Das Ende der Geduld

Ein kleines Sprüchlein lautet:

„Ohne WHO keine Pandemie, ohne WEF kein Great Reset, ohne NATO kein Krieg und ohne EZB keine Inflation. Das Leben könnte so schön sein.“

Ja, ziemlich polemisch. Aber knapper lässt sich das organisierte Verbrechen nicht beschreiben. Im Laufe der Jahrzehnte scheint etwas unbemerkt in die Gesellschaften infiltriert worden zu sein. Etwas, was ich nicht zu beschreiben vermag. Eine Art Geisteshaltung, eine Mentalität, etwas, was sich nicht anfassen lässt. Es ist, als gehe eine Saat auf, die vor langer Zeit gelegt worden ist. Anders lassen sich diese grotesken Entwicklungen dieser Welt kaum mehr rational erklären.

Unerheblich welchem gesellschaftlich relevanten Thema ich mich auch widme, ich sehe überall nur Lüge und Zerstörung. Ich schaue mich um und bekomme den Mund nicht mehr zu. Fast schon paralysiert stehe ich am Rand des Spielfelds und ertappe mich dabei, wie eine milde Form der Ehrfurcht in mir entsteht, wenn ich mir den bisherigen Erfolg der Architekten vor Augen führe, die sich ihre ganz eigene Welt erschaffen wollen. Ihnen ist bewusst, wie sie uns dazu bringen können, dass wir in dreißig Jahren ihren Wünschen entsprechen und dass dies nicht von einem auf den anderen Tag zu vermitteln ist. Dafür sind Etappenziele von Nöten. Ihnen ist klar, dass die Masse der Menschen für bare Münze hält, was ihnen die etablierten Sendeanstalten präsentieren. Sie wissen, dass die meisten Menschen anschließend mit jenen Argumenten bewaffnet, ihr Weltbild formen und Streitgespräche führen, gegen die niemand ankommen wird. Ihnen ist ebenfalls bewusst, dass dies natürlich auch für die Gegenseite, die wenigen Zweifler gilt, denn auch sie verteidigen ihr alternatives Weltbild vehement. Dabei spielt es für sie keine Rolle, wer Recht hat. Sie können alles verkaufen. Jeder noch so große Betrug wird vom größten Teil der Gesellschaft unhinterfragt geschluckt. Wie das möglich ist bei all den bereits bewiesenen Lügen der Vergangenheit, bleibt ein Mysterium. Auch das ist den Architekten sicher nicht unbekannt.

Geplant wird in Generationen, nicht in Wochen oder Monaten. Kaum etwas geschieht aus Zufall. Wäre ich ein Mensch mit Gottkomplex und voller Niedertracht, würde ich es nicht anders angehen. Sie haben die Welt in ein menschenfeindliches Biotop verwandelt und weiten den Nährboden stetig aus, um die gesamtgesellschaftliche Oligophrenie weiter voranzutreiben. Leider klappt es. Die Naivität und die Gutmütigkeit der Menschen, wird gnadenlos ausgenutzt. Das Ergebnis dessen, sieht man gerade live.

Schauen wir uns nur an, wo wir hingekommen sind. In was man uns hineinmanövriert hat. Die Vernunft scheint ausgerottet. Hetze und Fehlverhalten wird legitimiert. Der Plan ging auf, die Menschen bis ins Mark zu spalten, so dass es zu keiner Versöhnung mehr kommen kann. Der Zorn ist ein steter Begleiter geworden, seitdem die Freiheit schwand und die Einflussnahme von Machtpolitik und Wirtschaftsmonopolen in großen Schritten voranging. In Details zerstritten, bleibt der Widerstand gelähmt und kann nicht wachsen. Um wirklich etwas bewirken zu können, müssen diese Gräben überwunden werden. Wir sind angehalten uns alle zu vereinen, um dem Syndikat entschlossen entgegen treten zu können. Ich kann nur versuchen dafür zu werben, denn einzig die Masse an Menschen, die dieses Spiel nicht mehr mitspielt, wird den Spuk beenden können. Jeder der fühlt, dass hier etwas nicht stimmt und dass die Sache nicht gut ausgehen wird, sollte sich gemeinsam mit all den anderen auf der Straße wiederfinden, die bereits seit zwei Jahren ihren Unmut kundtun. Die Gegenwehr sollte sich nicht nur auf das eine große Thema beschränken, sondern geöffnet werden für weitere Missstände, die angeprangert, beendet und verhindert werden müssen. Nur gemeinsam sind wir stark! Wenn das Unrecht einmal installiert worden ist, dann gibt es kein Zurück mehr. Es liegt an uns, das zu verhindern.

Über viele Monate habe ich die Spaziergänge in meiner Heimatstadt Wittenberg begleitet. Sie alle eint das Gefühl der Fassungslosigkeit und der Ohnmacht. Jeden Montag gehen sie auf die Straße und versuchen auf friedliche Art und Weise ein Zeichen gegen das schreiende Unrecht zu setzen. Sie alle plagen die gleichen Fragen: was tun? Wie umgehen in einer Zeit, in der man sich unverstanden fühlt und in der Andersdenkende mit keinerlei rationalem Argument mehr zu erreichen sind? Wohin mit all dem Schmerz und der stets begleitenden Ohnmacht? Der Klimax sämtlicher Gipfel scheint erreicht zu sein. Dieser Planet scheint zu klein für den Kummer. Er bietet nicht genug Schutz. Seine Schultern sind zu schwach, als das jene genug Trost spenden könnten. Wie viel Geduld kann man noch aufbringen? Wann ist das Ende der Geduld erreicht? Und was kommt danach? Wie verhindern wir es, dass es in der Zukunft wieder zu den gleichen Strukturen kommt? Können wir das überhaupt?

Es gibt viele gute Ansätze, wie man die Dinge zum Positiven ändern könnte, aber solange die Macht an anderer Stelle sitzt, glaube ich nicht, dass sich dahingehend etwas bewegen lässt. Sicher, man könnte versuchen in einer kleinen Gemeinschaft ein Gegenmodell vorzuleben, aber auch dies wird keine Resonanz erfahren in der breiten Masse. Letztendlich wird es nur mit all den Andersdenkenden den Ansatz einer Änderung geben können. Auch wenn es kaum vorstellbar erscheint, aber nur die Wucht der Vielen kann eine politische Wende herbeiführen. Deswegen werbe ich, trotz des Zorns, der auch in mir brodelt, immer wieder für das Brückenschlagen mit allen Teilen der Gesellschaft. Erst wenn wir diesen Traum tatsächlich realisiert haben und wir Hunderttausende in jeder Stadt sind, besteht Hoffnung auf echte Veränderung.

Wir sind Zeitzeugen dieses unfassbaren Unrechts. Mögen nachfolgende Generationen unsere Taten nicht vergessen.

Hrvatska

Lokale Ausflugsziele

Vorab: Bevor man sich den folgenden Artikel zu Gemüte führt, sollte man sich dem ersten Teil widmen, da es ansonsten zu Verständnisproblemen kommen könnte. Hier ist der Link.

Der zweite Teil meines Erfahrungsberichts über eins der schönsten Regionen, die ich bisher sah, beginnt mit einem Ausflug in die neunzig Kilometer entfernte Küstenstadt Pula. Dort soll es einen herrlichen Strand geben, meinte Michael, der jeden Abend neue Ausflugsziele recherchierte. Entspannt und den herrlichen Ausblick auf das Meer genießend, erreichten wir die größte Stadt Istriens. Bevor wir uns ihr in Gänze widmeten, besuchten wir erst einmal den nahegelegenen Strand, der auf den zuvor recherchierten Bildern sehr ansprechend aussah. Und in der Tat, wir wurden nicht enttäuscht. Ein herrlicher Strand, der kaum besucht war. Nun, wir hatten nichts dagegen. Wir fanden ein herrliches schattiges Plätzchen und sprangen ins Meer. Später lief ich mit Michael noch etwas umher, um die Gegend zu erkunden und ein paar Eindrücke festzuhalten.

Ausblick aufs Meer
Schlendern durch Pula

Nach einigen Stunden verließen wir den Strand und fuhren in die Innenstadt Pulas. Wir parkten direkt vor dem großen Amphitheater, was die Hauptattraktion der Stadt ist. Hier fanden vor vielen Jahrhunderten ebenfalls Gladiatorenwettkämpfe statt, ganz wie im alten Rom. Wir erkundeten die gesamte Innenstadt und waren fasziniert von der schönen Architektur. Am frühen Abend verließen wir Pula und fuhren wieder Richtung Lovran, unsere temporäre Heimat. Auf dem Rückweg stachen uns noch einige schöne Fleckchen ins Auge, die ich natürlich ebenfalls festhielt.

Altstadt von Pula
Rovinj und Poreč

Wie jeden Abend, gingen wir in unsere Stammkneipe, in der wir auch Teile der EM verfolgten. Die kroatische Mannschaft feuerten wir besonders an. Der Plan für den nächsten Urlaubstag war gesetzt: Rovinj (Wir sprachen es Rovinje aus). Eine traumhafte Stadt, die nördlich von Pula liegt. Wir fuhren quer durchs Land und waren ebenfalls nach ungefähr neunzig Minuten da. Auch hier setzte ich Grit und Michael an einem Strand ab und nutzte die Gelegenheit um in den nächst höher gelegenen Ort Poreč zu fahren. Ich wollte einfach mitnehmen, was geht. Das klingt alles nach ziemlich viel Stress, ist es aber gar nicht. Ganz im Gegenteil, für mich ist das purer Genuss.

Eine Dreiviertel Stunde benötigte ich, um an besagten Ort zu gelangen. Eine hübsche kleine Hafenstadt, die ich in vollem Umfang erkundete. Zwei Stunden reichten aus, um mir einen angemessenen Eindruck zu verschaffen, bis ich wieder nach Rovinji düste und mit ins Meer sprang, bevor wir anschließend in die Innenstadt fuhren.

Diese Stadt war wirklich ein Highlight. Hier hätte man zweifelsohne auch Szenen der Serie Game of Thrones drehen können. Wir dachten, die bisher erlebten Stadtbilder lassen sich nicht mehr toppen, aber das hier setzte dem Ganzen noch eine Krone auf. Wir saugten auf, was wir konnten. Auch hier begegneten wir ausnahmslos freundlichen Menschen. Wir kauften einheimischen Wein und rare Öle, die uns eine freundliche Verkäuferin schmackhaft machte. Rovinji hinterlässt einen starken Eindruck, den man nicht vergessen wird.

Rovinji
Die letzten Tage

Es gefiel mir so gut, dass ich meinen Urlaub auf Istrien kurzfristig um drei Tage verlängerte. Ich konnte einfach noch nicht weg, zu sehr hatte mich Istrien in seinen Bann gezogen. Ich dachte daran, wie es wohl ist, hier sein Leben zu verbringen. Wenn nur nicht diese außergewöhnlich hohe Sprachbarriere wäre. Viele der Einheimischen sprechen deutsch, aber wenn man hier leben möchte, muss man auch die Sprache sprechen. Wir erlebten noch so Einiges. Ein Höhepunkt war die Konoba Kali in Lovran, ein außergewöhnliches Restaurant, mit einzigartigem Ausblick aufs Meer. Hier wird man aufs Herzlichste empfangen. Der Chef begrüßte uns persönlich und stellte uns seine Konoba vor. Er erzählte so Einiges über Kroatien, sein Leben und wie er die Welt sieht. Kein Zweifel, das ist ein absoluter Geheimtipp. Wer einmal hier in der Gegend strandet, muss hier hergehen, denn nicht nur das Essen hier ist phänomenal.

Zu Gast in der Konoba Kali
Dovidenja

Es waren wundervolle Augenblicke hier. Oft denke ich an einen der schönsten Urlaube zurück, den ich vor vielen Jahren in Frankreich erleben durfte, doch das bezaubernde Kroatien samt der durchgängig liebevollen Menschen hier, hat es wahrhaftig geschafft, dies noch einmal zu toppen. Auch hatte ich mit Grit und Michael das Glück, zwei wunderbare Menschen dabei zu haben, mit denen ich diese einschneidenden Erlebnisse teilen durfte.

Abschied von Kroatien

Ich danke den Kroaten für Ihre Gastfreundschaft und hoffe, diese bezaubernde Region eines Tages wieder zu sehen.

~ Ulli

Retrospektive

Ein ereignisreiches Jahr

Auch diesmal möchte ich ein paar meiner Lieblingsaufnahmen verewigen und mit euch teilen. Ich brauche niemanden zu erzählen, dass es ein ganz besonderes Jahr war. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und geht unterschiedlich damit um. Meine Position habe ich hinlänglich postuliert und ist in vergangenen Artikeln nachzulesen. Nur ein Wort, ich wünsche mir, dass wir in der Zukunft wieder näher zueinander finden.

Abstecher in die Lausitz

Gleich zu Beginn des Jahres entschloss ich mich, in die Lausitz zu fahren, einen Landstrich in Sachsen und im Süden Brandenburgs, der an den Grenzen unserer Nachbarländer Polen und Tschechien liegt. Da ich ein großes Pensum vor mir hatte, suchte ich mir diesmal eine Übernachtungsmöglichkeit, um möglichst viele Eindrücke einfangen zu können. Meinen ausführlichen Beitrag dazu findest du hier.

Die Poesie des Himmels

Im Frühjahr diesen Jahres gab es für einen kurzen Zeitraum keine Möglichkeit in die Ferne zu reisen, also suchte ich mir Naheliegendes. Ich entschied, mich ein paar Tage durch meine unmittelbare Umgebung inspirieren zu lassen und fokussierte mich auf die Natur. So entstanden einige Momente dieses Naturschauspiels, was ich in meinem zweiten Artikel dieses Jahr veröffentlichte. Hier findest du meine Impressionen davon.

Abstecher in die Börde

Im Juni besuchte ich endlich einmal die Börde, einen Landstrich in meinem Heimatbundesland Sachsen-Anhalt. Schon lange spielte ich mit dem Gedanken, mich einmal näher dieser Gegend zu widmen. Ich entdeckte eine Fülle an wunderschönen Bauten und Schlössern, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie ganz in der Nähe meines Wohnortes zu finden sind. Wer Näheres sehen möchte, findet das hier in diesem Artikel.

Ein Junitag

Schließlich machte ich ein Versprechen wahr und besuchte Fahima samt ihrer Familie, um ein paar situative Aufnahmen zu machen. Sie fragte mich schon lange danach und im Juni hat es dann endlich geklappt. Am Ende sind ein paar wirklich schöne Aufnahmen entstanden, die ich schließlich auch in einem Fotobuch verewigte. Hinzu wurde mir die Ehre zu Teil, dass ich in der Photosphäre veröffentlicht wurde. Die Photosphäre ist ein relativ bekanntes Medium, in dem viele kleine Künstler eine Plattform finden. Umso schöner, dass ich gleich als erster in dem Empfehlungsartikel stehe. Eindrücke dieses schönen Tages findest du hier.

Hochzeitstag meiner Eltern

Ein ganz besonderer Tag stand im Juli diesen Jahres an und zwar der Hochzeitstag meiner Eltern. Bewegende Augenblicke, die ich versucht habe, würdevoll festzuhalten. Ich finde, dass es mir gelungen ist, jedenfalls fanden Sie auch Gefallen daran und das ist das Wichtigste. Den Artikel dazu findest du hier.

Zu Besuch in Salzburg

Ein Höhepunkt des Jahres war die Reise in unser wunderschönes Nachbarland Österreich. Als kleiner Bengel war ich schonmal dort, aber erinnern konnte ich mich nicht mehr daran. Mein Ziel sollte Salzburg sein, die Heimat Mozarts. Spektakuläre Eindrücke erwarteten mich dort. Meinen ausführlichen Artikel dazu findest du hier.

Besuch auf mehreren Kundgebungen

So wie viele Menschen, mache ich mir Sorgen über die Entwicklungen auf diesem Planeten. Die einschneidenden Ereignisse weltweit bewogen mich dazu, diese Veranstaltungen zu besuchen. Ich wollte auch etwas Gutes dazu beitragen, in dem ich die Demonstrationen fotografisch begleitete. Wer mehr darüber lesen möchte, dem kann ich meine drei Artikel empfehlen. Die Demonstration in Berlin, der Schweigemarsch und die Kundgebung in Leipzig. Mir wurde des Weiteren die Ehre zu Teil, diese drei Artikel auch im Nachrichtenportal Rubikon zu veröffentlichen.

Was wird sie bringen, die Zukunft?

Noch immer fotografiere ich leidenschaftlich gern, doch ist es mir im Moment leider nicht möglich, in der Hinsicht viel zu erleben. Deswegen nehme ich mir auch ab und an ein paar ältere Aufnahmen vor und bearbeite sie nach Lust und Laune. Vielleicht widme ich mich demnächst etwas mehr der Natur, fotografiere die Leere oder Menschen. Wer weiß, was mir begegnet oder was sich findet. Meine Kamera und ich freuen sich auf alles Spannende. Ich kann nicht einschätzen, was die Zukunft bringen wird, es bleibt uns allen nichts anderes übrig, als das Beste draus zu machen. Ich bleibe zuversichtlich und werde so lange ich kann, meine Vorstellungen visualisieren und mich über jeden Einzelnen freuen, der in einem meiner Bilder etwas sieht und für einen kurzen Moment inne hält. Die Fotografie ist etwas Bleibendes, sie kann auch Menschen in weiter Zukunft bewegen, bilde ich mir ein. Ein Bild kann mehr sagen, als tausend Worte und mehr berühren, als jedes Video. Deswegen liebe ich die Fotografie. Sie gibt mir einen echten Sinn im Leben. Ich bin dankbar, diese Leidenschaft für mich entdeckt zu haben und freue mich auf viele neue Motive in der Zukunft.

~ Ulli

Schweigemarsch

Stiller Protest

„Wir müssen reden“, lautete das Motto eines Schweigemarsches in Berlin am 10. Oktober 2020. Die Organisatoren luden dazu ein, um auf diesem Wege gegen die momentan herrschenden Maßnahmen der Regierung zu protestieren. Natürlich ließ ich mich nicht lange bitten und notierte mir dieses Ereignis sofort in meinem Terminkalender. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, keinerlei Flaggen, Schilder oder Banner mitzuführen. Des Weiteren war das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes Voraussetzung für eine Teilnahme.

Mein persönlicher Ansatz

Früh morgens machte ich mich zusammen mit einem Mitstreiter auf den Weg in die Hauptstadt. Der Marsch sollte 11.59 Uhr auf dem Kurfürstendamm starten und an der Siegessäule enden. Da ich durch mein Aussehen bewusst überspitzen wollte, entschied ich mich schon Tage zuvor, mich elitär zu kleiden. Schwarz von oben bis unten, Stiefel, Sonnenbrille, Handschuhe und Mundschutz, sollten darauf hinweisen, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn wir eine Zeit erreichen sollten, in der es zu immer mehr Zwängen und Kontrollen kommt. In einigen Ländern dieser Erde ist es bereits Realität, dass Menschen durch ihre Regierungen belehrt, sanktioniert oder abgeführt werden, wenn sie die bestehenden Coronaregeln anzweifeln oder nicht befolgen. Um dies zu verhindern und ein Zeichen zu setzen, hielt ich es für unabdingbar, vor Ort zu sein und dieses Ereignis erneut festzuhalten, wie bereits am 29. August 2020

Der Marsch beginnt

Wir kamen mit dem Auto sehr gut durch und fanden auch direkt einen Parkplatz. Wir schätzten, dass wir vielleicht zwei- bis dreitausend Menschen vorfinden würden, denn extrem viel Werbung für den Schweigemarsch hatte ich vorher nicht wahrgenommen. Wir erreichten den Kurfürstendamm gegen 11.45 Uhr und reihten uns in die Menge ein. Sofort kam ich ins Gespräch und tauschte mich über Themen aus, die alle Teilnehmer gleichermaßen bewegen. Ein angenehmes Gefühl, sich verstanden und aufgehoben zu fühlen. Aus allen Teilen Deutschlands waren die Menschen angereist. Ich zückte das erste Mal meine Kamera und hielt ein paar Augenblicke fest. Wir standen zu viert in einer Reihe, denn der Abstand war eine Vorgabe, die zwingend eingehalten werden musste, um keine Auflösung des Marsches zu riskieren. Mir fielen wirklich kreative Mundschutzvarianten auf, einige davon versuchte ich mit der Kamera zu verewigen. Wie beeindruckend wäre es, dachte ich mir, wenn sie jetzt alle so gekleidet wären wie ich und dadurch eine bedrohliche Atmosphäre entstünde. Ich stellte mir vor, wie imposant es doch wäre, wenn am Ende des Marsches eine riesige Bühne stünde, auf der niemand spräche, sondern nur eine düstere Melodie zu hören und unter Nebelschwaden begleitet, ein riesiges Banner mit einer Maske zu erkennen wäre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies eine immense Wirkung erzielen würde.

Der Weg zur Siegessäule

Mit etwas Verzögerung setzten sich die Menschen in Bewegung. Ordner wiesen die Teilnehmer immer wieder darauf hin, sich an die Abstandsregeln zu halten und liefen stets beobachtend nebenher. Ich scherte des Öfteren aus, um die Menge aus verschiedenen Blickwinkeln festzuhalten. Es schien alles glatt zu laufen, soweit ich es mitbekam. Ich erkannte einige Persönlichkeiten während des Marsches, unter Anderem die Rechtsanwälte Markus Haintz und Ralf Ludwig. Immer wieder hielten vorbeilaufende Passanten an und suchten das Gespräch, mal friedlich, mal lautstark protestierend. Auch ich wurde zweimal in ein Gespräch verwickelt, das durchaus fruchtbar verlief. Andere wiederum blieben stehen und ließen den Marsch auf sich wirken. Genau das sollte auch das Ziel sein, dass Passanten zum Nachdenken angeregt werden.

Am Ziel angekommen

Wir liefen ungefähr zwei Stunden, bis wir die Siegessäule erreichten. Erst hier konnte ich mir ein Bild davon machen, wie viele Menschen teilgenommen hatten. Ich kann es sehr schlecht schätzen, doch denke ich schon, dass die angemeldete Teilnehmeranzahl von 20.000 Menschen erreicht wurde. Wir blieben noch einige Zeit vor Ort, bis die Veranstaltung aufgelöst wurde und wir zurück zum Auto liefen. Es war ein wichtiger Tag für uns beide und sicher ebenfalls für alle anderen Teilnehmer. Auch ich bin der Ansicht, dass wir alle miteinander reden müssen, wenn sich die Fronten nicht weiter verhärten sollen. Wer weiß, was am Ende aus all dem folgt. Vielleicht sehen wir die Zukunft auch zu dystopisch, doch halte ich es für essenziell, sich auch über die möglichen Verwerfungen dieser globalen Situation auszutauschen. Meine Haltung zu diesem Thema beruht aus Ereignissen der Vergangenheit, in der des Öfteren bewiesen wurde, dass die Regierungen dieser Welt die Bevölkerungen getäuscht haben. Ich möchte gern glauben, dass es diesmal anders ist, doch sprechen aus meiner Sicht die Tatsachen eine deutliche Sprache. Also lasst uns reden und zusammen eine Lösung finden. Versuchen wir, dem Gegenüber zuzuhören und nicht sofort das Gespräch abzuwürgen, nur weil der Gesprächspartner die aktuelle Situation anders sieht. Nur muss man für diesen Austausch offen sein, das ist alles. Letztlich sitzen wir alle auf diesem Globus im selben Boot und wir sollten uns vor Augen halten, wer es steuert.

~ Ulli

Ein Tag an der Spree

Einladung

Neulich fragte mich mein Kumpel Christian, ob ich denn nicht Lust hätte, mit ihm und seiner frischen Liebe Varvara (aus dem Herzen Russlands) nach Berlin zu fahren um einige ihrer Freunde zu treffen, die über die halbe Bundesrepublik verstreut sind. Vor ein paar Jahren haben sie sich beim Sprachunterricht kennengelernt und halten seit dem den Kontakt miteinander. Warum nicht, dachte ich mir und entschied mit der Kamera im Gepäck, den Trip mitzumachen. Wir starteten am späten Morgen und fuhren in Richtung Hauptstadt. Ich packte nur meinen Allrounder ein, mein 24-70 mm Objektiv. Ich ließ mich auch dieses Mal überraschen und ließ alles auf mich zukommen. Ich schoss ein paar Bilder während der Fahrt und genoss den lauen Sommertag.

Ankommen in Berlin

Nach etwas über einer Stunde erreichten wir unser Ziel im Herzen Berlins und gingen in unser Hotel. Nach und nach trafen die Freunde Varvaras ein. Die Freude war groß und man unterhielt sich erst einmal auf russisch, von dem ich natürlich kein Wort verstand, aber Emotionen benötigen keinen Dolmetscher. Die Freude über das Wiedersehen konnten Christian und ich klar sehen. Nun stand die Frage im Raum, was tun? Wir wollten ins Museum gehen, aber leider war es geschlossen, also einigten wir uns auf eine Schiffsfahrt auf der Spree. Gesagt getan, liefen wir los. Unterwegs schoss ich unentwegt Bilder und versuchte die Augenblicke festzuhalten. In meinem Kopf stellte ich mir bereits vor, wie ich sie bearbeiten werde. Während ich die Momente festhielt und sie mich gar nicht bemerkten, fühlte ich, wie sehr ich das liebe, was ich tue. Die Fotografie gibt mir einen echten Sinn im Leben. Sie macht es wertvoll, denn ich erschaffe etwas, was es so nie wieder geben wird und eventuell auch die Nachwelt für einen kurzen Moment zum Inne halten bewegen kann. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich die Klänge von Oleg Byonic mit dem Lied „The Sting“, die meine Empfindungen noch unterstreicht. Schön, etwas zu tun, was man mit Leidenschaft macht.

Auf der Spree

Angekommen an der Spree, die Unkosten bezahlt, setzten wir uns in das Schiff und genossen die Brisen, die uns während der Fahrt entgegen kamen. Am majestätisch empor ragenden Berliner Dom startete unser einstündiger Trip. Vorbei am Bode Museum, dem Bundestag, dem Haus der Kulturen, endete die Hinfahrt schließlich in der Nähe der Siegessäule. Ich bedauerte, dass ich nicht mein Weitwinkelobjektiv mitnahm, denn das hätte ich jetzt wirklich gebrauchen können. Dennoch versuchte ich etwas rauszuholen.

Abschied

Es war ein wirklich schöner Ausflug. Nicht einmal der Regen, der später auf uns niederprasselte, konnte uns dies vermasseln. Wir gingen anschließend an der Promenade etwas Essen, lauschten der famosen Livemusik und ließen den Abend ausklingen, bevor es ins Hotel ging um an nächsten Morgen wieder heim zu fahren. Es war ein wirklich toller Tagestrip und habe mich gefreut, die Freunde Varvaras kennengelernt zu haben.

до свидания

Salzburger Land

Urlaubsplanung

Endlich Urlaub! Mein nächstes Reiseziel sollte Österreich sein. Bisher bin ich nur einmal kurz durchgefahren, als ich meinen Kumpel Danny in der Schweiz besuchte und als ich einen Roadtrip durch Frankreich und Italien vor Jahren machte. Ursprünglich hatte ich mir mal Wien vorgenommen und wollte einen Kollegen besuchen, der ebenfalls leidenschaftlicher Fotograf ist, doch am Ende ist es einfach Salzburg geworden. Woran es jetzt genau lag, kann ich gar nicht mit Gewissheit sagen, wahrscheinlich war es einfach näher dran an Wittenberg. Ich setzte es mir jedenfalls in den Kopf und zog es dann einfach durch. Über „Airbnb“ suchte ich mir eine Bleibe für den Trip nach Salzburg. Ich fand eine tolle Villa mit der famosen Gastgeberin Barbara.

Die Reise beginnt

Früh morgens klappte die Wagentür und ich startete meinen Trip in die knapp 700 Kilometer entfernte Mozartstadt Salzburg. Mit einer riesigen Playlist ausgestattet, verging die Fahrt wie im Flug. Mein Trip führte mich quer durch Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern. Da ich sonntags fuhr, gab es keinerlei Stopps oder Staus, die mich an einer raschen Anreise hätten hindern können.

Endlich da

Nach ca. sieben Stunden erreichte ich mein langersehntes Ziel. Sofort zog mich Salzburg in seinen Bann. Ich erblickte phänomenale Architektur, die mein Herz augenblicklich höher schlagen ließ. Ich wusste, dies wird ein Eldorado für mich und meine Kamera. Schon bevor ich mein Domizil ansteuerte, hielt ich an, um erste Impressionen festzuhalten. Wie häufig ich den Warnblinker betätigte, kann ich gar nicht mehr sagen, es war jedenfalls ziemlich oft. Nach diesen ersten Eindrücken fuhr ich dann in meine Pension zu Barbara. Sie selbst war nicht zugegen, aber mich empfing ihr Sohn, der ebenfalls leidenschaftlicher Fan der Fotografie ist. Nach kurzer Einweisung und Beschlagnahmung meines Zimmers, erhielt ich ein paar Tipps, wohin ich gehen könne. Die Villa liegt nur drei Kilometer von der Altstadt Salzburgs entfernt und einen Parkplatz zu finden, soll sich als relativ schwierig erweisen, also befolgte ich den Ratschlag von Barbaras Sohn und ging zu Fuß in die Innenstadt.

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Mein Domizil

Salzburg

Die Vorfreude war so groß, dass ich zwischenzeitlich sogar die unaufhaltsam scheinende Sonne unbeachtet ließ, die mich auf meinen Reisen durch das Salzburger Land unglücklicherweise permanent begleiten sollte. Endlich erreichte ich den sagenumwobenen Kern dieser bezaubernden Stadt. Ich hielt an jeder Ecke an und schoss Aufnahmen, was das Zeug hält. Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und vergaß die Zeit vollkommen. Aus sämtlichen Blickwinkeln nahm ich auf, was ich konnte. Es vergingen Stunden. Inmitten dieser famosen Architektur ragte die majestätisch über allen stehende Festung Hohensalzburg empor und zog meine Aufmerksamkeit unentwegt auf sich. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, dort einmal selbst zu stehen. Ich kaufte mir ein Seilbahnticket und war in wenigen Augenblicken oben angelangt. Diese Aussicht von dort oben ist einmalig. Auf der hinteren Seite hat man einen Blick in unendliche Weiten, die sich kaum beschreiben lassen. Das Titelbild dieses Artikels zeigt, was ich meine. Noch völlig fasziniert von diesem Ausblick, den man offensichtlich nicht mehr toppen kann, erreichte ich die andere Seite der Festung. Welch bezauberndes Panorama mich jedoch dann auf die Innenstadt Salzburgs erwarten sollte, konnte ich nicht ahnen. Man sah die Stadt in Gänze und in all ihrer Pracht. Wieviele Fotos ich allein hier machte, kann man sich denken.

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Ausklang

Ich verbrachte eine gefühlte Ewigkeit auf der Festung und genoss diese unbeschreibliche Weite. Für einen Arbeitskollegen kaufte ich noch eine Münze, die er sich wünschte und fuhr wieder hinunter. Noch völlig beeindruckt von den Eindrücken, suchte ich mir ein Restaurant, in dem ich ein echtes Wiener Schnitzel bestellte. Ich entschied mich für das „Sarastro“.  Eine vortreffliche Wahl. Vom freundlichen Kellner, dessen Ursprung in Uruguay liegt, wurde mir ein wundervolles Mahl präsentiert. Hier wurde ich das erste Mal mit der österreichischen Küche konfrontiert, denn hier isst man das Schnitzel mit Preiselbeeren. Seit dem dies meinen Gaumen vorgesetzt worden ist, will er nichts Anderes mehr. Es ist unbeschreiblich lecker. Dazu gab es ein köstliches einheimisches „Gösser“, welches meinen Abend perfekt abrundete.

Hallstatt

Mein nächstes Reiseziel im schönen Salzburger Land, sollte Hallstatt sein, ein märchenhafter Ort, so sagt man, der südöstlich von Salzburg liegt. Hallstatt ist eine Marktgemeinde mit fast 800 Einwohnern im Salzkammergut im Bundesland Oberösterreich und liegt am Hallstätter See. Zusammen mit dem Dachstein und dem Inneren Salzkammergut gehört es zur UNESCO-Welterbestätte. Am Abend vorher traf ich nämlich noch Husein Omeradzic, einen Bosnier, der schon viele Jahre in Österreich als Unternehmer tätig war und mir allerlei Reisetipps für die Gegend gab. Relativ zeitig setzte ich mich ins Auto und fuhr los. Während der Fahrt fiel mir das erste Mal auf, dass es in Österreich gefühlt in jedem noch so kleinen Ort irgendwo eine Lagerhalle gibt oder ein Unternehmen zu stehen scheint. Überall wird gearbeitet. Menschenleere und verlassene Orte, wie ich sie oft hier in Deutschland erlebe, scheint es hier nicht zu geben. Der Verkehr läuft auch flüssiger, denn man kann permanent 80 km/h fahren, selbst in den Gegenden, in denen ich dachte, ich befinde mich bereits in einer Ortschaft. Einzig die Fußgängerüberwege sind etwas gewöhnungsbedürftig, denn sie blinken die ganze Zeit. Schließlich erreichte ich Hallstatt. Ein traumhafter Ort. Nicht ohne Grund haben die Chinesen den ganzen Ort kopiert und nachgebaut. Ich flanierte entspannt durch dieses beliebte Urlaubsziel und genoss den Ausblick. Man könnte annehmen, man sei in Indonesien, wenn man die Felsformationen über den See sieht. Es ist wirklich wunderschön hier.

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Idylle in Hallstatt

Zell am See

Noch am selben Tag entschied ich mich, an den nächsten bekannten Ort zu fahren, nämlich Zell am See. Dieses Fleckchen Erde liegt ungefähr zwei Stunden von Hallstatt entfernt. Auch hier entdeckte ich ein bezauberndes Städtchen mit atemberaubenden Ausblick. Wohnen, wo Andere Urlaub machen, dachte ich mir und drückte unentwegt auf den Auslöser. Ich verweilte ungefähr drei Stunden, bevor ich den Heimweg antrat. Ich entschloss mich diesmal einen kleinen Abstecher über den südlichsten Zipfel Bayerns zu nehmen. Als ich in Bad Reichenhall ankam überkam mich jedoch die Müdigkeit, denn mittlerweile war ich zwölf Stunden unterwegs. Ich sah nur noch mein Bett vor Augen. Ohne Aufnahmen fuhr ich geradewegs heim um dann sofort für ein paar Stunden zu schlafen. Es war erst gegen 17 Uhr, also stellte ich meinen Wecker, um dann wenigstens noch ein wenig Abendstimmung von Salzburg einzufangen. Gegen 21 Uhr fuhr ich erneut in die Stadt und machte noch ein paar Aufnahmen in der Abendsonne um abschließend in ein Restaurant nahe meines Domizils noch etwas Essen zu gehen. Ich bin wirklich sehr froh darüber, dort eingekehrt zu sein, denn es war das wundervollste Ambiente, was man sich vorstellen kann. Eine herrliche Bierstube mit hervorragendem Essen und einer Bedienung, die seinesgleichen sucht. Noch nie wurde ich so herzlich bewirtet wie hier. Wirklich jeder der Damen und Herren, die einen bedienten, waren ausnahmslos freundlich und zuvorkommend. Kellnerin Natasha ist eine Frohnatur und mit Leib und Seele dabei. Wenn ihr in Salzburg seid, kommt auf jeden Fall vorbei bei Bierheuriger.

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Salzburg am Abend

Auf Wiedersehen Österreich

Der Artikel ist diesmal wirklich sehr lang geworden. Um alle Details zu erwähnen, müsste ich noch unendlich ausholen. Ich fuhr noch an den Attersee, den Mondsee, nach Fuschl am See, nach Gmunden, nach Werfen mit einem sagenumwobenen Schloss und sogar noch an den Obersalzberg sowie Berchtesgarden. Soviele Eindrücke in so kurzer Zeit sind gar nicht zu vermitteln, ohne dass man die Lust am Lesen verliert. Es war jedenfalls unbeschreiblich schön und ich bin überglücklich darüber, dieses tolle Land mit all diesen freundlichen Menschen kennengelernt zu haben. Ich kann jedem nur ans Herz legen, einmal im Leben einen Abstecher hierher zu machen. Vielen Dank liebes Österreich!

~ Ulli

Meine Eltern

Ein besonderer Tag

Juli 2020, mein Vater schrieb mir, ob ich an seinem vierzigsten Hochzeitstag ein paar Bilder schießen könne von ihm und meiner Mutter. Völlig überrascht und nichtsahnend, dass es gerade so ein besonderer Tag ist, willigte ich natürlich sofort ein. Ich packte meine Kamera ein und stieg ins Auto. Meine Eltern wohnen nur ein paar Kilometer von mir entfernt. Während ich auf dem Weg zu ihnen war, dachte ich an Vieles. Ich sah meine Kindheit vor Augen, all die wundervolle Zeit und die guten Ratschläge, die sie mir für das Leben gaben, die Liebe, die sie mir stetig entgegenbrachten und wie sie in jeder Situation hinter mir standen. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit und wie sie immer nur das Beste für mich wollten und das auch in die Tat umsetzten. Trotzdem ich ein Einzelkind bin, haben Sie mich immer zur Offenheit, zur Hilfsbereitschaft und zur Freundlichkeit erzogen. Es begleitete mich ein Hauch Sentimentalität und musste auch zugeben, dass ich nicht immer der beste Sohn für sie gewesen sein muss, denn Flausen hatte auch ich damals im Kopf. Aber dieses Schicksal teile ich ganz sicher mit allen Kindern dieser Welt. Ich war jedenfalls immer sehr dankbar für solch liebevolle Eltern.

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Ankommen

Noch in Gedanken versunken, erreichte ich mein altes Zuhause, mit dem ich soviel Schönes verband. Die Tür zugeklappt, den Rucksack in der Hand, wurde ich wie immer herzlich empfangen. Selbstverständlich wurde mir alles Mögliche angeboten, Saft, Bier, Sekt und Nahrung in jeglicher Form. Ich war noch nicht hungrig und entschied mich für ein kühles tschechisches Bier, mit dem ich auf der Veranda mit meinem Vater Rainer und meiner Mutter Andrea anstieß auf ihren besonderen Tag. Ganze vierzig Jahre verheiratet, Mensch, dachte ich mir, das ist eine verdammt lange Zeit. Wundervoll, dass sie bis heute ein tolles Team sind, für mich das Beste überhaupt. Meine Mutter ist seit einigen Jahren gesundheitlich schwer eingeschränkt und dennoch macht sie immer das Beste daraus und gibt sich niemals auf. Diese Kraft die sie aufbringt und diese liebevolle Selbstlosigkeit, die sie wirklich Jedem erweist, ist für mich einmalig. Ich bewundere Sie sehr dafür und wünsche mir, dass Sie noch viele viele Jahre diese Energie in sich trägt. Mein Vater ist immer an ihrer Seite gewesen, selbst in schwersten Zeiten, kämpfte er wie ein Löwe gegen alle Widrigkeiten an, die ihnen entgegengestellt wurden. Bis heute spürt man die tiefe Zuneigung füreinander. Was gibt es Schöneres? Eine Ehre für mich, die Beiden in so einem Moment festhalten zu dürfen.

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Momentaufnahmen

Wir gingen in ihren wundervollen grünbewachsenen Garten und versuchten ein paar Momente für die Ewigkeit festzuhalten. Eine ziemliche Bürde, die ich mit mir rumtrug, denn gestellte Bilder sind ja nun nicht unbedingt mein Ding, aber ich versuchte den Spagat zwischen gestellten Aufnahmen und situativen Momenten. Ab und zu dirigierte ich sie mal an diese und an jene Stelle, in der Hoffnung, zum Schluss würden ein paar gute Eindrücke entstehen. Insgesamt drückte ich 320 Mal den Auslöser. Am Ende hat es sich gelohnt. Ich bin sehr glücklich, meine Eltern an ihrem Ehrentag festgehalten zu haben.

~ Ulli

Ein Junitag

Momentaufnahmen

Neulich fragte mich eine Freundin, ob ich nicht einmal Zeit hätte, ein paar Momentaufnahmen ihrer Kinder zu machen, denn Sie findet Gefallen an der Art, wie ich Situationen festhalte. Klar, sagte ich, lass mich einfach vorbeikommen und sehen, was dabei entsteht. Ich plane nie etwas wenn es mit der Fotografie zu tun hat. Ich versuche den Augenblick einzufangen und weiß selbst nicht, ob am Ende etwas Besonderes dabei herauskommt.

Auftakt

Samstag Vormittag stieg ich ins Auto und fuhr los. Es war ein herrlicher Tag. Die Sonne schien und das Thermometer zeigte unbarmherzige 32 Grad an. Als ich ankam, wurde ich sehr herzlich begrüßt. Fahima und ihre beiden Kinder empfingen mich in ihrem wunderschönen Domizil. Ihr Mann war leider nicht zugegen, denn er war geschäftlich unterwegs, doch hofften wir alle gemeinsam, dass er sich über die Aufnahmen freut, wenn er sie demnächst zu Gesicht bekommen wird. Ein wenig aufgeregt war ich schon, denn es ist doch eine gewisse Herausforderung diese Art Bilder, wie ich sie mir grob vorstellte, entstehen zu lassen.

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Reportagestil

Nach einigem Smalltalk zückte ich mein Werkzeug und machte die Kleinen erst einmal damit vertraut. Fahima sagte mir, dass die Beiden der Kamera immer etwas schüchtern entgegentreten, also dachte ich mir, zeig sie ihnen erst einmal, vielleicht nimmt ihnen das etwas die Angst. Wir erzählten, die Kinder wuselten um ihre liebende Mutter und ich drückte immer mal wieder auf den Auslöser. Der Anfang spielte sich hauptsächlich in der Küche ab, denn Fahima bereitete ein köstliches Mahl vor. Den Kleinsten im Arm, versuchte ich währenddessen aus den unterschiedlichsten Perspektiven die Augenblicke festzuhalten. Oft kniete ich auf dem Boden, um den Beiden auf Augenhöhe zu begegnen. Das ist übrigens einer der besten Tipps, den ich geben kann, bei Aufnahmen mit kleineren Wesen, wie Kindern oder Tieren, immer auf Augenhöhe gehen, denn das bringt sie am Allerbesten zur Geltung. Relativ schnell entschied ich meine erste Idee zu realisieren und das Ganze in einer Art Reportage zu präsentieren, also alle Personen ohne gestellte Posen aufnehmen, ganz so, wie sie sich in dem jeweiligen Moment eben geben. Natürlich wurde auch das ein oder andere Bild arrangiert, aber es sollte nicht so rüberkommen. Wichtig war mir, dass es interessante Aufnahmen werden, solche, die auch Menschen berühren können, die keinen Bezug zu Fahima und Ihren Kleinen haben.

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Im Freien

Zwischenzeitlich spazierten wir im Garten entlang und hielten hier und da an, um ein paar Bilder zu machen. Es war mittags, eine Zeit, die für die Fotografie äußerst ungeeignet ist, denn die harten Schatten, bedingt durch die pralle Sonneneinstrahlung, wirken sehr oft negativ auf das Endergebnis. Ich versuchte also so oft es geht, mit dem Rücken zur Sonne zu stehen, damit ein einigermaßen brauchbares Ergebnis herauskommt. In meinem Kopf schwirrte schon der Bearbeitungsstil herum: eine Art amerikanischer Stil, der sehr oft gekörnt und eben nicht auf Perfektion ausgerichtet ist. Er unterstreicht meines Erachtens die Situation perfekt. Es gibt Aufnahmen, die technisch gesehen, nicht die Besten sind, doch ist das gar nicht nötig, denn ein Rauschen im Bild kann sich sogar vorteilhaft auf die Stimmung auswirken.

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Die Bilder waren im Kasten

Es vergingen einige Stunden. Man vergisst die Zeit regelrecht bei so einem Vorhaben. Doch ich spürte, dass ein Teil der Aufnahmen etwas werden könnten. Ich drückte Sage und Schreibe 518 mal auf den Auslöser. Natürlich ist am Ende nur ein klitzekleiner Teil für eine Bildpräsentation geeignet gewesen, doch ich war letztendlich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

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Dann ging es wieder nach Hause

Ich hatte das Gefühl, dass alle recht glücklich waren mit meinem Besuch. Es war ein rundum gelungener Tag. Nach der köstlichen Bewirtung und einigen letzten Aufnahmen, schlug ich wieder den Heimweg an und startete noch am selben Abend mit der Bearbeitung dieser Masse an Bildern. Einen Teil davon darf ich hier präsentieren. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden und vielleicht bewegen sie den Einen oder Anderen da draußen ja auch.

~ Ulli

 

 

Poesie des Himmels

In Zeiten wie diesen

Wir alle sind momentan eingeschränkt. Die historisch einmalige Situation, die uns global umgibt, hindert uns daran, ein freies und unbeschwertes Leben zu führen. Zwischenzeitlich schien die Welt gänzlich still zu stehen, nichts regte sich mehr. Leere Straßen kennzeichneten das Stadtbild. Es herrschte absolute Ruhe. Jeder geht unterschiedlich damit um, bewertet die Lage anders, zieht eigene Schlussfolgerungen aus all dem. Die Handlungsmöglichkeiten sind begrenzt, doch habe ich das Glück, einer Leidenschaft zu frönen, der ich auch in diesen schwierigen Zeiten nachgehen kann. Es ist Frühling, eine wundervolle Jahreszeit, um sich auf das Fahrrad zu setzen und sich der Natur zu widmen.

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Auf der Suche nach der Freiheit

Ich fragte mich schon immer, wie ich das Gefühl der Freiheit am besten beschreiben und einfangen kann. Bei meinen Touren durch das Umland fiel mir der stets wolkenbehangene Himmel auf. Oft hielt ich an und starrte minutenlang auf die schwebenden Giganten der Lüfte und genoss die warme Brise, die mich in unberührter Natur umgab. Diese Momente weckten eine innere Freiheit in mir, eine Art Sehnsucht nach der Ewigkeit. Ich befand mich an einem anderen Ort mit gänzlich veränderter Gemütslage. Niemals hätten jegliche Empfindungen beim Anblick dieser Naturschauspiele in stickigen Geschäftsräumen oder während des alltäglichen Verrichtens der Arbeit entstehen können. Doch hier stand die Zeit still. Das fortwährende Unbehagen der Gegenwart und die unendliche Anzahl an permanent einhämmernden Informationen waren in diesem Augenblick gänzlich verflogen. Ich sah nur noch die Momentaufnahmen einzigartiger Erscheinungen, die nie mehr die selben sein würden und kein Mensch je wieder zu Gesicht bekommt. Das war Freiheit. Ich nahm mir vor, das Geschehene für immer festzuhalten und dachte mir, dass vielleicht auch andere Menschen etwas beim Anblick dieses Naturschauspiels empfinden würden.

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Interpretationsversuche

Worte vermögen es kaum zu beschreiben, fast schon poetisch ist die Auseinandersetzung mit dem Wolkenspiel. Über alles erhaben, gleiten sie über uns hinweg. Komplex, formlos und chaotisch sind sie, die weißen Riesen. Mal bedrohlich düster, mal leicht und frohmütig blicken sie auf uns herab. Man kann alles und nichts in ihnen erkennen. Eine ferne Erinnerung, getragen vom Ozean der Lüfte. Kleine Seelenlandschaften, die ein warmes Gefühl des Innehaltens in mir erzeugen. Vielleicht bewegen sie auch etwas in dir.

Lass es dir gut gehen!

~ Ulli

Zu Gast in Gera

Schon seit geraumer Zeit plante ich, meinen alten Schulfreund Randy in seiner neuen Heimat Gera zu besuchen, doch hat es oft aus den unterschiedlichsten Gründen nicht geklappt. Nun aber war ein fester Termin vereinbart, an dem keine Ausrede mehr gelten sollte. Er wohnt schon viele Jahre im östlichen Teil Thüringens samt seiner Familie und scheint sich inzwischen auch sehr heimisch zu fühlen. Meine Kamera im Gepäck, fuhr ich los. Zwar ging ich davon aus, dass eh nicht sehr viel Zeit für einen Rundgang durch die Stadt zur Verfügung stehen würde, denn es kündigten sich noch mehr alte Freunde an, aber es konnte ja sein, dass sich ein wenig Zeit dafür findet.

Von Wittenberg fuhr ich etwas über zwei Stunden auf der Landstraße. Vorbei am schönen Leipzig, erreichte ich schließlich die Hochschulstadt Gera. Ähnlich wie Jena, liegt sie in einem Tal und beherbergt knapp 95.000 Menschen. Sehr gut ausgebaute Straßen führten mich in die relativ zentral gelegene Behausung meines alten Klassenkameraden. Es war schön, sich nach so langer Zeit einmal wiederzusehen. Wir gingen etwas essen auf dem Ferberturm in Gera. Hier gab es eine hervorragende Küche und einen phänomenalen Ausblick. Nach zwei Stunden, die wie im Flug vorbeizogen und bis zur Ankunft der anderen, ging Randy auf mein Hobby ein und schlug vor, etwas durch die Stadt zu ziehen. Natürlich freute es mich und ich nutzte die Gelegenheit, ein paar Eindrücke von Gera zu erhalten. Wir parkten nahe der Innenstadt und liefen bis zum Marktplatz. Was mir auffiel, waren die teilweise wunderschönen Fassaden, die in hohem Maße anzutreffen waren. Zwei der imposantesten Gebäude waren das Rathaus und das Theater Geras. Ersteres erinnerte mich sehr stark an den Baustil des Torgauer Schlosses sowie den, des Residenzschlosses in Dessau. Offensichtlich sind dies Baustile derselben Epoche.

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das Rathaus in Gera

Abschließend ging es noch nach „Untermhaus“, einen Stadtteil Geras, der sich direkt an der weißen Elster befindet. Das war wirklich das Highlight der Führung, eine wundervolle Aussicht und tolle Architektur begeisterten mein Fotoherz. Das Titelbild dieses Artikels zeigt beispielsweise besagten Stadtteil. Ich wäre gern noch länger geblieben, aber inzwischen traf der Rest unserer Gang ein und wir fuhren wieder zu Randys Wohnung. Nun kam es natürlich zu keinen Bildern mehr, denn es gab viel zu viel zu erzählen.

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Blick in die Innenstadt

Am nächsten Morgen frühstückten wir alle gemeinsam und traten dann den Heimweg an. Randy gab mir noch einen Tipp und zwar sollte ich über Ronneburg fahren, dort steht ein altes Schloss, was sicher ein gutes Motiv für mich wäre. Gesagt getan, machte ich mich auf und hielt im beschaulichen Ronneburg an. Nach kurzem Schlendern durch das Örtchen und Smalltalk mit Einheimischen, erreichte ich schließlich das alte Schloss, welches majestätisch empor ragte. Gepaart mit dem düsteren Wetter, ergab es ein Motiv, ganz nach meinem Geschmack. Ich schoss ein paar Bilder und machte mich dann auf den Heimweg. Einen kurzen Stopp legte ich noch in Zeitz ein und versuchte die düstere Atmosphäre festzuhalten. Grauer Himmel, viel Regen und alte Gebäude sind einfach eine grandiose Mischung.

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Schloss Ronneburg

Es war ein wirklich tolles Wochenende. Dass ich sogar noch genug Bilder für einen kleinen Artikel zusammenbekommen habe, freut mich obendrein. Falls du eines Tages in der Nähe sein solltest, halt doch mal an und überzeuge dich selbst vom schönen Gera.

Lass es dir gut gehen!

~ Ulli