine völlig neue Branche. Ein Universum für sich, das ich erst allmählich erkunde und dessen Dynamik mich täglich aufs Neue herausfordert. Aber es war ein guter Start, denn ein besseres Kollegium kann man sich kaum vorstellen. Vielleicht widme ich diesem Abenteuer im kommenden Jahr einen eigenen Beitrag, um ein paar Einblicke in dieses faszinierende, aber komplexe Feld zu geben. Erste Aufnahmen dazu habe ich bereits gemacht.

Erinnerungen an eine ereignisreiche Zeit

Gerade denke ich noch etwas weiter zurück. Vor genau drei Jahren ging mein erstes Video zu den Spaziergängen in Wittenberg online. Zeiten waren das. Damals dachten wir, wir können wirklich etwas verändern. Corona. Dieses Wort war allgegenwärtig. Heute ist vieles davon nur noch eine blasse Erinnerung. Inzwischen hat sich die Welt verändert, nicht immer zum Guten: Die Kosten steigen, Konflikte eskalieren, und politisches Vertrauen erodiert. 2024 gab es kaum noch große Demonstrationen. Jene, die dennoch stattfanden, besuchte ich aber. Das große Thema war Frieden.

Höhepunkte eines ereignisreichen Jahres

Zeit, das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Das Jahr begann mit den Bauernprotesten. Mittlerweile wird sich kaum mehr jemand daran erinnern, aber gefühlt jeder zweite Bauer war in Deutschland auf der Straße und machte seinem Unmut freien Lauf. So auch in Wittenberg. Ich fand es wichtig, diesen Tag in Würde festzuhalten. Schließlich waren es berechtigte Forderungen, die da gestellt worden sind. Warum ich den Artikel „Schiffbruch“ nannte, kann man sich hier noch einmal zu Gemüte führen: „Schiffbruch“

Anfang Februar veröffentlichte ich einen persönlichen Beitrag, in dem ich meine Ambivalenz reflektierte und die Frage stellte, welches der richtige Weg ist und ob es ihn überhaupt gibt. Ohne Bilder, nur Worte – eine bewusste Entscheidung, um die Gedanken für sich sprechen zu lassen: „Zwischen Dystopie und Hoffnung“

Im Frühling kam es zu einer außergewöhnlichen Begegnung von der ich in meinem Artikel „Von Zufällen und Hexenhäusern“ berichtete. Außerdem hielt ich einen Abend mit meiner Besten fest und verewigte meine Gedanken zum Thema Freundschaft in dem Artikel: „Vom Band der Freundschaft“

Im Mai setzte ich mein Vorhaben um und fuhr nach Berlin, um mir das Thema „Armut“ hautnah anzusehen und mir ein Bild davon zu machen. Gelesen hat jeder sicher schon einmal davon. Gesehen auch, aber ich wollte mich mit Betroffenen selbst unterhalten und ihre Geschichten hören. Es war wirklich bewegend. Meine Eindrücke verewigte ich in meinem Artikel „Von der Armut“

Wieder Mai. Männertag. Ein ganz besonderer Tag, der mich zu neuen Menschen führen sollte, die ich mittlerweile in mein Herz geschlossen habe. Die ganze Geschichte dieser tollen Stunden, habe ich in meinem Artikel „Ein Tag in Freiheit“ festgehalten.

Im Darauffolgenden Monat war es dann soweit, die Elbe Druckerei Wittenberg schloss nach 200 Jahren für immer ihre Pforten. Den letzten gemeinsamen Tag hielt ich fest und veröffentlichte ihn unter den Titel: „Das Ende einer Ära“

Wie weiter oben bereits erwähnt, fanden dieses Jahr nicht sehr viele Demonstrationen statt. Eine, die mir jedoch persönlich sehr wichtig war, besuchte ich im August diesen Jahres. Eindrücke davon, sind im Artikel „Marsch des Friedens“ zu erhalten.

Mein letzter Beitrag dieses Jahres widmete sich einem Volleyballturnier unseres Vereins. Die Bilder, die ich dabei machte, zählen zu meinen Favoriten, denn sie transportieren genau diesen amerikanischen Touch, den ich so liebe. Genannt habe ich ihn: „Eine Frage der Ehre“

Ausblick auf 2025

Nun, am Ende dieses Jahres, bleibt das Gefühl, dass jeder Moment – ob schön, schwer oder leise – seinen Platz hat. 2024 war ein Jahr der Veränderungen, des Wachstums und der Begegnungen.

Was 2025 bringt, kann niemand wissen. Aber ich bin bereit, jede neue Geschichte zu erleben, festzuhalten und zu teilen. Danke, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet habt. Auf ein neues Jahr voller Geschichten und Augenblicke, die hoffentlich inspirieren und berühren.

Zum Schluss gibt es noch eine kleine Auswahl an persönlichen Lieblingsbildern aus diesem Jahr.

Collagen

Wunschkabinett, alternative Medien und Künstler.

Ab und an erstelle ich Collagen von Menschen, deren Arbeit ich sehr schätze. Im besten Falle entsteht der Impuls zu recherchieren, sich mit ihrem Wirken auseinanderzusetzen und alternative Denkanstöße zu entdecken. Es gibt auch einige mit Antagonisten, die ich ebenfalls visualisiere und veröffentlichen werde. Die meisten Collagen sind groß genug, um sie ausdrucken zu können.

Durch Klicken auf die jeweilige Collage, gelangt man zur Druckversion.

Alternative-Medien und Alternative-Künstler, Wunschkabinett

Vergangenheit und Zukunft

Einsicht

Da liegt es nun, das vergangene Jahr. Etwas mitleidig betrachte ich es. Ungläubig, ja fast paralysiert schaue ich es an und scheine es immer noch nicht zu fassen, was es mit uns gemacht hat. Ich möchte mich schütteln, mich besinnen und einfach weitergehen, aber ich kann nicht. Unnötig, all die Dinge zu kommentieren, die uns tagtäglich um den gesunden Menschenverstand geschleudert worden sind. Ein Wunder, dass die meisten Menschen, die dem in irgendeiner Weise entgegentraten, überhaupt noch bei klarem Verstand sind oder die Energie aufbringen, weiter zu machen. Nunja, es gibt Ausnahmen. Einige dieser Ausnahmen wurden sogar ins Gefängnis gesteckt.

Und ich? Nun, ich schwanke permanent. Mal möchte ich gegen das Unausweichliche ankämpfen und dann wiederrum betrachte ich uns von außen und muss betreten das Haupt senken. Sagen:, „Aufhören! Es geht nicht so – nicht mehr! Niemand hört mehr zu!“ Wäre es vielleicht klüger, sich eine Weile bedeckt zu halten? Wäre es nicht besser, sich geschlossen zurückzuziehen und abzuwarten, bis diejenigen, die uns als Querulanten und Nörgler betitulieren, selbst erkennen, dass wir gar nicht so falsch lagen mit unseren bedrohlichen Annahmen? Es scheint mir jedenfalls eine überlegenswerte Option zu sein.

Wenn ich mir vor Augen halte, was wir gemeinsam auf die Beine gestellt haben, welche Energie wir aufbrachten, um dem Unrecht etwas entgegenzusetzen, dann kann man schon stolz darauf sein, denn dadurch entstand soetwas wie Hoffnung. Hoffnung, dass wir unsere Mitmenschen erreichen. Dass die Anliegen Gehör finden bei Ihnen und dass Sie sich uns anschließen. Doch leider ist nichts geschehen. Unsere Argumente wurden nicht gehört, im Gegenteil, sie wurden stets verachtet und verlacht, bis heute. Trotzdem sich die gesellschaftliche Lage spürbar für die Allermeisten verändert hat, reichte es nicht aus, sie zum Mitmachen zu bewegen. Schade, denn nur mit ihnen gemeinsam hätten wir etwas bewegen können. Nun finde ich Spaltung, Missgunst und den Schritt in die Bedeutungslosigkeit vor.

Was nützt es auch, immer und immer wieder den Ist-Zustand zu kommentieren und sich die alltäglichen Unglaublichkeiten gegenseitig hin und her zu schicken? Wem soll das etwas nützen außer, dass es uns nur noch mehr in Rage verfallen lässt? Ja, ich weiß, was das WEF vorhat. Wahrscheinlich leben wir tatsächlich in einer anderen Welt als die Meisten. Dann soll es so sein. Ich für meinen Teil, habe meinen Frieden damit gemacht und dokumentiere weiterhin den, aus meiner Sicht, vorsätzlichen Verfall dieser Gesellschaft und versuche Brücken zu bauen, in der Hoffnung, dass sich doch am Ende alles zum Guten entwickeln wird. Ich versuche es jedenfalls auf meine Weise.

Meiner Leidenschaft, der Fotografie bin ich jedenfalls treu geblieben und habe viele Augenblicke festgehalten im Laufe dieses Jahres. Zeit, die Erfahrungen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Der Fels in der Brandung

Mein erstes großes Projekt im vergangen Jahr fand an einem kalten Februartag in der Nähe von Berlin statt. Erneut besuchte ich Manuel, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Paart MC. Schon einmal widmete ich mich seiner Kunst und verfasste einen Artikel über ihn. Diesmal jedoch sollte es noch etwas mehr sein als nur reine Fotos und wir beschlossen, uns an ein Musikvideo zu wagen. Wie es dazu kam, was daraus entstand und ob es uns am Ende gefallen hat, was wir da fabrizierten, kann man in diesem Artikel erfahren.

Das Ende der Geduld

Mein nächster Artikel handelte von den Wittenberger Spaziergängen. Ich hoffte damit, den negativen Berichten etwas entgegensetzen zu können. Meine Erfahrungen waren wirklich schön. Zu dieser Zeit herrschte eine unbeschreiblich positive Atmosphäre auf der Straße. Man konnte den Aufbruch förmlich spüren. All diese Menschen mit samt ihren Ambitionen waren der Ansporn, etwas zurück zu geben und ihnen ein Andenken zu widmen. Ich verfasste also nicht nur diesen Artikel mit vielen Momentaufnahmen, sondern beschloss, auch ein Video unter dem Titel „Zeitzeugen“, zu veröffentlichen.

Alles was bleibt

Im Sommer des Jahres ging ich ein wenig in mich und sinnierte über das Vergangene. Ich betrachtete unser Tun und unser Sein als Ganzes und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Einigen schien ich aus der Seele zu sprechen, denn ich erhielt viele Rückmeldungen auf unterschiedlichsten Wegen. Ich schrieb über Sinn und Antrieb, über meine Einsichten und weshalb ich tue, was ich tue. Es war ein sehr persönlicher Artikel, der viel Gehör fand. Neben dem Rubikon, hielt ihn auch Gunnar Kaiser für erwähnenswert, was mich wirklich sehr gefreut hat.

Scharfe Schwerter

Im September traf ich den Künstler Martin Sprave, der hier in Wittenberg seine Kunst zur Schau stellte. Durch den Tipp eines Freundes erfuhr ich, dass er auf dem Marktplatz seine Werke ausstellte und sah mich sofort gezwungen, diese politischen Monumente fotografisch zu verewigen. Auch ihm widmete ich einen Artikel, der den Weg in mein Lieblingsmagazin Rubikon schaffte.

Die Verurteilten

Zu Guter Letzt in diesem Jahr, verfasste ich einen Artikel über den geschichtsträchtigen Reformationstag in Wittenberg, der zum Anlass genommen wurde, den Unmut gegen die Regierung in Form einer Demonstration zu veranstalten. Viele tausend Menschen sind aus ganz Deutschland gekommen und haben sich dem Protest angeschlossen. Trotz enormer Widrigkeiten, haben die Veranstalter es geschafft, ein imposantes Ereignis zu realisieren. Auch diesen Tag hielt ich in einem Artikel fest, den Mr. Dax. Dirk Müller freundlicherweise auf seiner Chaskursseite teilte.

Was uns erwartet

Was wird Sie uns bringen, die Zukunft? Wird die Gerechtigkeit triumphieren? Wird es unseren Mitmenschen wie Schuppen von den Augen fallen und werden sie realisieren, dass wir nicht ihre Feinde sind? Oder muss erst alles zusammenbrechen und das Elend vorherrschen, bis sich die Gesellschaft wieder besinnt und erkennt, was ihnen angetan wurde? Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, die Hoffnung stirbt nicht zuletzt, sie stirbt niemals.

Scharfe Schwerter

Heimweh nach Vernunft

Die Meisten kennen den Spruch vom ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission Jean Claude Juncker:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Weit weniger bekannt ist diese Aussage von ihm:

„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“

Ein erfrischend ehrlicher Satz, den er da von sich gab. Diese Fassaden verborgener Macht, äußern sich eben doch manchmal aus Versehen – oder mutwillig – erschreckend offen und beweisen damit, wessen Geistes Kind sie eigentlich sind. Es ist wirklich bedauerlich, dass dieses austauschbare Klientel die Richtung vorgibt.

Für sie sind wir Kinder. Es gibt viele brave Kinder, aber eben leider auch die anderen, die kleinen ungezogenen Gören, die einfach nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben wollen und gezüchtigt werden müssen. Die Dressur scheint ein probates Mittel zu sein. Es ist fast so, als ob die Stöckchen stetig höher positioniert werden, über die wir nutzlosen Menschen springen dürfen. Immer höher, bis uns die Luft ausgeht. Der Wahnsinn ragt mittlerweile so dermaßen in unaussprechliche Höhen, dass man kaum mit der Verarbeitung hinterherkommt. Was tun, gegen die zwangsweise entstehende Ohnmacht? Welche Superlative soll man noch verwenden, um das aktuelle Zeitgeschehen realistisch zu beschreiben? Was muss noch alles passieren, bis wir es endlich schaffen, ideologiebefreit zusammenzustehen?

Sie setzen uns Hassfiguren vor, bis der Auftrag erfüllt und alles zerstört worden ist. Dann endlich, werden uns die „vom Licht geküssten Retter“ auf ihren weißen Pferden ereilen und uns von allem Leid „befreien“. Und natürlich wird wieder nichts in den Geschichtsbüchern davon stehen, dass dieses Ereignis orchestriert worden ist. Das Traurige dabei ist, dass die Legionsaufseher erneut nicht im Entferntesten bemerken, dass sie Teil eines viel größeren Plans sind. Unbeeindruckt von der eigenen Ahnungslosigkeit, marschieren sie immer weiter auf dem Pfad des Untergangs, bis ihnen ihre beispiellose Unfähigkeit blutig aus den Augen quillen wird. Ununterbrochen kämpfen sie gegen jegliche Vernunft und ihren eigenen Verstand. Ihr gedankliches Gebilde, das gerade benötigt wird, um Menschen einzuengen, zu belehren und ihrer Kultur zu berauben, ist offenkundig nicht ausreichend beseelt, um zu erkennen, wessen nekrotischem Konstrukt sie gerade folgen. Vielleicht sind Worte zu schwach oder zumindest nicht ausreichend, um das wahrhaft Böse angemessen zu beschreiben. Gut, dass es da Alternativen gibt.

Ton als Mittel der Kunst

An diesem Sonntag schickte mir ein Freund ein Foto, auf dem eine Statue zu sehen war mit dem Zusatz: – „Steht hier, auf dem Wittenberger Töpfermarkt.“ – Ich musste zweimal hinschauen. Ein Soldat in grün-brauner Uniform und dem darunter eingravierten Satz: „Grün ist das neue Braun“. Im Hintergrund der Aufnahme erkannte ich eine weitere Skulptur, die ich nicht ganz einordnen konnte, die aber dennoch meine Aufmerksamkeit erregte. Ziemlich progressiv, fand ich im ersten Moment. Mein Interesse war sofort geweckt und ich beschloss, mich auf die Socken zu machen, um mir das Ganze persönlich anzusehen. Gesagt, getan, packte ich meine Kamera ein und fuhr zum Marktplatz.

Es war ziemlich viel los an diesem sonnigen Tag. Ich betrat den historischen Ort, lauschte den am Rande stehenden Musikern und genoss die appetitlichen Gerüche der Flammkuchenstände. Ich schaute mich um und sah eine Menge Menschen an den einzelnen Verkaufszelten neugierig die liebevoll gestalteten Kunstwerke begutachten. Doch die größte Menschentraube stand bei den aufsehenerregenden Tonfiguren, die ich mir unbedingt näher ansehen wollte. Ich nahm viele schmunzelnde Leute wahr, die diese Werke mit ihren Handys verewigten und kaum glauben konnten, dass solche, doch recht provokanten Kunstwerke präsentiert werden in einer Zeit der politischen Korrektheit. Das muss jemand mit Rückgrat gemacht haben, einer, der den Gegenwind genießt.

Bruder im Geiste

Ich ging an den Stand und sprach den Herren an, von dem ich annahm, dass er der Künstler dieser imposanten Tonfiguren war und lag richtig. Martin Sprave kommt bereits zum zehnten Mal nach Wittenberg und präsentiert seine Kunstwerke. Der Westfale bereist ganz Deutschland und erlebte bisher ausschließlich positive Resonanz auf seine Arbeit. Das hat mich doch sehr gewundert, aber auch gefreut für ihn. Wir unterhielten uns ein wenig über sein Leben, was er zur Kunstszene meint, wie sein Umfeld so denkt und darüber, dass im Westen Deutschlands deutlich weniger Menschen auf die Straße gehen als hier. Ganz klar ein Bruder im Geiste, der das Herz am rechten Fleck trägt und sich mithilfe der Kunst gehörig Ausdruck verleiht. Es ist seine Art, all diese verderbten Marodeure zu entlarven und mit dem Finger auf sie zu zeigen.

Schließlich verabschiedete ich mich von ihm. Er gab mir noch seinen Flyer mit auf den Weg und betonte, dass ich die Aufnahmen gerne verbreiten und über seine Arbeit schreiben könne.

Ebenso wie viele andere, die auf unterschiedlichsten Wegen ihren Zorn friedlich zum Ausdruck bringen, nutzt auch Martin Sprave die Kunst dafür, um nicht leise zu sein und diesem gesichtslosen Alptraum etwas entgegenzustellen, denn die Kunst ist und bleibt ein verdammt scharfes Schwert.

Ich bin sehr froh darüber, ihn kennengelernt und seine Werke festgehalten zu haben. Wer sich näher mit seinen Arbeiten beschäftigen möchte, der kann dies auf seiner Website tun: http://www.madian-art.de

Alles was bleibt

Eingeständnis

Schon seit geraumer Zeit versuche ich Worte zu finden, die das Unfassbare angemessen beschreiben könnten. Oft fing ich an und hörte dann doch wieder auf, da alles schon gesagt worden ist. Auf sämtliche Defekte dieser Gesellschaft wurde in jedweder Form hingewiesen, doch die Masse der Menschen möchte sie offensichtlich nicht wissen. Ich werde das nicht ändern. So gern ich sie erreichen will, ich erreiche sie nicht. Wir alle erreichen sie nicht, egal was wir tun. Sie werden uns erst hören, wenn es zu spät sein wird. Sich das einzugestehen, war nicht leicht.

Also wozu noch etwas schreiben? Ich dachte lange darüber nach. Stets mit der Kamera ausgerüstet, ging ich des Öfteren in die Natur oder fuhr umher, ohne zu wissen, wohin ich will. Ich sinnierte über die Energie, die wir auf die Straße brachten, die Hoffnung, die wir hatten, in diesem kurzen Zeitfenster tatsächlich so etwas wie eine Wende herbeizuführen. In Gedanken vereint, fühlten wir uns, als könnten wir diesem Unrecht die Stirn bieten und glaubten daran, dass der Funke der Wahrheit auf unsere Mitmenschen überspringt. Nach zwei Jahren des Kampfes muss ich jedoch konsterniert feststellen, dass die Dinge noch schlimmer geworden sind und die Wut der Verzweiflung gewichen ist. Mittlerweile habe ich meinen Frieden damit gemacht, dass diese Gesellschaft am Ende ist.

Sinn und Antrieb

Also noch einmal, wofür das alles? Wozu noch etwas schreiben? Ich habe für mich eine Antwort gefunden. Ich tue es für die Nachwelt. Für die Zeit, die nach der unvermeidlichen Katastrophe hoffentlich existieren wird. Ich dokumentiere und beweise damit, dass nicht Alle blindlings folgten. Dass es Menschen gab, die hinterfragten, die die Dinge als Ganzes betrachteten, die ihr ungutes Gefühl nicht einfach unterdrückten und sich dem Unrecht entgegen stellten, wohl wissend, ignoriert, diffamiert und ausgegrenzt zu werden. Auf der Website „ich-habe-mitgemacht.de“ gibt es eine beeindruckende Liste von Personen, die sich in den letzten zwei Jahren ganz besonders hervorgetan haben. Der Philosoph Gunnar Kaiser stellte vor Kurzem die Frage, wie man mit eben jenen Teil der Gesellschaft umgehen soll und jetzt durch den veröffentlichten Evaluationsbericht eines Besseren belehrt worden ist. Entgegnet man ihnen mit Vergebung oder Vergeltung? Diese Frage brachte mich zum Nachdenken. Wahrscheinlich könnte ich sie jeden Tag anders beantworten, denn mein emotionales Pendel schlägt stetig in eine andere Richtung aus. Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Ich kann keine eindeutige Antwort darauf geben. Wahrscheinlich habe ich nur einen Wunsch, Gerechtigkeit.

Sagen, was ist

Vielleicht gibt es sie gar nicht diese Gerechtigkeit. Wahrscheinlich haben wir uns noch nie tatsächlich verändern können als Spezies Mensch, denn diese Probleme, die es heute gibt, gab es auch schon Jahrtausende zuvor, nur auf andere Art und Weise. Wie oft setzte sich der psychopathischste Auswurf an die Spitze einer Gesellschaft, welcher wie ein Pilzmyzel die Nation unter sich erstickte. Es wird immer Gewinner und Verlierer geben, Herrscher und Beherrschte und jede noch so harmonische Zeit des Aufbruchs wird wieder und wieder vernichtet, bis ein kurzer Moment des Friedens ausbricht, bevor sich das Rad erneut von vorne dreht. Eigentlich ernüchternd, aber andererseits besteht das Leben nun einmal aus Geburt und Tod. Alles beginnt und alles endet. Warum dagegen ankämpfen?

Auch wenn uns eine schreckliche Zeit zu drohen scheint, so baut mich der Gedanke auf, dass es auch immer ein „danach“ geben wird. Ganz egal, wie es dann aussehen mag, die Natur und die Schönheit bleibt bestehen. Einen Teil von ihr hielt ich in den letzten Monaten fest. Vielleicht animiert sie, sich für einen Augenblick an ihr zu erfreuen und Kraft zu schöpfen, denn sie ist alles, was bleibt.

Rückspiegel

Fünfzehn Kilometer

Den Anfang des Jahres möchte ich mit einem kleinen Ré­su­mé beginnen. Auch diesmal hielt ich einige Augenblicke fotografisch fest. Alles fing mit meinem Beitrag an, den ich „Fünfzehn Kilometer“ nannte. In ihm verarbeitete ich die Absurdität einer staatlichen Vorgabe, in der es hieß, dass man sich nur im genannten Radius von seinem Haus entfernen darf. Ich fuhr in alle Himmelsrichtungen um genau in dieser Entfernung die Welt festzuhalten. Der Artikel wurde auch im Rubikon und auf Cashkurs veröffentlicht.

Zeiten wie Diese

Mein zweiter Artikel handelte von meiner Heimatstadt Wittenberg. Er zeigt, was diese Zeit mit einer Stadt alles macht und was die politischen Entscheidungen alles nach sich ziehen. Ich versuchte die Leere und Tristesse darzustellen und für die Nachwelt festzuhalten. Der Rubikon veröffentlichte meinen Artikel unter dem Titel „Das leblose Land“. Auch Dirk Müller ließ mir die Ehre zu Teil, diesen Artikel auf seiner Seite herauszugeben.

Tapfere Herzen

Im März besuchte ich dann eine Demonstration in der Landeshauptstadt Magdeburg und hielt einige Momente fest. Der Titel „Tapfere Herzen“ ist eine Anlehnung an die Rede des William Wallace aus dem Film „Braveheart“, der in einer Rede dieses Tages zitiert worden ist und mich sehr inspirierte. Die Eindrücke dazu findet man hier auf meiner Website und unter anderem auf „Cashkurs„.

Momente

Ebenfalls im März des Jahres begleitete ich eine junge Familie. Ich wollte die Kleinsten aufnehmen und erfahren, was diese Zeit wohl mit ihnen macht. Diese einzigartigen Momente hielt ich in diesem Artikel fest.

Von der Hoffnung

Im April fuhr ich nach Berlin, um gegen die Abstimmung zur Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes zu demonstrieren und die Augenblicke des Geschehens bildlich darzustellen. Auch diesen Artikel teilte der Rubikon.

Wo ich die Freiheit sah

Ich hatte das Glück, dieses Jahr wundervolle Menschen kennenlernen zu dürfen. Unter Anderem die Ackerpiraten. Diese autarke Großfamilie, schloss ich so ins Herz, dass ich ihr einen Artikel widmen musste.

Vom Klang der Kunst

Als ich mir das Pendant zum European Songcontest, nämlich den NuoVision Songcontest ansah, fiel mir ein Künstler auf, dessen Texte mich stark beeindruckten. Sein Name ist Paart MC. Ich schrieb ihm eine Mail und bat um ein Kennenlernen samt Reportage. Er willigte ein. Das Ergebnis sieht man hier.

Der Chiemgau & Kroatien

Im Sommer des Jahres nutzte ich meinen Urlaub, um wieder fernere Ziele zu bereisen. Der Plan war, mit meinen Freunden nach Kroatien zu fahren, um dort ein bisschen Energie zu tanken. In der Tat, habe ich diese Reise nicht bereut, war sie eine der Schönsten, die ich jemals machte. Da die Eindrücke so umfangreich waren, teilte ich sie diesmal sogar in zwei Artikel auf. Den einen gibt es hier und den anderen hier. Auch der Übernachtung vorher im Chiemgau widmete ich einen Artikel.

Vereint im Schmerz

Wieder ging es nach Berlin. Erneut begleitete ich eine riesige Demonstration. Unter Anderem kam mir hier Boris Reitschuster vor die Linse, den man in einem der Bilder erkennt. Auch diese Eindrücke teilte der Rubikon.

Parallelwelten

Im letzten Artikel des Jahres hielt ich ein paar persönliche Gedanken fest, die mich in diesem Moment sehr bewegten und die ich mir von der Seele schreiben musste. Auch diesen teilte der Rubikon freundlicherweise auf seiner Website.

Auf ein Neues

Es war ein sehr kräftezehrendes Jahr. Dennoch überwiegt die Freude darüber, so viele wunderbare Menschen kennengelernt zu haben, die dem Unrecht ebenfalls entgegenstehen und ihren Teil dazu beitragen, dass die gesellschaftliche Bewusstlosigkeit überwunden wird. Sie alle geben nicht auf. Ich danke euch allen!

Von der Hoffnung

Der innere Drang

Die Sonne schien an diesem denkwürdigen Morgen des 21. April 2021. Der Himmel war wunderbar blau, und eine frische Brise wehte mir entgegen. In mir regte sich Aufbruchstimmung. Die Erweiterung des Infektionsschutzgesetzes, welche die Bundesregierung mit einschneidenden Befugnissen ausstattet, sollte heute verabschiedet werden. Eine große Demo wurde erwartet. Ich fühlte, dass es wichtiger denn je war, diese sicherlich historischen Augenblicke des Protests festzuhalten. Also schnappte ich mir meine Kamera und fuhr wieder einmal in unsere Hauptstadt.

Während ich unterwegs war, aus dem Fenster schaute und die Weite genoss, kreisten mir viele Gedanken durch den Kopf: Macht das überhaupt noch Sinn, bei all den Erfahrungen, die du mittlerweile gesammelt hast? Ist es clever, dagegen aufzubegehren, wenn so eine gewaltige Medienmacht, die Ereignisse sowieso wieder in ein negatives Licht rücken wird? Die Schlagzeilen sind doch vorprogrammiert. Die meisten Menschen finden es zusätzlich sogar unverantwortlich, dort hinzugehen. „Wandere doch aus!“, sagen sie. Auch ist es deprimierend, zu realisieren, wie weit es bereits gekommen ist und wie tief die neue Normalität in den Köpfen der Menschen verwurzelt ist. Also wozu das alles? Warum gehst du da hin? Ich kann diese Fragen nicht einmal beantworten. Vielleicht ist es der Funken Hoffnung. Ähnlich wie es Martin Luther angeblich einmal sagte: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Erste Eindrücke

Nach zweistündiger Fahrt erreichte ich gegen 9.30 Uhr die Straße des 17. Juni. Ein freundlicher Polizist erlaubte mir sogar direkt hinter der Absperrung zu parken, da ich ihm mittteilte, dass ich die Demonstration fotografisch dokumentieren wolle. Noch einen Griff zur Wasserflasche und dann ging´s geradewegs Richtung Brandenburger Tor. Ich war nicht der Einzige. Die ersten Blogger und Youtuber waren zu sehen, die das Ganze per Livestream übertrugen und begannen, Interviews zu führen. Ein freundlicher Fahrradfahrer radelte grüßend an mir vorbei. Die Worte, die aus seinen befestigten Lautsprechern tönten, waren unmissverständlich und verleiteten mich zu einem süffisanten Grinsen.

Schließlich erreichte ich die erste Menschentraube. So an die tausend dürften es gewesen sein. Es herrschte eine fröhliche Atmosphäre. Die Sonne lachte immer noch und trug sicherlich ihren Teil zur tollen Stimmung bei. Ich drückte das erste Mal den Auslöser und fragte hier und da, ob ich ein Foto machen dürfe. Manchmal kam man ins Gespräch und ich merkte deutlich, dass die Empfindungen identisch waren. Sie alle teilten die selben Sorgen wie ich, über die ich auch schon in vergangenen Artikeln zahlreich berichtete. Es ist nicht nötig, diese Dinge wieder und wieder vorzutragen. Ich nahm lieber die Eindrücke mit und fotografierte die Menschen samt ihrer Anliegen, die sie auf die selbstgebastelten Plakate und Fahnen geschrieben hatten.

Friedlicher Protest

Die Straße füllte sich. Es wurden stetig mehr. Menschen jeglicher Couleur waren zugegen. Ein bisschen fühlte es sich an, wie im vergangenen Jahr, als Millionen gegen das drohende Unheilssystem protestierten an diesem Ort und alles dafür taten, dass eben genau das, was wir inzwischen vorfinden, nicht eintritt. Wer sich diesen Protest noch einmal zu Gemüte führen möchte, kann das hier tun. Mittlerweile kamen so viele Menschen, dass die Polizei den Bereich erweitern musste. Bis sie das jedoch tat, stellte sie sich quer. Währenddessen schaute ich in das ein oder andere Auge jener Beamten und versuchte den Menschen hinter seiner schwarzen Uniform zu sehen.

Nach einiger Zeit sah sich die Einsatzleitung dazu gezwungen, den Bereich weiter auszubauen und ließ die Menschen bis kurz vor der Siegessäule gewähren. Die anschließenden Freudenschreie der Demonstranten kann man sich vorstellen. Danach wurden die Menschen durch die Polizei in den Tiergarten geleitet. Die Trommler, die eine wunderbare Stimmung erzeugten, schritten voran und die mittlerweile ca. zwanzigtausend Menschen liefen hinterher. Immer wieder riefen sie Passanten, die oft Beifall klatschten, zu, dass sie sich anschließen sollen, was einige auch taten.

Schließlich erreichten wir eine riesige Wiese. Die Demonstranten trafen nach und nach dort ein. Was ich dann erleben musste, war wirklich schockierend. Der junge Trommler, den ich die ganze Zeit begleitete und der zehn Meter neben mir stand, wurde auf das Heftigste von der Polizei attackiert und zu Boden geworfen. Ich habe diese rohe Gewalt gar nicht einordnen können, weil ich es nicht verstand. Es sah aus, wie ein Exempel, das statuiert werden sollte und was so gar nicht zu den bisherigen Erfahrungen mit den Beamten passte. Plötzlich nahm ich wahr, dass immer mehr Menschen willkürlich von Beamten in Kampfmontur herausgepickt und in Gewahrsam genommen worden sind. Wie kleine Stoßtruppen gingen sie vor und das mit teilweise äußerster Gewalt, ich habe es selbst gesehen. Die Menge war empört. Die Pfiffe wurden lauter und die Parolen entsprechend rauer. Zu Recht, das Geschehen war vollkommen unverständlich.

Eskalation

Nun wollte die Masse zum Brandenburger Tor. In der Zwischenzeit dürften noch mehr Menschen dazugekommen sein, der ganze Park war voll. Eigenartig war, dass nun die Straße des 17. Juni abgesperrt wurde, als ob man die Menschen im Tiergarten lassen und einkesseln wollte. Es herrschte eine bedrohliche Atmosphäre. Ich ging ganz nach vorne, lehnte mich an die Mauer, die zwischen dem Tiergarten und dem Brandenburger Tor steht und sah eine Unmenge an Polizisten. Kläffende Schäferhunde, Einsatztrupps, die bereit waren voranzustürmen und die Masse an friedlich protestierenden Menschen, waren schon ein ziemlich beeindruckendes Bild.

Dann kam es so, wie viele es schon ahnten, die Polizei rückte vor und schnappte sich erneut systematisch Menschen, die sie brutal übermannte. Den Demonstranten schien es nun wirklich zu reichen, denn die Situation drohte zu eskalieren. Die Rufe wurden so laut und die Energie so heftig, dass sich die Beamten eingekesselt sahen, sich zusammenrotteten und sich unter Einsatz von Pfefferspray den Rückzugsweg frei kämpften. Sogar Baumstämme flogen durch die Luft, so groß war der Unmut. Solche Szenen will niemand und Gewalt ist auch nicht der richtige Weg, da dies nur Bilder liefert, auf die die Presse doch nur wartet. Vielleicht waren es Provokateure, vielleicht nicht. Ich kann es nicht sagen. Auf jeden Fall war es eine einschneidende Situation, die nachhallt.

Résumé

Es kam in der Folge immer wieder zu solchen Situationen, doch mit der Zeit beruhigte sich die Lage. Die Menschen liefen langsam zurück. Viele mussten das eben Erlebte erst einmal verdauen. Ich verschnaufte. Mittlerweile war es ungefähr drei Uhr und an die tausend Bilder waren im Kasten. Später erfuhr ich dann, dass das Gesetz trotzdem verabschiedet worden sei. Uns allen war klar gewesen, dass wir das nicht verhindern würden, und doch waren wir da.

Ich jedenfalls habe das für mich Richtige getan. Ich bin froh, dort gewesen zu sein und diesen Tag verewigt zu haben. Vielleicht erreichen die Aufnahmen ja doch den einen oder anderen, schließlich stirbt die Hoffnung bekanntermaßen zuletzt.

~ Ulli

Retrospektive

Ein ereignisreiches Jahr

Auch diesmal möchte ich ein paar meiner Lieblingsaufnahmen verewigen und mit euch teilen. Ich brauche niemanden zu erzählen, dass es ein ganz besonderes Jahr war. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und geht unterschiedlich damit um. Meine Position habe ich hinlänglich postuliert und ist in vergangenen Artikeln nachzulesen. Nur ein Wort, ich wünsche mir, dass wir in der Zukunft wieder näher zueinander finden.

Abstecher in die Lausitz

Gleich zu Beginn des Jahres entschloss ich mich, in die Lausitz zu fahren, einen Landstrich in Sachsen und im Süden Brandenburgs, der an den Grenzen unserer Nachbarländer Polen und Tschechien liegt. Da ich ein großes Pensum vor mir hatte, suchte ich mir diesmal eine Übernachtungsmöglichkeit, um möglichst viele Eindrücke einfangen zu können. Meinen ausführlichen Beitrag dazu findest du hier.

Die Poesie des Himmels

Im Frühjahr diesen Jahres gab es für einen kurzen Zeitraum keine Möglichkeit in die Ferne zu reisen, also suchte ich mir Naheliegendes. Ich entschied, mich ein paar Tage durch meine unmittelbare Umgebung inspirieren zu lassen und fokussierte mich auf die Natur. So entstanden einige Momente dieses Naturschauspiels, was ich in meinem zweiten Artikel dieses Jahr veröffentlichte. Hier findest du meine Impressionen davon.

Abstecher in die Börde

Im Juni besuchte ich endlich einmal die Börde, einen Landstrich in meinem Heimatbundesland Sachsen-Anhalt. Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, mich einmal näher dieser Gegend zu widmen. Ich entdeckte eine Fülle an wunderschönen Bauten und Schlössern, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie ganz in der Nähe meines Wohnortes zu finden sind. Wer Näheres sehen möchte, findet das hier in diesem Artikel.

Ein Junitag

Schließlich machte ich ein Versprechen wahr und besuchte Fahima samt ihrer Familie, um ein paar situative Aufnahmen zu machen. Sie fragte mich schon lange danach und im Juni hat es dann endlich geklappt. Am Ende sind ein paar wirklich schöne Aufnahmen entstanden, die ich schließlich auch in einem Fotobuch verewigte. Hinzu wurde mir die Ehre zu Teil, dass ich in der Photosphäre veröffentlicht wurde. Die Photosphäre ist ein relativ bekanntes Medium, in dem viele kleine Künstler eine Plattform finden. Umso schöner, dass ich gleich als erster in dem Empfehlungsartikel stehe. Eindrücke dieses schönen Tages findest du hier.

Hochzeitstag meiner Eltern

Ein ganz besonderer Tag stand im Juli diesen Jahres an und zwar der Hochzeitstag meiner Eltern. Bewegende Augenblicke, die ich versucht habe, würdevoll festzuhalten. Ich finde, dass es mir gelungen ist, jedenfalls fanden Sie auch Gefallen daran und das ist das Wichtigste. Den Artikel dazu findest du hier.

Zu Besuch in Salzburg

Ein Höhepunkt des Jahres war die Reise in unser wunderschönes Nachbarland Österreich. Als kleiner Bengel war ich schonmal dort, aber erinnern konnte ich mich nicht mehr daran. Mein Ziel sollte Salzburg sein, die Heimat Mozarts. Spektakuläre Eindrücke erwarteten mich dort. Meinen ausführlichen Artikel dazu findest du hier.

Besuch auf mehreren Kundgebungen

So wie viele Menschen, mache ich mir Sorgen über die Entwicklungen auf diesem Planeten. Die einschneidenden Ereignisse weltweit bewogen mich dazu, diese Veranstaltungen zu besuchen. Ich wollte auch etwas Gutes dazu beitragen, in dem ich die Demonstrationen fotografisch begleitete. Wer mehr darüber lesen möchte, dem kann ich meine drei Artikel empfehlen. Die Demonstration in Berlin, der Schweigemarsch und die Kundgebung in Leipzig. Mir wurde des Weiteren die Ehre zu Teil, diese drei Artikel auch im Nachrichtenportal Rubikon zu veröffentlichen.

Was wird sie bringen, die Zukunft?

Noch immer fotografiere ich leidenschaftlich gern, doch ist es mir im Moment leider nicht möglich, in der Hinsicht viel zu erleben. Deswegen nehme ich mir auch ab und an ein paar ältere Aufnahmen vor und bearbeite sie nach Lust und Laune. Vielleicht widme ich mich demnächst etwas mehr der Natur, fotografiere die Leere oder Menschen. Wer weiß, was mir begegnet oder was sich findet. Meine Kamera und ich freuen sich auf alles Spannende. Ich kann nicht einschätzen, was die Zukunft bringen wird, es bleibt uns allen nichts anderes übrig, als das Beste draus zu machen. Ich bleibe zuversichtlich und werde so lange ich kann, meine Vorstellungen visualisieren und mich über jeden Einzelnen freuen, der in einem meiner Bilder etwas sieht und für einen kurzen Moment inne hält. Die Fotografie ist etwas Bleibendes, sie kann auch Menschen in weiter Zukunft bewegen, bilde ich mir ein. Ein Bild kann mehr sagen, als tausend Worte und mehr berühren, als jedes Video. Deswegen liebe ich die Fotografie. Sie gibt mir einen echten Sinn im Leben. Ich bin dankbar, diese Leidenschaft für mich entdeckt zu haben und freue mich auf viele neue Motive in der Zukunft.

~ Ulli

Schweigemarsch

Stiller Protest

„Wir müssen reden“, lautete das Motto eines Schweigemarsches in Berlin am 10. Oktober 2020. Die Organisatoren luden dazu ein, um auf diesem Wege gegen die momentan herrschenden Maßnahmen der Regierung zu protestieren. Natürlich ließ ich mich nicht lange bitten und notierte mir dieses Ereignis sofort in meinem Terminkalender. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, keinerlei Flaggen, Schilder oder Banner mitzuführen. Des Weiteren war das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes Voraussetzung für eine Teilnahme.

Mein persönlicher Ansatz

Früh morgens machte ich mich zusammen mit einem Mitstreiter auf den Weg in die Hauptstadt. Der Marsch sollte 11.59 Uhr auf dem Kurfürstendamm starten und an der Siegessäule enden. Da ich durch mein Aussehen bewusst überspitzen wollte, entschied ich mich schon Tage zuvor, mich elitär zu kleiden. Schwarz von oben bis unten, Stiefel, Sonnenbrille, Handschuhe und Mundschutz, sollten darauf hinweisen, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn wir eine Zeit erreichen sollten, in der es zu immer mehr Zwängen und Kontrollen kommt. In einigen Ländern dieser Erde ist es bereits Realität, dass Menschen durch ihre Regierungen belehrt, sanktioniert oder abgeführt werden, wenn sie die bestehenden Coronaregeln anzweifeln oder nicht befolgen. Um dies zu verhindern und ein Zeichen zu setzen, hielt ich es für unabdingbar, vor Ort zu sein und dieses Ereignis erneut festzuhalten, wie bereits am 29. August 2020

Der Marsch beginnt

Wir kamen mit dem Auto sehr gut durch und fanden auch direkt einen Parkplatz. Wir schätzten, dass wir vielleicht zwei- bis dreitausend Menschen vorfinden würden, denn extrem viel Werbung für den Schweigemarsch hatte ich vorher nicht wahrgenommen. Wir erreichten den Kurfürstendamm gegen 11.45 Uhr und reihten uns in die Menge ein. Sofort kam ich ins Gespräch und tauschte mich über Themen aus, die alle Teilnehmer gleichermaßen bewegen. Ein angenehmes Gefühl, sich verstanden und aufgehoben zu fühlen. Aus allen Teilen Deutschlands waren die Menschen angereist. Ich zückte das erste Mal meine Kamera und hielt ein paar Augenblicke fest. Wir standen zu viert in einer Reihe, denn der Abstand war eine Vorgabe, die zwingend eingehalten werden musste, um keine Auflösung des Marsches zu riskieren. Mir fielen wirklich kreative Mundschutzvarianten auf, einige davon versuchte ich mit der Kamera zu verewigen. Wie beeindruckend wäre es, dachte ich mir, wenn sie jetzt alle so gekleidet wären wie ich und dadurch eine bedrohliche Atmosphäre entstünde. Ich stellte mir vor, wie imposant es doch wäre, wenn am Ende des Marsches eine riesige Bühne stünde, auf der niemand spräche, sondern nur eine düstere Melodie zu hören und unter Nebelschwaden begleitet, ein riesiges Banner mit einer Maske zu erkennen wäre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies eine immense Wirkung erzielen würde.

Der Weg zur Siegessäule

Mit etwas Verzögerung setzten sich die Menschen in Bewegung. Ordner wiesen die Teilnehmer immer wieder darauf hin, sich an die Abstandsregeln zu halten und liefen stets beobachtend nebenher. Ich scherte des Öfteren aus, um die Menge aus verschiedenen Blickwinkeln festzuhalten. Es schien alles glatt zu laufen, soweit ich es mitbekam. Ich erkannte einige Persönlichkeiten während des Marsches, unter Anderem die Rechtsanwälte Markus Haintz und Ralf Ludwig. Immer wieder hielten vorbeilaufende Passanten an und suchten das Gespräch, mal friedlich, mal lautstark protestierend. Auch ich wurde zweimal in ein Gespräch verwickelt, das durchaus fruchtbar verlief. Andere wiederum blieben stehen und ließen den Marsch auf sich wirken. Genau das sollte auch das Ziel sein, dass Passanten zum Nachdenken angeregt werden.

Am Ziel angekommen

Wir liefen ungefähr zwei Stunden, bis wir die Siegessäule erreichten. Erst hier konnte ich mir ein Bild davon machen, wie viele Menschen teilgenommen hatten. Ich kann es sehr schlecht schätzen, doch denke ich schon, dass die angemeldete Teilnehmeranzahl von 20.000 Menschen erreicht wurde. Wir blieben noch einige Zeit vor Ort, bis die Veranstaltung aufgelöst wurde und wir zurück zum Auto liefen. Es war ein wichtiger Tag für uns beide und sicher ebenfalls für alle anderen Teilnehmer. Auch ich bin der Ansicht, dass wir alle miteinander reden müssen, wenn sich die Fronten nicht weiter verhärten sollen. Wer weiß, was am Ende aus all dem folgt. Vielleicht sehen wir die Zukunft auch zu dystopisch, doch halte ich es für essenziell, sich auch über die möglichen Verwerfungen dieser globalen Situation auszutauschen. Meine Haltung zu diesem Thema beruht aus Ereignissen der Vergangenheit, in der des Öfteren bewiesen wurde, dass die Regierungen dieser Welt die Bevölkerungen getäuscht haben. Ich möchte gern glauben, dass es diesmal anders ist, doch sprechen aus meiner Sicht die Tatsachen eine deutliche Sprache. Also lasst uns reden und zusammen eine Lösung finden. Versuchen wir, dem Gegenüber zuzuhören und nicht sofort das Gespräch abzuwürgen, nur weil der Gesprächspartner die aktuelle Situation anders sieht. Nur muss man für diesen Austausch offen sein, das ist alles. Letztlich sitzen wir alle auf diesem Globus im selben Boot und wir sollten uns vor Augen halten, wer es steuert.

~ Ulli